Gottesdienstordnungen

Exaudi

Wir zünden eine Kerze an

und halten kurz inne

Eingang                                                                                                                                            

Christus spricht: „Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“ Joh. 12,32

Gebet                                                                                                                                               

Himmlischer Vater, danke für diesen neuen Tag, für diesen Sonntag, an dem wir eingeladen sind, uns auf dich zu besinnen und den Bund, den du mit uns geschlossen hast, zu pflegen und zu erhalten. Danke, dass Du uns zu dir rufst, nicht loslässt, uns umwirbst. Dass die Zusage deiner Liebe gültig ist und bleibt. Danke, dass wir uns bei dir bergen können. Du siehst uns und das, was wir mit uns rumtragen. Hilf uns, diese Last abzulegen, gerade jetzt. Wir wollen dir begegnen, begegne du uns. 

Amen.

Lied: „Gott ist gegenwärtig“ (F&L 1; T: Gerhard Tersteegen 1729; M: Joachim Neander 1680)

Einleitung                                                                                                                                         

Heute ist der 6.Sonntag nach Ostern

Die evangelischen Kirchen wählten den Namen Exaudi aus einer Zeile des liturgischen Wechselgesangs, der Antiphon. Übersetzt bedeutet es »Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe! Sei mir gnädig und erhöre mich!« Oder: Gib mir eine Chance.

Heute geht es um den neuen Bund.

Für mich bedeutet es eine neue Chance. Für das Leben, für die Liebe zu Gott. Wenn Gott mir seine Hand reicht, wenn Gott an meiner Seite steht, wenn Gott meine Stimme hört. Dann gibt er mir eine Chance, dann erneuert er den Bund mit mir. Für ein Leben mit ihm, mit Gott. Dann gibt es ein neues Band zwischen Gott und mir. Ein Band mit Liebe gewebt, gesponnen, geflochten. Denn ein neuer Bund ist eine neue Chance, ein neues Band, unsichtbar, aber fühlbar durch seine Liebe.

Lied: „Herr, das Licht deiner Liebe leuchtet auf“ (F&L 41; T+M: Graham Kendrick 1988; Deutsch: Manfred Schmidt 1990)

Textlesung – Jeremia 31,31-34

Der neue Bund 

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR

Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.

Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

Lied „Von deinen Worten können wir leben“ (F&L 99; T+M: Manfred Siebald 1992)     

Angedacht

Nur eine Bitte habe ich an den HERRN, das ist mein Herzenswunsch: Mein ganzes Leben lang möchte ich in seinem Haus bleiben, um dort seine Freundlichkeit zu schauen und seinen Tempel zu bewundern. Wenn schlimme Tage kommen, nimmt der HERR mich bei sich auf, er gibt mir Schutz unter seinem Dach und stellt mich auf sicheren Felsengrund. Dann triumphiere ich über die Feinde, die mich von allen Seiten umringen. Im Tempel bringe ich ihm meine Opfer, mit lautem Jubel danke ich dem HERRN, mit Singen und Spielen preise ich ihn. HERR, höre mich, wenn ich rufe; hab doch Erbarmen und antworte mir!

Diese Verse sind Psalm 27 entnommen und werden König David zugeschrieben. David ist zu der Zeit, als er dieses Lied dichtete, auf der Flucht vor Saul, dem ersten König Israels. Die Gründe für die Flucht sind vielfältig und spielen keine Rolle. Aber offenbar war David nicht nur auf der Flucht, er war auch von allem abgeschnitten, was ihm kostbar und bedeutsam war. Der Zugang zum Tempel war ihm verwehrt, vermutlich musste er sich von seinen Eltern trennen und er wurde verleumdet. Üble Nachrede nennt man das heute. David sehnt sich. 

Er sehnt sich nach tiefer und fester Bindung, nach Schutz und nach einer innigen und unverbrüchlichen Gemeinschaft mit Gott. Nur eine Bitte habe ich an den HERRN, das ist mein Herzenswunsch: Mein ganzes Leben lang möchte ich in seinem Haus bleiben… David sehnt sich nach einer festen Bindung an Gott. 

Als meine Ehe scheiterte, hatte ich eine große Angst: Ich könnte meinen Glauben verlieren, meine Beziehung zu Gott aufgeben. Vielleicht kennst du ja ähnliche Situationen in deinem Leben. Zeiten, in denen dein Glaube auf wackligen Füßen stand und du dich mit aller Kraft an Dingen oder Orten orientiert und festgehalten hast, die dich mit dem in Verbindung brachten, was dir bis dato immer kostbar gewesen war. 

Vielleicht kennst du das nicht und stattdessen stellt die jetzige Zeit für dich diese Herausforderung dar. Du kannst nicht ohne weiteres die Menschen treffen, die dir wichtig sind. Kirchgang ist kaum möglich. Begegnungen aller Art sind beschränkt auf Abstandhalten, Zeitbegrenzung und Nase-Mund-Schutz. Alles ist anders und das gewohnte, vertraute und auch Sicherheit Gebende ist weg. Und wie richtig und notwendig diese Maßnahmen auch sind: Es sind Einschränkungen und sie tun weh. 

Nur eine Bitte habe ich an den HERRN. 

Egal, welche Einschränkungen, welches Scheitern, welche Ablehnung auch immer dir begegnen: Gott ist mit und bei dir. Du bist nicht allein. 

Seit elf Wochen haben wir uns nicht gesehen. Seit elf Wochen kein Kirchgang, keine Begegnung mit den Glaubensgeschwistern. Eine Trennung, die wir alle nicht gewollt haben und deren Ende wir wohl herbei sehnen. David, der große König Israels, singt davon ein Lied. Ein Lied von Verlust, Verrat und Sehnsucht. Und zugleich ein Lied von großem Vertrauen in die Fürsorge Gottes. 

Die Fürsorge Gottes hat auch der Prophet Jeremia auf dem Zettel. Wir haben vorhin davon gelesen. In Kapitel 31 ist die Rede von einem neuen Bund, den Gott mit den Menschen schließen wird. Das wird ein Bund voll Fürsorge für den Menschen sein. 

Gott spricht, dass der neue Bund nicht auf Tafeln aus Stein, sondern in Herz und Gewissen geschrieben wird. Tafeln aus Stein zerbrechen, verwittern, gehen vielleicht sogar verloren. Gott selbst sorgt dafür, dass der neue Bund weder zerbrechen noch verloren gehen kann. Er schreibt das, was den Bund ausmacht in unsere Herzen und den Sinn, oder auch das Gewissen.

Doch schauen wir näher hin. Es kommt eine Zeit, spricht Gott, da werde ich mit Israel und Juda einen neuen Bund schließen. Die, die seit langer Zeit zerbrochen und zerrüttet sind, werden Bundespartner sein. Bundespartner – gleichberechtigt, gleichversorgt. 

Gott sieht nicht in die Vergangenheit, für ihn zählt das, was ist und daraus werden kann. Ich werde einen Bund schließen, sagt Gott. Das ist keine missverständliche Willenserklärung, sondern eine Zusage, ein Verspechen. Es wird so sein – ohne wenn und aber. Die beiden zerstrittenen Parteien werden Teil von etwas ganz Neuem sein. Ein neuer Bund gegen alte Feindschaft. 

Ein Lied aus meiner Jugendzeit hat es mir angetan. „Wie ein Fest nach langer Trauer“ heißt es und es beschreibt, wie wunderbar Neuanfänge sind. Wie lebendig und hoffnungsvoll. Neuanfänge – ich glaube, dass viele Menschen sich danach sehnen, dass alte Wunden und Risse heilen, dass Neuanfänge möglich sind. Indem Gott durch den Propheten Jeremia die beiden verfeindeten Brüder Israel und Juda nennt und ihnen einen neuen Bund zusagt, greift er dieses Sehnen auf. Ich werde einen neuen Bund mit euch schließen und eure Ressentiments gegeneinander spielen keine Rolle mehr. 

Und sind zu Beginn unseres Textes noch „das Volk von Israel und das Volk von Juda“ die Adressaten des göttlichen Versprechens, ist es am Ende das Volk Israel. Das ganze Volk. Gott will keinen Zerbruch und keine heillosen Zustände. Im Gegenteil, er setzt alles daran, dass Vergebung und Heilung und somit Neuanfang möglich wird. Er setzt alles daran, kämpft, streitet dafür. Die Bedeutung des Namens Israel ist nicht vollständig zu erklären. Aber vermutlich heißt es: Gott kämpft oder streitet. Gott streitet für seine Menschen. Er rettet, er ordnet, er liebt. 

Der alte Bund war ein Bund von oben nach unten. Gott rettet durch seinen Diener Mose das Volk Israel aus ägyptischer Knechtschaft. Die Rettung ist abenteuerlich und gewalttätig – Stoff für Albträume. Gern im 2. Buch Mose nachzulesen. Aber es ist eine Rettung, die verordnet wird. Es dauert dann auch nicht lange, da fängt das Volk schon an zu murren. Es muss ein Gesetz her. In Stein gemeißelt – wie das Gesetz der Meder und Perser, das, in Stein gehauen, unumstößlich war und nicht einmal durch den König aufgehoben werden konnte. Das Gesetz vom Berg Sinai hatte diese  unumstößliche Bedeutung für das Volk Israel. Ein Gesetz, den Menschen zum Leben gegeben, in Stein gehauen, verordnet. 

Ich bin nicht gegen Gesetze – im Gegenteil. Sie ordnen das Miteinander der Menschen und ohne Gesetze würde das Gesetz des Stärkeren gelten. Alle Schwachen, Alten, Kranken, Kinder, Frauen, Alleinlebenden und viele weitere würden unterliegen. Darum regeln Gesetze das Zusammenleben und Verordnungen sind Hilfe für die Umsetzung der Gesetze. Aber Gesetze sind eben keine Herzenssache. 

Der neue Bund, den Gott mit den Menschen schließt, ist ein Beziehungsbund. Gott rettet, Gott ordnet, Gott liebt. Gott verankert sich in unseren Herzen. 

Zu recht könnte man fragen, was das alles mit uns zu tun hat. Wir sind nicht Israel. Wie können wir diesen Text für uns anwenden? Ist das nicht anmaßend?

Der neue Bund – und das ist die Grundlage unseres Glaubens – gründet sich in Jesus Christus, an den wir glauben, dem wir vertrauen, der das Licht in unserem Leben und dessen Weisung für uns verbindlich ist. Jesus Christus ist der Messias, Gottes Antwort auf unsere Suche nach Heil und Heilung und geheilter Beziehung – auch zu Gott. 

Was ist das mit Jesus – werde ich manchmal gefragt. Wer ist Jesus für dich? Ich antworte dann oft so, dass ich erkläre, dass Jesus die Art Gottes ist, sich uns sichtbar und greifbar zu machen. So zeigt sich Gott und so zeigt er uns seinen unbedingten Willen zur Beziehung mit uns.

Nur, wenn du das glaubst, verändert es alles. Glauben ist Herzenssache. Der Glaube gehört ins Herz. Nicht, weil es da so schön gefühlig ist. Das wäre zu wenig und auch wenig haltbar und fundiert. Das Herz ist aber nach biblischem Verständnis der Sitz des Verstandes. Herz und Verstand werden nicht getrennt. Und mit dem Herzen treffen wir kluge, weise Entscheidungen. 

Darum ist auch der neue Bund im Herzen und im Sinn am rechten Platz. Gott schreibt sein Gesetz in unser Herz und lädt uns ein, dieses Gesetz mit Leben zu füllen und es so zu erfüllen. 

Das ist mein Herzenswunsch, dass ich möge bleiben im Hause Gottes immerdar – so bittet König David. Und er wünscht es sich lange vor dem Zerfall Israels und der Feindschaft zwischen Juda und Israel. Lange bevor Jeremia berufen wurde, den neuen Bund anzukündigen, war David klar, dass die Sache mit Gott zutiefst Herzenssache und keine sterile Religionsausübung ist. 

Ja, es kann in deinem Leben diese Zeit geben, in der der Heilige Ort eben nicht der Tempel oder die Kirche ist. Es kann diese Zeit geben, in der du neue Wege finden musst, um deinem Glauben Raum zu geben. Es kann sein, dass alle Strukturen auseinanderfallen oder zumindest nicht mehr anwendbar sind. Und doch ist Gott da. Der neue Bund ist völlig anders als der alte. Es ist ein Bund von Angesicht zu Angesicht, auf der Beziehungsebene, dessen Gesetz in Herz und Sinn geschrieben ist. 

Dies aber ist der stabilste und verlässlichste Ort. Herz und Sinn gehören zusammen zum neuen Bund, durch Jesus Christus verankert und versiegelt.

Gott streitet für uns: Gott rettet uns, Gott ordnet das Chaos um uns, Gott liebt – auch gegen alle Lieblosigkeit. Das ist der neue Bund und du bist eingeladen, diesen Bund zu ratifizieren, ihn in deinem Leben gültig zu machen. Der Liebende selbst lädt dich ein.

Amen

Lied: „Ich will dich loben, ich möchte dir danken“ (F&L 411; T+M: Jörg Streng 1999)  

Stille

In der Stille sammeln wir unsere Gedanken und Gefühle, unser Hoffen und Sehnen

Gebet  

Geist der Wahrheit, Liebe Gottes komm und zieh bei uns ein. Du erfüllst die Herzen. Du stärkst die Schwachen. Wir bitten dich für alle, die in diesen Tagen ratlos sind – für alle, die in Angst sind – weil sie in Katastrophengebieten leben müssen, für alle, die trauern – für alle, die ihre Familien, ihre Freunde vermissen. Komm und sprich, damit die Schwachen aufatmen. Und rüttele die Starken auf, damit sie helfen und stärken, dein Werkzeug sind. Wir bitten für alle, die über andere entscheiden für die Regierung, für die Forscher und Virologen sei die Richtschnur; für alle, die mit ihrem Tun und Lassen, Weichen stellen – zeige ihnen den Grund der Welt. Wir bitten Dich für die, die unsere Partner und Freunde sind für die, die in dieser Zeit getauft, konfirmiert, gesegnet werden sollten für die, die in dieser Zeit durch ihre Ideen andere aufmuntern und stärken. Verwurzele uns immer tiefer in deiner Liebe. In deinem neuen Bund, in der heutigen virtuellen Zeit. Lass uns dich erkennen und nicht aufhören, nach dir zu fragen. Dir vertrauen wir uns an, Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, heute und alle Tage.

Unsere Gedanken und Gefühle, alle Ängste und alle Schuld, alles bringen wir in dem Gebet vor Jesus, dass er selbst seinen Jüngern gelehrte hat :    

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, 

wie im Himmel, so auf Erden. 

Unser tägliches Brot gib uns heute 

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit. In Ewigkeit. Amen. 

Lied „Friede sei nun mit euch allen“ (F&L 118; T: Gerard Moultrie 1864 aus dem Griechischen, D: Erich Griebling 1969; M: 17. Jh. Frankreich)   

Segen                                                                                                                                               

Wir öffnen die Hände und sprechen laut den Segen: 

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. 

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden. 

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, 

unserem Herrn

Amen

Rogate!

Wir zünden eine Kerze an

und halten kurz inne

Eingang                                                                                                                                            

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir nimmt. 

Psalm 66,20

Gebet                                                                                                                                               

Vater im Himmel, danke für diesen neuen Tag, für den Gottesdienst, den wir feiern können, der uns mit dir und unseren Geschwistern im Glauben verbindet. Du lädst uns ein, hast Sehnsucht nach uns. Wecke in uns die Sehnsucht nach dir und segne uns. 

Amen.

Lied: „Herr, ich sehe deine Welt“ (F&L 486; T+M: Peter Strauch 1977) 

  1. Herr, ich sehe deine Welt, das weite Himmelszelt, die Wunder deiner Schöpfung. Alles das hast du gemacht, den Tag und auch die Nacht; ich danke dir dafür. Berge, Flüsse und die Seen, die Täler und die Höhn sind Zeichen deiner Liebe. Sonne, Wolken, Sand und Meer, die loben dich so sehr, sie preisen deine Macht. 

Refr.:   Darum bete ich dich an, weil ich nicht schweigen kann, die Freude füllt mein Singen. Staunend habe ich erkannt: ich bin in deiner Hand, und du lässt mich nicht los. 

  • Auch die Menschen sind von dir und haben Leben hier durch deine große Güte. Fühlen, Wollen und Verstand sind Werke deiner Hand, entstammen deinem Plan. Ist der Mensch auch sehr entstellt, weil er die Sünde wählt, du willst ihn nicht zerstören. Deine Liebe macht ihn frei von aller Tyrannei, wenn er auf dich vertraut. 
  • Herr, weil du der Herrscher bist und alle Menschen siehst, bin ich in dir geborgen. Kleinste Wesen in der Welt, das große Sternenzelt hältst du in deiner Hand. Du regierst auch unsre Zeit, und bald ist es so weit, dann wirst du sichtbar kommen. Mit uns sehnt sich die Natur und alle Kreatur nach deiner Herrlichkeit. 

Einleitung                                                                                                                                         

Heute, am Sonntag Rogate, geht es um das Gebet. 

Was ist beten? Beten wird auch Reden mit Gott genannt. 

Beim Beten sind der Verstand, das Gefühl und das Herz aktiviert, und manchmal wird es durch äußere Gesten wie Hände falten, knien, Kopf senken oder Augen schließen unterstützt. Ein Gebet kann leise oder laut sein, gesungen, gesprochen, geschrien,  sprachlos sein, aber es richtet sich immer an Gott. 

Beten ist kommunizieren mit Gott. Es ist zuhören, schweigen und auch abwarten, es ist ein aktiv erwarten, es ist ein Verbunden sein mit Gott.

Beten ist loslassen und auftanken, jubeln und danken, aber auch abgeben der Sorgen und Probleme. Das kann dazu führen, dass ich Menschen, Situationen oder Nöte  aus einer anderen Perspektive, in einem anderen Blickwinkel sehe. 

Gebet ist die Verbindung des Weinstocks zur Rebe. Gebet ist Lob, Dank, Bitte, Fürbitte und mehr.

Lied: „Ich lobe meinen Gott“ (F&L 62; T(nach Ps 9,2-3.8-10)+M: Claude Fraysse 1982 ) 

Aktion                                                                                                                                               

Die Orte des Gebets können verschieden sein. Es gibt feste Orte zum Gebet in der persönlichen stillen Zeit, im Gottesdienst, zu den Mahlzeiten, und dann die vielen kleinen Gebete im Laufe des Tages, im Haus, beim Autofahren, auf der Arbeit, beim Spazieren gehen, die von Danksagungen bis Stoßgebete auch alles beinhalten können. 

Eine gute Angewohnheit kann sein oder werden, den Tag am Abend in Gottes Hände zurück zugebenDabei kann ich mir folgende Fragen stellen:

  • Was hat mich froh gemacht?
  • Wofür kann ich danken?    Aber auch
  • Was ist offen geblieben?
  • Was nehme ich mit?
  • Welche Menschen sind mir wichtig gewesen?
  • Für wen möchte ich beten?

Die Fragen werden von Abend zu Abend, von Person zu Person, andere Schwerpunkte haben.

Hast du so etwas schon einmal ausprobiert, den Tag so vor Gott ausgebreitet? 

innehalten, reflektieren

Das Vaterunser, das Gebet, das wir persönlich von Jesus bekommen haben, soll uns anleiten und lehren, wie wir beten können. Wenn du die vertrauten und gleichzeitigen aktuellen Zeilen betest kommen dir vielleicht Gebetsimpulse darüber hinaus. Zum Beispiel: 

  • Wofür kann ich danken, wer ist mein Nächster, für wen möchte ich beten?

Lasst uns gemeinsam beten, jeder für sich zuhause, trotzdem vereint als Gemeinde und allen Christen auf der ganzen Welt, die heute überall und zu jeder Stunde mitbeten.

Vaterunser                                                                                                                                       

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name. 

Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute. 

Und vergib uns unsere Schuld, 

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. 

Und führe uns nicht in Versuchung, 

sondern erlöse uns von dem Bösen. 

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Lied „Bist zu uns wie ein Vater“ (F&L 82; T (nach Mt.6,9-13): Christoph Zehender 1995: M: Hans Werner Scharnowski 1995)     

Abendmahl                                                                                                                                       

Lukas 22,14-20 – Basisbibel

Als die Stunde für das Passamahl gekommen war, legte sich Jesus mit den Aposteln zu Tisch. Und Jesus sagte zu ihnen: »Ich habe mich sehr danach gesehnt, dieses Passamahl mit euch zu essen, bevor mein Leiden beginnt. Das sage ich euch: Ich werde das Passamahl so lange nicht mehr essen, bis es in Vollendung gefeiert wird im Reich Gottes.« Dann nahm Jesus den Becher, sprach das Dankgebet und sagte:

»Nehmt diesen Becher und teilt den Wein unter euch! Das sage ich euch: Ich werde von nun an keinen Wein mehr trinken – so lange, bis das Reich Gottes kommt.«

Anschließend nahm er das Brot und sprach das Dankgebet.

Gott, du schenkst uns das Brot, die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit. 

Lass dieses Brot für uns zum Brot des Lebens werden.

Er brach das Brot in Stücke, gab es ihnen und sagte: »Das ist mein Leib. Er wird für euch gegeben. Tut das immer wieder zur Erinnerung an mich.«

            Brot essen

Genauso nahm Jesus nach dem Essen den Becher und sagte: »Dieser Becher steht für den neuen Bund, den Gott mit den Menschen schließt. Er kommt zustande durch mein Blut, das für euch vergossen wird.«

Du schenkst uns die Frucht des Weinstocks, das Zeichen des Festes.
Lass diesen Kelch für uns zum Kelch des Heils werden.

            Kelch trinken

Lied „Dein Wort ist ein Licht auf meinem Weg“ (F&L 100; T+M: Amy Grant / Michael W. Smith 1983)     

Angedacht                                                                                                                                                    

Beten bedeutet für jeden etwas anderes. Für manche ist das Gebet eine Art Puffer, für andere eher ein Entlastungsritual. Vor allem dann, wenn Druck rausmuss oder eine schwierige Entscheidung ansteht, sind Stoßgebete bewährt. Die Sache mit dem Stoßgebet lag mir lange Zeit so gar nicht. Es gab da immer so eine innere Sperre, eine Art Verbot. Nach dem Motto: Stoßgebete sind nur erlaubt, wenn du auch „anständig“ betest. Das ist natürlich Blödsinn. Aber es saß tief in mir: Wenn ich das eine nicht erfülle, dann geht aber auch das andere nicht, dieses „mal eben ein Gebet loslassen“. Ein hoher Anspruch und eine unnötige Zensur. Doch wie betet man richtig? Gibt es ein Richtig?

In der Antike war das Gebet Sache des Kultpersonals. Ein Laie hätte es kaum gewagt, ein Gebet zu formulieren. Beten war etwas, das man lernen, wofür man ausgebildet sein muss. Wer ein Gebet formuliert, muss wissen, was er tut. 

Es ist also kein Wunder, dass Jesus seinen Jüngern erklärt, wie sie beten sollen. Lesen wir Matthäus 6, 5-15.

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten. Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. Darum sollt ihr so beten:

Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt.

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. [Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.]

Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

Mein eigenes Gebetsleben ist in ständiger Entwicklung. Und ich habe noch nicht die eine Methode gefunden, wie ich zu beten habe. Die Bibel gibt viel mehr Empfehlungen zum Gebet, als diese eine hier im Matthäusevangelium. Das Vaterunser findet sich auch im Lukasevangelium – zumindest sehr ähnlich, wenn auch deutlich kürzer. Außerdem sind die Briefe des Neuen Testaments voll von Tipps zum Thema Gebet. Gemeinsam ist allen Stellen, dass das Beten ein Ausdruck von Beziehung ist. Beziehung zu dem, dem mein Gebet gilt – nämlich Gott. Gott als Adressat meiner Gedanken, meines Lobs und Danks, meiner Fürbitte und meiner Klage. 

Manche Zeiten sind wie geschaffen für ein intensives Gebetsleben. Konzentration auf das Wesentliche ist unproblematisch. Die Gedanken lassen sich festhalten und fokussieren. Zu Gott zu kommen, in mein stilles Kämmerlein, ist geradezu ein Selbstläufer. Es gibt einfach nichts, was mich ablenkt. Im Gegenteil. Diese Zeiten sind sehr erfüllend und nährend. Meine Seele findet Ruhe, Ruhe bei Gott.

Genauso kenne ich aber auch Zeiten, in denen ich keinen einzigen Gedanken formulieren, geschweige ihn vor Gott bringen kann. Das Gedankenkarussell dreht sich immer schneller. Je mehr ich versuche, in die Ruhe zu kommen, desto lauter werden die vielen inneren und äußeren Aufträge an mich: Ich muss das noch, ich muss jenes noch. Habe ich daran gedacht? Das darf ich auf keinen Fall vergessen… und so weiter. 

Wenn du betest, geh in dein Kämmerlein, rät Jesus seinen Freunden. Geh in dein Kämmerlein, sperr aus, was dich ablenkt. Dieses Kämmerlein kann ganz verschieden aussehen. Ich kann tatsächlich einen Ort aufsuchen, an dem ich Ruhe finde und nichts mich ablenken kann. Es kann aber auch eine Haltung sein, die ich einüben kann. Am besten übt sich diese Haltung in den Zeiten, in denen das Beten wie ein Selbstläufer ist. Dann kann ich das Kämmerlein in den hektischen, heillos wirkenden Zeiten abrufen und so Ruhe finden. Ruhe, um meine Beziehung zu Gott, dem Vater und Schöpfer zu leben und zu pflegen. 

Und dann bete. Sprich aus, was in dir ist und höre auf das, was der Vater im Himmel dir zu sagen hat. Der Vater, der das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten. Der verborgene Gott sieht das Verborgene. Jahrelang dachte ich dabei an all die Dinge, die vielleicht nicht so toll sind. All meine Schuld, die ich immer wieder auf mich lade – bewusst und auch unbewusst. Ich habe Gott als den Überwacher meines Lebens gesehen. Das fand ich nicht weiter problematisch, weil ich mich so sehr angenommen und geliebt fühlte und fühle, dass es mir nicht wichtig war, dass Gott irgendwas nicht mitbekommen soll. Aber es fehlte was. 

Gott sieht das Verborgene. Das Verborgene zu reduzieren auf das, was uns vielleicht von Gott trennen könnte, ist zu kurz gedacht. Das Verborgene sind vor allem meine Gedanken, die ich manchmal einfach nicht sortiert bekomme. Die Sorge und die Ungewissheit, die Angst vor morgen und die ungeklärten Beziehungen. Die Verletzungen, die ich anderen zugefügt habe und die mir zugefügt wurden. Vor Gott, der im Verborgenen ist, sind diese ganzen verworrenen und verwirrenden Dinge klar. Ich muss mich nicht um wohlfeile Worte bemühen. Er versteht, denn auch das Verborgene sieht er und ordnet es richtig ein. 

Gott weiß, was wir bedürfen, bevor wir ihn bitten. Warum dann überhaupt noch bitten? Indem ich meine Bitte formuliere, erkenne ich, was ich wirklich brauche. Es geht hier um ein echtes Bedürfnis. Klar haben auch Wünsche ihren Platz. Aber Wünsche und Bedürfnisse sind eben nicht dasselbe. Manches klärt sich schon, indem ich versuche, es in Worte zu fassen. 

Das Gebet, das Jesus seinen Jüngern und damit auch uns gibt, bringt alle Bedürfnisse auf den Punkt, also all das, was der Mensch wirklich braucht: 

  • Eine lebensbejahende und fördernde Beziehung. Jesus spricht Gott als Vater, eigentlich als Papa, an. Und das „unser“ nach dem Vater zeigt deutlich: Wir sind Teil eines Ganzen. Der Mensch, der dieses Gebet spricht, spricht es als Gottes Kind und ist als solches Teil einer Familie.
  • Die Bitte um das tägliche Brot, also um das, was wir wirklich täglich zum Leben brauchen. 
  • Vergebung – wir leben davon, dass uns vergeben wird. Natürlich muss ich ehrlich sein vor mir selbst und erkennen, dass ich weit entfernt von einem Leben ohne Schuld bin. Wenn ich aber verstehe, wie nötig ich Vergebung habe, wird es leichter, vergebungsbereit zu sein. Darum lautet die Bitte im Vaterunser auch: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben haben, denen, die an uns schuldig wurden. Wir haben uns an die Verkürzung gewöhnt. Aber eigentlich geht es darum, dass wir vergebungsbereit sind und dann auch um Vergebung bitten können. 
  • Führe uns nicht in Versuchung – eine der am wenigsten zu verstehenden Bitten. Die ersten Bitten sehen voll Vertrauen  auf Gott, diese Bitte ist voll Angst. Gott, der uns versuchen könnte – ein Gottesbild, das vielleicht in der Zeit nach Ostern, nach der Auferstehung, entstanden ist, als die Jünger merkten, dass es Versuchungen gibt und hier Hilfe nötig wird. Die Formulierung, an die wir seit Jahrhunderten gewöhnt sind, ist irreführend und unzureichend übersetzt. Ich erspare uns hier die Details. Aber das Wort, das im Griechischen für Versuchung steht, ist eigentlich eher als „Bewährungsprobe“ zu übersetzen. Also könnte man sagen: Führe uns nicht in eine Bewährungsprobe. Oder auch: Erspare uns eine Bewährungsprobe. Und dann macht auch der zweite Teil dieser Bitte mehr Sinn: Sondern erlöse uns von dem Bösen. Näher am Text: Reiße uns aus der Macht des Bösen. Bei Lukas fehlt dieser Teil im Übrigen ganz. Möglicherweise gehört der Gedanke, dass Gott den Menschen versuchen könnte, bzw. ihn einer Bewährungsprobe unterziehen würde, nur zu einem Teil der frühen Christenheit. Für andere – die anderen Evangelien geben dieses Gebet überhaupt nicht wieder – spielt dieser Gedanke keine Rolle. 

Wie sollen wir beten? Ich sagte es schon, mein eigenes Gebetsleben ist in ständiger Entwicklung. Ich versuche Methoden, probiere Formulierungen, Gebetslieder, Psalmen. Zurzeit bete ich mit Farben – praying color nennt sich die Methode. Das ist interessant und öffnet neue Räume, eignet sich aber vor allem für abgegrenzte Zeiten. 

Was ich aber über all die Versuche, „richtig zu beten“ gelernt habe: Beten ist Ausdruck meiner Beziehung zu Gott. Gott lädt uns ein, mit ihm zu reden, auf ihn zu hören, neue Kommunikationswege auszuprobieren und bewährte auszubauen. Aber was er vor allem möchte: 

  1. Dass ich ihn anspreche.
  2. Dass ich dabei bei mir bleibe und mein Inneres mit ihm teile.
  3. Dass ich ihm voll vertraue. 

Wir sind eingeladen zum Gebet. Das Vaterunser ist dabei ein Weg, längst nicht der einzige, aber in diesem Gebet ist zumindest das in Worte gefasst, wessen wir bedürfen. Gott sei Dank. Amen

Stille

In der Stille sammeln wir unsere Gedanken und Gefühle, unser Hoffen und Sehnen

Gebet                                                                                                                                                

Wir bitten dich: Schau auf die Leidenden.
Du kennst die Not, du spürst ihre Schmerzen, du hörst ihre Klagen.
Auf dich hoffen die Kranken, die Verletzten, die Trauernden.
Auf deine Liebe hoffen die Verzweifelten, die Sterbenden.
Reiße sie aus den Schmerzen, rette sie.
Zu dir rufen wir: Erbarme dich.

Wir bitten dich: Sprich zu den Mächtigen.
Du kennst die Versuchungen, du hörst ihre Fragen, du siehst die Schuld.
Auf Frieden warten die Völker, die Menschen in Syrien und im Jemen, im Irak und Afghanistan.
Auf Gerechtigkeit hoffen die Hungernden, die Heimatlosen, die Verfolgten, rette sie.
Zu dir rufen wir: Erbarme dich.

Wir bitten dich: Höre die Gebete deiner weltweiten Gemeinde.
Du siehst ihren Glauben. Deinem Heiligen Geist vertrauen wir. Um deinen Heiligen Geist bitten wir
für alles, was wir in deinem Namen tun.
Bewege und erneuere uns, leite uns.
Zu dir rufen wir: Erbarme dich.

Wunderbar ist deine Liebe. Erfülle uns mit deinem Frieden und segne uns, heute und alle Tage.
Amen.

Lied „Meine Zeit steht in deinen Händen“ (F&L 415; T+M: Peter Strauch 1981)   

Segen                                                                                                                                               

Wir öffnen die Hände und sprechen laut den Segen: 

Der Herr segne dich und behüte dich. In allem, was dir widerfährt, in allem Guten und in allem Unguten lasse Seine Hand dich nicht los. Der Herr lass sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Gnädig auch dann, wenn du selbst es nicht sein kannst. Seine Gnade erreiche dein Herz in jeder Minute eines jeden Tages. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir seinen Frieden. Den Frieden, der alles heil machen kann, der jeden Winkel und jede verborgene Stelle deines Seins erfüllen kann und will. 

So segne und behüte uns Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist. 

Amen

Kantate

Wir zünden eine Kerze an

und halten kurz inne

Eingang

Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder. Psalm 98,1

Gebet

Himmlischer Vater, Schöpfer des Lebens, du tust auch heute Wunder. Wenn wir uns umsehen und mit den Augen des Herzens sehen, können wir sie auch entdecken. Ich bitte dich, zeige uns deine Herrlichkeit, dein Wirken. Lege ein neues Lied in unseren Mund, erfülle uns mit Musik und segne uns.

Einleitung

Wenn ich ganz unten bin überlege ich mir, was mir guttut. Manchmal ist es der Rückzug, einfach alleine sein. Keinen Wirbel, auch nicht durch eine zweite Person. Was mir Seelenbalsam bedeutet: morgens um 4:30 Uhr aufstehen und darauf warten, dass die Vögel anfangen zu zwitschern. Erst einer, dann antwortet ein zweiter ganz fröhlich. Auf einmal stimmen immer mehr mit ein. Berauschend.

Das geht aber nicht immer. Schon gar nicht, wenn du am zeitig aufstehen keine Freude hast. Aber jeder man immer machen kann und jedem unterschiedlich hilft, ist Musik. Für jeden kann es eine andere Musik sein und manche singen auch selbst gern. Musik kann guttun und die dunklen Wolken und Gedanken vertreiben. „Smoke on the water“ würde mir in einer angespannten oder traurigen Verfassung nicht guttun. Auch kein Tschaikowsky oder Beethoven sind dann eher fehl am Platz. Für mich ist etwas ruhiges, klassisches hilfreich. Bach, Telemann oder ein Schütz Choral. Ich will zur Ruhe kommen. Diese Musik fängt meine bekümmerte Seele ein. Sie ist Medizin für mich.

Lied: „Herr, im Glanz deiner Majestät“ (F&L 36; T: (nach Ps 36,10; Joh 4,14) und M: Uwe Peters 1991)

Textlesung Psalm 98 

Lied „Singt, singt dem Herren neue Lieder“(F&L 9; T: Matthias Jorissen 1798, M: Guillaume Franc 1543 – Melodie: „Jauchzt alle Lande“)

Aktion – Dein frommes Lieblingslied

Welches fromme Lied bewegt dein Herz auf besondere Weise? Mit welchem Lied auf den Lippen kann man dich am ehesten antreffen?

Lied „Ich lieb dich, Herr“(F&L 44; T+M: Laurie Klein 1978; D: Gitta Leuschner 1983)

Angedacht

Wenn meine Seele leicht ist, fange ich an zu summen oder vor mich hin zu singen. In der Regel sind das fromme Lieder, Lieder, die Gott loben und seine Schöpfung bestaunen. Es ist ein sicheres Signal, sagte meine große Tochter mal, dass bei mir alles wieder gut ist, wenn ich anfange zu singen.

Leider gab es eine Zeit in meinem Leben, da sang nichts in mir. Ich war einfach ausgebrannt, hatte keine Energie mehr. Das einzige, was mich aufrecht hielt, war die Liebe zu meinen Kindern und die Ahnung, dass Gott genau in dieser Zeit ganz nah war. Er richtete mich immer auf und schenkte meiner Seele die Kraft seines Geistes. Vielleicht klingt das sehr fromm oder fremd für dich. Aber genau so habe ich es erlebt. In der dunklen Zeit in meinem Leben, schenkte Gott mir immer wieder Licht. Häufig kam dieses Licht durch Musik zu mir. Das war in der Regel Musik aus dem kirchlichen Umfeld. Loblieder, Choräle, Heilslieder.

In der letzten Woche ging es um die Nähe Gottes, heute geht es um die heilende Kraft der Musik für die Seele. Meine feste Überzeugung ist: Beides gehört zusammen.

Der Text, der heute Grundlage für die Andacht ist, steht im 1. Buch Samuel. Da lesen wir:

Der Geist des HERRN aber wich von Saul, und ein böser Geist vom HERRN verstörte ihn. Da sprachen die Knechte Sauls zu ihm: Siehe, ein böser Geist von Gott verstört dich. Unser Herr befehle nun seinen Knechten, die vor ihm stehen, dass sie einen Mann suchen, der auf der Harfe gut spielen kann, damit, wenn der böse Geist Gottes über dich kommt, er mit seiner Hand darauf spiele, und es besser mit dir werde.

Da sprach Saul zu seinen Knechten: Seht nach einem Mann, der des Saitenspiels kundig ist, und bringt ihn zu mir. Da antwortete einer der jungen Männer und sprach: Ich habe gesehen einen Sohn Isais, des Bethlehemiters, der ist des Saitenspiels kundig, ein tapferer Mann und tüchtig zum Kampf, verständig in seinen Reden und schön, und der HERR ist mit ihm. Da sandte Saul Boten zu Isai und ließ ihm sagen: Sende deinen Sohn David zu mir, der bei den Schafen ist. Da nahm Isai einen Esel und Brot und einen Schlauch Wein und ein Ziegenböcklein und sandte es Saul durch seinen Sohn David.

So kam David zu Saul und diente ihm. Und Saul gewann ihn sehr lieb, und er wurde sein Waffenträger. Und Saul sandte zu Isai und ließ ihm sagen: Lass David mir dienen, denn er hat Gnade gefunden vor meinen Augen. Wenn nun der Geist Gottes über Saul kam, nahm David die Harfe und spielte darauf mit seiner Hand. So erquickte sich Saul, und es ward besser mit ihm, und der böse Geist wich von ihm.

Es ist verstörend. Gott nimmt seinen Geist von Saul und gibt ihm dafür einen Geist, der ihn quält. Zwei Sorten Geist, beide aus derselben Quelle. Das macht mich schon sehr nachdenklich. Eigentlich gehöre ich zu der Sorte Gläubiger, die sagen: Alles was gut und vollkommen ist, kommt von Gott“ und die Schläge, welcher Art auch immer, kommen nicht von Gott. Aber in der Andacht der letzten Woche ging es auch um die Frage, wie Gott dafür sorgt, dass wir Frucht bringen. Zurechtschneiden, reinigen war das zugehörige Bild. Gott, der Weingärtner, der alles rausschneidet, was zerstörerisch oder wachstumshindernd ist.

Nun ist ein Geist, der die Seele quält, in keinem Fall wachstumsfördernd. Im Gegenteil. Wir haben es hier offenbar mit Depressionen zu tun. Und Depressionen sind zerstörerisch. Kann solches von Gott kommen, der selbst vollkommen ist?

Ich weiß es ehrlich nicht! Ein weiterer Blick in die Bibel: ich sehe Paulus, der davon spricht, dass der Stachel in seinem Fleisch ihn dazu bringt, seine Kraft allein von Gott abhängig zu machen. Das ist stark und zugleich schwierig. Denn man kann es so verstehen, dass der Stachel in Paulus‘ Fleisch von Gott kommt und ihn abhängig von Gottes Gnade machen soll. Vielleicht ist es so, aber wissen? Ich weiß es nicht. Ebenso wenig weiß ich, ob der Geist, der Saul quält, von Gott dazu bestimmt wurde und ob mit der Qual irgendetwas bezweckt wird.

Ich denke, keiner von uns kann ganz genau sagen, was und wer der Auslöser der Qualen Sauls war. Aber der Text sagt uns: Gott nahm seinen Geist von Saul, die Folge war: Saul wurde depressiv. Depressionen sind zerstörerisch. Sie zerstören den, der depressiv ist und ebenso sein Umfeld. Die Diener Sauls sehen nur einen Weg: Lass uns für Abhilfe sorgen. Musik heilt die Seele. Harfenspiel insbesondere.

Die Harfe, oder eigentlich die Leier, gilt als Instrument, dessen Klänge Unheil abwenden können. Das Spiel auf der Leier hat demnach ähnliche Auswirkungen wie das Passahritual: In der Nacht, in der Israel aus Ägypten zog, bestrichen die Israeliten ihre Türpfosten mit dem Blut geschlachteter Lämmer und wendeten so das Unheil von sich ab, das Gott über Ägypten brachte – der Tod aller Erstgeborenen.

Das Spiel auf der Leier, noch dazu von einem guten Saitenspieler vorgetragen, kann Unheil abwenden, Unheil, das lebenszerstörerisch ist – so wie der Todesengel, der durch Ägypten zieht.

Als Saitenspieler kommt David an Sauls Hof und Saul gewinnt ihn lieb. Und immer wenn Saul schwermütig wird, nimmt David sein Instrument und spielt darauf und es wird besser mit Saul.

Heute feiern wir Kantate. Eigentlich würden wir gemeinsam in der Kirche feiern. Stattdessen sind wir zuhause – am Küchentisch oder vor dem Bildschirm und feiern in ziemlich kleiner, teilweise einsamer Situation. Geht das denn?

Am Freitag habe ich an einer großen Videokonferenz unserer Kirche teilgenommen. Wir waren mehr als 200 Teilnehmer. Das Thema: Gottesdienst – ja oder nein? Zwei Kollegen gaben je ein Statement – eines für und eines gegen die Öffnung der Kirchen zum jetzigen Zeitpunkt. Die Pro-Seite begann ihre Argumentation mit: Das stille Kämmerlein reicht nicht, feiern geht nur mit vielen.

Dem widerspreche ich und hoffe, dass jeder und jede von uns auch in kleiner Runde und auch allein feiern kann. Denn der Grund unserer Feier ist nicht der andere, der Mitmensch. Es ist Gott, der uns zum Loben und Feiern bringt. Dass wir in normalen Zeiten echte Gemeinschaft haben können und genießen, das ist ein wunderbares Beiwerk und ich sehne mich danach, Euch allen wieder real zu begegnen. Aber Feiern braucht in Zeiten wie diesen nicht die Vielen, sondern vor allem die Ausrichtung auf Gott, der uns in Jesus Christus begegnet und dessen Geist unseren Geist tröstet.

Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder – so lautet der Eingangsvers. Singt dem Herrn ein neues Lied. Zurzeit lerne ich viel Neues und es sind auch neue Lieder dabei. Viele davon sind wunderschön und bringen mich in die Anbetung und machen meine Seele heil.

Es ist dann so, wie es vielleicht bei Saul war: Musik heilt das, was in mir zerbrochen ist. Musik zur Ehre Gottes macht mein Herz ruhig und meinen Geist lebendig.

Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Ja, Gott tut Wunder. Auch heute noch. Ich gehe raus und sehe, wie das Grün des Frühlings neues Leben anzeigt. Und wie lebendig alles ist – trotz Corona, trotz Pandemie und Zukunftssorgen. Ich sehe Leben.

Am vergangenen Freitag vor 75 Jahren endete der zweite Weltkrieg.

Es war ein Dienstag.„…und die Sonne scheint. Die Bäume blühen wie zum Trotz, wie gegen alle Zerstörung. Sie blühen in den Parks der Städte oder in dem, was von den Parks übriggeblieben ist. Es blüht auch in den Vorgärten der Häuser, die stehengeblieben sind. Junges Grün am Straßenrand überwächst die Spuren, die Wagen und Menschen zurückgelassen haben auf ihrer Flucht. Im Graben, da, wo sie vor wenigen Monaten noch Schutz gesucht haben vor den Fliegern, antwortet eine Löwenzahnblüte der Sonne. … Es ist ein Dienstag im Mai. Und der Mai tut, was nur der Mai kann. Er überblüht einfach alles. Alle Zerstörung, all das Leid, den Tod. Die Sonne scheint. Es ist still.“1

Ein Wunder. Und notwendige Folge, herbeigesehntes Ende eines Vernichtungszuges gegen die Menschheit, wie es kein zweites Ereignis gab. Auch die Nazis hatten Lieder. Aber es waren Lieder voll Selbstherrlichkeit und Menschenverachtung. Lieder, die nicht Gott als Adressaten der Anbetung, des Lobes oder auch der Klage hatten, sondern Menschen, machtbesessene Egoisten.

Singt dem Herrn ein neues Lied. Der Herr, das ist Gott, der Schöpfer allen Lebens. Der Ursprung unseres Seins, die Richtschur unseres Lebens. Diesem Herrn singe ich gern, denn er tut Wunder – auch heute noch.

Amen

Stille

In der Stille sammeln wir unsere Gedanken und Gefühle, unser Hoffen und Sehnen

Psalm anders

Psalm anders                                                                                                                                    

Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder. Psalmen sind Lieder, neue Psalmen sind neue Lieder. Hier kommt ein neuer Psalm. Ein Lied von Thorsten Latzel[1]:

Ehe ich sehen oder verstehen konnte, 
hast Du, Gott, mich geborgen wie eine liebende Mutter.

Du bist mir zum Bruder geworden, 
zu dem einen an meiner Seite, der bis zum Letzten da ist für mich.

Du hast mir eine Familie gegeben, dass sie um mich sei,
ein Netz von Menschen, die für mich da sind und ich für sie.

Ich danke Dir, Gott, für alle Liebe, die ich durch sie erfahre, 
sie sind für mich Halt und Heimat, Trost und Schutz.

Doch wie schwierig ist es für mich manchmal mit denen, die ich liebe. 
Wie werden mir meine Eltern, Geschwister, Kinder dann zu viel.

Sie treiben mich mitunter schier zum Wahnsinn.
Sie sind mir zur Last geworden, wie ich ihnen wohl auch.

Ich will sie lieben. Doch ich schaffe es nicht.
Gerne wäre ich großherzig, gelassen, fürsorglich. Aber es geht dann nicht.

Gott, mach mich zu dem Menschen, 
den ich mir selber von anderen wünsche.

Lass mich für andere zu Schwester, Bruder, Vater, Mutter werden, 
so wie Du für uns.

Ich danke Dir für die Menschen, die Du mir gegeben hast.
Und dass Du auch mein Scheitern zum Guten wenden wirst.


[1]Direktor der Evangelischen Akademie Frankfurt

Gebet

Unser treuer Vater im Himmel, du siehst jeden und jede Einzelne von uns. Du hast uns alle erlebt in den letzten 7 Wochen. Es ist uns unterschiedlich gegangen. Danke dass du da warst, auch wenn wir dich manchmal nicht gespürt haben. Gib jedem und jeder von uns die Gewissheit, egal was kommt, und wie wir uns fühlen: Du bist da und hältst uns. Und wo wir Licht, Trost, Ermutigung für andere sein können, da gib uns den Hinweis. Lass uns entdecken was uns und unseren Nachbarn, Freunden, Eltern, Kindern und uns allen gut tut. Schenk uns deine Phantasie zur Erfrischung für uns selbst und für andere.

Und alles, was uns sonst noch bewegt fassen wir zusammen in dem Gebet, dass du deine Freunde und Freundinnen gelehrt hast:

Vaterunser

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit. In Ewigkeit. Amen.

Lied „Herr, wir bitten, komm und segne uns“ (F&L 165; T:) Str. 1.3.4

Segen

Wir öffnen die Hände und sprechen laut den Segen:
Der barmherzige Gott, unser Vater, Schöpfer des Lebens, erhalte deinen Leib, deine Seele und deinen Geist in Jesus Christus, unserem Herrn.

So segne und behüte uns Gott – Vater, Sohn und Geist.

Amen

Jubilate

Wir zünden eine Kerze an

und halten kurz inne

Eingang                                                                                                                                            

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. 

2Kor 5,17

Gebet                                                                                                                                               

Vater im Himmel, danke für diesen neuen Morgen. Danke, es ist Sonntag. Dieser Tag ist so kostbar, wir sind eingeladen, uns auf dich zu besinnen und auf das, was du in uns möglich gemacht hast und machst. Durch dich sind wir frei zu leben. Du schenkst uns Ewigkeit. Danke.

Aber da ist auch vieles, was uns unruhig macht und ins Fragen, ja sogar ins Zweifeln bringt. Wir sehen die inneren und äußeren Nöte. Wir sind abgeschnitten von persönlichen Begegnung, uns fehlt die Gemeinschaft miteinander. Zugleich sehen wir die Verantwortung, die wir füreinander haben. Es ist ein Ringen. Und das alles und noch viel mehr hat bei dir Raum. Gerade heute. Danke. Dir sei Lob und Ehre. Amen.

Lied: „Auf Seele, Gott zu loben“ (F&L 500 T: Martha Müller-Zitzke 1947; M: Johann Steurlein 1575) 

Einleitung                                                                                                                                         

Jubilate – der nahe Gott

Der dritte Sonntag nach Ostern wurde Jubilate benannt, übersetzt: Jauchzet, jubelt. Das Wort stammt aus Psalm 66. Jubilate ist der Sonntag der Neuschöpfung. Die Natur kann als Sinnbild stehen für Neues, das beginnt.

Wenn wir rausschauen in unsere Gärten in unsrer Umgebung, sehen wir gerade jetzt wie alles neu erblüht und grünt. Es macht mich innerlich froh, wenn ich mich an solchen Tagen draußen hinsetzte und höre die Vögel, sehe die blühende Natur, kann da Gott nur danken, wie wunderbar er alles erschaffen hat.

In diesen Momente, da bin ich Gott ganz nahe. Ganz anders als das, was wir gerade jetzt unter uns erleben. Wir müssen die  Distanz wahren, 1,5m Mindestabstand sollen wir halten. Teilweise sind Markierungen auf dem Fußboden, damit wir sehen wie ist der richtige Abstand. Da ist einem nicht so nach jubeln zumute. Oder auch die Nachrichten, von den vielen Menschen, die unter dieser Krankheit gestorben sind.

Gerade in diesen nicht ganz einfachen Zeiten ist es wunderbar einen Gott der mich liebt an meiner Seite zu haben, ihm nahe zu sein. Denn wir haben einen Vater im Himmel, der alles in seinen Händen hält. Wir sind hier nicht allein auf dieser Welt. 

Und so, wie der Weinstock seinen Trieben Kraft gibt, so empfangen wir Kraft von Gott, haben unseren  Halt in Christus und sind mit ihm als die Quelle des Lebens verbunden. Grund genug, Gott zu danken.

Lied: „All die Fülle“ & „Dank sei dir“ (F&L 22&23; T+M: Norbert Jagode 1984;  T+M; Steve Smith 1977) 

Textlesung                                                                                                                                       

Apg 17,17-28a

Daraufhin sprach er in der Synagoge zu den Juden und den Griechen, die an den Gott Israels glaubten. Außerdem predigte er an jedem Tag auf dem Marktplatz zu den Menschen, die gerade vorbeikamen. Bei einer solchen Gelegenheit kam es zu einem Streitgespräch mit einigen Philosophen, und zwar mit Epikureern und Stoikern. Einige von ihnen meinten: »Dieser Mann ist doch ein Schwätzer!«, andere sagten: »Er scheint von irgendwelchen fremden Göttern zu erzählen.« Denn Paulus hatte von Jesus und seiner Auferstehung gesprochen. Weil die Philosophen mehr über die neue Lehre erfahren wollten, nahmen sie den Apostel mit zu einer Sitzung des Stadtrats von Athen »Was wir von dir hören, ist alles neu und fremd für uns«, erklärten sie Paulus. »Wir möchten gern Genaueres darüber wissen.«  Denn sowohl die Athener als auch die Fremden in dieser Stadt beschäftigten sich am liebsten damit, Neuigkeiten zu erfahren und weiterzuerzählen. Da stellte sich Paulus vor alle, die auf dem Areopag versammelt waren, und rief: »Athener! Mir ist aufgefallen, dass ihr euren Göttern mit großer Hingabe dient; denn als ich durch eure Stadt ging und mir eure Heiligtümer ansah, da habe ich sogar einen Altar gefunden, auf dem stand: ›Für einen unbekannten Gott.‹ Diesen Gott, den ihr verehrt, ohne ihn zu kennen, möchte ich euch nun bekannt machen. Es ist der Gott, der die Welt und alles, was in ihr ist, geschaffen hat. Dieser Herr des Himmels und der Erde wohnt nicht in Tempeln, die Menschen gebaut haben. Er braucht auch nicht die Hilfe und Unterstützung irgendeines Menschen; schließlich ist er es, der allen das Leben gibt und was zum Leben notwendig ist. Aus dem einen Menschen, den er geschaffen hat, ließ er die ganze Menschheit hervorgehen, damit sie die Erde bevölkert. Er hat auch bestimmt, wie lange jedes Volk bestehen und in welchen Grenzen es leben soll. Das alles hat er getan, weil er wollte, dass die Menschen ihn suchen. Sie sollen mit ihm in Berührung kommen und ihn finden können. Und wirklich, er ist jedem von uns ja so nahe! Durch ihn allein leben und handeln wir, ja, ihm verdanken wir alles, was wir sind

Aktion                                                                                                                                               

Ich erlebe Gott als besonders nah, wenn … 

Lied „Ich will den Herren loben allezeit“ (F&L 93; M+S: Jakob Braun 1859)     

Angedacht                                                                                                                                                    

Gott ist uns nah – immer und überall. Gerade in der Apostelgeschichte wird es sehr deutlich: Keinem von uns ist Gott fern, er ist jedem nah. So nah, dass manche ihn nicht erkennen können. Vielleicht weil sie etwas anderes suchen. Etwas, das greifbar, beschreibbar, fixierbar ist. 

Der Apostel Paulus ist in Athen unterwegs und sieht sich um. Mit offenen Augen geht er durch die Stadt. Was interessiert die Leute, wo legen sie ihre Schwerpunkte, wofür schlägt ihr Herz? 

Wo dein Schatz ist, da ist dein Herz – so steht es in der Bibel, im Matthäusevangelium. Das ist eigentlich als Ermahnung an die Zuhörer der Botschaft Jesu gemeint, ein Teil der Bergpredigt. Hänge dein Herz nicht an Dinge, deren Wert vergeht, hänge es an etwas von Bestand. Eine Herzenssache ist etwas Wesentliches. Etwas, das dich prägt, ausmacht, dir Glanz verleiht oder auch nimmt. Will ich Leute kennenlernen, ihre Herzen erkennen, muss ich ihre Schätze kennenlernen. Interessiert mich, was andere interessiert, was sie bewegt, muss ich nach dem suchen, was sie pflegen, verteidigen, bewahren oder vermehren wollen. 

Die Athener waren Freunde des Verstandes, der Philosophie. Öffentliche Debatten und Bürger-entscheidungen gehörten zu ihrem Alltag. In Griechenland gehörte es allgemein zur Staatskultur, wesentliche politische Entscheidungen in öffentlichen Debatten auszutragen und dann auch zu treffen. Das änderte sich zwar mit der Vorherrschaft des römischen Imperiums. Aber die Grundidee blieb: Gib so viel es geht in die Bildung des Verstandes und in die Bildung einer öffentlichen Meinung. Dazu muss so viel Wissen wie möglich angehäuft werden. Idealerweise sichert man sich dabei auch gleich nach allen Seiten ab. So kommt es zu der Göttervielfalt in Athen. Für jedes Bedürfnis und jede Frage gab es dort einen Gott: Weisheit, Schönheit, Wein, Jagd, Kriegskunst, Fruchtbarkeit – alles findet sich wieder in den Göttern Athens. Und um nur keinen Gott zu vergessen und damit vielleicht zu verprellen, gibt es noch die Statue für den unbekannten Gott. 

Dieser Gott aber ist der einzige, der wirklich Gott ist. Alle anderen sind nur Götzen, Abbilder von dem, was Menschen sich ausmalen, wenn sie „Gott“ denken. Statuen mit Eigenschaften, die sich aus dem täglichen Erleben ableiten lassen. 

Was hat es auf sich mit diesem Gott, der diese Sicherheitshalber-Statue bekommt? 

Paulus spricht von ihm, als wäre dieser Gott real. Gott ist mehr, als alle Fantasie zusammenzählen kann. Er ist es, der allen das Leben gibt und auch das, was zum Leben notwendig ist. 

Dieser Gott ist auch nicht weit entfernt. Er ist nah. So nah, dass unser Leben mit ihm verwoben ist. Martin Luther übersetzt: In ihm leben und weben und sind wir. Oder wie der Dichter im berühmten „Ännchen von Tharau“ dichtet: verknotigt. Unser Leben ist mit Gott verknotigt. 

Im Predigttext für heute wird das Bild des nahen Gottes, in dem wir sind, mit dem wir verknotigt sind, ausgebaut. Im Johannesevangelium, Kapitel 15, sagt Jesus:

Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger. 

Der nahe Gott. Das Bild vom Weinstock und den Reben ist ein Bild voller Nähe. Eine Rebe kann ohne Weinstock nicht existieren. Alle Lebensenergie und auch die Impulse zum Früchte ausbilden, erhält sie vom Weinstock. Mein Schwiegervater besitzt zwei kleine Weinstöcke. Es ist faszinierend, sich den Aufbau dieser Gewächse einmal anzuschauen. Je nach Alter ist der Weinstock glatt und gerade oder knorrig und mit schroffer Rinde umgeben. Am Weinstock bilden sich Triebe aus, an denen sich wiederum Blätter, Blüten und anschließend die Trauben entwickeln. Diese Triebe nennt man Reben. Reben müssen nach der Ernte zurückgeschnitten werden, damit sie gute Früchte bringen. Geschieht das nicht, muss die Rebe im Folgejahr zu viele Früchte entwickeln und ernähren. Die Folge sind kleine, saure Beeren. 

Jesus gilt in unserem Bild als Weinstock und wir als Reben, die an ihm hängen und vom Weingärtner beschnitten werden. Das Bild ist vielleicht nicht das schönste aller Bilder. Vor allem das „beschnitten werden“ gefällt Mensch in der Regel nicht allzu gut. Auf etwas verzichten müssen, Dinge, an die wir uns gewöhnt haben, loszulassen, dabei vielleicht sogar schmerzhafte Erfahrungen machen. Das ist nichts, wonach wir uns sehnen. Aber nur, wenn die Rebe beschnitten wird, kann sie sich entfalten, kann sie volle Frucht bringen. Wird eine Rebe beschnitten, tritt eine Flüssigkeit aus, die in manchen Kulturen und Glaubensrichtungen übrigens als heilsam gilt, sogar Ewigkeit verspricht. 

Vom Weinstock empfangen die Reben all die Energie, die gebraucht wird, gerade auch nachdem der Weingärtner seine Arbeit getan hat. Hier kommt ein nicht leicht zu verstehendes Bild. Der Weingärtner ist ja der, der sich darum kümmert, dass ordentlich und angemessen beschnitten wird. Der Weingärtner reinigt die Reben, damit sie volle und reiche Frucht bringen. 

Immer wieder erlebe ich, dass Menschen der Ansicht sind, das Coronavirus sei direkt eine Antwort oder Maßnahme Gottes. Das Bild vom Weingärtner könnte diese Ansicht unterstützen, wenn die Arbeit des Weingärtners als Strafe verstanden würde. Dem ist aber nicht so. Sondern genau anders: Der Weingärtner beschneidet die Reben eines Weinstocks, damit alles das möglich wird, was im Weinstock angelegt ist. Und Jesus ermutigt uns, ja er fordert uns sogar auf, unsere Verbindung mit ihm nicht zu verlieren, wie die Reben am Weinstock zu bleiben. 

Hier fängt das Bild vom Weinstock an zu hinken, denn eine Rebe kann sich nicht dazu entschließen, den Weinstock zu verlassen. Ein Mensch hingegen kann sehr wohl den Kontakt zu Jesus loslassen und sich von seiner Vorstellung, wie Leben gelingt und möglich wird, trennen. 

Bleibt in mir, sagt Jesus. Bleibt und lasst meine Worte lebendig sein. Nicht trockene und tote Worte, die keine Kraft haben, sondern Worte des Lebens. Damit die Worte Jesu lebendig sind und bleiben, müssen wir uns die Mühe machen, sie in unsere Zeit hinein zu übersetzen. Wir müssen sie kennen, verstehen, übersetzen, uns von ihnen trösten und ermahnen lassen. Dabei geht es nicht um das Wort im Wortlaut, sondern immer im Sinne des Wortes. 

Die Worte Jesu werden lebendig, wenn sie uns geläufig werden, wenn sie Teil unseres Lebens werden. Jesus hat nicht ohne Grund immer wieder so sehr bildhaft gesprochen. Er wollte, dass in uns Bilder und Geschichten entstehen, wenn er spricht. Keine philosophischen Hirnjogging-Geschichten und auch keine Horrorbilder, die uns nötigen, ihm aus Angst zu folgen. Nein, im Gegenteil. Die Bilder Jesu sind voller Leben und er sagt: Lasst meine Worte in euch lebendig sein, dann könnt ihr sogar um alles bitten und ihr werdet es bekommen. 

Unser Gott ist ein naher Gott. Er kommt uns nahe in Jesus Christus, unserem Freund und Retter. Er kommt uns nahe in unserem Leben und er sehnt sich danach, dass wir uns ihm nahen. Das Bild vom Weinstock ist ein Bild von unbedingter, sogar abhängiger Nähe. Ich persönlich bin gern abhängig von Gott, dem wichtig ist, dass ich mich voll entfalte und Frucht bringe. Über diesen Gott jauchze und jubele ich gern.

Amen

Lied: „Unser Herr sagt uns in seinem Wort“ (F&L 365; T: Lars Mörlid 1980; M: Peter Sandwall 1980)  

Stille

In der Stille sammeln wir unsere Gedanken und Gefühle, unser Hoffen und Sehnen

Gebet                                                                                                                                                

Vater im Himmel, das Bild vom Weinstock und den Reben ist das Bild, wie wir mit dir verbunden sind, durch deinen Sohn Jesus Christus. Wir gehen an seiner Hand durch das Leben und dürfen gewiss sein, wir sind nicht allein.

Auch in Zeiten von Not und Angst stehst du uns zur Seite, bist ganz nahe. Die Ausbreitung des Corona –Virus hat unseren  Alltag auf den Kopf gestellt. Das Selbstverständliche ist nicht mehr selbstverständlich.  

Wir bitten dich für die vielen Menschen, die erkrankt sind, gib du ihnen Zuversicht und stärke sie. 

Wir bitten für die Angehörigen, die das Leiden mit ansehen und selbst in Quarantäne sind. Gib du ihnen  Zutrauen und Kraft durchzuhalten.

Wir bitten für Menschen, die Angst haben sich anzustecken und für die , die einsam zu Hause sitzen. Gib du ihnen Mut und neue Hoffnung. Das sie Wege finden aus ihrer Einsamkeit.   

Herr, wir rufen zu dir und bitten dich für alle, deren Sorgen, Ängste und Not nicht gehört werden, weil die Pandemie zur Zeit das Einzige ist, über das gesprochen wird.

Wir bitten für die Menschen, die in dem vom Krieg zerstörten Ländern leben, wie Syrien, Afghanistan und Libyen. Gib ihnen immer wieder neu Zuversicht und Stärke, Bewahrung und Schutz. Schenke du wirklichen Frieden in den Köpfen und Herzen dieser Menschen. 

Wir bitten für die Verantwortlichen Politiker in diesen Ländern aber auch den Regierenden der am Krieg beteiligten Länder. Zeige du ihnen ihre Verantwortung, dass sie gemeinsame Wege des Friedens finden und den Menschen neue Perspektiven geben.  

Unsere Gedanken und Gefühle, alle Ängste und alle Schuld, alles bringen wir in dem Gebet vor Jesus, dass er selbst seinen Jüngern gelehrte hat :    

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, 

wie im Himmel, so auf Erden. 

Unser tägliches Brot gib uns heute 

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit. In Ewigkeit. Amen. 

Lied „Bewahre uns, Gott“ (F&L 120; T: Eugen Eckert (1985) 1987; M: Anders Ruuth (um 1968) 1984)  

Segen                                                                                                                                                

Wir öffnen die Hände und sprechen laut den Segen: 

Der Herr, der dich geschaffen hat, der für dich volles Leben bereithält, segne dich und behüte dich. Er, dessen liebender Blick Gutes für dich sieht, erhebe sein Angesicht über dich und sei dir gnädig. Der Herr, der die ganze Welt im Blick hat und sie liebt, erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden.

So segne uns Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Amen

Misericordias Domini

Wir zünden eine Kerze an

und halten kurz inne

Eingang

Christus spricht: „Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir und ich gebe ihnen das ewige Leben.“ Johannes 10,11a.27.28

Gebet

Jesus, du unser Herr und Hirte, unser Freund und Retter, danke für diesen neuen Morgen. Danke für das Erwachen, das Erwachen der Natur und unser Erwachen. Danke für das Leben. 

Es gibt so vielen, was bedrohlich und ungewiss erscheint. Aber du bist der Grund unserer Hoffnung, die Gewissheit, die uns so oft fehlt. Danke dafür. Danke, dass wir dir folgen können, danke, dass du unser guter Hirte bist. Wir sehnen uns so sehr nach Begegnung und wissen doch, wir sind gebunden. Umso mehr danke für die Begegnung mit dir. Amen

Lied: „Danke für diesen guten Morgen“ (F & L 465; T + M: Martin Gotthard Schneider (1961) 1963) 

Einleitung                                                                                                                                         

Misericoridias Domini heißt dieser Sonntag, die Erde ist voll der Güte des Herrn. Ich sehe das Erwachen der Natur, das herrliche Grün, höre die Vögel singen und staune und bekenne: Die Erde ist voller Güte Gottes. 

Und dann schaue ich in unser Leben: Kontaktverbot und Maskenpflicht, Lockerung des Lock down und volle Ladenzonen. Die einen, die keine Geduld mehr haben und die anderen, die auf Solidarität setzen. Und wir alle hoffen, dass Normalität einkehrt. 

Und dann sind da immer noch die Geflüchteten in völlig überfüllten Camps, Kinder ohne Eltern, Mütter mit kleinen Kindern, Schwangere, Menschen in Not. Corona wie eine riesengroße Schippe Elend obendrauf. 

Die Erde ist voll der Güte des Herrn. Alles, was wir Menschen zum Leben benötigen, bringt die Erde hervor. Nahrung und die Grundstoffe für unsere Kleidung, ebenso die Schönheit der Schöpfung für unsere Sinne, die Liebe, die Menschen füreinander entwickeln und empfinden können ebenso wie die Fähigkeit, uns füreinander einzusetzen. Niemand müsste hungern und frieren. 

Die Erde ist voll! Der Güte des Herrn. 

Am zweiten Sonntag nach Ostern feiern wir noch immer Osterfreude und bekennen: Jesus lebt, das Grab ist leer. Und weil ER lebt, leben auch wir. Weil er das Elend und den Tod überwunden hat, wird auch heute das Leben siegen, das Gott uns schenkt.    

Lied: „Freuet euch, das Grab ist leer“ (F & L 263; T + M: Gerhard Schnitter 1978/2002)    

Das Grab ist leer. Für die einen ist das Grund zur Skepsis und sogar zum Spott. Für andere ist das die Ursache ihrer Zuversicht und Lebensfreude. Lebensfreude wird auf unterschiedliche Weise empfunden. Und jeder Mensch erlebt andere Dinge als schön und lebensbejahend. Ich habe mich in dieser Woche sehr über einen Fliederstrauß gefreut. Er kam unverhofft und machte mich richtig glücklich. Wie ist das mit dir? Was hat dich in dieser Woche so richtig froh gemacht?

Neben Flieder und Co machen mich biblische Worte froh und hoffnungsvoll. So, wie Psalm 23.

Psalm 23

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar. Amen

Lied „Der Herr ist mein getreuer Hirt“ (Gemeindelieder 358; T: Kornelius Becker 1602, M: 15. Jahrhundert)  

Angedacht                                                                                                                                                    

Die Erde ist voll der Güte des Herrn. Dieser Satz ist Psalm 33 entnommen. In der „Guten Nachricht“ steht an der Stelle: „von seiner Güte lebt die ganze Welt“. 

Von Gottes Güte lebt die ganze Welt. 

Auch am zweiten Sonntag nach Ostern feiern wir, dass Jesus lebt, dass er den Tod überwunden hat. Auch und gerade darin zeigt sich die Güte Gottes. Er hat den Tod in die Schranken gewiesen und uns zugleich die volle Kindschaft geschenkt. Wir sind Gottes Kinder, wir sind seine Familie. Und er ist der Hirte, der uns den Weg weist. 

Es gibt, gefühlt, unendlich viele Bilder für Gott. Das liegt sicher daran, dass kein Bild Gott vollständig beschreibt. Die meisten Bilder sind männlich, nur wenige weiblich. Das hat was mit Tradition und Vorstellungskraft zu tun. Die zwei Bilder, die uns heute, am Sonntag Misericordias Domini, begegnen, sind auch eher männlich konnotiert. Und zugleich sind sie sehr vielschichtig. Also weder einseitig so, noch einseitig anders. 

Im ersten Bild ist Gott der gute Hirte, der sich um die Seinen sorgt und sie versorgt, sogar dann, wenn alle äußeren Umstände eine ganz andere Sprache sprechen. 

Der Psalm 23 malt ein sehr buntes und lebendiges Bild von diesem guten Hirten. Wenn ich ihn lese oder singe, entstehen vor meinem inneren Auge Bilder von sattem Grün und übersprudelnder Lebenslust. Dann höre ich Vögel singen, die Sonne wärmt meine Haut und in mir ist alles ganz ruhig und friedvoll. Der gute Hirte, der seine Herde kennt, jedes einzelne Glied, jede Frage, jeden Eigenwillen, jedes Ja und jedes Nein. Und der mir den Tisch deckt, mich mit allem versorgt, was ich benötige und darüber hinaus. Ein wunderschönes Bild. Diesem Hirten will ich folgen. Es gibt doch nichts Schöneres, als von ihm versorgt zu werden.

Und da ist das Bild von Gott, dessen Güte die ganze Welt am Leben erhält. Es ist das zweite Bild des heutigen Sonntags. Es könnte ein Bild vollkommenen Friedens sein. Wäre da nicht die Realität: Corona und seine Nebenwirkungen für unsere Gesellschaft, für das Miteinander, für diese Welt. 

Wie passt das zusammen? Wie kann die Bibel solch friedvolle Bilder malen und dabei sieht die Realität ganz anders aus. Und zwar schon immer. Schon in der Zeit der ersten Christen und auch lange davor war Frieden höchstens eine Sehnsucht. 

Trotzdem bieten und boten diese Bilder den Menschen immer Hoffnung und waren Ursache für tiefen Frieden. 

Der Predigttext für heute unterstreicht diese besondere Bedeutung. Er steht im 1. Petrusbrief, Kapitel 2, 21b-25:

Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben, damit ihr seinen Spuren folgt. Ihr wisst: „Er hat kein Unrecht getan; nie ist ein unwahres Wort aus seinem Mund gekommen.“ Wenn er beleidigt wurde, gab er es nicht zurück. Wenn er leiden musste, drohte er nicht mit Vergeltung, sondern überließ es Gott, ihm zum Recht zu verhelfen. 

Unsere Sünden hat er ans Kreuz hinaufgetragen, mit seinem eigenen Leib. Damit sind wir für die Sünden tot und können nun für das Gute leben. Durch seine Wunden seid ihr geheilt worden! Ihr wart wie Schafe, die sich verlaufen haben; jetzt aber seid ihr auf den rechten Weg zurückgekehrt und folgt dem Guten Hirten, der euch leitet und schützt. 

Wir sind gerufen, den Spuren von Christus zu folgen. 

Der Verfasser unseres Predigttextes macht es uns recht einfach. Denn nach seinem Eingangswort zählt er unmissverständlich auf, worin Christus uns ein Beispiel gegeben hat und was Nachfolge konkret bedeutet. 

Christus hat nie Unrecht getan, nie ist ein unwahres Wort aus seinem Mund gekommen. 

Wenn ich in mein Leben schaue, muss ich bekennen: Diesem Beispiel folge ich nicht. 

Ich kann es nicht. Ich bin nicht frei von Schuld und würde lügen, wenn ich behaupten würde, ich hätte noch nie gelogen. Ich würde gern, aber ich bin weit entfernt von diesem Lebensstil. Allein schon mein Alltagsverbrauch, das, was ich esse und womit ich mich kleide. Wie ich heize und womit ich mein Auto tanke. Das ist ein Teil der praktischen Seite. Überprüfe ich meine Gedanken, muss ich auch hier jede Menge Schuld erkennen. Wie oft habe ich Gedanken, die weit entfernt sind von Heiligkeit. Da ist Ärger, Selbstgerechtigkeit, Besserwisserei, Lieblosigkeit und so vieles mehr. 

Vielleicht geht es dir ja ähnlich und du fühlst dich ertappt, so wie ich. Es geht ja auch knallhart weiter im Text: Wenn er beleidigt wurde, gab er es nicht zurück, wenn er leiden musste, drohte er nicht mit Vergeltung… Wie oft habe ich Widerworte, nur um mein Gegenüber zum Verstummen zu bringen. Wie oft fordere ich Genugtuung und denke nicht daran, Gott dies alles zu überlassen. 

Diese ganzen Themen könnten wir tagelang ausbreiten und müssten, wenn wir vor uns selbst ehrlich sind, erkennen: Wir sind durch und durch weit entfernt von dem Zustand eines geheilten Lebens. Eines Lebens, dass sich ganz und gar in der Hand Gottes weiß und darum auch Gott alles überlässt. Einschließlich der Rache und Genugtuung. 

Ich kann nicht so leben, mein Stolz und mein Eigensinn lassen es nicht zu. 

Für mich ist es die größte Botschaft aller Zeiten, dass ich trotzdem vor Gott so dastehe, als würde ich genau so heilig sein, wie  es von Christus gesagt ist. Weil Christus diesen ganzen Eigensinn und Stolz, meine Rechtsvorstellungen und Lieblosigkeit am Kreuz vernichtet hat. Genauer gesagt, er hat die Macht dieser Sünde vernichtet. Denn all dies ist doch nur die Folge des grundlegenden Misstrauens in die Macht und Herrlichkeit und unbedingte Liebe Gottes. Diese Liebe zeigt sich in Christus, der trotz seiner Unschuld an Kreuz genagelt wurde, wie der schlimmste aller Verbrecher. 

Wir sind nun geheilt worden. 

Ich muss mich nicht mehr selbst belügen und mir vormachen, dass ich doch im Recht sei. Ich muss nicht mehr so tun, als wäre ich heilig und unantastbar. Im Gegenteil. Ich darf bekennen, wie sehr ich mich entfernt habe von dem, was Gott als lebensfreundlich und heilig sieht. Es ist tatsächlich wie eine Krankheit: Ich halte mich für gesund und alle anderen sind kaputt. Ich glaube, bei mir läuft alles glatt, aber die anderen. Oha!

Und doch: Ich bin Gottes Kind, sein Liebstes. Wenn er auf mich schaut, dann ist da helle Freude. Das aber nicht, weil ich alles gut und richtig mache! Nein, obwohl ich so viele Fehler mache und Schuld auf mich lade, sieht Gott mit väterlicher Liebe auf mich. 

Durch Jesus, durch die Wunden, die ihm zugefügt wurden, und zwar nicht, weil Gott so klein und unscheinbar wäre, sondern weil er groß ist, größer als meine Vorstellungskraft, hat er sich demütigen lassen. 

Immer schon war klar: Nichts kann unser Gefühl von Unvollkommenheit heilen, nichts als nur die Liebe, die vollkommen ist. Jesus sagt einmal zu seinen Jüngern: Eine größere Liebe gibt es nicht als die, dass einer sein Leben gibt für seine Freunde. Und damit ist nicht gemeint, dass einer sein Leben als Selbstmordattentäter opfert oder voller Lebensmüdigkeit sein Leben riskiert und verliert. Nein, der Tod Jesu ist frei gewählt, voller Gewalt gegen Jesus selbst. Aber gewaltlos gegen andere. Bis auf die zwei mit ihm Verurteilten stirbt an diesem Tag niemand auf Golgatha. Ein gewaltvoller Tod, der die Gewalt ausschließlich auf das Opfer, auf den, der gekreuzigt wird, richtet. Ich kann nicht anders, ich erkenne und verstehe: Gott tut alles, damit ich ihm seine Liebe glaube und meine Seele von ihm heilen lasse. 

Nun habe ich diesen Hirten, dem ich folgen kann. 

Die Nachfolge gelingt mir nur sehr schematisch. Immer wieder falle ich in alte Muster. Das ist so und wird vermutlich so bleiben, bis meine Zeit hier auf der Erde abgelaufen ist und ich zum Vater in die Ewigkeit darf. 

Doch immer, wenn ich es schaffe, dem Hirten zu vertrauen und den Weg zu gehen, den er mir zeigt – gewaltlos liebend – bin ich überrascht, was alles möglich wird, wie sich Wege zeigen und verschlossene Türen öffnen. Und trotzdem ist es schwer, in allem zu vertrauen. Trotzdem ich es verstehe, glaube und immer wieder erlebt habe, dass der einzig gute Weg zum Ziel der Weg des Hirten ist, gehe ich eigene Wege, suche Abkürzungen und meinen eigenen Glanz. 

Und immer wieder falle ich auf die Nase, schlage mir die Knie blutig, verlängere meinen Weg. Das Großartige: Schaue ich mich um und suche den Hirten, steht er schon da und zeigt mir den Weg, denn er lässt uns nicht allein, egal wie verschlungen unsere Wege, wie irritierend unsere Entscheidungen sind. Jesus ist da, wenn wir zu ihm hinschauen.

Amen

Stille

In der Stille sammeln wir unsere Gedanken und Gefühle, unser Hoffen und Sehnen

Gebet  

Gott, du gehst mit uns und lässt uns nicht allein. Zeige uns, dass wir verbunden sind, auch wenn wir uns nicht treffen dürfen, gerade auch in unseren Gottesdiensten, die wir so lieben. 

Wir bitten für alle, die Angst haben – in Krankenhäusern, aber auch in den überfüllten Flüchtlingslagern. Die Nachrichten erschrecken uns. Aber Du sagst: „Fürchte dich nicht“. Und auf dein Wort vertrauen wir.

Wir bitten für alte und geschwächte Menschen. Dass wir einander weiterhin schützen und füreinander da sind. Um ihretwillen wollen wir vorsichtig sein. Gib uns Geduld für die kommenden Wochen der Zurückgezogenheit.

Wir bitten für die, die erkrankt sind und um ihr Leben bangen, dass sie deine heilende Hilfe erfahren. Das Corona-Virus fordert die Ärztinnen und Ärzte, die Pflegekräfte und uns als Gesellschaft heraus. Wir wissen noch nicht, wie wir der Krankheit begegnen können. Hilf uns, einander beizustehen in dieser Ungewissheit.

Wir bitten für alle, die sich bei ihrer Arbeit einem Ansteckungsrisiko aussetzen und bitten um physische und mentale Kraft in dieser belastenden Situation. Wir danken für ihren Dienst. Beschütze sie und ihre Familien. 

Wir bitten für die Politikerinnen und Politiker, dass sie verantwortungsvolle und richtige Entscheidungen für unser Land und für die Welt treffen.

Wir bitten für die, die sich nach Gemeinschaft sehnen. Gott, wir sind aufeinander angewiesen. Wir vermissen es, uns zu treffen, in Cafés, auf der Straße, im Weserstadion und ganz besonders im Gottesdienst. Schenke uns neue Ideen und kreative Wege, wie wir miteinander in Kontakt sein können.

Im Vertrauen darauf, dass wir uns dir anvertrauen können jetzt und in Ewigkeit bringen wir alle unsere Bitten zu dir mit dem Gebet, das du uns gelehrt hast.                                                                                    

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, 

wie im Himmel, so auf Erden. 

Unser tägliches Brot gib uns heute 

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit. In Ewigkeit. Amen. 

Lied „Möge die Straße uns zusammenführen“ (Irischer Segenswunsch; M: Markus Pytlik)  

Segen                                                                                                                                               

Wir öffnen die Hände und sprechen laut den Segen: 

Der Friede Gottes, des Hirten, von dessen Güte die ganze Welt lebt, erfülle unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn. 

Amen

Quasimodogeniti

Wir zünden eine Kerze an

und halten kurz inne

Eingang

„Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, 

der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat 

zu einer lebendigen Hoffnung 

durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“ 

1. Petr 1,3 – Wir feiern Gottesdienst am Sonntag nach Ostern. 

Gebet

Ewiger Vater, liebender Gott, barmherziger Retter, wir schauen auf dich und suchen deine Nähe. Wir suchen die Hoffnung, die in dir begründet ist. Du lebst und durch dich leben auch wir. Das zu erkennen, mit unseren Herzen, darauf hoffen wir, darum bitten wir dich. Bitte begegne uns und stärke uns. Lass deinen Frieden in unsere Herzen, unsere Fragen und unser Sehnen einziehen. Wir loben und preisen deinen heiligen Namen. Amen.

„Wir wollen alle fröhlich sein“ (F&L 266; T: 12. Jh./Str.1 übersetzt Medingen um 1380, Str. 2-5 bei Cyriakus Spangenberg 1568; M: 15. Jh.)

Einleitung     (W. Steinwede)                                                                                                                                    

Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht!!!                                                  

Hoffnung und Licht sind das Thema heute morgen.

Ich habe aus meiner „ Schatzkiste“ eine kleine Geschichte mitgebracht. Sie ist von Anne Steinwart und hat den Titel:   –  Die anderen Brücken – 

„ Du hast einen schönen Beruf“, sagte das Kind zum alten Brückenbauer, „ es muss sehr schwer sein, Brücken zu bauen.“

„ Wenn man es gelernt hat, ist es leicht“, sagte der alte Brückenbauer,“ es ist leicht, Brücken aus Beton und Stahl zu bauen. Die anderen Brücken sind sehr viel schwieriger „, sagte er, „ die baue ich in meinen Träumen.“ 

„Welche anderen Brücken?“ , fragte das Kind.

Der alte Brückenbauer sah das Kind nachdenklich an. Er wusste nicht, ob es verstehen würde. Dann sagte er: „ Ich möchte eine Brücke bauen von der Gegenwart in die Zukunft. Ich möchte eine Brücke bauen von einem zum anderen Menschen, von der Dunkelheit in das Licht, von der Traurigkeit zur Freude. Ich möchte eine Brücke bauen von der Zeit in die Ewigkeit über alles Vergängliche hinweg.“

Das Kind hatte aufmerksam zugehört. Es hatte nicht alles verstanden, spürte aber, dass der alte Brückenbauer traurig war. Weil es ihn wieder froh machen  wollte, sagte das Kind: „ Ich schenke dir meine Brücke.“ Und das Kind malte für den Brückenbauer einen Regenbogen. – 

Wenn Sonnenlicht an den dunklen Himmel leuchtet, entsteht ein Regenbogen. Der Regenbogen steht in zahlreichen Kulturen weltweit für Aufbruch, Veränderung und Frieden. Er gilt als Zeichen der Toleranz und Akzeptanz, der Hoffnung und der Sehnsucht.

Beim Joggen oder Spazierengehen habe ich viele gemalte Regenbogen in den Fenstern gesehen! 

Besonders in dieser Zeit hoffen die Menschen, das nach der Dunkelheit wieder Licht wird! Diese Hoffnung findet für uns ihren Grund in unserem Glauben. 

Du wurdest im Pastorinnenbrief gebeten, einen Regenbogen als Symbol oder Bild, gemalt oder fotografiert, mitzubringen. Lass uns den Regenbogen ansehen. 

Wir glauben, dass Jesus lebt! Das feiern wir jeden Sonntag, ganz besonders in der letzten Woche. 

Immer wenn ich einen schönen, bunten Regenbogen sehe, denke ich an Gottes Verheißungen! Er baut Brücken bringt Frieden und Versöhnung, gibt Hoffnung, macht mich ruhig. Gott macht alles neu. Und er sagt: Du sollst leben!

Wir haben Ostern alle einen Stein mitgebracht! Als Symbol dafür: Der Stein ist weggerollt, das Grab ist leer! 

Das brachte mich auf eine Idee! Wir haben unseren Kindern und Enkelkindern zu Ostern eine Kleinigkeit gebracht. (Natürlich mit viel Abstand und draußen!) Ich habe schöne Blumen gekauft und sie mit einem Stein und einer gelben Kerze dekoriert! So haben wir die frohe Osterbotschaft an unsere Kinder weitergegeben. Der Stein ist weggerollt, das Grab ist leer, Jesus lebt, er bringt Licht und Hoffnung  in unser Leben!

Lasst uns von dieser Hoffnung und von dem strahlenden Licht singen.

Lied: „Christus, das Licht der Welt“ (F&L 350; T: F. Pratt Green 1968; Deutsch: Sabine Leonhard/Otmar Schulz 1972; M: Paris 1681)                                         

Lesung 1. Petrus 1,3-9

Lied: „Meine Hoffnung und meine Freude“ (F&L 385; T: Katalanischer Spruch nach Jes. 12,2; M: Jaques Berthier 1989)                    

Angedacht                                                                                                                                                    

Ihr Lieben, nun geht es also weiter. Die Hoffnung, dass sich bis nach Ostern der Sturm gelegt haben könnte, ist dahin. Im zwei-Wochen-Rhythmus kommen die Entscheidungen. Ob sich die vorsichtige Öffnung und Wiederaufnahme alltäglichen Lebens als Bumerang erweisen wird, wird sich zeigen. Und die Menschen werden ungeduldiger. Zumindest in den sozialen Netzwerken, den „Stammtischen der Gegenwart“, wird die Spanne zwischen vertrauens- und hoffnungsvoller Gelassenheit und ungezähmter, unverschämter Wut immer größer. 

Wie gehen wir um mit Ungewissheit? Was tun, wenn alles wegbricht, was mir vertraut ist und Sicherheit gab?

Durch die Menschheitsgeschichte hindurch gab es immer wieder Zeiten und Situationen, die das Gewohnte und Vertraute ins Wanken brachten. Dieses Wanken macht unruhig, ungehalten, manchmal auch hoffnungslos. Wie gut, wenn es dann Menschen gibt, die eine Idee davon haben, wie es weitergeht. Und wie gut, wenn es von Gott Gesandte sind, Propheten, die Hoffnungsbilder malen können. 

Der Prophet Jesaja ist so ein Bote, ein Prophet, der, nachdem er viel Schlimmes ankündigen musste, auch gute Nachrichten weitergeben konnte. Im Kapitel 40 lesen wir:

Seht doch nur in die Höhe! Wer hat die Sterne da oben geschaffen? Er lässt sie alle aufmarschieren, das ganze unermessliche Heer. Jeden Stern ruft er einzeln mit Namen, und keiner bleibt fern, wenn er, der Mächtige und Gewaltige, ruft. 

Ihr Leute von Israel, ihr Nachkommen Jakobs, warum klagt ihr: „Der Herr kümmert sich nicht um uns; unser Gott lässt es zu, dass uns Unrecht geschieht.“?

Habt ihr denn nicht gehört? Habt ihr nicht begriffen? Der Herr ist Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit, seine Macht reicht über die ganze Erde; er hat sie geschaffen! Er wird nicht müde, seine Kraft lässt nicht nach; seine Weisheit ist tief und unerschöpflich. Er gibt den Müden Kraft und die Schwachen macht er stark. Selbst junge Leute werden kraftlos, die Stärksten erlahmen. Aber alle, die auf den Herrnvertrauen, bekommen immer wieder neue Kraft, es wachsen ihnen Flügel wie Adler. Sie gehen und werden nicht müde, sie laufen und brechen nicht zusammen. 

Wer hat die Sterne geschaffen, wer ist die Ursache alles dessen, was lebt? Gott allein. Er rief: „Es werde!“ und es ward. 

Immer wieder werde ich belächelt, wenn ich bekenne, dass ich glaube, dass die ganze Welt von Gott geschaffen und in seiner Hand ist. Das ist doch dumm, man weiß doch heute, wie Leben auf der Erde entstand. Ja, man weiß oder zumindest ahnt man. Und dennoch fehlen Bindeglieder und vor allem die Antwort nach dem Ur-Impuls. Ich will und werde keine Debatte anzetteln, wann, wie und in welcher Zeit was entstand. Aber ich bekenne: Ich halte die Schöpfung für logisch und gewollt und da muss jemand hinter stecken, dem dieses Wollen zuzuschreiben ist. 

Wenn ich aber glaube, dass wir es mit logischer Folge eines willentlichen Entschlusses zu tun haben, ist der nächste Schritt nicht weit: Der den Anfang wollte, hat auch die Mitte und das Ende im Blick. Jesaja erinnert das Volk Israel – oder zumindest alle, die zuhören – an die Macht Gottes. 

Es hören allerdings nie alle zu, wenn einer redet. Und schon gar nicht, wenn er von Dingen spricht, die sich der Vorstellungsfähigkeit entziehen. Das ist heute nicht anders als damals. 

Damals, das ist eine Zeit, die wir nur aus Büchern und mit Hilfe unserer Fantasie kennen können. 

Israel – oder zumindest die oberen Zehntausend – sind in der Verbannung. Israel ist winziges Land am Meer. Zwei Drittel des Landes sind Wüste. Fruchtbaren Boden gibt es nur im Norden. Das Volk und aller Wohlstand sind längst Geschichte. Die Hauptstadt ist geschleift, der Tempel völlig zerstört. Kein Wunder, dass die Menschen klagen und den Eindruck haben, dass Gott sie verlassen hätte. Wir reden hier von einem Zeitraum von etwa 70 Jahren. Das sind sieben Jahrzehnte, ein Menschenalter von der Geburt bis zum Ende. Das ist so unfassbar lange. Mir fehlt die Vorstellung der zeitlichen Dimension. Es gibt auch keine echten Vergleichsmöglichkeiten. 

Der dreißigjährige Krieg in Deutschland stellt sich in meiner Fantasie mit all dem, was ich darüber gelernt habe, als grauenvoll dar. Eine unfassbar lange Zeit, in der man schon seine Wurzeln und seine Traditionen vergessen kann. Oder die Zeit der deutschen Trennung: 40 Jahre. Das schafft eine Wirklichkeit, die wir bis heute noch nicht nivelliert haben. Und vielleicht ist das auch gut so. Seit der politischen Wende sind dreißig Jahre vergangen. Für mich ist das eine Realität, die ich abstecken kann. Ich war alt genug, den Wandel zu erleben. 30 Jahre sind dennoch so lange her, dass vieles verschüttet ist oder eben auch sehr individuell erinnert wird. Und für meine Kinder ist diese Realität wie ein Märchen aus Tausend und einer Nacht. Auf jeden Fall eine weit entfernte, nicht nachvollziehbare Wirklichkeit.

Israel hingegen ist seit 70 Jahren weit entfernt von dem, was den Erzvätern Abraham, Isaak und Jakob einst zugesagt wurde. Und nicht nur das. Ohne Führung und Bildung ist das Land ein willkommenes Ziel für Vereinnahmung; Zerstreuung ist nicht nur für die Verbannten real. Auch die im Land geblieben sind, wissen von ihren Wurzeln nicht mehr viel. 

Jesaja erinnert, wem wir uns zu verdanken haben und er mahnt: Warum klagt ihr? 

Das Klagen liegt uns Menschen im Blut. Wann immer ich eine Pressekonferenz der Bundesregierung und ihrer Ratgeber im Internet mit Kommentarfunktion ansehe, muss ich erleben, wie aggressiv und anklagend die Reaktionen sind. Jeder Hans und Franz, jedes Lieschen Müller und auch alle anderen können ihren Senf dazu geben. Und immer und immer wieder: Warum dies, warum das? Und: Ich, ich, ich…

Ihr Leute von Deutschland, ihr Nachfahren Adams und Evas möchte ich dann rufen: Warum klagt ihr? Warum seid ihr immer nur bei euch? Ja, Gott lässt vieles zu, was uns geschieht. Es gehört zu unserem Leben, dass nicht alles rund und ohne Not verläuft. Und doch ist dem Schöpfer des Himmels und der Erde nichts von dem verborgen, was unser Leben zu mühselig macht. Gott sieht dich. Er sieht dein Mühen, deine Plage. Er sieht dein Sehnen und deine kleine Hoffnung. Und er will dich stärken – wenn du ihn nur lässt. Wohl dem, der sich auch in tiefster Not in Gottes Hand weiß. Wohl dem, der weiß, dass das letzte Wort noch lange nicht gesprochen ist. 

Ja, es gehört zu unserem Leben, müde und matt zu werden. Und es gibt entsetzliche Krankheiten. Es gibt Leben, das so schwer und schmerzhaft ist, dass ein Ende herbeigesehnt wird. Wie oft habe ich mit Menschen über ihre Sehnsucht gesprochen, das alles möge endlich ein Ende haben. 

Könnte Gott nicht dem Ganzen ein Ende setzen? Gute Frage! Sicher könnte er, er ist allmächtig. Warum tut er es nicht? Nächste gute Frage – auf die ich keine Antwort habe. Außer vielleicht: Gott sieht viel mehr als ich. Er sieht viel mehr als meinen kleinen Ausschnitt, den ich habe, weil ich mich belesen habe, gereist bin, mit Menschen gesprochen und Erfahrungen gedeutet habe. Für Gott sind 70 Jahre wie ein Wimpernschlag. Er hat den Überblick. Im letzten heißt es immer wieder: loslassen und vertrauen, dass Gott den Müden Kraft gibt und die Schwachen stark macht. 

Wer auf den Herrn vertraut, bekommt immer wieder neue Kraft. 

Es sind Hoffnungsworte. Und Hoffnung braucht Glauben. Ohne den Glauben, dass Gott uns alle sieht und hält, dass er mehr sieht als ich sehen kann und mehr weiß, als ich wissen kann, gibt es keine Hoffnung. Worauf auch willst du hoffen, wer oder was kann der Grund deiner Hoffnung sein?

Unser Glaube lässt uns hoffen und gelassen vorwärts schaun. Gelassen, auch wenn alle Ideen und Träume wieder einmal zerplatzen. Gelassen, weil wir glauben, hoffen, lieben können – durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Amen

Lied: „Du, Herr, heißt uns hoffen“ (F&L 172; T+M: Ottmar Schulz 1967)

Stille

In der Stille sammeln wir unsere Gedanken und Gefühle, unser Hoffen und Sehnen

Gebet                                                                                                                                               

Herr Jesus Christus,  wir danken dir für deine Nähe.

Danke, das du für uns ans Kreuz gegangen bist, das du auferstanden bist, das du lebst, uns Hoffnung gibst und uns liebst!

Du hast für uns eine Brücke gebaut zu deinem himmlischen Vater!

Du hast Himmel und Erde erschaffen und sie uns anvertraut.

Wir dürfen mit unseren Ängsten und Nöten zu dir kommen und wir sind gewiss, dass  du uns hörst.

Und so bitten wir dich:

-Für unsere Lieben, für die, die in Sorge und Angst sind wegen der Corona Pandemie. Wir vertrauen sie deiner Fürsorge an,  bewahre sie.

-Für alle die Verantwortung tragen in Politik und Wirtschaft. Lass sie mit Bedacht und Geduld ihre Entscheidungen treffen.

-Für alle, die in Krankenhäusern und Altenheimen ihren wichtigen Dienst tun. Stärke sie in ihrer nicht leichten Arbeit. 

-Für alle, die für unser leibliches Wohl sorgen, die an den Kassen sitzen, für die Müllabfuhr und die Busfahrer, bewahre und leite sie.

-Für die Alten, Schwachen und Trauernden, behüte und bewahre sie und gib ihnen Zuversicht.

-Wir bitten für die, die mit  der Erziehung von Kindern und Jugendlichen zu tun haben. Schenke ihnen gutes Gelingen bei dieser Aufgabe.

-Für alle, die in unseren Gemeinden tätig sind. Lass sie, lass uns voll Hoffnung und Glauben unser Christsein bezeugen.

Du bist unsere Hilfe und Stärke. Auf dich hoffen wir, heute, morgen und an allen Tagen. Und diese Hoffnung bringen wir im Gebet, das du uns gelehrt hast vor dich!

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, 

wie im Himmel, so auf Erden. 

Unser tägliches Brot gib uns heute 

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit. In Ewigkeit. Amen. 

Lied: „Vertraut den neuen Wegen“ (F&L 439; T: Klaus Peter Hertzsch 1989; M: 16. Jh./Böhmische Brüder 1544)                                       

Segen                                                                                                                                               

Der Ewige segne und behüte dich. Die dich im Mutterleib schuf und einzigartige machte, lasse ihr Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der deine Wege sieht und dein Sehnen kennt, erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Hoffnung und Frieden. 

Amen

Ostersonntag

Lied: „Der Herr ist auferstanden“ 

(F&L 267; T: Osterruf nach Lukas 24,34; M: Paul Ernst Ruppel 1955)                                      

Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!

Wir zünden die Osterkerze an

und halten kurz inne

Eingang

Offenbarung 1,18: „Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ 

Wir sind gerettet auf Hoffnung hin! (Römer 8,24)

Entwurf für ein Osterlied[1]

Die Erde ist schön, und es lebt sich leicht im Tal der Hoffnung. Gebete werden erhört. Gott wohnt nah hinterm Zaun. 

Die Zeitung weiß keine Zeile vom Turmbau. Das Messer findet den Mörder nicht. Er lacht mit Abel.

Das Gras ist unverwelklicher grün als der Lorbeer. Im Rohr der Rakete nisten die Tauben. Nicht irr surrt die Fliege an tödlicher Scheibe. Alle Wege sind offen. Im Atlas fehlen die Grenzen.

Das Wort ist verstehbar. Wer ja sagt, meint Ja, und Ich liebe bedeutet: jetzt und für ewig. 

Der Zorn brennt langsam. Die Hand des Armen ist nie ohne Brot. Geschosse werden im Flug gestoppt.

Der Engel steht abends am Tor. Er hat gebräuchliche Namen und sagt, wenn ich sterbe: Steh auf.

[1] Von Rudolf Otto Wiemer, Autor; Aus dem Fastenkalender der EKD, Ostersonntag 2020

Lied: „O herrlicher Tag, o fröhliche Zeit“ 

(F&L 262; T: Cyriakus Günther 1714; M: Köln1623)

Gebet

O herrlicher Tag, o fröhliche Zeit. Jesus, du lebst und mit dir leben auch wir. Du hast uns gerettet, auf Hoffnung hin. Du hast den Tod besiegt, in dir hat die Angst keine Macht mehr. Welche Freude, welch ein Fest. Wir wollen dich feiern, dir und uns begegnen. Wir legen ab, was uns hindert, ganz hier zu sein und bitten dich: Begegne uns und segne uns. Amen

Lied: „Herr, du bist mächtig“ 

(SONG2 115; T+M: Lenny LeBlanc/Paul Baloche)          

Lesung: Markus 16,1-8

Lied: „Er ist erstanden“ 

(F&L 260; T: Bernhard Kyamanywa 1966; Deutsch: Ulrich S. Leupold 1966; M: Haya-Melodie aus Tansania)

Angedacht                                                                                                                                                    

Ihr Lieben, Ostern kann man nicht erklären. Ostern kann man nur glauben und feiern. Für mich ist Ostern das schönste und höchste Fest überhaupt. Nach Karfreitag, dem Tag der zerborstenen Hoffnung, ist Ostern das pure Licht. Alles ist anders, alles ist neu.

Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden. Ich habe diesen Osterruf heute morgen auf die Straße vor meiner Haustür gemalt. Als Ruf, als Hoffnungsbotschaft, als Vergewisserung: Wie schlimm und hoffnungslos auch immer die Lage sein mag, wie übel die Zukunft uns vor Augen gemalt wird: Jesus lebt. Und in ihm bin ich sicher und geborgen. Denn was auch immer kommen mag: Nie tiefer als in Gottes Hand kann ich fallen. 

Der Herr ist auferstanden – wir haben es auf verschiedene Weise gesungen, gehört, gedacht, gesprochen. Und obwohl ich das schon so oft gesagt und gesungen habe, ist es für mich immer wieder neu überraschend und beschert mir unbeschreibliche Glücksgefühle. 

Als die Marias und Salome am Morgen des dritten Tages loszogen, um dem geliebten Lehrer und Meister die letzte Würdigung zukommen zu lassen, war vermutlich kein Glück in ihnen. Wie auch. Der Weg war wohl eher belastet, von schweren Gedanken und Unruhe über die Zukunft. Die ganz nahe Zukunft stellte eine ganz praktische Frage: Wer rollt den Stein weg? 

Steine haben ganz unterschiedliche Funktionen. Sie sichern etwas, sie begradigen, man kann sie zum Bauen und auch zum Begrenzen nutzen. Und mit manchen kann man sich schmücken. Steine bieten eine enorme Vielfalt. Über Steine könnte ich lange reden. Einer meiner Vorträge für Frauenfrühstückstreffen handelt von Steinen. Steine können uns stolpern lassen und manche Steine versperren den Weg. 

Ich hatte euch gebeten, Steine bereitzuhalten. Jetzt ist der Moment, an dem wir kurz innehalten und den Stein betrachten. Was siehst Du? Wie fühlt der Stein sich an? Hast Du einen Gedanken, einen Ostergruß, den Du auf den Stein schreiben möchtest? Vielleicht mit einem Edding? Dann ist jetzt ein Moment Zeit dafür. 

Hier, in unserer Geschichte vom Ostermorgen, versperrt ein Stein den Weg zum Geliebten, zu dem, dem die letzte Ehre erwiesen werden soll. Die beiden Marias und Salome wissen, diese Aufgabe könnte schwer werden. Schwerer, als alles, was sie bislang tun mussten. Aber sie gehen weiter. Sie lassen sich nicht abhalten. Auch ihre Sorgen um das, was sie erwartet, bremsen sie nicht. 

Was tun, wenn der Weg versperrt ist?

Wie gut, wenn solch eine Frage nicht allein geklärt werden muss. Wenn Gesprächspartner da sind, mit denen ich mich austauschen kann. 

Die Corona-Krise ist auch so eine Wegsperre. Noch dürfen wir in Bremen ohne besondere Gründe aus dem Haus. Aber das Kontaktverbot bringt uns alle in ausgesprochen herausfordernde Situationen. Die einen loben die Zeit, die ihnen nun miteinander geschenkt ist. Denn auch wenn viele arbeiten gehen dürfen, alle anderen Termine und Verabredungen sind nach wie vor ausgesetzt. Familien spielen wieder mehr miteinander, gestalten das, was sie an Zeit miteinander haben, ganz bewusst. Großeltern bekommen häufiger Anrufe und sogar handgeschriebene Post von ihren Enkeln. Das Bewusstsein füreinander ist mancherorts gestärkt. 

Andere leiden unter dem „aufeinander geworfen sein“. Aus einem sehr lebendigen und farbenfrohen Leben, das sich viel „außerhäusig“ abspielte, ist nun ein „24/7-  Aufeinanderhocken“ geworden. Wie erträgt man einander, ohne sich gegenseitig zu zerfleischen? Häusliche Gewalt nimmt zu, Kinder, Frauen Männer – alle können betroffen sein. 

Wie bekommen wir den Stein weg? Was können wir tun?

Maria aus Magdala, Maria, die Mutter von Jakobus und Salome sind zu dritt unterwegs. Zu dritt suchen sie eine Lösung. Zu dritt stärken sie sich. 

Ostern in Zeiten von Corona bietet ebenso wenig einfache Antworten, wie Ostern vor gut zweitausend Jahren. Die Fragen, wie der Stein wegzubewegen ist, sind geblieben. Die Steine sehen heute anders aus. Aber sie stehen mitunter immer noch im Weg. 

Damals erlebten die Frauen das Wunder der Auferstehung. Sie erlebten, dass Gott selbst den Stein beiseite geschafft hatte. Sie erlebten, dass der Weg frei ist. 

Und sie erlebten, dass ihr Vorhaben unnütz war. Sie waren vorbereitet und mussten ihre Sachen in der Tasche lassen. Sie hatten viel investiert. Umsonst. 

Manchmal investieren wir und stellen dann fest: Umsonst. Wie gut, wenn wir dann erkennen, dass es etwas viel besseres gibt. Dass das Leben den Tod besiegt hat. Dass am Ende der Nacht neue Hoffnung, neues Leben steht. 

Unsere Steine sind real. Unsere Wegsperren machen das Leben manchmal zu Qual. Und nicht wenige Menschen deuten die Begrenzung der Bewegungsfreiheit als reine Schikane. Auch ich freue mich nicht darüber. Aber ich weiß, dass meine Freiheit nicht in der äußeren Freiheit beruht. Auch äußere Freiheit bedeutet nicht zwingend echte Freiheit. Dass der Stein weggerollt ist, dass Jesus lebt, dass dem Tod die Macht genommen ist, das ist echte Freiheit. Und das ist meine Hoffnung. 

Amen

Lied: „Der Herr ist auferstanden“ 

(T+M: Arne Kopfermann, 2013)                                                                                   

Stille

In der Stille sammeln wir unsere Gedanken und Gefühle, unser Hoffen und Sehnen

Lied: „Der König lebt“ 

(F&L 265; T (nach 2Tim1,10/Phil 2,10-11) und M: Billy Funk, 1988; Deutsch: Albert Frey 1992)      

Gebet                                                                                                                                               

Vater, Retter, Freund, wir jubeln, denn du lebst. Du hast das Grab überwunden und in all unserer inneren und äußeren Bedrängnis durch die Umstände, in denen wir gerade leben, in all den Ängsten, die uns bedrohen, erkennen wir: Du lebst, du bist da! Wir loben und preisen dich. 

Zugleich sehen wir viel Dunkelheit weltweit und nah bei uns. Und wir beten: 

Gott[1]

für alle, die schreien wie Jesus, für alle Verlassenen bitten wir;

für Menschen, die gequält oder gefoltert werden, für solche, die misshandelt oder geschlagen werden,

für jene, die missbraucht oder geschunden werden. Hilflos halten wir sie dir hin, all diese Menschen, für die wir nichts anderes tun können, als zu beten.

Wir klammern uns an die Hoffnung, dass du ihre Schreie aufnimmst und ihre Tränen sammelst, dass du keinen von ihnen verloren gibst und selbst durch den Abgrund für sie ein Leben findest.

[1] Gebet von Tina Willms, Theologin und Schriftstellerin, entnommen dem Fastenkalender der EKD, Karfreitag 2020

Und alle Gedanken und Gefühle, alle Ängste und alle Schuld, alles bringen wir in dem Gebet vor Jesus, das er selbst seine Jünger gelehrt hat: 

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, 

wie im Himmel, so auf Erden. 

Unser tägliches Brot gib uns heute 

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit. In Ewigkeit.
Amen. 

Lied: „Gottes guter Segen“ 

(F&L 123; T: Rolf Krenzer, 1992; M: Siegfried Fietz 1992)

Segen

Gott segne und behüte dich, Er lasse sein Angesicht über dir leuchten und gebe dir seinen Frieden, der so viel mehr ist, als wir mit unseren Wissen und Verstand ergreifen und beschreiben können. Er spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben. Amen. 


                 

Karfreitag

Wir zünden einen Kerze an

und halten kurz inne

Eingang

Johannes 3,16: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eigenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ 

Gebet

Jesus, wir sind hier und schauen auf dich. Unsere Welt hat sich komplett verändert. Nichts ist mehr, wie es war. Doch du bleibst Derselbe, gestern, heute und in Ewigkeit. Du bist unsere Burg, unser Fels. Auf dich bauen wir, dir vertrauen wir. Gerade heute, an diesem Karfreitag, an dem die Welt stillzustehen scheint. 

Du hast gesagt, dass du mit uns bist, bis die Welt zu Ende geht, du hast versprochen, unter uns zu sein, wenn wir uns in deinem Namen versammeln. Das ist unsere Hoffnung, darauf vertrauen wir. Bitte begegne uns, bitte segne uns. Amen.

Lied: „Herr Jesus, Grundstein der Gemeinde“ (F&L 126; T: Karl Eisele, 1939; M: Langenöls 1742/bei J.S. Bach 1769)

In den vergangenen Jahren war die Ruhe dieses stillen Tages immer weiter zurückgegangen. Mich machte das unruhig. Und ich konnte und wollte mich mancher Debatte über den Sinn oder Unsinn des Ruhegebotes nicht entziehen. Gerade im letzten Jahr merkte ich, wie bedeutsam diese Ruhe ist. 

In diesem Jahr sind wir gezwungen, alles ruhig anzugehen. Wir dürfen uns nicht treffen, um Party zu machen. Weder am Karfreitag noch an anderen Tagen. Tanzveranstaltungen, Kinobesuche, Theater und Konzerte – nichts geht mehr. Und wie lange, das ist noch ungewiss. Lassen wir uns diese Zwangsruhe nicht schwer werden, sondern die Chance darin ergreifen, wieder zu entdecken, was wirklich wichtig ist. 

Lasst uns unseren Blick auf Jesus richten. Er ist auch der Grund, diesen Gottesdienst zu feiern. Wir feiern ihn zusammen – an den unterschiedlichen Orten unseres Lebens – im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. 

Amen.

Lesung: Markus 15,22-32

Lied: „O Haupt voll Blut und Wunden“ (EG 85; T: Paul Gehrhard, 1656; M: Hans Leo Haßler, 1601), Strophen 1 + 2

Lesung: Markus 15,33

Kerze löschen!

2 min Stille

Lesung: Markus 15,34-37

Lied: „O Haupt voll Blut und Wunden“ (EG 85; T: Paul Gehrhard, 1656; M: Hans Leo Haßler, 1601), Strophen 4 + 6

Lesung: Markus 15,38.39

Lied: „O Haupt voll Blut und Wunden“ (EG 85; T: Paul Gehrhard, 1656; M: Hans Leo Haßler, 1601) Str. 8 – 10

Angedacht

Karfreitag – Tag der Ohnmacht, Tag der zerstörten Hoffnungen und Träume. Karfreitag. 

Der Tag, an dem durchkreuzt wird, was die Zukunft vor Augen malte. 

Für jeden Menschen hat Jesus eine andere Bedeutung. Das war vor gut zweitausend Jahren nicht anders als heute. Die einen nennen ihn Lehrer, andere Meister, Rabbuni, das heißt mein Meister, mein Lehrer. Eine sehr persönliche Beschreibung also. Dann gibt es die, die von Jesus geheilt wurden. Und die, denen er die Würde wiedergegeben hat. Und es gibt so viel mehr Geschichten und Erlebnisse mit Jesus. 

Die meisten Menschen würden wohl sagen: Die Begegnung mit Jesus hat mein Leben hell gemacht. Er hat alles verändert. Was eben noch hoffnungslos oder grau aussah, ist im nächsten Moment voll Leben und farbenfroh. Kein Wunder, dass alle Hoffnung auf ihm lag. Alle Hoffnung, das momentan erfahrene Leuchten würde sich durchziehen. 

Denn er war ja noch mehr als ein toller Redner, Lehrer, Arzt und Wegbegleiter. Er hat sich dem status quo, dem, was gesetzt und verankert war, entgegengestellt. Es zumindest hinterfragt. Und dabei sprach er so klug und verständlich, dass „niemand es mehr wagte, ihn zu fragen“ (Mt 22). Zu anderen Zeiten sprach er in Rätseln und selbst die Jünger konnten nicht verstehen, was er meinte. 

Aber was auch immer er tat, worüber auch immer er redete und wem er begegnete, es ging eine besondere Kraft von ihm aus, unbeschreiblich. Nur erfahr-, nicht aber erklärbar. 

Auch ich habe diese Kraft in meinem Leben erfahren. Ich habe erlebt, wie er mich angesprochen hat. Ich habe erlebt, wie er mich gerufen hat. Gerufen in die Nachfolge und dann in den Dienst. Die Rufe waren laut und vernehmlich. Denn Jesus findet immer Wege, Menschen zu erreichen. Manchmal dauert es einfach länger, bis wir auf Empfang sind. Die Gründe für die Empfangsverzögerung sind so individuell, wie wir es sind. 

Auch ich habe Jesus als Arzt erlebt. Er hat meine Seele befriedet, meine familiären Beziehungen geheilt, mir mein Gehör wiedergegeben. Das mit dem Gehör kam übrigens erst, als ich längst aufgehört hatte darum zu bitten. 

Jesus hat mir immer wieder den Kurs korrigiert. Und wie oft lud ich massive Schuld auf mich. Und er? Kehrte ich zurück zu ihm, vergab er mir, machte mein Leben neu. Und lud mich ein, in seiner Nähe zu bleiben, ihn anzuschauen, von ihm zu lernen, mein Leben auszurichten. 

Und er tut es noch. Ich erlebe Jesus als Retter, Freund, Helfer, Arzt, Ratgeber, Ruheort, Friedefürst.

Ich rede bewusst über Jesus auf diese Weise, weil ich ein Bild malen will, wie die Menschen damals ihn möglicherweise erlebt hatten. Vielleicht verstehen wir die Hoffnung auf grundlegende Veränderung des irdischen Lebens und der politischen Verhältnisse, wenn wir verstehen, welche Kraft und Anziehung von Jesus ausging.

Wann immer Jesus in eine neue Gegend kam, liefen die Menschen zusammen. Die Rede vom heilenden Wundertäter griff weit um sich. Er hat den Lazarus aus dem Tod auferweckt, ebenso die Tochter des Jairus. Oder der Junge, der von einem bösen Geist so gequält wurde, dass er mehrmals auf der Schwelle zum Tod stand. Und dann erst die vielen tausend Menschen, die er satt machte – mit Worten aber auch wirklich. Mit Brot und Fisch. Der versteht uns, der verändert die Wirklichkeit. 

Und er setzt sich mit den oberen Zehntausend auseinander. Er hält ihnen einen Spiegel vor. Damit sie ihre unsägliches Gehabe erkennen. Das unbequeme Reden von Scheinheiligkeit und Ungerechtigkeit mit religiösem Mantel betrifft ja ohnehin immer nur die anderen. Oder?

Eigentlich nicht. Denn Jesus kam auf diese Welt, um uns alle mit unserer Schuld zu konfrontieren. Vielleicht zuckst du zusammen, wenn ich Schuld sage. Und vielleicht denkst du auch, dass dein Leben frei von Schuld ist. Aber das wäre ein Selbstbetrug. Du kannst dir noch so viel Mühe geben, noch so sehr versuchen, dich redlich zu verhalten: Am Ende des Tages liegt ein großer Haufen Schuld da und wohin damit? 

Ich gebe gern zu: Es ist schwer, der Versuchung zu widerstehen, einzelne Taten, Gedanken oder Verweigerungen aufzuzählen. Aber ich bezähme mich, denn ich bin sicher, jeder und jede von uns weiß, was im eigenen Leben alles nicht im Sinne des Schöpfers läuft. 

In all dem, was die Menschen von Jesus hörten, wie sie ihn erlebten, was er alles tat, war die Frage, wer er ist, immer nicht zu ende beantwortet. Wer ist dieser? Was sagen die Leute, wer ich sei – fragt Jesus seine Jünger. Die Antworten reichen von Elia bis zum Messias, zum Sohn Gottes. Und Petrus, der stürmisch-emotionale erkennt: Du bist der Sohn Gottes.

Wer ist Jesus für dich? Diese Frage beantwortet sich nicht über den Verstand und die Logik, sondern ausschließlich über die Begegnung mit Jesus selbst. 

Der Hauptmann unter dem Kreuz stellt am Ende fest: 

Dieser ist wirklich Gottes Sohn gewesen. 

Amen

Stille

In der Stille sammeln wir unsere Gedanken und Gefühle, unser Hoffen und Sehnen

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, 

wie im Himmel, so auf Erden. 

Unser tägliches Brot gib uns heute 

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,


sondern erlöse uns von dem Bösen.


Denn dein ist das Reich und die Kraft


und die Herrlichkeit. In Ewigkeit.


Amen.