Gottesdienstordnungen

Gottesdienstordnung zum Sonntag Reminiszere – 28.02.2021

Wir zünden eine Kerze an und halten kurz inne

Eingang                                                                                                                                            

Gott erweist uns seine Liebe darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. I Römer 5,8

So fürchte dich nun nicht, denn ich bin bei dir! I Jesaja 43,5

Begrüßung/Gebet                                                                                                                            

Mit diesen Worten, der Barmherzigkeit, des Zuspruchs und der Zusage: „ich bin bei dir“, wollen wir diesen Gottesdienst erleben! Heute ist der 2. Sonntag in der Passionszeit. Er hat den Namen “Reminiszere“ was in unserer Sprache heißt: Gedenke Herr, erinnere dich  Herr, an deine Barmherzigkeit! Diese Gedanken begleiten und begegnen uns durch diesen Gottesdienst. 

Wir beten:

Herr Jesus Christus, danke für deine Gegenwart. Danke dass wir auf dein Versprechen  vertrauen dürfen, das du bei uns bist. Danke Herr, dass  wir in dieser Form, in Ruhe und Frieden, Gemeinschaft miteinander pflegen dürfen. Wir wollen auch für diesen Gottesdienst unsere Herzen und Ohren öffnen. Wir bitten um deinen Segen. Segne du besonders unsere Pastorin Anja Bär und schenke ihr immer wieder Kraft und deinen Geist, um uns  dein Wort nahe zu bringen. Danke, dass sie unsere Pastorin ist. 

Und so feiern wir diesen Gottesdienst: im Namen des Vaters, des Sohnes uns des Heiligen Geistes. Amen

Lied: „Tagesanfang hell und still“ (FJ 219; T: Florian Sitzmann + Andreas Malessa; M: Florian Sitzmann) 

Einleitung                                                                                                                                         

In diesem Lied klingt ganz deutlich: Gott ist da! Halleluja!

Er ist mit seiner Barmherzigkeit, seiner Liebe und Fürsorge, für dich und für mich da! Jesus zeigt uns den Weg den wir gehen sollen und gibt uns Aufgaben. Persönliches, was nur ich kann. Eine Rolle, die mein Leben ausmachen soll. Ich muss sie nur als meine erkennen und mich nicht in irgendetwas drängen lassen.

Ich lese aus unserem Fastenkalender „Spielraum!“ zu unserem Thema: „VON DER ROLLE“ einen Beitrag. Überschrieben ist er mit: „Die Kluge, die Praktische, die Hübsche!“

Meine Großmutter habe ich heiß geliebt, sie hatte immer Zeit und Verständnis. Umso erstaunter war ich, als meine Tante einmal sagte: „Als Mutter war sie nicht so.“ Warum, wollte ich wissen. „Nun“, erzählte meine Tante, „sie hat uns drei Töchter immer klar eingeteilt. Die Älteste war die Kluge, die Mittlere die Praktische und ich, die Jüngste, die Hübsche. Da konnten wir machen, was wir wollten. In den Schubladen waren wir drin.“ Keine hat sich damit wirklich wohlgefühlt. Die Älteste bekam den Neid ihrer Schwestern zu spüren, weil sie in der Schule erfolgreicher war. Die Mittlere wollte nicht immer als die gelten, die zwar anpacken kann, der man aber keine anderen Interessen zutraute. Und die Jüngste, meine Tante sagte: „Ich war doch sowieso der ‚Familienschreck‘, diejenige, die den Männern den Kopf verdreht. Also habe ich das auch gemacht!“ Sie hat dann einen Mann geheiratet, der ihren Eltern möglichst wenig passte – keine gute Grundlage für eine Ehe.- 

Die Rolle, die man bekommt, spielt man auch. Sie ist dir gegeben, aber musst du darin bleiben??? Gott ist warmherzig und barmherzig und  wir sollten auf Ihn hören! – Lass dich aus der Rolle fallen, damit du aus der Falle rollst! –

Lied: „Warmherzig, barmherzig“ (zur Jahreslosung 2021: Lk 6,36 „Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist“ T+M: Hartmut Kluge 2020) 

Lesung: Psalm 25 

Nach dir, Herr, verlangt mich. Mein Gott, ich hoffe auf dich; lass mich nicht zuschanden werden, dass meine Feinde nicht frohlocken über mich. Denn keiner wird zuschanden, der auf dich harret; aber zuschanden werden die leichtfertigen Verächter. Herr, zeige mir deine Wege und lehre mich deine Steige! Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich! Denn du bist der Gott, der mir hilft; täglich harre ich auf dich.

Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind.Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretungen, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit, Herr, um deiner Güte willen!

Der Herr ist gut und gerecht; darum weist er Sündern den Weg. Er leitet die Elenden recht und lehrt die Elenden seinen Weg.

Lied: „Für mich gingst du nach Golgatha“ (F&L 250, T+M: Margret Birkenfeld 1977)

Predigt Jeremia 1,4-8 – von der Rolle (Gottes Barmherzigkeit)

Ich stand auf einem Skateboard. Ja, ich stand drauf und ich rollte sogar. Ein paar Zentimeter. Vielleicht drehten sich die Rollen des Skateboards zweimal um sich selbst. Aber es rollte – vorwärts. Mit mir obendrauf. Wackelig aber immerhin. 

„Mama, warum stellen sich immer alle mit dem rechten Fuß auf das Board?“ Meine Tochter schüttelte den Kopf. „Nimm doch mal den anderen Fuß, das geht viel besser!“ Also gut, ich nahm den anderen Fuß. Natürlich nicht ohne zu meckern: „Ich bin 47 Jahre alt, warum soll ich denn jetzt noch Skateboard fahren lernen? Und überhaupt, wie sieht das denn aus, was sollen die anderen denken? Und was, wenn ich falle?“

Was für ein Unsinn, dieses Gezeter. Und eigentlich ärgere ich mich am meisten über meinen Kommentar zu meinem Alter. Ich bin doch schon… Na und?

Immer wieder höre ich Leute und mich selbst auch das Alter als Argument gegen etwas nutzen. Die Altersrolle. Ich bin doch schon alt, ich kann das ohnehin nicht mehr lernen. Ich hab schon so viel gelernt. Ich gehöre zum alten Eisen, lass das mal die Jüngeren machen. 

Dabei ist die Altersrolle nur eine von vielen Rollen, die wir spielen oder in die wir uns einfügen. Einfügen, weil ein gesellschaftlicher Konsens das vorgibt oder weil ein bestimmtes Bild unser Denken vorbestimmt. Beliebt ist dabei auch die Geschlechterrolle. Die klingt dann so: Weil eine Frau eine Frau ist, kann sie bestimmte Dinge einfach nicht tun. Zum Beispiel logisch denken. Oder Fußball spielen. Oder mit dem Schmiedehammer Metall formen. Vielleicht kann eine Frau Goldschmiedin sein. Aber so ein richtiger Schmied ist doch wohl ein echter Kerl. Ein Frau kann auch nicht predigen. Weil … – ja, weil sie eine Frau ist. Ein Mann darf predigen und kann es auch. Und ein Mann weint nicht. Ein Mann ist eher fürs Grobe, das Feine, das machen die Frauen. Männer und Ballett? Na ja, da weiß man ja schon genau…  und so weiter und so fort.

Ich begegne solchem Rollendenken immer wieder und es macht mich fassungslos! Schon bei Jugendlichen begegne ich diesen Klischees. Und ich ertappe mich auch selbst immer wieder dabei, in Klischees und Rollen zu denken. Sicher nicht so platt, wie die eben genannten Beispiele. Aber auch ich habe meine Bilder und Rollen in mir. Und sei es die Altersrolle: Ich bin doch schon 47, ich kann doch nicht mehr auf ein Skateboard steigen. 

Rollen sind da und wir Menschen neigen dazu, die Rollen, die uns vorgegeben werden, auch anzunehmen. 

Und manche Rolle ist ja auch schön gemütlich, fordert wenig heraus, bietet Sicherheit. Ich verstehe jeden, der in sich den Wunsch nach Sicherheit trägt und alles dafür tut, dass der Wunsch wahr wird. Ich bin oder ich war nämlich auch so. Ein Sicherheitstyp. Aber was ist, wenn ich dadurch das Leben und vor allem meine Berufung verpasse?

Der Prophet Jeremia füllte seine Rolle auch gut aus. Er stammte aus einem Priestergeschlecht. Von Generation zu Generation waren die Rollen hier klar verteilt. Man wusste, was kommt. Auch Jeremia wird gewusst haben, wie das Leben aussieht, das vor ihm liegt. 

Doch dann kommt alles anders. Gott spricht zu ihm. Hier kommt die Begegnung Jeremias mit Gott. Oder begegnet Gott Jeremia? (Jeremia 1,4-8)

Und des HERRN Wort geschah zu mir: 

„Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleib bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker. 

Ich aber sprach: 

„Ach Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung.

Der HERR sprach aber: 

„Sage nicht: ‚Ich bin zu jung‘, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. Fürchte dich nicht vor ihnen, denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR.“

Ach Herr, ich bin zu jung. Jeremia argumentiert mit seiner Rolle gegen eine neue Rolle; nein eigentlich ist das ja keine Rolle. Es ist eine Berufung. Gott beruft. Und eine Berufung ist mehr als eine Rolle. Eine Berufung ist eine „Indienstnahme von Menschen durch Gott“. Diese Indienstnahme kann eine bestimmte Rolle zur Folge haben. Aber diese Rolle wird dann eben ganz anders ausgefüllt. Sie wird nicht mehr nur gespielt, wie etwas Aufgesetztes, sie wird eins mit dem Berufenen. Wer berufen ist, also durch Gott in einen bestimmten Dienst genommen ist, wird in diesem Dienst Erfüllung finden. Erfüllung bedeutet aber nicht immerwährende Seligkeit, Glück und Zufriedenheit. Das wir uns hier nicht missverstehen. Erfüllung bedeutet in diesem Kontext tief innen zu wissen: Ich bin hier richtig. Weil Gott selbst diese Erfüllung verursacht. 

Doch kommen wir zurück zu Jeremia: Ich bin zu jung. Jeremia spielt die Altersrolle. Ich nehme an, wir alle kennen diese Rolle. Zu jung oder zu alt. Irgendwas ist ja immer. Dabei legen wir selbst oder unser Umfeld diese Rolle fest. 

Und gelegentlich ist das ja auch sinnvoll. Ich denke da nur an die freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft – FSK – die die Altersfreigabe für Filme festlegt. Du bist noch zu jung – das müssen und mussten sich meine Kinder immer wieder anhören, wenn sie nach bestimmten Filmen verlangten. Hier ist die Altersrolle durchaus sinnvoll und vernünftig.

Aber die meisten Altersrollen sind doch sehr willkürlich und werden von den Erwartungen der Gesellschaft bestimmt. Ein Prophet zum Beispiel sollte weise und erfahren sein und braucht darum ein bestimmtes Alter. Oder?

Eine Prophetin unserer Zeit ist Greta Thunberg. Mit 16 Jahren stand sie vor dem Weltklimagipfel in New York und schleuderte den Mächtigen unserer Zeit entgegen: How dare you? Wie könnt ihr es wagen? Die Reaktionen? Zwischen Begeisterung und Unterstützung bis zur Verächtlichmachung vor allem ob ihres Alters war und ist alles dabei. Was für ein unsäglicher Müll. Als wären weise Menschen immer nur alte Menschen. Ja, unbestritten gibt es die Altersweisheit. Aber es gibt auch den Altersstarrsinn… Wie gut, dass Greta sich nicht in diese Rolle fügt.

Ach Herr, ich bin zu jung. Jeremia argumentiert mit der Altersrolle und damit mit den Erwartungen der Gesellschaft. 

Ich verstehe das gut. Als Gott mich das erste Mal rief, war ich 20 Jahre jung. Ich war mir sicher, mich könnte er nicht meinen. Meine Rolle war klar. Ich mache Karriere in der Wirtschaft. Pastorin zu werden kam mir nicht in den Sinn. 

Außerdem war eine Frau in dieser Position in meiner Welt damals nicht denkbar. Mein Elternhaus hatte mir zwar echte Gleichberechtigung vermittelt aber das galt nicht in der Kirche. Eine Frau auf der Kanzel? Undenkbar. Und überhaupt Gott, wenn du mich meinst, dann musst du schon klarer werden. Ich bin zu jung, bin zu frau, bin zu wenig begabt, kann nicht reden – auf keinen Fall vor vielen Menschen. 

Ach Herr HERR, ich bin zu jung. Jeremia zieht die Alterskarte. Doch was meint er eigentlich? Glaubt er sich zu unwissend? Braucht er noch Ausbildung? Fehlt es ihm an Weisheit oder Redebegabung?

Interessanterweise geht Gott mit keinem Wort auf Jeremias Einwand ein. Er nimmt weder Bezug auf sein Alter noch auf seine Begabungen. Er sendet ihn, nimmt ihn in den Dienst. 

Sage nicht: ‚Ich bin zu jung‘, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende. Würde Gott erstmal lang und breit auf die Fähigkeiten und Begabungen des Jeremia eingehen, läge die ganze Verantwortung auf den Schultern des Propheten. Aber so ist es nicht. Er sendet ihn und sagt zugleich deutlich: Ich gehe mit dir. Ich bin bei dir. Du bist nicht allein. Fürchte dich nicht. Ich kenne dich schon immer, schon ehe deine Eltern dich zeugten, wusste ich, wer du bist und sein würdest. 

Natürlich könnte Gott es so machen, wie es Menschen tun. Er könnte Jeremia trösten, ihm Mut zusprechen. Er könnte ihn auf seine Begabungen hinweisen und darauf, dass man das alles ja auch noch lernen kann. Aber von Gott kommt weder ein „Ach komm, du schaffst das schon!“ noch ein „nun stell mal dein Licht nicht unter den Scheffel“. Nein, Gott sendet Jeremia und sagt ihm: Du bist nicht allein. Du musst dich nicht auf deine Fähigkeiten, Kräfte und Begabungen verlassen. Denn ich bin mit dir. 

Ich werde oft gefragt, wie ich mein Pensum schaffe, was mein Geheimnis sei. Meine Antwort? Ich hänge an Gott. Er hat mich berufen und ich habe Ihm gesagt, dass ich das ohne Ihn nicht kann. Seine Antwort an mich kam schon Jahre vor meiner Berufung. An dem Tag an dem ich getauft wurde. Sie kam durch meinen Taufvers: „Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; schau dich nicht ängstlich um, ich bin ja dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir.“ (Jesaja 41,10) Damals verstand ich diesen Vers nicht. Heute weiß ich: Ja, ich hänge an Gott und ich erwarte, dass Er mich leitet auch durch die Situationen, die mich bedrohen, mir Angst machen, für die ich keine Kraft habe. 

Ich glaube nicht, dass Jeremia die Tragweite seiner Berufung erkannte. Ich glaube nicht, dass er auch nur ahnte, was auf ihn zukommt. Sicher war nur eins: Er ist nicht allein. Gott ist nämlich barmherzig und darum ist Er bei und mit ihm und wird es auch bleiben. Und so konnte Jeremia die Berufung auch annehmen. 

Der Berufung folgen dann auch zwei Visionen: Eine voll Hoffnung und Leben, die andere voll Verzweiflung und Elend. Lies sie gern mal nach, im ersten Kapitel des Propheten Jeremia. Vor allem die Bilder der zweiten Vision, einer Vision der Zerstörung, könnten verzagt machen. Doch deutlich wird in all dem auch: Gott hat die Klammer. Gott umspannt sowohl unsere Verzweiflung – er redet sie nicht weg, marginalisiert sie nicht – als auch alle Boten der Hoffnung, denn die Hoffnung kommt aus Ihm, der Himmel und Erde gemacht hat. Gott ist bei uns und mit uns – auch in der Verzweiflung. Ja, diese Zeiten gibt es: Notvolle Zeiten, in denen die Hoffnung höchstens noch glimmt. Aber der Barmherzige ist da. 

Die Berufung des Jeremia zieht keine leichte Rolle nach sich. Die Visionen nach der Berufung machen es überdeutlich. Aber er ist ja nicht allein. Im Gegenteil, Gott ist mit und bei ihm und Er sagt zu ihm: „Fürchte dich nicht vor ihnen, denn ich bin bei dir und will dich erretten.“ 

Ja, Gott ist barmherzig, und in seiner Barmherzigkeit lädt er mich und auch dich und jede und jeden von uns ein, aus der Rolle auszusteigen, die andere oder wir selbst uns zuwiesen. Denn Er hat etwas viel Besseres und manchmal vielleicht auch Größeres für uns im Sinn. 

Gott sagt eben nicht: Eure Grenzen sind auch meine Grenzen, sondern: Meine Weite sei eure Weite. 

Ich bin im übrigen tatsächlich hingefallen, als ich mit dem linken Fuß auf dem Skateboard stand. Es fühlte sich erstmal viel besser und leichter an und ich wurde mutiger. Aber dann rollte das Board rückwärts und ich fiel. Amelia meinte, dass das krass aussah. Und ich glaube, sie war auch etwas erschrocken. Aber ich fand das gar nicht so schlimm. Im Gegenteil: bei nächster Gelegenheit probiere ich das wieder. Das wird schon. Amen.

Stille

In der Stille tragen wir unser Sehnen und unser Sorgen, unsere Bitten und unseren Dank vor Gott.

Lied: „Hab ich alle meine Sorgen“ (F&L 85; T (nach Phil 4,5-9): Friedhelm Krenz 1999; M: Bernd Arhelger 1999)

Fürbitte           

Barmherziger Gott, unser Freund und Vater. Wir danken dir, dass du uns hörst und siehst. Schon bevor wir auf dieser Welt sind, hast du den Plan für uns schon fertig. Du bist warmherzig und barmherzig für uns da. 

Gib uns offene Augen dafür, dass wir auf deine Stimme achten und nach unserem Weg fragen. Das wir uns nicht in „Schubladen“ sortieren lassen. Sondern: Das wir uns trauen das zu sein, was wir vor dir schon längst sind!

Danke für diesen Gottesdienst. Und so wollen wir uns von dir senden und rufen lassen und deine Aufträge angehen.

Du bist ein barmherziger Gott und darum bitten wir dich: rette deine Schöpfung. Erinnere dich, ewiger Gott, an die traumatisierten Kinder in den Flüchtlingslagern. An die, die kein Zuhause haben, an die Kranken und Ängstlichen. Erbarme dich und gib ihnen Mut und Perspektive.

Erinnere dich an die  Trauernden und hülle die in deine Liebe ein, die ohne Umarmung Abschied  nehmen mussten. Du bist ein barmherziger Gott. Beschütze die, die dir vertrauen, die Verfolgten in aller Welt, die um ihre Existenz fürchten. 

Erinnere dich an unsere Gemeinde und an alle, die Verantwortung haben. Berühre uns mit deiner Barmherzigkeit und verwandle diese Welt durch die Liebe Jesu heute und an jedem neuen Tag.  Amen.

Lied: „Hab ich alle meine Sorgen“ (F&L 85; T (nach Phil 4,5-9): Friedhelm Krenz 1999; M: Bernd Arhelger 1999)

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns in der Versuchung und erlöse uns von dem Bösen. 

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit. In Ewigkeit. Amen

Lied: „Wenn Christus heute Menschen sucht“ (F&L 171; T+M: Bodo Hoppe 1969)  

Segen

Der barmherzige Gott, der uns schon sah, ehe unsere Eltern uns dachten, segne uns und behüte uns. Gott, die warmherzige, die uns beruft und uns aus unseren Rollen hilft, halte ihre Augen über uns und sehe uns gnädig an. Gott, der mit uns ist und uns errettet, fülle uns aus mit seinem Segen. Amen.

Gottesdienstordnung zum Sonntag Invocavit – 21.02.2021

Wir zünden eine Kerze an und halten kurz inne

Eingang                                                                                                                                            

Der Sohn Gottes aber ist auf die Erde gekommen, um die Werke des Teufels zu zerstören I 1. Joh. 3, 8b

Begrüßung/Gebet                                                                                                                            

Mit dem Wochenspruch für die vor uns liegende Woche aus dem 1. Brief des Johannes begrüße ich alle zum Gottesdienst. Heute ist der erste Sonntag der Passionszeit und er hat den Namen Invocavit; das bedeutet wörtlich übersetzt: Er hat gerufen. 

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

In der Morgenfrühe preisen wir Dich, allmächtiger Gott, unser Vater, 

danke für die wunderbare Möglichkeit, trotz aller Schwierigkeiten miteinander Gottesdienst zu feiern, sodass wir uns nicht aus den Augen verlieren. Auch wenn wir räumlich voneinander entfernt sind, so bilden wir doch eine Gemeinschaft und sind füreinander da. 

Wir bitten Dich um Deinen Segen für diesen Gottesdienst, besonders für Anja Bär, wenn sie uns die Predigt hält. Gib ihr Vollmacht, damit Du durch sie zu uns sprechen kannst und öffne unsere Sinne, damit wir recht hören. 

In der Morgenfrühe preisen wir Dich, allmächtiger Gott, unser Vater. AMEN

Lied: „Ein neuer Tag beginnt“ (NGL 147; T+M: Helga Poppe, Kreuzbruderschaft) 

Einleitung                                                                                                                                         

Am vergangenen Mittwoch, am Aschermittwoch, hat die Passionszeit begonnen und der diesjährige Fastenkalender der evangelischen Kirche hat der ersten Woche den Titel „Alles auf Anfang“ gegeben, der auch über dem heutigen Gottesdienst steht. 

Martin Vorländer; ein Theologe, schreibt im Fastenkalender dazu:

Weisheit stellt man sich für gewöhnlich als eine ernste Angelegenheit vor. In einem Vers aus Sprüche 8 aber kommt sie leichtfüßig daher. Dort heißt es: 

Die Weisheit spricht: Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her. Als Gott die Grundfesten der Erde legte, da war ich beständig bei ihm und spielte vor ihm allezeit; ich spielte auf seinem Erdkreis und hatte meine Lust an den Menschenkindern.

Die Weisheit in Person spielt vor Gott, während dieser die Welt erschafft. Sie erkundet mit kindlicher Neugier den Erdkreis und seine Grundfesten. Das macht Lust, den Blick durch die eigene Welt schweifen zu lassen und ins Auge zu fassen, wie alles begann. Mitunter, wenn bei mir was ins Stocken geraten ist, hilft es, mich an den Anfang zu erinnern. Der herrlich leichte Beginn einer Freundschaft, die in die Jahre gekommen ist. Der erste Strich eines Kreises, den mein Leben zog – eine berufliche Etappe, ein Umzug, eine neue Familienkonstellation. Das Motto für unsere erste Fastenwoche: Alles auf Anfang und spielerisch zurück zu den Grundfesten, die unser Leben tragen! Und alles mit der Grundannahme, dass ich die Weisheit des Ganzen nicht selbst erfinden muss. Sie ist schon da. Von Anbeginn und spielt vor Gott.

Lied: „Großer Gott, wir loben dich“ (F&L 30, T: nach dem „Te Deum Laudamus“ 4.Jh., Ignaz Franz 1768 , M: Lüneburg 1668) 

Lesung: Psalm 91 

Wer unter dem Schutz des höchsten Gottes lebt, darf ruhen bei ihm, der alle Macht hat. Er sagt zum Herrn: »Du bist meine Zuflucht, bei dir bin ich sicher wie in einer Burg. Mein Gott, ich vertraue dir!« Du kannst dich darauf verlassen: Der Herr wird dich retten vor den Fallen, die man dir stellt, vor Verrat und Verleumdung. Er breitet seine Flügel über dich, ganz nahe bei ihm bist du geborgen. Wie Schild und Schutzwall deckt dich seine Treue. Du musst keine Angst mehr haben vor Gefahren und Schrecken bei Nacht, auch nicht vor Überfällen bei Tag, vor der Seuche, die im Dunkeln zuschlägt, oder dem Fieber, das am Mittag wütet. 

Du sagst: »Der Herr ist meine Zuflucht.« Beim höchsten Gott hast du Schutz gefunden. Darum wird dir nichts Böses geschehen, kein Unheil darf dein Haus bedrohen. Gott hat seinen Engeln befohlen, dich zu beschützen, wohin du auch gehst. Sie werden dich auf Händen tragen, damit du nicht über Steine stolperst.

Lied: „Fürwahr, er trug unsre Krankheit“ (F&L 244, T: Eugen Eckert 1986, M: aus Chile)

Predigt mit Abendmahl

Alles auf Anfang – ich nehme an, wir alle kennen diesen Wunsch. Ich behaupte, irgendwann hat jede und jeder von uns sich schon mal gewünscht, die Zeit zurückdrehen zu können. Oder zumindest ganz neu anzufangen. Ganz von vorn, da, wo weder Erinnerungen noch Erfahrungen uns einschüchtern und belasten. Dieser Sehnsucht, nochmal anfangen zu können, geht ja in der Regel eine tiefe Erschütterung voraus. Eine Erschütterung über Erlebtes oder auch über eigenes Verhalten. Hand aufs Herz, wer hat sich noch nie gewünscht, etwas revidieren zu können oder zumindest irgendwie einen neuen Anfang zu schaffen?

In der Geschichte, die der Predigt heute zugrunde liegt, ist von keinem Neuanfang die Rede. Zumindest nicht explizit. Aber ich ahne, dass die Sehnsucht danach zumindest keimte.

Johannes, der Evangelist überliefert uns folgende Geschichte (Joh 13,21-30):

Als Jesus das gesagt hatte, war er im Innersten tief erschüttert. 

Er erklärte ihnen: »Amen, amen, das sage ich euch: Einer von euch wird mich verraten.«

Da sahen sich die Jünger ratlos an und fragten sich: »Von wem spricht er?« Einer von seinen Jüngern, den Jesus besonders liebte, lag bei Tisch an der Seite von Jesus. Ihm gab Simon Petrus ein Zeichen. Er sollte Jesus fragen, von wem er gesprochen hatte.

Der Jünger lehnte sich zurück zu Jesus und fragte ihn: »Herr, wer ist es?« Jesus antwortete: »Es ist der, für den ich ein Stück Brot in die Schüssel tauche und dem ich es gebe.« Er nahm ein Stück Brot, tauchte es ein und gab es Judas, dem Sohn von Simon Iskariot.

Sobald Judas das Brot genommen hatte, ergriff der Satan Besitz von ihm. Da sagte Jesus zu ihm: »Was du tun willst, das tue bald!«

Von den anderen am Tisch verstand keiner, warum Jesus das zu Judas sagte. Weil Judas die Kasse verwaltete, dachten einige, dass Jesus zu ihm gesagt hatte: »Kauf ein, was wir für das Fest noch brauchen.« Oder sie dachten: Jesus hat ihm aufgetragen, den Armen etwas zu geben.

Als Judas das Stück Brot gegessen hatte, ging er sofort hinaus. 

Es war aber Nacht.

Sie sitzen zusammen und essen und reden und Jesus erzählt ihnen viel. Letzte Worte sind es. Etwas wie ein Vermächtnis. Vorher hatte er allen noch die Füße gewaschen. Und auch wenn es damals zu den Sitten und Gebräuchen gehörte: Sich die Füße waschen zu lassen oder anderen die Füße zu waschen ist eine intime Angelegenheit. Das macht man nicht mal eben so. Einer der Jünger wehrt Jesus auch ab. Anderen die Füße zu waschen ist nicht nur nah. Es ist ein niederer Dienst. Ein Dienst, den nicht der Meister tun sollte. 

Sie sitzen, nein, eigentlich liegen sie. Stell dir einen Raum vor, nicht zu groß. Lange nicht so groß wie eine Kirche. Und es ist auch kein Bankettsaal. Es ist ein Raum. Vielleicht 16 oder 20 qm groß. Und in dem Raum stehen Liegesofas, die um einen Tisch, Mensa genannt, gruppiert sind. Keine Tafel, wie Leonardo da Vinci auf seinem weltberühmten Gemälde vom letzten Abendmahl zeigte.

Hier ein kleiner Eindruck von einem solchen Raum, einem Triclinium:

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Quelle:https://www.befg.de/fileadmin/bgs_gemeinde/media/dokumente/Bar-Anja.pdf, S. 18

Also, sie lagen zu Tisch, ganz nah beieinander. Und sie redeten und hörten vor allem auf Jesus, der ihnen wichtige Dinge sagte. 

Und mittendrin eine Information, die sie alle vermutlich mehr irritiert, als alles andere, was sie je erlebt und gehört hatten: Einer von ihnen arbeitet mit den jüdischen Behörden zusammen. Und zwar so, dass Jesus, ihr Freund, ihr Lehrer und Meister, diesen Behörden ausgeliefert werden wird. 

Es ist nicht zu einhundert Prozent geklärt, ob es sich bei diesem Essen um eine Sederfeier, eine Ordnungsfeier, im Rahmen des Pessachfestes handelt. Und doch spricht vieles dafür. Vor allem die Berichte der anderen Evangelisten sind hier sehr deutlich. Gehen wir also davon aus, dass auch hier eine Sederfeier stattfindet, mit allem, was dazugehört: essen, trinken, reden, Informationen austauschen. 

Und so liegen sie eben zu Tisch und essen und trinken und hören Jesus zu, der ihnen wichtige Dinge sagt. Und der ihnen sagt: Es dauert nicht mehr lange, dann ist unsere Gemeinschaft zerstört, auseinander-gerissen. Einer von euch wird mich ausliefern an die, die schon lange versuchen, mich in die Finger zu bekommen. 

Klar sind die Jünger irritiert, fragen sich gegenseitig: Wer mag das wohl sein? Ich stelle mir so ein aufgeregtes Untergrundrauschen vor. Und keiner fragt Jesus direkt. Jedenfalls nicht sofort. 

Das kenne ich von mir nur zu gut. Ich suche gern allerorten Antworten auf meine Fragen, bespreche mich mit Familie und Freunden, wäge Für und Wider ab. Und wenn das nicht hilft, dann geht mein Besprechungsreigen von vorn los. Dabei weiß ich, oder zumindest habe ich es allzu oft doch schon erlebt: Die wirklich wichtigen Dinge bespreche ich am besten mit Jesus selbst. Richtig gut gelingt mir das, wenn ich mich hier zum Kreuz begebe und abwarte und frage und höre. Aber ehe ich das tue, frage ich erstmal alle anderen. Verrückt, oder?

Die Jünger von Jesus machen das auch so. Ich bin also in bester Gesellschaft. Nur einer fasst sich beinahe ein Herz. Zumindest stiftet er einen anderen an. Einen, der ganz nah bei Jesus ist. Im Griechischen steht hier sogar, dass dieser Jünger an Jesu Brust lag. Und wenn wir uns das Bild von diesem Triclinium noch mal vor Augen führen, dann ahnen wir vielleicht, wie nah sie sich waren. Petrus gibt diesem Jünger also ein Zeichen: Frag du mal! Wer ist es? Jesus antwortet ganz klar: Es ist der, dem ich das Brot bereite und zu essen gebe. 

Es berührt mich, dass Jesus dem das Brot zubereitet, der ihn den Behörden ausliefern wird. Er bereitet das Brot vor, indem er es eintaucht – vielleicht in das Bitterkraut, das zu solch einem Fest gehört, oder in das Salzwasser – und er gibt es dann Judas. Er weiß, dass am Ende dieses Festes alles anders sein wird. Er weiß, dass es hier kein klassisches Happy End gibt. Und er kennt den Grund, er kennt den Mann, der den Stein ins Rollen bringt. Und was tut Jesus? Er versorgt ihn. Gibt ihm von dem Brot des Kommenden, dem Brot der Erwartung, der Hoffnung. 

Wer schon mal an einer Ordnungsfeier im Rahmen des Pessachfestes teilnehmen durfte, erinnert sich vielleicht an vielen Symbolhandlungen während des Mahls. Es gibt nichts, was nicht symbolisch und bedeutungsschwanger ist. Das Brot, das Jesus hier dem Judas gibt, ist vermutlich das letzte Stück Brot, das an diesem Abend gegessen wird. Es nennt sich Afikoman, das Brot des Kommenden. Und es steht für die Hoffnung auf den Kommenden, den Messias, den Retter der Welt.

Jesus weiß, was Judas tun wird und er schließt ihn nicht aus. Im Gegenteil: Er versorgt ihn. Wie gesagt, es berührt mich zutiefst. Denn es bedeutet doch auch, dass auch wir heute nicht mehr und nicht weniger tun müssen, als uns von Jesus versorgen zu lassen. Das Brot, das er uns anbietet, anzunehmen und zu essen. Egal, wie es in meinem Herzen aussieht. Egal, welche Gedanken mich umtreiben. Ich bin eingeladen an den Tisch, eingeladen, ganz nah bei Jesus zu sein. Jesus schickt uns nicht weg. Im Gegenteil: Er will unsere Gemeinschaft, auch wenn er selbst im Innersten tief erschüttert ist. Jesus berührt, was uns berührt. Es erschüttert ihn, was uns erschüttert. Manchmal ist er eher erschüttert, als ich es bin. Aber er schickt mich nicht weg. Er lädt mich ein und versorgt mich sogar – mit Hoffnung.

Wir wollen jetzt das Brot genießen. Du zuhause, an deinem heiligen Platz, wir hier in der Kirche. Wir sind vielleicht räumlich getrennt, aber im Herzen sind wir uns nah. Und vor allem will Jesus uns nah sein, der uns einlädt, dieses Brot zu essen. Immer, wenn wir miteinander Brot essen, sollen wir uns an Jesus erinnern und an seine Sehnsucht, uns nah zu sein. 

Danke Jesus, du bist uns nah, so nah, wie wir es zulassen. Danke für dein Sehnen, danke für deine Einladung, danke, dass du uns versorgst, egal, wo wir stehen und egal, wie wir zu dir stehen. Wenn wir uns von dir versorgen lassen, dann versorgst du uns. Amen.

            Brot essen

Jesus versorgt uns, egal was war und, ich behaupte: auch egal was kommt. 

Wer sich ein wenig im Johannesevangelium auskennt, weiß, wie dualistisch es oft daherkommt. Immer und immer wieder gibt es dieses Gegenüber von gut und böse, hell und dunkel, Tag und Nacht. 

Und so ist auch die Erzählung von Jesus und Judas zutiefst dualistisch. Jesus, der Judas versorgt und Judas, von dem der Satan Besitz ergreift, sobald das Brot in seinem Mund verschwunden ist. Und wieder Jesus, der ihn nicht aufhält. Im Gegenteil: Jesus schickt seinen Jünger fort. Tu bald, was du tust – oder tun willst. 

Johannes erzählt, dass Judas das Fest nicht bis zum Ende mitfeiert. Er legt den Schwerpunkt anders, als alle anderen Evangelien. Bei Johannes geht Judas nachdem er das Brot gegessen hat. Eigentlich kommt jetzt ein Symbol des Heils, der Versöhnung. Es kommt der dritte Kelch, der an diesem Abend geleert wird, der Kelch der Erlösung. Judas nimmt diesen Kelch nicht. Er geht, um den Auftrag auszuführen. 

Wir erfahren nach Johannes nichts weiter. Wir wissen nicht, wie Judas‘ Leben von da an weiterging. Jedenfalls nicht, wenn wir uns nur bei Johannes umsehen. Matthäus und die Apostelgeschichte geben hier mehr Auskunft. Doch bleiben wir bei Johannes, in dieser relativ kurze Szene: Jesus versorgt Judas mit dem Brot, das er ihm vorher noch zubereitet. Offenbar ist Judas Jesus auch sehr nah. Denn Jesus taucht das Brot in die Schüssel und gibt es dann Judas. Wenn ich mir eine normale Armlänge ansehe, dann wird mir klar: Judas ist ganz nah dran an Jesus. 

Ich bin tatsächlich immer wieder einem eher fiesen Bild von Judas begegnet: Judas, der geldgeile, gierige Finanzbeauftragte. Judas, der es nicht erwarten kann, Jesus zu verraten. Judas, dem man nicht trauen kann. Doch nichts davon wird in der Bibel erzählt, es entspringt alles unserer Fantasie und der Überlieferung. Wen würde ich denn mit Fragen der Finanzen, des Geldes betrauen? Doch nur jemandem, dem man auch wirklich trauen kann. Jemandem, der integer ist, auf den ich mich verlassen kann. 

Vielleicht war Judas all das und vor allem ausgesprochen zuverlässig. Und zugleich war er auch ein Mensch, der sich verführen ließ, der falsche Entscheidungen traf. Einer, der vielleicht eine andere Vorstellung von der Zukunft hatte als sein Freund und Meister.

Ich entdecke viel von Judas in mir. Wie oft sind meine Vorstellungen andere als die meines Herrn und Freundes Jesus. Wie oft setze ich meine Ideen an die erste Stelle und will mit dem Kopf durch die Wand. Wie oft überliefere ich meine Überzeugungen vermeintlich stärkeren Argumenten. 

Die Art, wie Jesus Judas losschickt, berührt mich. Geh und tu, was getan werden muss. Tu, was du für richtig hältst. Jesus könnte Judas aufhalten, aber er tut es nicht. Weil Jesus so nicht ist. Er manipuliert nicht, er liebt und lässt los. Lässt los, auch wenn es ihn am Ende das eigene Leben kostet. 

Was ist mit Judas? Was hatte er denn für eine Wahl? Diese Frage kann ich im letzten nicht beantworten. Ich habe keine Ahnung, was geschehen wäre, hätte Judas es sich anders überlegt, wäre er nicht zu den Behörden gegangen. Es gibt Entscheidungen, die können wir nicht revidieren. Das ist so. Und wenn wir dem Evangelisten Matthäus glauben wollen, dann erkennt Judas das auch. Zu spät, aber er erkennt es. Und er bereut, tut Buße. Im Kapitel 27 bei Matthäus kannst Du das gern nachlesen. Bei Johannes taucht Judas wie gesagt leider gar nicht mehr auf. 

Aber es gibt eine wunderbare Stelle im Brief an die Hebräer, im vierten Kapitel. Die macht mir Mut und Hoffnung. Hoffnung auch für den Judas in mir, der dringend Vergebung braucht. Da steht: „Weil wir nun einen großen Hohen Priester haben, der alle Himmel bis zum Thron des Höchsten durchschritten hat – Jesus, den Sohn Gottes –, lasst uns am Bekenntnis zu ihm festhalten! Dieser Hohe Priester hat Mitgefühl mit unseren Schwächen, weil ihm die gleichen Versuchungen begegnet sind wie uns – aber er blieb ohne Sünde. Darum wollen wir mit Zuversicht vor den Thron unseres überaus gnädigen Gottes treten, damit wir Gnade und Erbarmen finden und seine Hilfe zur rechten Zeit empfangen.“

In dieser Gewissheit, dass wir Gottes Gnade und Erbarmen finden und seine Hilfe zur rechten Zeit empfangen, das wir immer wieder, auch heute, neu anfangen können, lasst uns den Kelch der Erlösung trinken. Gott begegne uns mit seinem herzlichen Erbarmen in diesem Kelch. Amen.

            Kelch trinken

Stille

In der Stille sammeln wir unsere Gedanken und Gefühle, unser Hoffen und Sehnen

Lied: „Du bleibst an meiner Seite“ (S.O.N.G.3 #27; T+M: Tobias Gerster 1999)

Fürbitte mit Hebräer 4,16      

Guter Gott, wir bitten für die Großen dieser Welt, für die Politiker, für die Regierenden, dass sie bei allem das Wohl der Menschen im Auge haben und so ein Klima schaffen, in dem jeder sich wohl fühlt.

Wir treten mit Zuversicht vor den Thron, auf dem die Gnade regiert. Dort werden wir immer, wenn wir Hilfe brauchen, Liebe und Erbarmen finden. 

Wir bitten für die jungen Menschen, für Schülerinnen, Studenten, Berufsanfänger. Nimm ihnen die Angst vor der Zukunft und stelle ihnen Menschen zur Seite, die sie stärken und unterstützen.

Wir treten mit Zuversicht vor den Thron, auf dem die Gnade regiert. Dort werden wir immer, wenn wir Hilfe brauchen, Liebe und Erbarmen finden. 

Wir bitten für Kranke, Alte, Einsame und Sterbende. Zeige ihnen Orte, wo man ihnen hilft, mit ihrer Situation umzugehen und ihre Ängste und Sorgen ernst nimmt. 

Wir treten mit Zuversicht vor den Thron, auf dem die Gnade regiert. Dort werden wir immer, wenn wir Hilfe brauchen, Liebe und Erbarmen finden. 

Wir bitten für unsere Kirche hier in Lesum und für die Kirchen weltweit. Gib den Verantwortlichen  immer wieder neue, gute Ideen, um die Mitglieder in diesen schwierigen Zeiten zusammen zu halten und die gute Botschaft trotz allem weiter zu sagen.

Wir treten mit Zuversicht vor den Thron, auf dem die Gnade regiert. Dort werden wir immer, wenn wir Hilfe brauchen, Liebe und Erbarmen finden. 

Alles Sehnen, alle Hoffnung, alle Gedanken und Gefühle sammeln wir in dem Gebet, das Jesus uns gelehrt hat:

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns in der Versuchung und erlöse uns von dem Bösen. 

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit. In Ewigkeit. Amen

Lied: „Unser Vater“ (F&L 11; Original: Du är värdig lov T+M: Per-Olof Karlsson; D: Peter Strauch 1978)  

Segen

So segne uns der barmherzige und liebende Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Er begegne uns mit Seinem Frieden und Seiner Liebe, die uns heilen kann. Er mache uns bereit, vergebend und versöhnend zu leben und, wo nötig, neu anzufangen. Amen

Gottesdienstordnung zum Sonntag Sexagesimae – 07.02.2021

mit dem Herzen hören

Wir zünden eine Kerze an

und halten kurz inne

Eingang

Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht. I Hebräer 3,15

Stocken ist ein alter Begriff aus dem mittelhochdeutsch, der aber immer noch in unserem Sprachgebrauch benutzt wird, das Eiweiß stockt beim Kochen des Frühstückseies oder der Verkehr stockt, wenn es auf den Straßen nicht mehr zügig vorangeht.

Der Begriff stocken kommt aus der Medizin und wurde vermutlich vom Blut abgeleitet. Es bedeutet so viel wie fest, starr werden, gerinnen, bewegungslos sein. – Man kann sich vorstellen, was es für ein Herz bedeutet. 

Das Herz ist der Sitz deines Gefühls, deines Denkens, deiner Seele.

Und heute bedeutet: hier, jetzt, in der Gegenwart, im Heute.

Gottes Stimme mit dem Herzen hören, dazu werden wir in diesem Gottesdienst noch mehr hören, ihr dürft gespannt sein. Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht.

Ich möchte euch alle begrüßen, die ihr euch eingeschaltet habt, um diesen Gottesdienst per Zoom zu feiern und so miteinander Gemeinschaft zu erleben. Und ich möchte alle begrüßen, die diesen Gottesdienst am Küchentisch feiern oder an einem euch lieben Ort, und nun diesen Text lesen und dadurch mit uns verbunden sind, seid alle herzlich willkommen.

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters, unseren großen Gottes, und im Namen des Sohnes, der uns Bruder geworden ist, und des Heiligen Geistes, der uns leiten und trösten will.

Gebet                                                                                                                                                  

Vater im Himmel, du großer Gott, danke für diesen Sonntagmorgen, den du uns schenkst. Danke für unser Leben und für Gesundheit, Du beschenkst uns mit allem, was wir zum Leben brauchen und noch mit so viel mehr. Lass uns hören, was du uns sagen willst und zeige uns, wo wir unser Herz verstocken und starr werden lassen. Danke, dass Du auch heute zu uns sprichst. Danke, dass wir wissen, du bist da. Amen

Lied: „Herr, ich sehe deine Welt“ (F&L 486; T+M: Peter Strauch 1977) 

Einleitung

Bei dem Thema dieses Gottesdienstes mit dem Herzen hören fiel mir natürlich schnell das bekannte Zitat des kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupery ein: man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar.

Heute soll es aber nicht um das Sehen des Herzens, sondern um das Hören gehen. Es ist schon erstaunlich, was man mit dem Herzen alles kann. In der Bibel wird das Herz als Sitz der Gefühle bezeichnet, Emotionen und positive oder negative Gefühle können unseren Herzschlag und -rhythmus beeinflussen. Wir brauchen da nur an das Herzklopfen unseres ersten Verliebtseins oder auch an unseren letzten großen Ärger zu denken.

Und dieses Herz können wir verstocken oder öffnen und beweglich lassen, heute ist ein guter Tag dafür.

Lied: „Herr, in deinem Namen treffen wir uns hier“ (F&L 102; T+M: Werner Arthur Hoffmann 1994)

Textlesung Auszüge aus Psalm 119

Herr, dein Wort bleibt ewiglich, so weit der Himmel reicht, deine Wahrheit währet für und für. Du hast die Erde fest gegründet, und sie bleibt stehen. Nach deinen Ordnungen bestehen sie bis heute; denn es muss dir alles dienen. Wenn dein Gesetz nicht mein Trost gewesen wäre, so wäre ich vergangen in meinem Elend.

Dein Wort ist meinem Munde süßer als Honig. Dein Wort macht mich klug; darum hasse ich alle falschen Wege. Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.

Erhalte mich nach deinem Wort, dass ich lebe, und lass mich nicht zuschanden werden in meiner Hoffnung.

Amen

Lied „Stille vor dir“ (F&L 96; T+M: Carsten Groß 1998)

Predigt „mit dem Herzen hören“ – Lukas 8,4-8 

Wir Christen sind Teil einer Erzählgemeinschaft. Einer Gemeinschaft, die sich Geschichten erzählt. Geschichten, die uns unterhalten, aus denen wir lernen, die uns fröhlich oder auch traurig stimmen. Ich persönlich liebe Geschichten. Sowohl solche, die ich selbst lese als auch Geschichten, die mir erzählt werden. Hörbücher und Podcasts hören sind vor allem in Zeiten, in denen ich zum Selbstlesen zu müde bin, grandiose Alternativen. 

Meine älteste Tochter hat mir während meines Theologiestudiums oft in der Mittagspause vorgelesen. Ich liebte es, denn der Frieden, der in diesen Zeiten um uns war, war geradezu greifbar.

Überhaupt höre ich meinen Kindern gern beim Erzählen zu. Ob sie nun selbst erzählen oder mir etwas vorlesen, sich also Worte von anderen leihen; es berührt mein Herz, wenn sie erzählen und ich höre ihnen einfach gern zu. 

So ähnlich muss es auch den Leuten vor gut zweitausend Jahren gegangen sein. Den Leuten, die Jesus, den Zimmermann aus Nazareth, persönlich hörten. Er war ein großer Geschichtenerzähler. In der Bibel sind uns 33 Gleichnisse von Jesus überliefert. Dazu kommen 7 Parabeln, eine Allegorie, eine Beispielerzählung und 9 Bildreden. Und niemand weiß, wie viele Geschichten und Erzählungen nicht überliefert sind. 

Jesus war ein Erzähler und die Leute hörten ihm gern zu. Schließlich erzählte er ihre Geschichten. So, als wäre er mit ihnen unterwegs gewesen. Auf ihrem Acker, in ihren Familien, bei ihren Festen. Es waren Geschichten aus ihrem Alltag. Und darum gab es immer etwas, das die Leute wiedererkannten. Und es gab immer auch etwas zu lernen. In den Geschichten, die Jesus erzählte, konnten die Leute sich wieder- erkennen und oft verstanden sie dann auch die Botschaft der Geschichten. Und wer versteht, der lernt auch. 

Das Gleichnis, das wir uns heute näher ansehen, handelt von einem Bauern, der sein Feld bestellt. Das ist zumindest der erste Eindruck, denn nachdem sich eine große Volksmenge um Jesus versammelt hatte, die Leute aus allen Orten zu ihm geströmt waren, beginnt Jesus seine Geschichte. Und er beginnt so: 

Ein Bauer ging auf’s Feld, um seine Saat auszusäen. Während er die Körner auswarf, fiel ein Teil davon auf den Weg. Körner wurden zertreten und die Vögel pickten sie auf. Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden. Die Körner gingen schnell auf und vertrockneten schnell wieder, weil sie keine Feuchtigkeit hatten. Ein weiterer Teil fiel zwischen die Disteln. Die Disteln gingen mit auf und erstickten die junge Saat. Aber ein Teil fiel auf guten Boden. Die Körner gingen auf und brachten hundertfachen Ertrag. 

Dann rief Jesus noch: Wer Ohren zum Hören hat, soll gut zuhören.

Ein Bauer ging auf’s Feld um seine Saat auszusäen. Es klingt ein bisschen wie ein Märchen. So oder ähnlich beginnen Volksmärchen, die sich die Menschen vorzeiten an den langen Abenden erzählten. Es war einmal ein Bauer. Der ging auf’s Feld um seine Saat auszusäen. Und während er sät, fiel vieles daneben. 

In meiner Fantasie greift der Bauer in seinen Beutel und mit großer Geste und viel Schwung wirft er das wertvolle Korn im Viertelkreis um sich. Dabei läuft er über das brach liegende Feld. Dornen und Disteln, Steine und Laufwege. Alles ist da. Gepflügt wird erst nach der Aussaat. Es gilt das Motto, geize nicht mit dem, was du hast. 

Ein Bauer ging auf’s Feld um seine Saat auszusäen. So fangen Märchen und auch Gleichnisse an. Jesus war ein Geschichtenerzähler und Zimmermann. Gewiss hatte er im Laufe seines Lebens schon häufig beobachtet, wie das mit der Aussaat funktioniert. Aber ich persönlich würde diese Arbeit nicht als seine Kernkompetenz bezeichnen. 

Jesu Kernkompetenz war das Reich Gottes. In seinem öffentlichen Reden und Tun ging es ihm immer um das Reich Gottes. Das es sichtbar und erfahrbar und damit real wird. Jesus, der Geschichten erzählende Zimmermann lädt ein, ein wenig vom Reich Gottes zu verstehen. Von der Großzügigkeit Gottes, der weiß, dass ein großer Teil dessen, was er einsetzt, sich eben nicht entwickelt. Weder wächst noch reift. Gott, der dennoch großzügig, geradezu verschwenderisch die Saat ausbringt. 

Ein Bauer ging auf’s Feld. Ich bin fasziniert von diesem Bild. Es ist voller Leben und Hoffnung. Schritt für Schritt, Hand für Hand, Korn für Korn. Ja, es fällt einiges daneben. Sogar ziemlich viel. Man könnte meinen: 75 Prozent gehen verloren. Wenn man alle vier Teile der Erzählung gleich gewichten würde. 75 Prozent. 

Das ist so, als würden in Deutschland 6,4 Mio Tonnen Brot pro Jahr gebacken werden, obwohl nur etwa 1,6 Mio Tonnen Brot verzehrt würden. Ich weiß, das sind unfassbar große Zahlen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie viele Brote das sein sollen. Auf jeden Fall viele! Und nicht nur das, es würden ja 4,8 Mio Tonnen Brot für umme produziert. Also eigentlich zum Wegwerfen. Mein vorsichtiges Herz nennt das Verschwendung…

Es geht aber nicht um Vorsicht oder Gewichtung. Es geht um Großzügigkeit. Gott ist großzügig. Er gibt gern. Und reichlich. Geradezu verschwenderisch. Die Saat, das ist sein Wort der Liebe. Und das kennt keine von ihm gesetzte Grenze. Im Gegenteil. Sein Wurf fasst eine Vierteldrehung oder mehr. Und da ist es egal, ob ein Weg, ein Fels oder Disteln dabei sind. 

Gott differenziert nicht zwischen würdig und unwürdig. Darum erzählt Jesus von diesem Bauern, der sich keinen Deut darum schert, wie viel von dem wertvollen Gut auf würdigen Boden fällt. Er sät mit großem Schwung. Mit solchem Schwung bringt Gott die gute Nachricht von seiner unermesslichen Liebe zu uns Menschen. Das höchste Gebot, das Gebot, in dem sich alles erfüllt, ist das Gebot der Liebe. Liebe zu Gott, zu mir selbst und zu meinem Nächsten, als wäre der Nächste ich selbst. Er kann nicht genug davon bekommen, diese Liebe verschwenderisch zu verteilen. Und wir können nicht genug davon reden. Ich kann nicht genug davon bekommen, davon zu reden. 

Warum aber sieht unsere Welt so gar nicht nach Liebe aus? Was ist mit der Saat passiert? Warum gibt es unfassbar viele gewaltvolle Konflikte und Kriege auf der Welt. Warum das permanente Misstrauen und warum immer wiederkehrenden Machtmissbrauch? Warum sind die Schritte, die wir Menschen gehen, damit die Welt eine bessere wird, so klein und vermeintlich wirkungslos? Und warum folgen auf einen Schritt vor oft zwei zurück?

Hier kommt der Boden ins Spiel. Der Boden, das ist unser Herz. Der Wochenspruch dieser Woche ist dem Hebräerbrief entnommen und er ist eine wunderbare Ergänzung oder sogar eine Vertiefung zu unserem Predigttext: Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verstockt eure Herzen nicht. Tatsächlich haben wir nur eine einzige Aufgabe: Das Herz nicht zu verschließen. Uns nicht für die Liebe Gottes, die uns füllen und vollständig machen will und kann, zu verschließen. Die Liebe Gottes, die uns füllen und vollständig machen kann und will. 

Natürlich ist es vermeintlich leichter, das Herz zu schützen. Denn dann kann es nicht verletzt werden. Es ist leichter, der unbedingten Liebe Gottes zu misstrauen, anstatt ihr Zeit zu geben, dass sie aufgehen kann in meinem Herzen. Denn solange ich offen bin, bin ich verletzlich. Wir alle sind in unserem Leben sicher schon hundertfach verletzt worden. Und es spielt auch keine Rolle, ob diese Verletzung bewusst oder unbewusst geschah. Sie geschah einfach. Dann sein Herz offen zu lassen, es nicht zu verschließen, das ist eine riesengroße Herausforderung. Und selbst wenn der Boden bereit war, das Herz offen, kann es sein, dass sich Disteln breit machen. Disteln der Erfahrung. Disteln des Zweifels. Sollte Gott gesagt haben? Sollte er es ernst meinen? Ist seine Liebe wirklich so radikal?

Es ist nichts gegen Zweifel zu sagen. Im Gegenteil. Ein Glaube, der den Zweifel ignoriert, kann nicht wachsen. Er wird ersticken. Genau daran. Am Zweifel. Darum: Verschließe dich nicht. Sieh deinen Zweifel an und verschließe zugleich nicht dein Herz für die Stimme Gottes. Dein Herz, das ist dieser gute Boden.

Weißt du was: Der Boden, dein Herz ist längst gut, ist vorbereitet, bereit, die Saat aufzunehmen. Ja, da sind auch Felsbrocken und es gibt Wege, die den Acker durchziehen. Wege die sich tief in Dein Leben und damit in Dein Denken eingefurcht haben. Und vermutlich hat auch manche Distel ihren Samen hinterlassen. So ist das Leben.

Darum wirft der Bauer den Samen großzügig aus. Ja, einiges fällt auf den Weg und wird zertreten und es ernährt die Vögel. Und anderes verdorrt, weil es offen rumliegt, weil keine Nährstoffe da ran kommen. Und manches wird überwuchert. Und selbst wenn es sich um eine Verschwendung von 75 Prozent handeln sollte: 25 Prozent fallen in dein Herz, auf diesen guten Boden. Sie können sich entwickeln und Frucht bringen. Das ist für mich eine wirklich gute Botschaft. Verschließe dieses Viertel, verschließe dein Herz nicht. Du bist der geliebte Mensch Gottes. Egal, was bislang in deinem Leben als Botschaft an dich herangetragen wurde. Du bist und dein Herz ist der gute Boden. 

Mit dem Herzen hören – so heißt unser Gottesdienst. Wir haben Herztexte gelesen und gesungen. Wir haben unsere Herzensohren geöffnet für die gute Nachricht von Gottes unbedingter und unfassbarer Liebe, die uns füllt und erfüllt und vollständig macht. 

Mit dem Herzen zu hören, das bedeutet, die Dinge im Herzen aufzunehmen, sie dort zu behalten, wo sie sicher sind. Die Gedanken sind frei und sie sind flüchtig. Aber was ins Herz fällt, das bleibt. 

Wer Ohren zum Hören hat, soll gut zuhören – mahnt Jesus, der große Erzähler, der Bote der Liebe Gottes. Er, der mit Geschichten und Analogien versucht, das Reich Gottes den Menschen nahe zu bringen. Wir sollen gut zuhören. Ich bin mir sicher, wer mit dem Herzen hört, hört gut zu. Der kann dann auch mit dem Herzen verstehen. Und das ändert alles. Amen.

Stille

Lied: „Wir suchen deine Nähe“ (F&L 69; T: Christoph Zehender 1998; M: Manfred Staiger 1998)

Fürbitte[1]

Ewiger Gott, mach uns zu gutem Land, damit wir mit deinem Wort diese Welt besser machen.

Gib den Einflussreichen wache Ohren, damit sie dein Wort hören und dem Frieden dienen.

Gib den Mächtigen gute Herzen, damit sie dein Wort tun und die Last der Schwachen mittragen.

Gib den Klugen barmherzige Hände, damit sie deine Liebe weitergeben und die Kranken heilen.

Ewiger Gott, mach uns zu einem guten Land. Hundertfache Frucht lass wachsen, damit wir einander beistehen, damit die Trauernden getröstet werden, damit die Sterbenden geborgen sind, damit die Verzweifelten aufatmen, damit die Geschlagenen freikommen. Hundertfache Frucht lass wachsen, damit unsere Kinder eine gute Zukunft haben.

Ewiger Gott, mach uns zu gutem Land durch Jesus Christus. 

Ihn wollen wir hören. Ihm vertrauen wir – heute und alle Tage.

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns in der Versuchung und erlöse uns von dem Bösen. 

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit. In Ewigkeit. Amen

Lied: „Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut“ (F&L 173; T+M: Irmgard Spiecker 1970)

Segen

So segne uns der barmherzige und liebende Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Er fülle uns mit Seinem Frieden und Seiner Liebe, die uns vollständig machen kann und will. Er mache uns bereit, mit dem Herzen zu hören und Seine Liebe weiterzugeben.  

Amen


[1] Quelle: https://www.velkd.de/gottesdienst/wochengebet.php?litDay=18#archiv; letzter Zugriff: 05.02.21, 14:47

Gottesdienstordnung zum letzten Sonntag nach Epiphanias – 31.01.2021

Lichtwort

Wir zünden eine Kerze an

und halten kurz inne

Eingang

Über dir geht auf das Licht des Herrn und seine Herrlichkeit erscheint über dir. I Jesaja 60,2

Wir leben in einer schwierigen, nicht einfachen Zeit. Heute wollen wir euch erhellen und erfreuen. Dazu passt auch der Wochenspruch aus dem Buch Jesaja. Dort heißt es: „Über dir geht auf das Licht des Herrn und seine Herrlichkeit erscheint über dir.“ 

Gebet                                                                                                                                               

Treusorgender Vater, du siehst jede und jeden von uns, wo sie ist und wie sie sich fühlt. Sei bei allen, die jetzt mit uns Gottesdienst feiern wollen. Erfülle sie mit deiner Wärme und deinem Licht. Wir bitten dich um deinen Geist, vor allem für unsere Pastorin Anja Bär. Lass jede und jeden verstehen, was du sagen willst. Hab Dank, dass wir jetzt mit dir und deiner Gegenwart rechnen dürfen. Amen

Lied: „Wach auf, mein Herz und singe“ (F&L 461; T: Paul Gerhardt 1647; M: bei Nikolaus Selnecker 1587) 

Einleitung

Wir haben 1994 ein Haus in Vegesack gekauft. Als ich es das erste Mal zur Besichtigung dieses Haus betreten habe, war ich fasziniert. Eine Helligkeit in allen Räumen. In jedem Zimmer war immer eine Wand voll verglast. Man konnte aus jedem Zimmer ins Freie gehen. Lichtdurchflutet war das Haus. Ich konnte mir sofort vorstellen, wie gut es mir und meiner Familie tun würde. 

Licht, Helligkeit tut meiner so Seele gut. Vielleicht geht es dir ja genauso. In diesem Gottesdienst geht es ums Licht. Im zweiten Petrusbrief steht „….dies Wort ist wie ein Licht!“. In der Bibel kommt der Begriff Licht 299 mal vor. Das ist schon relativ häufig. 

Ein Datum, das im Verlauf des Jahres immer wichtig für mich ist, ist der 21. Dezember. Nach diesem Tag werden die Tage immer heller. Es ist ein Glücksmoment für mich. Ich freue mich sehr auf dieses Datum. Jedes Jahr neu.  

Gerade in einer Zeit, wie dieser brauchen wir Licht und Lichtgedanken. Nicht das Dunkle. 

Ich wünsche uns allen heute einen einzigen Lichtgedanken zum Mitnehmen, ein Satz, ein Begriff, der uns aufmuntert und wärmt.

Lied: „Du, Herr, heißt uns hoffen“ (F&L 172; T+M: Otmar Schulz 1967)

Textlesung 2Korinther 4,6-10

6Denn Gott, der da sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass die Erleuchtung entstünde zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi. 7Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, auf dass die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns. 8Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. 9Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um. 10Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserm Leibe, auf dass auch das Leben Jesu an unserm Leibe offenbar werde.

Lied zur Jahreslosung „Warmherzig barmherzig“ (T+M: Hartmut Kluge 23.12.2020)

Predigt Lichtwort – 2Petrus 1,12-19

Wir sollten uns viel mehr Geschichten erzählen statt immer nur Fakten. In dieser Woche bin ich diesem Satz begegnet. Und ich merke, wie er tief und tiefer in mich hineinfällt und wie seine Wahrheit in mir lebendig wird. 

Wir leben in einer faktenbasierten Gesellschaft und Zeit. Fakten und leider auch Postfakten spielen die erste Geige. Es scheint nichts wichtigeres als Fakten zu geben. Und fängt dann doch mal einer an eine Geschichte zu erzählen, dann geht den Zuhörenden schnell die Luft aus. Vor allem dann, wenn die Geschichte als langatmig und öde wahrgenommen wird. Oder wenn ich nicht sofort erkenne, worauf der Erzähler hinaus will. 

Dabei sind wir Christen eigentlich eine Erzählgemeinschaft. Die Geschichten der Bibel wurden zuerst vor allem mündlich weitergegeben. Sie wurden erzählt. Und es ging dabei nicht um die Weitergabe von Fakten. Es ging um die Weitergabe von Erfahrenem. Erfahrenes ist Erlebtes, das gedeutet wird. Also alles, was wir lernen aus dem, was wir erleben, können wir Erfahrung nennen. Und diese Erfahrung wird weitergegeben. Die Gründe sind vielfältig. Ganz sicher geht es dabei auch um Verstehen und Lernen. Biblische Geschichten sind also Geschichten, die uns helfen sollen zu verstehen. 

So sind auch die Lieder, die wir in unseren Gottesdiensten singen, oft aus dieser Erzähltradition. Sie erzählen, was Menschen erleben und vor allem Gottes Eingreifen und wie sie es dann deuten. 

Wir sollten uns viel mehr Geschichten erzählen statt immer nur Fakten. 

Menschen erzählen bis heute von dem, was sie erlebten, geben auf diese Weise ihre Erfahrungen weiter. 

Die hinter uns liegende Woche war eine erzählintensive Woche. Es wurden vor allem Geschichten voll Grauen erzählt, die alle eines gemein hatten: Hoffnung auf bessere Zeiten. Hoffnung auf die gegenwärtige und die zukünftige Gesellschaft, die sich jeder Form von Verachtung, vor allem Menschenverachtung entgegenstellt. Wenn die Holocaustüberlebende Charlotte Knobloch vor den Abgeordneten im Bundestag spricht und dabei ihrer Überzeugung Worte gibt, dass ein Deutschland voll Menschenhass unterlegen ist, dann ist das eine Hoffnungserzählung. Hoffnung, die sich aus der Erfahrung speist, dass Menschen erschrocken und erschüttert sind, über Geschehenes Grauen und sich neuen feindlichen Entwicklungen mit Macht entgegenstellen. 

Es sind keine ausgeklügelten, erfundenen Geschichten, die wir in diesen Tagen hören und hörten. Sie werden erzählt von Menschen, die sie erlebt haben. Auch in unserem Predigttext begegnen wir einer Erfahrung, die weitergegeben wird, damit spätere Hörer und Leser etwas verstehen und daraus lernen. 

Der Predigttext ist dem ersten Kapitel des zweiten Petrusbriefes entnommen: 

12Darum will ich euch immer wieder an das Gesagte erinnern – auch wenn ihr schon alles wisst und an der Wahrheit festhaltet, die euch verkündet wurde. 13Aber ich halte es für richtig, euch durch die Erinnerung daran wachzuhalten – solange ich noch bei euch lebe, in meinem Körper, der so vergänglich ist wie ein Zelt. 14Ich weiß aber, dass mein Zelt bald abgebrochen wird. So hat es mir unser Herr Jesus Christus angekündigt. 15Ich aber will dafür sorgen, dass ihr euch jederzeit an das Gesagte erinnern könnt – auch dann noch, wenn ich von euch gegangen bin.

16Wir haben euch ja angekündigt, dass unser Herr Jesus Christus machtvoll wiederkommen wird. Und dabei haben wir uns nicht auf ausgeklügelte, erfundene Geschichten gestützt.  Sondern wir haben mit eigenen Augen seine wahre Größe gesehen. 17Von Gott, dem Vater, empfing er seine Ehre und Herrlichkeit – aus der majestätischen Herrlichkeit Gottes kam eine Stimme zu ihm, die sagte: »Das ist mein geliebter Sohn, an ihm habe ich Freude.« 18Diese Stimme haben wir selbst gehört. Sie kam vom Himmel her, als wir mit Jesus auf dem heiligen Berg waren.

19So gewinnen die prophetischen Worte für uns noch an Zuverlässigkeit. Und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet. Denn diese Worte sind wie ein Licht, das an einem finsteren Ort brennt – bis der Tag anbricht und der Morgenstern in eurem Herzen aufgeht.

Zwei Gedanken dazu möchte ich mit euch teilen. 

Der erste Gedanke gilt dem Gedenken, der Erinnerung. Diese Woche war voll Gedenken. Der Schreiber des zweiten Petrusbriefes würde dieses wohl sehr begrüßen. Denn er selbst legt großen Wert auf Gedenken, auf Erinnerung. Und er begründet es auch: Damit ihr wach bleibt. „Wachzuhalten“ steht im Text. Es wäre eigentlich besser: „wachrütteln“ zu verwenden. Ich halte es für richtig, euch durch die Erinnerung wachzurütteln. 

Erinnerung hält wach. Ich bin davon fasziniert, dass in einem etwa 2000 Jahre alten Text schon thematisiert wird, dass es Zeiten geben kann, in denen Menschen schläfrig werden, schläfrig und unaufmerksam. Es ist ein altes Phänomen. Wir sind Gewohnheitswesen. Und zur Gewohnheit gehört es auch, sich abzuschleifen. Also die Dinge für so selbstverständlich zu nehmen, dass ihre Bedeutung, ihr Wert fad und gering wird. 

Darum betont unser Briefschreiber: Die Erinnerung hält euch wach. 

Seit Jahren gibt es in Deutschland die sogenannte Schlussstrichdebatte. Ermüdung im Gedenken und falsch verstandenes Erinnern führen unter anderem dazu. Beliebte Formulierungen: Es muss doch jetzt auch mal gut sein. Wir sind nicht schuld. Das ist doch alles schon so lange her. 

Doch wer aufhört sich zu erinnern, der vergisst. Und wer vergisst, den wird die Vergangenheit schneller einholen, als ihm lieb ist. Sich zu erinnern, das zieht sich durch die ganze Bibel. Erinnert euch an all das Gute, das euch widerfahren ist. Erinnert euch an die großen Wunder Gottes. Erinnert euch, dass ihr einst Sklaven wart. Erinnert euch, wem ihr all das zu verdanken habt. 

Erinnere dich, worauf du dich in deinem Leben stützt. Erinnere dich: Was sind die Bretter deines Glaubens, die dich durch dein Leben tragen?

Wer sich erinnert bleibt nicht nur wach. Er ist auch empfänglich für das Gute und Helle des Lebens, denn er weiß um das, was dunkel ist und sucht das Licht, sehnt sich danach.

In dieser Woche war ich Teil einer besonderen Erinnerungs-, einer Erzählgemeinschaft. Wir trafen uns über Zoom, also in einem Videomeeting. So, wie wir seit Monaten auch Gottesdienste feiern. Ankerzelle hieß diese Gruppe. Und hier speziell: biografisch ankern. Jeder von uns brachte einen Bibeltext mit, der ihn in seinem Leben geprägt und geleitet hat. 

Am meisten war ich von der Vielfalt beeindruckt. Die Bibelstellen und ihre Geschichten dazu haben mich sehr bewegt. Es waren ganz unterschiedliche Geschichten und jede war unendlich kostbar. Und alle haben geleuchtet. In einer Geschichte spielte Psalm 22 eine wesentliche Rolle: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Wie kann solch eine Geschichte leuchten? Der Psalmbeter und auch der Mensch, der uns seine Geschichte erzählte, adressiert seine Klage. Er spricht sie nicht in den leeren Raum. Er sieht sich in großer Not und fühlt sich komplett verlassen. Und doch ahnt er und spricht es auch aus: Gott ist ansprechbar. Gott ist nicht das Licht am Ende des Tunnels. Er ist das Licht, das mich durch den Tunnel begleitet. 

Ähnliches hörten oder lasen wir vorhin schon im 2Kor4: „Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um.“ so heißt es da. 

Als wir in der Bibelstunde über diesen Text sprachen, stellten wir fest, dass wir in einer ausgesprochen privilegierten Situation leben. Wir erleben weder Bedrängung noch Verfolgung und auch keine Unterdrückung. Und dafür sind wir dankbar. Aber auch wir kennen Angst und das Gefühl, dass die Lage bedrohlich wird. In all dem sind wir nicht allein. Der Schreiber des 2Petrusbriefes ruft es laut und deutlich. 

Ich will euch erinnern, damit ihr wach bleibt. Erinnert euch an die Gute Nachricht, an das lebendige Wort: Wir sind in allem, was uns dunkel erscheint, nicht allein. Denn das Wort Gottes, seine Zusage, ist wie ein Licht, das an einem dunklen Ort brennt, so lange, bis der Tag anbricht und der Morgenstern in eurem Herzen aufgeht. 

Worte der Bibel. Sie lassen die Erinnerungen und Erfahrungen von Menschen, die lange vor uns gelebt haben. leuchten. Es sind ihre Erfahrungen, dass Gott treu ist. Sein Wort gilt, Er ist immer ansprechbar, auch wenn wir uns von ihm verlassen fühlen. 

Ich habe in die besondere Erzählgemeinschaft in dieser Woche meinen Taufspruch eingebracht: Jesaja 41,10 „Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; schau dich nicht ängstlich um, ich bin ja dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir.“ Er flasht mich immer noch, auch nach 31 Jahren. Ich musste erst lernen, wie sehr dieses Wort mein Leben widerspiegelt. Aber nun ist es mein Trost-, mein Lichtwort. Was ist dein Lichtwort?

Möge Gott, unser Vater, uns durch sein Wort Licht schenken, damit wir Licht für die Menschen um uns her sind. Möge Gott, unser Vater uns erkennen lassen, dass sein gutes Wort für uns „Immanuel“ ist – Gott mit uns. Jesus – Immanuel – Gott mit uns. Amen

Stille

Lied: „Licht, das in die Welt gekommen“ (F&L 160; T: Rudolf Stier 1827; M: Heinrich Albert 1642)

Fürbitte[1]

Lebendiger Gott, Licht lässt du aufscheinen in dieser Welt.
Wie sehr sehnen wir uns danach. Wie dringend braucht es deine Schöpfung. Wie abhängig ist die Welt von deinem Licht.

Wir bitten dich um Licht in den Herzen und Köpfen der Mächtigen, damit Besonnenheit ihre Entscheidungen bestimmt, damit Klugheit ihr Handeln regiert, damit Weisheit ihre Worte lenkt.
Um dein Licht, Lebendiger, bitten wir dich.
Erhöre uns

Wir bitten dich um Licht in den Kliniken und an den Betten der Sterbenden, damit die Pflegenden gesund bleiben, damit Kranke genesen, damit Lebensmut die Schatten des Todes vertreibt und Trost die Trauernden erreicht.
Um dein Licht, Lebendiger, bitten wir dich.
Erhöre uns.

Wir bitten dich um Licht an den Orten des Grauens und der Angst, an den Orten der Zerstörung, an den Orten des Aufbruchs und der Hoffnung, damit dein Leben einkehrt.
Wir bitten dich um Licht in deiner Gemeinde, in den Herzen aller, die dir, Lebendiger, vertrauen. Um dein Licht und deine Liebe, bitten wir dich.
Durch Jesus Christus lass es aufscheinen – heute und alle Tage.

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. 

Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns in der Versuchung und erlöse uns von dem Bösen. 

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit. In Ewigkeit. Amen

Lied: „Herr, segne uns und behüte uns“ (F&L 107; T: 4Mo 6,24-26; M: Dora Rappard vor 1923)

Segen

So segne uns der barmherzige und liebende Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Er fülle uns mit Seinem Frieden und schenke uns Worte, die wie Licht sind, das an einem dunklen Ort brennt, bis der Tag anbricht und der Morgenstern in unseren Herzen aufgeht. 

Amen


[1] Quelle: https://www.velkd.de/gottesdienst/wochengebet.php?litDay=16#archiv; letzter Zugriff: 29.01.21, 23:35

Gottesdienstordnung zum 3. Sonntag nach Epiphanias – 24.01.2021

(Gottes) Liebe kennt keine Grenzen

Wir zünden eine Kerze an

und halten kurz inne

Eingang

Aus Ost und West, aus Nord und Süd werden die Menschen kommen und in Gottes neuer Welt zu Tisch sitzen. I Lukas 13,29

Wir alle sind eingeladen in  Gottes neuer Welt an seinem Tisch mit zu sitzen. Gottes Reich ist bunt und vielsprachig. Alle Menschen sind eingeladen. Was für ein ungeheurer großes Angebot an uns, seinen Kindern.

Es ist ein tolles Gefühl, wenn wir zu Tisch sitzen mit Freunden, wenn wir versorgt werden.

In Zeiten von Corona sieht das ganz anders aus. Wir dürfen einander nicht  besuchen. Wir müssen Abstand halten und uns schützen. Der Gottesdienst aber, er will uns miteinander verbinden.

Wir sind eingeladen diesen Gottesdienst zu feiern, gemeinsam im Zoomgottesdienst oder auch zuhause am Küchentisch. Wir dürfen wissen, Gott ist gegenwärtig.   

Gebet                                                                                                                                               

Danke Herr, für deine Gegenwart hier in diesem Gottesdienst und auch überall da, wo sich gerade Menschen in Kirchen und Gemeinden und Häusern sammeln und versammeln.

Herr, du großer und wunderbarer Gott, du lädst uns alle ein, an deinem Tisch zu sitzen in deinem himmlischen Reich. Du grenzt nicht aus, du lädst alle Menschen ein, die Großen und die Kleinen, die Armen und die Reichen, die Mutlosen wie auch die Hoffnungsvollen. Bei dir finden alle ihren Platz an deinem Tisch,  deine Liebe zu uns ist grenzenlos.  Wir sehnen uns so sehr nach Begegnungen und wissen doch, wir müssen abwarten und Geduld haben. Danke für deine Liebe und dein Wort, das uns tröstet und stärkt. Bitte begegne uns. Amen.  

Lied: „Lobet den Herren“ (F&L 460; T: Paul Gerhard 1653; M: Johann Crüger 1653)

Einleitung

Gottes Liebe kennt keine Grenzen, so lautet das Thema unseres heutigen Gottesdienstes.

Wir schreiben das Jahr 2021. Es sind schon so viele Jahre vergangen, seit durch unser Land eine Grenze verlief, die Ost und West teilte. Diese Grenze teilte Familien sie schien unüberwindbar. Menschen verloren ihr Leben, wenn sie versuchten diese Grenze zu überwinden. Aber diese Grenze hielt keine Ewigkeit, nur einmal 28 Jahre (von 1961 bis 1989), ein kurzer Zeitraum nur. 

Die Botschaft von Gottes großer Liebe kennt keine Grenzen, sie macht vor keiner Volks- oder Landesgrenze Halt. Sie gilt allen Menschen.

Wir haben einen Auftrag, nämlich diese Liebe weiterzugeben. In Zeiten von Corona fällt das manchmal schwer. Begegnungen mit anderen sind auf ein Minimum zu reduzieren. Und doch können wir auch in solchen Zeiten Zeichen der Liebe weitergeben. Einen Brief schreiben, ein Anruf oder eine kleine Nachricht mit dem Smartphone schreiben.

Gottes Liebe kennt keine Grenzen, Gottes Liebe ist wie die Sonne, sie ist immer und überall da. Dieses Lied wollen wir gleich singen. In dem Lied heißt es weiter, streck dich dieser Liebe entgegen, nimm sie in dich auf. Gottes Liebe, sie kann dich verändern und macht das Leben neu. Es kann Zeiten geben, da können manchmal Wolken zwischen dir und Gottes Liebe stehen. 

Und am Ende heißt es, gib diese Liebe weiter, auch an den, der dich nicht lieben kann.

Lied: „Gottes Liebe ist wie die Sonne“ (KiLi 197, T+M: Frankfurt/M 1970)

Textlesung Rut 1, 1-19a (gute Nachricht)

Es war die Zeit, als das Volk Israel noch von Richtern geführt wurde. Weil im Land eine Hungersnot herrschte, verließ ein Mann aus Betlehem im Gebiet von Juda seine Heimatstadt und suchte mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen Zuflucht im Land Moab.Der Mann hieß Elimelech, die Frau Noomi, die Söhne waren Machlon und Kiljon. Die Familie gehörte zur Sippe Efrat, die in Betlehem in Juda lebte. 

Während sie im Land Moab waren, starb Elimelech und Noomi blieb mit ihren beiden Söhnen allein zurück. Die Söhne heirateten zwei moabitische Frauen, Orpa und Rut. Aber zehn Jahre später starben auch Machlon und Kiljon, und ihre Mutter Noomi war nun ganz allein, ohne Mann und ohne Kinder.

Als sie erfuhr, dass der HERR seinem Volk geholfen hatte und es in Juda wieder zu essen gab, entschloss sie sich, das Land Moab zu verlassen und nach Juda zurückzukehren. Ihre Schwiegertöchter gingen mit.

Unterwegs sagte sie zu den beiden: »Kehrt wieder um! Geht zurück, jede ins Haus ihrer Mutter! Der HERR vergelte euch alles Gute, das ihr an den Verstorbenen und an mir getan habt. Er gebe euch wieder einen Mann und lasse euch ein neues Zuhause finden.« Noomi küsste die beiden zum Abschied. Doch sie weinten und sagten zu ihr: »Wir verlassen dich nicht! Wir gehen mit dir zu deinem Volk.« Noomi wehrte ab: »Kehrt doch um, meine Töchter! Warum wollt ihr mit mir gehen? Habe ich etwa noch Söhne zu erwarten, die eure Männer werden könnten? Geht, meine Töchter, kehrt um! Ich bin zu alt, um noch einmal zu heiraten. Und selbst wenn es möglich wäre und ich es noch heute tun würde und dann Söhne zur Welt brächte – wolltet ihr etwa warten, bis sie groß geworden sind? Wolltet ihr so lange allein bleiben und auf einen Mann warten? Nein, meine Töchter! Ich kann euch nicht zumuten, dass ihr das bittere Schicksal teilt, das der HERR mir bereitet hat.« Da weinten Rut und Orpa noch mehr. Orpa küsste ihre Schwiegermutter und nahm Abschied; aber Rut blieb bei ihr.

Noomi redete ihr zu: »Du siehst, deine Schwägerin ist zu ihrem Volk und zu ihrem Gott zurückgegangen. Mach es wie sie, geh ihr nach!« Aber Rut antwortete: »Dränge mich nicht, dich zu verlassen. Ich kehre nicht um, ich lasse dich nicht allein. Wohin du gehst, dorthin gehe ich auch; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da will auch ich sterben; dort will ich begraben werden. Der Zorn des HERRN soll mich treffen, wenn ich nicht Wort halte: Nur der Tod kann mich von dir trennen!« Als Noomi sah, dass Rut so fest entschlossen war, gab sie es auf, sie zur Heimkehr zu überreden. So gingen die beiden miteinander bis nach Betlehem.

Lied: „Herr, ich komme zu dir“ (F&L 333; T+M: Albert Frey 1992)

Predigt

Der bekannteste Vers aus dem Buch Rut ist vermutlich: Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. 

Das ist Vers 16b aus dem ersten Kapitel des Buches Rut. Er wird gern für Hochzeiten als Trauspruch oder als Zuspruch verwendet. Und selbst ein Hinweis, dass hier eine Schwiegertochter zu ihrer Schwiegermutter spricht, ist kein hinreichender Grund, einen anderen Vers aus der Bibel zu wählen. Das ist auch völlig in Ordnung. Denn tatsächlich handelt es sich um echte Liebe, die in diesen Worten zum Ausdruck kommt. 

Doch schauen wir uns den ganzen Text etwas genauer an. Es ist mal wieder eine Hungersnot ausgebrochen. Die Not ist so groß, dass die Menschen sich auf den Weg machen, um Orte zu finden, die ihnen das Leben ermöglichen. Ist das nicht erstaunlich? Diese Geschichte wiederholt sich seit Menschengedenken – bis heute. Menschen suchen nach Lebensraum, in dem sie wirklich leben können. Sie geben sich nicht damit zufrieden, dahinzuvegetieren, bis ihr letzter Atemzug verhaucht ist. Nein, Menschen wollen leben und wenn das am angestammten Ort nicht geht, dann ziehen sie eben weiter.

So auch Elimelech und Noomi. Sie kommen aus Juda. Das ist der südliche Teil des damaligen Israel, westlich des Toten Meeres. Und sie ziehen nach Osten, auf die andere Seite des Toten Meeres, nach Moab. Moab liegt südlich des Stammesgebietes von Ruben. Heute liegt dort Jordanien. Sie nehmen also ihre Söhne und ziehen los. Nach Moab. Moab, das waren die Heiden. Eigentlich gab man sich nicht mit ihnen ab. Sie stammten zwar von Lot, dem Neffen Abrahams ab, aber sie beteten andere Götter an und überhaupt ist die Entstehung der Moabiter wenig ruhmhaft. Aber wenn die Not groß ist, dann zählen solche tradierten Vorbehalte nicht. Dann gibt es keine Grenzen, nur Hoffnung. Und die treibt. 

In Moab finden sie Heimat. Offenbar für längere Zeit. Denn die Bibel erzählt, dass Noomi Witwe wird und die Söhne erwachsen werden. Sie heiraten Frauen des Landes, Moabiterinnen. Sie richten sich ein, werden heimisch. Man nennt das Assimilation. Sie assimilieren sich in dem Land Moab. Das ist mehr als ein Zwischenhalt. Wer sogar Familie in der Fremde gründet, für den wird die Fremde Heimat. 

Nach zehn Jahren sterben die Söhne der Noomi, nun sind drei Witwen miteinander verbunden – in ihrer Trauer und ihrem Verlust. 

Nun müssen sie Entscheidungen fällen. Wie geht es weiter? Noomi zieht es zurück in die alte Heimat. Nach Juda, in das Land ihrer Herkunft. Und die Schwiegertöchter kommen mit. Das ist so eine kleine Randbemerkung und doch hat sie mich aufmerken lassen. Es ist schon ungewöhnlich, dass die Schwiegertöchter der Schwiegermutter folgen, zumal da keine weiteren Söhne sind, die als künftige Ehegatten infrage kämen. Starb ein Mann, der seine Frau kinderlos hinterließ, hatte der Bruder des Verstorbenen die Witwe als Frau zu nehmen und mit ihr Kinder zu zeugen. Das erste Kind galt dann als Erbe des Verstorbenen. Auf diese Weise sollte eine Blutslinie nicht aussterben (5Mo 25,5.6). Dazu gibt es eine tolle Geschichte von Juda und seiner Schwiegertochter Tamar. Könnt ihr im ersten Buch Mose, Kapitel 38 nachlesen. Sehr spannend!

Noomi hat nun keine weiteren Söhne, nur ihre Schwiegertöchter. Es ist als aus dem Hause der Noomi weder für Orpa noch für Rut Nachkommenschaft und damit Erhalt zu erwarten. Und dennoch gehen die beiden mit Noomi. Sie ziehen in ein Land, dessen Kultur ihnen fremd ist. Schon wieder eine grenzüberschreitende Reise. Als wir in der Bibelstunde über diesen Taxt sprachen, war die recht einhellige Meinung: Noomi muss eine tolle Schwiegermutter gewesen sein. Ja, das denke ich auch. Denn auch die weitere Geschichte ist überraschend und zeugt von großer Zuneigung der drei Frauen zueinander.

Die Geschichte, mit der wir es hier zu tun haben, ist tatsächlich eine große Liebesgeschichte. Kein Wunder, dass so viele Ehen mit Auszügen aus diesem Text geschlossen werden. 

Es wird uns zum einen die Liebe einer Schwiegermutter erzählt. Sie lässt ihre Schwiegertöchter ziehen. Nicht nur das. Sie schickt sie sogar weg. Geht und gründet eine neue Familie. Sie besteht nicht darauf, von den beiden Frauen versorgt zu werden. Sie hat ihre Zukunft im Blick. Das ist Liebe. Wer liebt, lässt los. Wer liebt gibt den anderen frei, damit er sich entfalten, damit er Zukunft bauen kann. 

Noomi gibt nicht nur frei, sie drängt ihre Schwiegertöchter sogar, zurück zu ihrem Volk, ihrer Kultur und ihrem Glauben zu gehen. Vertrautes gibt ja auch Sicherheit. Was Noomi in der alten Heimat erwartet ist ja noch völlig ungewiss. Mich beeindruckt diese Selbstlosigkeit von Noomi. Sie hat das Wohl ihrer Schwiegertöchter im Sinn. Sie nennt sie im Verlauf der Geschichte sogar Töchter. Das Schwieger fällt weg. Sie sind für sie wie ihre eigenen Kinder und eine Mutter hat doch in der Regel vor allem eines im Sinn: Dass es den Kindern gut geht. 

Die Liebe der Noomi wird erwidert. Auch die Töchter lieben sie. Rut sogar so sehr, dass sie ein Versprechen, einen Treueschwur abgibt: „Ich kehre nicht um, ich lasse dich nicht allein. Wohin du gehst, dorthin gehe ich auch; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da will auch ich sterben; dort will ich begraben werden. Der Zorn des HERRN soll mich treffen, wenn ich nicht Wort halte: Nur der Tod kann mich von dir trennen!“

Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott. Die Moabiter verehren Kemosch und Baal. Von JHWH, dem HERRN des Volkes Israel haben sie höchstens gehört. Ihr Kult, ihre Religion unterscheidet sich aber grundlegend. Was anderes als die Liebe kann einen Menschen veranlassen, seinen Kult zu verlassen und einem anderen Gott zu gehorchen? Natürlich könnte man hier das Wirken des Geistes Gottes überlegen. Aber das wäre doch sehr weit hergeholt. Der Text gibt das nicht her. Es ist Zuneigung, Treue, Hingabe. Aus diesen Bestandteilen kann Glaube entstehen und manchmal geht das sogar umgekehrt. Dann befähigt der Glaube Menschen dazu, treu und hingegeben zu sein. Aber hier haben wir es mit der Liebe einer Schwiegertochter zu ihrer Schwiegermutter zu tun. Ich bleibe bei dir, ich gehöre zu dir. Dort, wo dein letzter Platz ist, ist auch meiner. Die Liebe der Rut kennt keine Grenzen und darum zieht sie mit Noomi bis nach Betlehem – an diesem Ort wird sehr viel später der Heiland, der Retter geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids (Lukas 2,11). 

Diese Treue und Hingabe wird Teil der Heilslinie, die sich durch die gesamte biblische Geschichte zieht. Es sind immer wieder besondere Persönlichkeiten, vor allem Frauen aus anderen, aus heidnischen Völkern, mit denen Gott besondere Geschichten schreibt. Der Evangelist Matthäus bindet alle diese besonderen Frauen in die Abstammungslinie Jesu ein. Tamar, die sich als Prostituierte verkleidet, ihrem Schwiegervater Juda hingibt, um einen Sohn zu bekommen. Rahab, die Hure aus Jericho, die die Kundschafter der Isareliten versteckt und später mit Salmon Boas zeugt, der wiederum die Moabiterin Rut heiratet, die ihrer Schwiegermutter Noomi folgte und Obeds Mutter wird. Obed ist der Großvater vom späteren König David. David bricht die Ehe mit Batseba, der Frau Urijas. Aus dieser Linie stammt Josef, der Maria, die Mutter von Jesus, zur Frau nimmt. 

Ja, das ist eine konstruierte Linie mit vielen Brüchen. Matthäus schreibt sie aber auf, um deutlich zu machen, dass die Liebe Gottes sich nicht beschränkt. Weder auf ein vermeintlich gottgefälliges Leben noch auf eine bestimmte Herkunft, Rasse und Geschlecht. Es ist unwichtig, woher du kommst. Es ist unwichtig, was du mit dir rumschleppst und welche Entscheidungen in deinem Leben gut und welche schlecht waren. Gott liebt. Und zwar grenzenlos. 

Die Geschichte von Rut und Noomi ist nur ein Teil davon. Sie ist Teil der großen Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen. Sie zeigt uns, dass Gott niemals so klein ist, wie wir ihn machen. Er fängt mit einem wirklich kleinen Volk an, offenbart sich. Und er mutet uns Menschen zu, unser Denken zu erweitern, unsere Grenzen zu sprengen. 

Warum ist es gerade die Moabiterin, die uns hier vorgestellt wird? Warum wird gerade ihre Geschichte zu einer großen Geschichte in der Bibel? Warum ist diese Erzählung der beiden Frauen Noomi und Rut so präsent ein Buch von Stärke und Durchsetzungskraft und Liebe, die alles überwindet? 

Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes. So steht es im Lukasevangelium. Und so bezeugen unzählige biblische Erzählungen, bis hin zu Rut, deren Geschichte auch die Geschichte von der Grenzenlosigkeit Gottes ist. 

Denn Gott ist niemals so klein, wie wir ihn machen. Seine Liebe kennt keine Grenzen. Amen.

Stille

Lied: „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ (F&L 392)

Fürbitte[1]

Du Gott der Völker, in allen Nationen leiden die Menschen, suchen Schutz vor Ansteckung, sehnen sich nach Heilung, trauern um ihre Toten. Du bist das Leben. Du kannst heilen und trösten. Höre uns.

Du Gott der Armen, in der Kälte leiden die Schwachen, frieren ohne Obdach, suchen nach Essbaren, verlieren die Hoffnung. Du bist das Leben. Du kannst retten und beschirmen. Höre uns.

Du Gott des Friedens, überall hoffen die Menschen deiner Gnade, sie leben mit den Wunden der Vergangenheit, reichen die Hände der Versöhnung, bauen Brücken. Du bist das Leben. Du bist der Friede. Höre uns.

Verwandle uns. Mache uns zu Menschen des Friedens durch Jesus Christus. Er ist das Licht in unserer Dunkelheit und unsere Hoffnung – heute und alle Tage.

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. 

Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns in der Versuchung und erlöse uns von dem Bösen. 

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit. Amen

Lied: „Jesus Christus segne dich“ (F&L 110; T+ M: Peter Strauch 1986)

Segen

Der barmherzige Gott segne uns und mache uns zu barmherzigen Menschen. Die Herrlichkeit Gottes fülle uns aus, sodass wir sie sichtbar machen können. Die Liebe Gottes, die all das heilen kann, was Heilung braucht, erfülle unsere Herzen und Sinne und mache uns zu Liebenden und Barmherzigen. 

Amen


[1] Quelle: https://www.velkd.de/gottesdienst/wochengebet.php?litDay=15#archiv; letzter Abruf: 22.01.2021; 19:32 

Gottesdienstordnung zum 2. Sonntag nach Epiphanias – 17.01.2021

Die verborgene Herrlichkeit Gottes

Wir zünden eine Kerze an

und halten kurz inne

Eingang                                                                                                                                            

Aus seinem Reichtum hat er uns beschenkt, er hat uns alle mit Güte überschüttet. I Johannes 1,16  

Heute feiern wir den 2. Sonntag nach Epiphanias. Ich grüße euch dazu ganz herzlich. Es wird ein besonderer Gottesdienst. Das Thema ist: „Die verborgene Herrlichkeit Gottes“ und „Weihnachten geht weiter“?!?! Das Fest ist zwar zu Ende, aber die Botschaft wird weitergetragen. Von den Hirten über die Apostel, über viele, viele Generationen, bis in unsere heutige Zeit. Das Besondere ist ein „Anspiel“, ein „Nachkrippenspiel, das in verteilten Rollen gelesen wird. Denn, das „Danach“ ist auch heute noch aktuell!  Weihnachten geht weiter! Gott segne uns diesen Gottesdienst! 

Gebet                                                                                                                                               

Herr Jesus, danke für deine Gegenwart. Danke, dass du in diese Welt gekommen bist. Danke, dass du uns beschenkst mit deiner Liebe und Güte. Danke, dass wir dir vertrauen dürfen und dass, auch wenn wir den Halt verlieren, wir nicht tiefer fallen können, als in  deine Hände! Du bist unser Wegbereiter und gehst voran. Segne uns und diesen Gottesdienst. Wir loben und preisen dich: Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist.  Amen

Lied: „Heut wurde Tag“ (F&L 464; T: Eleanor Farjeon vor 1933; D: Jörg Swoboda 1986; M: Gälisches Volkslied vor 1900) 

Einleitung                               

Es ist eine besondere Zeit. Noch gelten die Lobgesänge und Texte des Weihnachtsfestkreises im Kirchenjahr. Doch diese Zeit, die Epiphaniaszeit geht zu Ende. Heute ist der Vorletzte der Epiphaniassonntage. 

Und zugleich ahnen wir: Weihnachten geht weiter. Denn es geht immer weiter. So ist es auch beim Evangelisten Matthäus. Er erzählt seine Weihnachtsgeschichte etwas anders, als Lukas. Die Geschichte nach Lukas ist uns sehr vertraut. Maria und Joseph im Stall, das Kind in der Krippe, die Hirten auf dem Feld. Es sind keine vier Wochen vergangen, seit wir davon hörten oder lasen. 

Matthäus setzt andere Schwerpunkte. Für ihn gibt es keine Ruhe für das Neugeborene und seine Eltern. Matthäus erzählt von einem schrecklichen Kindermord in Bethlehem und von einem Engel, der den frischgebackenen Eltern zur Flucht nach Ägypten rät. Genau da setzt unser Krippenspiel an. Genauer gesagt: Das Nachkrippenspiel. Erdacht und veröffentlicht von der Evangelischen Kirche Deutschland im Jahr 2014. Vor wenigen Tagen fiel es uns in die Hände und wir dachten: Das teilen wir miteinander. Wir werden auf eine Reise mitgenommen, die heute viele Menschen machen, machen müssen. Und die Gründe sind immer ähnlich. Es geht um das Leben. 

Und auch in diesen bewegenden Geschichten wird die Herrlichkeit Gottes sichtbar. Nicht immer unmittelbar. Aber wenn man gut hinsieht und das Herz öffnet, kann man hören und sehen. 

Lied: „Dein Wort ist ein Licht“ (F&L 100, T+M: Amy Grant/Michael W. Smith 1983; D: überliefert)

Nachkrippenspiel[1]

Die Heilige Familie auf der Flucht

Ein Nach-Krippenspiel für fünf Personen (Personen: Maria, Josef, 1. Grenzbeamter, 2. Grenzbeamter, Schlepper) 

Josef und Maria sind auf der Flucht. Maria, das Kind auf dem Arm, hat Mühe, Josef zu folgen. 

Maria: Josef, bist du dir sicher, dass es ein Engel war, der dir im Traum er- schienen ist? 

Josef: Ja, sicher! Was soll es sonst gewesen sein.
Maria: Nun vielleicht war alles ein bisschen viel, das Kind, ich und die ganze Verantwortung, da denkt so mancher Mann wohl an Flucht. 

Josef: Maria, ich habe mich für dich und das Kind – unser Kind entschieden. Der Engel hat mir dazu Mut gemacht, damals im Traum. Und in der letzten Nacht hat er wieder zu mir gesprochen: Wir müssen fliehen, unser Kind ist in Gefahr. Herodes will es umbringen. 

Maria: Aber warum sollte er das tun, ein unschuldiges Kind umbringen. 

Josef: Seit wann brauchen die Mächtigen einen Grund für ihre Grausamkeit.
MariaAber wir haben doch gerade erst angefangen, ein gemeinsames Leben aufzubauen. Und jetzt willst du das alles wegwerfen und davonlaufen in dieses feindselige Land.
Josef: Wir haben nur diese eine Chance, Maria. Wenn wir sie nicht nutzen, was soll das für ein Leben hier in unserer Heimat werden, die noch viel feindseliger ist?

Maria: Aber ausgerechnet nach Ägypten! Josef! Erinnere dich doch, mit wie viel Mühe sich unsere Väter und Mütter befreit haben von dem Joch der Ägypter, die unser Volk unterdrückt haben und ausgepresst bis zum Letzten. Und dahin willst du jetzt zurück?
Josef: Es geht nicht um Freiheit und alte Ideale, Maria. Jetzt geht es nur darum, dass wir überleben. – Schau, da vorne ist die Grenze.
Maria: Gott hilf! 

Maria und Josef treten vor zwei Grenzposten. 

1. Grenzbeamter: Herzlich willkommen im Land der Pharaonen und Pyramiden. Kommt ihr, um die Pyramiden zu sehen, oder seid ihr geschäftlich unterwegs?
Josef: Nein. Wir sind auf der Flucht. Wir bitten um Asyl. Habt Dank für euer Willkommen.
2. Grenzbeamter: Hab ich mir’s doch gedacht. 

1. Grenzbeamter: Asyl? Wieso Asyl?
Maria: Herodes, unser König, er will unser Kind umbringen.
1. Grenzbeamter: Asyl könnt ihr hier nicht beantragen. Das hättet ihr vor eurer Einreise tun müssen, bei unserem Konsulat in Jerusalem. Dort müsst ihr einen Antrag auf Asyl stellen. 

Josef: Aber wir können nicht zurück nach Jerusalem. Dort warten die Handlanger des Herodes. Dort laufen wir in die Falle.
Maria: Außerdem werden dort jetzt Tausende sein, die um ihre Kinder Angst haben.
2. Grenzbeamter: Eben.
1. Grenzbeamter: Wir können nicht Tausende aufnehmen. Deshalb gibt es ein geordnetes Verfahren. Und es gibt einen festgelegten Katalog für Asylgründe. Werdet ihr aus religiösen oder politischen Gründen verfolgt?
Maria: Sie wollen unser Kind umbringen, einfach weil es ein Kind ist.
1. Grenzbeamter (kopfschüttelnd zum 2. Grenzbeamten): Altersspezifische Verfolgung?
2. Grenzbeamter: Kein Anerkennungsmerkmal.
Josef: Versteht ihr nicht? Herodes lässt alle Jungen im Alter unseres Sohnes ermorden.
1. Grenzbeamter (zum 2. Grenzbeamten): Geschlechtsspezifische Verfolgung?
2. Grenzbeamter: Ist das jetzt schon anerkannt?
1. Grenzbeamter: Müsste ich mal nachfragen.
2. Grenzbeamter (zu Josef): Seid doch ehrlich. In Wirklichkeit geht es euch doch nur darum, dass ihr euch von unserem Land ein besseres und bequemeres Leben versprecht. „Zurück zu den Fleischtöpfen Ägyptens“, so sagt man doch bei euch, oder nicht?
Josef: Wir wollen kein bequemes Leben. Wir wollen nur überhaupt leben. Mit unserem Kind. 

Maria: Komm Josef, lass uns woanders hingehen. Das müssen wir uns nicht antun.
Josef: Wir können nirgendwo anders hin, Maria! Wir haben nur diese eine Chance.

1. Grenzbeamter: Deine Frau hat recht, warum habt ihr nicht nach einer inländischen Fluchtmöglichkeit gesucht, irgendwo in Galiläa auf dem Land.
Josef: Als ob uns Herodes dort nicht finden könnte.
1. Grenzbeamter: Nun dann gibt es noch die Möglichkeit in ein sicheres Drittland zu gehen. Warum seid ihr nicht nach Syrophönizien gegangen oder nach Arabien?
Josef (müde): Weil Gottes Engel mir gesagt hat: Geht nach Ägypten.
1. und 2. Grenzbeamter sehen sich bedeutungsvoll an.
1. Grenzbeamter: Gottes Engel, soso!
2. Grenzbeamter: Jetzt wird die Sache doch klarer: Ihr seid religiöse Fundamentalisten. Ihr wollt bei uns euren Gott verehren.
1. Grenzbeamter: Ah, religiöse Verfolgung! Das wäre schon ein Anerkennungsgrund. 

2. Grenzbeamter: Aber die Sicherheitslage! Die tragen ihre religiösen Konflikte in unsere Gesellschaft. Damit holen wir uns nur Terroristen ins Land. Außerdem sollen die ihren Gott zuhause verehren. Ich kann in Jerusalem auch keine Pyramide bauen.
Josef: Aber wir wollen doch nur dem Ruf unseres Gottes folgen und das Leben unseres Kindes retten. 

1. Grenzbeamter: Ist das nicht der selbe Gott, der euch damals in die „Freiheit“ führen wollte – und Hunderte unserer Kinder sind dabei drauf gegangen: All die Erstgeborenen in der Nacht vor eurer Befreiung.
2. Grenzbeamter: Jetzt habt ihr die Freiheit, die ihr unbedingt wolltet. Jetzt lebt damit. 

1. Grenzbeamter: Der Antrag auf Asyl wird aus formalen Gründen abgewiesen.

Maria und Josef entfernen sich von der Grenze. Sie umarmen sich. 

Maria: Josef, was soll jetzt nur werden.
Josef: Wir müssen auf Gott vertrauen, vielleicht schickt er uns einen Engel. 

Ein Schlepper tritt auf. 

Schlepper: Hey ihr. Sie haben euch nicht ‚reingelassen, oder?
Josef: Nein.
Schlepper: Sie lassen keinen rein. Es gibt immer ein Argument oder einen Paragraphen oder einen Hinderungsgrund.
Maria: Aber was sollen wir nur tun?
Schlepper: Habt ihr Geld?
Josef: Wir haben etwas gespart, aber davon müssen wir die nächste Zeit leben.
Schlepper: Wollt ihr in Sicherheit oder nicht? Ich kenne da einen, der bringt euch heute Nacht über die Grenze – vorausgesetzt ihr könnt ihn bezahlen. Seid ihr stark genug für eine Wanderung durch die Wüste?
Josef: Unsere Vorfahren sind vierzig Jahre durch die Wüste gewandert.
Schlepper: Na, solange wird’s hoffentlich nicht dauern. Kommt mit.
Maria und Josef gehen mit dem Schlepper mit.
Maria: Soll das dein Engel sein, Josef? 

Lied: „Ohne Anfang, ohne Ende“ (F&L 215; T+M: Manfred Siebald 1992)  

Kurzpredigt

Sie sind unterwegs, auf der Suche nach Sicherheit. Sie wollen leben. Sie folgen ihrem Grundbedürfnis. Das, was Menschen seit jeher antreibt. Die Sehnsucht nach Leben. Sie bestimmt unser aller Wollen. Ja, es kommen dann noch weitere Bedürfnisse hinzu. Das wissen wir aus unserem eigenen Leben. Aber das Grundbedürfnis eines jeden Menschen ist: Leben. 

Maria und Josef mit Jesus, ihrem Baby: Die Heilige Familie. Sie ist unterwegs. Erst die herausfordernden Umstände unter der Geburt. In einem Stall, keine Hebamme, geschweige denn ein Arzt in der Nähe. Und dann die Flucht. Aus dem Wochenbett ins Ungewisse. 

Wie soll das denn Gottes Herrlichkeit sichtbar machen? Denn darum geht es doch. Um Gottes Herrlichkeit.

Herrlichkeit, das ist so ein Wort, mit dem verbinden die meisten vielleicht zunächst Glanz und Gloria. Viel Lametta, viel Gold und Glitzer. Doch Gottes Herrlichkeit? Was ist das? 

Das hebräische Wort „kavod“ wird in der Bibel in der Regel mit Herrlichkeit übersetzt. Es meint aber viel mehr. Die Wurzel bedeutet zunächst einfach nur „schwer“. Und daraus ergeben sich dann viele Ableitungen, bis hin zur Herrlichkeit. Vor allem zur Herrlichkeit Gottes. 

Die zeigt sich im Weihnachtsgeschehen. Da sind die Evangelien in der Bibel ziemlich einig. Zwar erzählt jedes Evangelium das Erscheinen Gottes in seinem Sohn anders, setzt andere Schwerpunkte. Aber für alle ist klar: Weihnachten, die Menschwerdung Gottes, ist Ausdruck der Herrlichkeit Gottes. Herrlichkeit im Sinne von: Gottes Bedeutung für die Welt wird sichtbar. 

Für die Welt, die sonst unsichtbar bleibt. Gottes Bedeutung für all die Unbedeutenden, bzw. für die, die sich für unbedeutend halten. Für all die Unsichtbaren und die Unsicheren. Für die, die sich nichts zutrauen und denen auch selten jemand etwas zutraut. Gottes Bedeutung für alle, die in Armut leben. Für die Verletzten. Aber auch für die Täter, für die, die andere verletzen. Sie begrenzen, verhaften in ihren Vorurteilen. Die ihre Ängste auf andere projizieren, um nur ja nicht selbst verantwortlich zu sein. Für sie alle, für uns alle ist Gott bedeutend. 

Denn er sieht nicht nur all das, was mein Leben eng und schwer macht. Er sieht nicht nur die Verletzungen – die inneren und die äußeren. Er sieht nicht nur mein Sehnen und Hoffen. 

Gott sieht mehr als mein Handeln, er sieht auch meine Antreiber und die vielen falschen und zerstörerischen Botschaften in meinem Leben. Er sieht und es geht ihm nahe. Denn Gott ist nahbar. Das zeigt er, indem er ganz klein wird, sich abhängig von Menschen macht, menschliche Fürsorge braucht. Und Barmherzigkeit. Barmherzigkeit auch an den Grenzen unseres Lebens. 

Gottes Herrlichkeit, seine Bedeutung erkennen wir nicht auf den ersten Blick. Wir müssen schon genau hinsehen. Müssen den Menschen begegnen, ihnen wirklich begegnen. Ihnen zuhören, Zeit schenken, mit ihnen unterwegs sein – wenigstens ein Stück. 

Gottes Herrlichkeit zeigt sich nicht zuerst im großen Halleluja – und sei es noch so prächtig. Sie zeigt sich da, wo Menschen Menschen sind und werden. 

Das Großartige: Gott zeigt sich auch dann, wenn wir es ihm nicht zugestehen wollen. In meinem Theologischen Handwörterbuch zum Alten Testament steht zur Herrlichkeit Gottes: Wird Gott die Ehre, die ihm zusteht, nicht gegeben, schafft er sie sich selbst. Er wird Mensch, wird wie wir. Bedürftig nach Nähe und Zärtlichkeit und freundlichen Worten. Abhängig von Annahme und Aufnahme. Abhängig von Menschen, abhängig von Barmherzigkeit. 

Da, wo Menschen menschlich, mitmenschlich sind, wird die Herrlichkeit Gottes sichtbar. Ob sie, ob wir es wahrhaben wollen oder nicht. Gott vertraut sich uns an, traut uns zu, dass wir seine Herrlichkeit sichtbar werden lassen, dass wir barmherzig sind oder werden. Auch da, wo sie versteckt  ist. Amen.

Stille

Lied zur Jahreslosung „Warmherzig barmherzig“ (T+M: Hartmut Kluge 23.12.2020)

Gott der diese Erde schuf, sieh nur an, wunderschön, schenkst uns Kindern großes Vertrauen.
Dass wir mit ihr gut umgehn, behutsam, auf ihr stehn. Glücklich auf ihr leben, vereint. 

Lass, mich, der ich soviel Reichtum habe, aufrecht gehn. Lass mich auch das Kleine Schwache, Winzige verstehn. Will warmherzig, und barmherzig, mit dem Nächsten, wie du Vater, mit mir, umgehn. 

Starke Hand nimmt schwache Hand, zusammen geht so allerhand, Gutherzigkeit, nimmt überhand, gelobt seist du mein Gott. Großer Arm schließt Arm und Klein, in seine mächt’gen Arme ein, Barmherzigkeit, öffnet den Himmel weit. 

Ist der Mensch nicht gleichgestellt ? Ob nun weiß, rot, braun, gelb, Gottes Liebe kennt keine Grenzen.
Miteinander ungebremst, sollten wir, ganz im Ernst, aufeinander acht haben, verstehn. 

Lass, mich, der ich soviel Reichtum habe, aufrecht gehn. Lass mich auch das kleine schwache, winzige verstehn. Will warmherzig, und barmherzig, mit dem Nächsten, wie du Vater, mit mir, umgehn. 

Wege gehn, Schulter an Schulter, Rückgrat zeigen, Kräfte teil’n. Gutherzigkeit, nimmt überhand, gelobt seist du mein Gott. Augen treffen aufeinander Helfer sein, das Herz blüht auf. Barmherzigkeit, öffnet
den Himmel weit. 

Fürbitte                                                                                                                     

Wo du erscheinst, Gott, wird das Leben zu einem Fest.

Du bist warmherzig und barmherzig. Du überschüttest uns mit deiner  Güte, deiner Liebe, deinem Frieden, aus deinem Reichtum. 

Ja Herr, und du siehst, wo wir Not und Mangel haben. Du siehst, was uns bedrückt.

Wir bitten: für deine Welt und für das Zusammenleben der Völker. Leite und begleite die, die Macht haben das Miteinander in Europa zu steuern. Sei bei denen, die im Streit vermitteln, Brücken bauen und den Weg zur Versöhnung ebnen.

Wir bitten: für alle, die Angst haben. Angst vor dem Leben und vor dem Sterben.  Die Angst vor der Zukunft und um  ihre Gesundheit haben. Die keine Hoffnung haben und trauern. Sei allen nahe und schenke ihnen Kraft und Vertrauen, tröste und heile. Dass sie deine Barmherzigkeit und Liebe spüren und  annehmen können.

Wir bitten: für die weltweite Kirche. Begeistere und segne alle die zusammen kommen, um gemeinsam für die Einheit der Christen zu beten. Begeistere und segne alle, die dein Wort weitersagen. Die den Glauben mit ihrem Leben bezeugen und weiter auf dich hoffen.

Wir bitten: für unsere Gemeinde. Wir denken an unsere alten, einsamen und kranken Geschwister. An die, die diese Pandemie besonders mutlos  und traurig macht. Lass sie, lass uns den Blick auf dich nicht verlieren sondern mach uns stark im Glauben und im Vertrauen auf dich. – Du bist barmherzig und überschüttest uns mit deiner Güte. – Danke dafür!

Und alles was uns bewegt, hat seinen Platz in dem Gebet, das Gott uns gegeben hat und uns alle  verbindet.

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. 

Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns in der Versuchung und erlöse uns von dem Bösen. 

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit. Amen

Lied: „Schalom, Schalom“ (F&L 111; T+ M: Gisela Steil 1988)  

Segen                                                                                                                                                           

Der barmherzige Gott segne uns und mache uns zu barmherzigen Menschen. Die Herrlichkeit Gottes fülle uns aus, sodass wir sie sichtbar machen können. Die Liebe Gottes, die all das heilen kann, was Heilung braucht, erfülle unsere Herzen und Sinne und mache uns zu Liebenden und Barmherzigen. 

Amen


[1] Quelle: https://www.united4rescue.com/download/U4R_Nachkrippenspiel.pdf (aus: Kein Raum in der Herberge Europa? Zur Menschenrechtslage an den Außengrenzen der Europäischen Union, EKD-Materialheft für einen Gottesdienst zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember 2014, Hannover 2014. (https://www.ekd.de/ekd_de/ds_doc/tag_menschenrechte_2010.pdf)

Gottesdienstordnung zum ersten Sonntag nach Epiphanias – 10.01.2021

Söhne und Töchter Gottes

Wir zünden eine Kerze an

und halten kurz inne

Eingang                                                                                                                                            

Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. I Römerbrief 8,14

Gottes  Angebot steht, wir gehören zu seiner Familie. Seine Zusage steht. In Zeiten wie diesen brauchen wir Halt. Wem können wir uns anvertrauen? Da fällt diese Zusage tief in uns hinein. Eine Zusage mit hoher Wertigkeit. Eine Stütze für jeden neuen Tag.

Gebet                                                                                                                                               

Danke, lieber Vater. Du hast uns in Deine Familie aufgenommen. Durch Jesus hast Du uns die Tür geöffnet. Wir sind bei Dir willkommen und mit unseren Fragen und Freuden, mit unseren Sorgen und unserer Dankbarkeit, mit unserer Unsicherheit und in Deiner Geborgenheit. Lass uns auch heute morgen Deine Anwesenheit spüren. Amen

Lied: „Freut Euch! Der Herr ist nah!“ (F&L 291; T: Charles Wesley 1744; D: Günther Balders 1992; M: John Darwall 1770) 

Einleitung                               

Wir sind Söhne und Töchter Gottes. Wir sind durch die Taufe eingegliedert in die Familie Gottes. Wir sind zu einem Leib zusammengefügt oder  zu einem großen Bauwerk.  Es gibt viele Bilder in der Bibel für die Gemeinde und wir zusammen bilden die Gemeinde Gottes. Nicht, weil wir als Einzelne so großartig, toll und stark wären, sondern weil Gott uns so sehr liebt.

Jeder von uns hat bei seiner Taufe einen Bibelvers als Verheißung, Trost oder Zuspruch mitbekommen. Und wohl jeder Taufspruch ist anders und besonders. Mal eröffnen sie ganze Welten, manche malen Bilder in leuchtenden Farben, mal ist es eine Verheißung oder eine Zusage für eine besondere Situation im Leben.

Und in jeder Lebensphase kann der Taufvers eine andere Bedeutung haben. In jedem Fall verbinden unsere Taufverse uns miteinander und mit Gott. Ein Taufvers steht zum Beispiel im Hebräerbrief, Kapitel 13 Vers 8. Da heißt es: „Jesus Christus, gestern, heute und derselbe auch in Ewigkeit.“

Lied: „Leben aus der Quelle“ (F&L 363, T+M: Lukas Di Nunzio 1995)

Taufvers

Wenn wir in diesem Gottesdienst diese Verse miteinander teilen, zeigen wir so auch unsere Verbundenheit untereinander. Zwei weitere Taufverse von Menschen aus unserer Mitte finden wir im Neuen und im Alten Testament: Johannes 7,38: „Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen“ und Jesaja 41,10: „Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; schau dich nicht ängstlich um, ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir.“

Wie lautet Dein Taufvers? Und was bedeutet er Dir jetzt, in diesem Moment? Ist er Trost, Ermutigung, Ermahnung? Ist er eher matt und glanzlos oder leuchtet er?

Lied: „Wenn unser Glaube nicht mehr als ein Standpunkt ist“ (F&L 376; T+M: Hartmut Birkelbach 1979)   

Predigt Söhne und Töchter Gottes

Erinnerungen sind lebenswichtig. Vor allem Erinnerungen an gute Zeiten. Die Tauferinnerung ist hoffentlich eine gute Erinnerung. Eine, die uns stärkt. Und tröstet. Und die uns deutlich macht: Die Zeiten wandeln sich – immerzu. 

Gerade wenn Zeiten sich stark wandeln, ist Erinnerung wichtig. Erinnerung an vergangene Ereignisse ebenso wie Erinnerung an Zusagen, Ermahnungen und Hoffnungsworte. Die Bibel ist ein Buch voller Erinnerungen. Menschen erleben Geschichte mit Gott, deuten Erlebtes auf Gott hin und erkennen: Ich bin in Gott geborgen. Auch wenn die Welt um mich herum verrückt zu spielen scheint. 

Der Apostel Paulus ist auch so ein Erinnerer: Er erinnert die Empfänger seiner Briefe immer und immer wieder, was wirklich zählt. Was zählt, wenn man sich in und mit seinem Leben Gott anvertraut. Der Brief, den Paulus an die Christen in Rom schreibt, ist auch so voller Erinnerungen. Eine haben wir schon im Eingangswort vernommen: Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Das steht in Kapitel 8, dem großen Trostkapitel des Römerbriefes. Welche der Geist Gottes treibt. 

Dieses „treiben“ klingt unter Umständen ein wenig stressig. Aber das soll gar nicht so sein. Es geht nicht um „Getrieben sein“ im sklavischen Sinn. Es ist vielmehr ein Gezogen/Angezogensein. Um die Grundlage deiner Entscheidungen im Leben. Jeder von uns muss täglich ungezählte Entscheidungen treffen. Jede hat ihre eigene Tragweite. Manche sind banal und wir würden erst nach einigem Nachdenken feststellen, dass es sich um eine Entscheidung handelte. Andere sind schon von größerer Bedeutung. Und dann gibt es Entscheidungen, die krempeln das ganze Leben um. Der Apostel hatte solch eine Lebensumkrempelung selbst erlebt. Seitdem ist sein ganzes Leben davon bestimmt, den Menschen von dieser Umkrempelung zu erzählen. Jesus Christus ist der, der dich aus all dem rausretten kann, was dich unter die Räder kommen lässt. All die ungezählten Entscheidungen, vor allem die schwerwiegenden, die trägt er mit dir. Er berät dich. Er offenbart sich unserem Geist durch seinen Geist. Und dieser Geist gibt dir die entscheidenden Impulse in deinem Leben. Du kannst dich immer auch dagegen entscheiden. Keine Frage. Das ist ja das Wesen der „freien Entscheidung“, die jeder Mensch hat. Aber du kannst auch den Impulsen folgen, die von Jesus Christus kommen. Das ist mit diesem „treiben“ gemeint. Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Seine Söhne und Töchter. Diesen Söhnen und Töchtern in Rom und auch uns heute, im Jahr 2021, schreibt Paulus Folgendes (Römer 12,1-8):

Weil Gott uns solches Erbarmen geschenkt hat, liebe Geschwister, ermahne ich euch nun auch, dass ihr euch mit Leib und Leben Gott als lebendiges und heiliges Opfer zur Verfügung stellt. An solchen Opfern hat er Freude, und das ist der wahre Gottesdienst. Und richtet euch nicht nach den Maßstäben dieser Welt, sondern lasst die Art und Weise, wie ihr denkt, von Gott erneuern und euch dadurch umgestalten, sodass ihr prüfen könnt, ob etwas Gottes Wille ist – ob es gut ist, ob es Gott gefallen würde und ob es zum Ziel führt! Aufgrund der Gnade, die Gott mir gegeben hat, warne ich jeden Einzelnen von euch: Denk nicht höher von dir als dir zukommt, sondern schätze dich selbst richtig ein! Maßstab dafür ist der Glaube, den Gott jedem von uns zugemessen hat. Es ist wie bei unserem Körper. Er bildet ein lebendiges Ganzes, hat aber viele Glieder, von denen jedes seine besondere Aufgabe hat. Genauso sind wir alle in Verbindung mit Christus ein einziger Leib und einzeln genommen Glieder voneinander. Wir haben ganz verschiedene Gaben, so wie Gott sie uns in seiner Gnade gegeben hat. Der eine hat die Gabe, Worte Gottes weiterzugeben. Er soll das in Übereinstimmung mit dem Glauben tun! Ein anderer ist befähigt, praktische Aufgaben zu übernehmen. Er soll diese Gabe einsetzen! Wenn jemand die Gabe des Lehrens hat, soll er lehren! Wenn jemand die Gabe der Seelsorge hat, dann soll er sie ausüben! Wer Bedürftige unterstützt, tue das uneigennützig! Wer Verantwortung übernimmt, muss fleißig sein! Wer sich um Notleidende kümmert, soll es mit fröhlichem Herzen tun!

Drei Punkte möchte ich ganz kurz anreißen. Paulus spricht hier von Opfer und von dem wahren Gottesdienst. Opfer, das Wort wird heute ganz anders benutzt, als vor zweitausend Jahren. Wenn Paulus von Opfer spricht, dann meint er Hingabe. Macht die Dinge, die ihr tut, nicht halbherzig, sondern ganz. Das wird zum einen klar in der Aufforderung, nicht höher von mir selbst zu denken, als es mir zusteht. Paulus will niemanden klein halten. Vielleicht wäre eine andere Wortwahl geschickter – zumindest in unserer Zeit. Vielleicht so, wie die Volxbibel das formuliert: „Überschätzt euch nicht, bleibt bescheiden und markiert in Glaubenssachen nicht den dicken Macker.“  

Nur wenn du dich auf das mit ganzer Kraft konzentrierst, was zu dir gehört, was deinem Wesen entspricht, wirst du darin exzellent sein. Ein Beispiel aus meinem Leben: Ich weiß, dass ich wirklich begabt bin, zu lehren, also zu unterrichten. Allerdings nicht alles. Ich kann nicht alles lehren, da ich nicht alles verstehe. Sollte ich mich nicht besser mit dem beschäftigen, was ich wirklich gut kann, statt meine Energie zu vergeuden? Ich bin gut in Geisteswissenschaften. Das mit den Naturwissenschaften, das geht auch, aber es braucht unendlich viel mehr Kraft und Zeit. Ich frage also besser jemanden, der naturwissenschaftlich besser drauf ist als ich, wenn es um Fragen der Biologie, der Chemie oder gar der höheren Mathematik geht. Was ich auch gar nicht gut kann: Theaterstücke schreiben. Aber ich freue mich über jedes Stück, dass mir ich finde, um es für meine Gabe der Unterweisung zu verwenden. 

Versteh mich nicht falsch, und auch Paulus nicht. Es geht nicht darum, dich zu beschränken, sondern darum, dich zu fokussieren. Wenn du wirklich aus dem Vollen deiner Gaben schöpfen willst, dann konzentriere dich auf das, was dir gegeben ist. Baue es aus, wuchere damit, setze es ein, damit es zur vollen Geltung kommt. 

Prüft, ob etwas Gottes Wille ist. So werden wir aufgefordert. Prüft! Prüfen heißt genau und gründlich sein. Das ist mehr als ein flüchtiges Drübergucken. Wer prüft, holt sich oft auch Rat ein. Rat von jemandem, der es vielleicht besser weiß, der die Zusammenhänge besser erkennt. Warum soll es denn immer um Gottes Willen gehen? Weil Er mehr sieht als wir. Er sieht, wie alles miteinander korrespondiert, wie ein Rad ins andere greift. Er weiß am besten, wie sich eins zum anderen verhält. Wir sehen höchstens Bruchstücke. Unsere Erkenntnis ist immer vorläufig. Wir benötigen einander, um mehr zu sehen und zu verstehen. 

Prüft also, ob das, was ihr tut, ob eure Entscheidungen Gottes Wille sind. Gottes Will ist das Gute, das auch noch zum Ziel führt. Das Ziel kann natürlich das große Ganze sein. Eine erlöste und vollkommene Welt. Aber ich erlebe Paulus nicht als einen, der auf Dereinst vertröstet. Im Gegenteil. Wir leben im Hier und Jetzt, das weiß und das betont er. Das Hier und Jetzt muss gestaltet werden. Und dabei geht es um eine Ausgewogenheit, die uns Menschen nicht versklavt durch zu hohe Selbstansprüche. Es geht immer um Liebe, um Liebe und Frieden. Liebe zu mir selbst, zu anderen, zu Gott. Nur wer sich selbst liebt und liebevoll mit sich umgeht, kann auch Frieden finden. Nur wer sich selbst liebt, kann auch andere lieben. Kann ihnen ihre Freiräume zugestehen und mit ihnen so unterwegs sein, dass sie sich voll entfalten können. Nur wer sich selbst liebt und liebevoll mit sich umgeht, kann die Gaben, die er hat, ausbauen, ohne sich dabei selbst zu zerstören. 

Wenn der Apostel Paulus dann hier, drittens, die Gnadengaben anspricht, dann ist das vor allem eine Verdeutlichung dessen, was er vorher erläuterte. Wer eine Gabe hat, der setze sie ein. Und zwar hingegeben. Nicht irgendwie. Es gibt Menschen, die können besser als andere, einen Raum in eine gemütliche Herberge verwandeln. Dann sollen sie es tun, mit ganzer Kraft und Hingabe. Es gibt Menschen, die können besser als andere ein Haus, ein Auto, ein Fahrrad reparieren. Dann sollen sie es tun, mit ganzer Kraft und Hingabe. Es gibt Menschen, die können Gruppen leiten, sind echte Führungspersönlichkeiten. Auf sie kann man sich verlassen und tut das auch. Dann sollen sie leiten, mit ganzer Kraft und Hingabe. 

Ich bin mir sicher, dir fallen noch viel mehr Beispiele ein. Und so, wie der Apostel hier die Gnadengaben nur anreißt, um etwas deutlich zu machen, so habe auch ich nur angerissen, um zu verdeutlichen. 

Wir sind verbunden miteinander, so wie die Glieder eines Körpers miteinander verbunden sind. Unser Körper, unser Leib, ist Jesus Christus, an den wir glauben. Unsere Verbundenheit leben wir, indem wir einander mit unseren Gaben bereichern, unsere Erinnerungen teilen und das Abendmahl feiern. Jesus sprach von großer Sehnsucht, als er mit seinen Freunden das letzte Mal feierte. Diese Sehnsucht tragen wir möglicherweise auch im Herzen. Darum soll uns das Abendmahl, das wir jetzt feiern, über alle Entfernung miteinander verbinden, uns zu einer Gemeinschaft machen. 

Abendmahl mit Lukas 22

Als es so weit war, legte sich Jesus mit den Aposteln zu Tisch und sagte: „Ich habe mich sehr danach gesehnt, dieses Passamahl mit euch zu genießen, bevor ich leiden muss. Denn ich sage euch: Ich werde dieses Fest nicht mehr feiern, bis es im Reich Gottes seine volle Erfüllung findet.“ Dann nahm er einen Kelch, sprach das Dankgebet und sagte: „Nehmt ihn und trinkt alle daraus! Denn ich sage euch: Bis zu dem Tag, an dem Gott seine Herrschaft aufrichtet, werde ich keinen Wein mehr trinken.“ 

Jesus nahm dann ein Fladenbrot und dankte Gott. Er brach es, reichte es den Jüngern und sagte: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies als Erinnerung an mich!“ Ebenso nahm er den Kelch nach dem Essen und sagte: „Dieser Kelch ist der neue Bund, der sich gründet auf mein Blut, das für euch vergossen wird.“

Wir sind Söhne und Töchter Gottes, der Heilige Geist bezeugt dies in uns, er begabt uns auf besondere Weise, bestärkt uns, tröstet uns und verbindet uns auch über die gegenwärtige physische Distanz hinweg. Amen.

Stille

In der Stille sammeln wir unsere Gedanken und Gefühle, unser Hoffen und Sehnen

Lied: „Jesus zu dir kann ich so kommen wie ich bin“ (F&L 373; T: Manfred Siebald 1989; M: Johannes Nitsch 1989)

Fürbitte[1]                                                                                                                   

Zeige uns deinen Willen, treuer und barmherziger Gott.
Zeige der Welt deinen Willen, damit das Gute stark wird, damit die Liebe wächst, damit die Freude zurückkehrt. Wir bitten dich: Erhöre uns.

Zeige deinen Willen denen, die mächtig sind.
Öffne ihre Augen für die Verzweiflung der Schwachen. Berühre ihre Herzen, damit denen geholfen wird, die ihren Lebensmut verlieren. Wir bitten dich: Erhöre uns.

Zeige deinen Willen denen, die das Gute suchen.
Hilf ihnen, das zu tun, was nötig ist. Hilf denen, die sich für andere verausgaben, die Kranke pflegen, die Verunsicherten beistehen und die Trauernde trösten. Wir bitten dich: Erhöre uns.

Zeige deinen Willen allen, die nach dir fragen.
Sprich zu denen, die in diesen Tagen voller Zweifel sind und auch zu denen, die an dir festhalten. Deine Liebe verbinde uns, damit wir sie in dieser Welt weitergeben. Sprich zu uns, treuer und barmherziger Gott,
denn wir gehören zu dir. Deine Kinder sind wir und im Namen Jesu, deines Sohnes, unseres Bruders und Herrn, bitten wir dich. Erhöre uns. Amen.

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. 

Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns in der Versuchung und erlöse uns von dem Bösen. 

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit. Amen

Lied: „Geh unter der Gnade“ (F&L 438; T+ M: Manfred Siebald 1987)  

Segen                                                                                                                                                           

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. So segne uns Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. 

Amen


[1] Quelle: https://www.velkd.de/gottesdienst/wochengebet.php?litDay=13#archiv, letzter Zugriff 07.01.21

Gottesdienstordnung zum ersten So.n.Christfest – Friede

Wir zünden eine Kerze an und halten kurz inne

Eingang

Wir haben seine Herrlichkeit gesehen, eine Herrlichkeit wie sie nur der Eine und Einzige vom Vater hat, erfüllt mit Gnade und Wahrheit. (NeÜ)| Joh 1,14b

An Weihnachten einmal im Jahr, feiert bald die ganze Welt die Geburt Jesu, die Herrlichkeit vom Vater. Und heute ist der erste Sonntag nach dem Christfest. Der erste Sonntag nach Weihnachten. Jetzt sind wir mittendrin in der Weihnachtszeit. Wir sind mittendrin in der Zeit mit Gottes Sohn, ein Leben mit Gott und in dem Wissen, dass Gott uns liebt. Wir leben in und mit der Liebe Gottes. Die Liebe Gottes erhellt jeden einzelnen Tag. Jeden einzelnen Moment.

Auch jetzt in dieser schweren Zeit, die für uns unendlich andauert, gehen wir nicht alleine. Wir werden getragen und das Licht seiner Liebe beleuchtet unseren Weg. Eine lichtbringende Flamme, die nie erlischt.

Gebet

Gott Vater, dein Wort wurde Mensch, Jesus ist zu uns gekommen, dein Sohn. Deine Liebe umgibt uns jeden Tag. Deine Treue begleitet uns. Auch jetzt, heute in diesem Moment. Deine Liebe umgibt uns, deine Liebe stärkt uns bei Enttäuschung, bei Trauer und bei Angst, deine Treue hält zu uns, wenn wir uns  verirren und verlaufen. Vater danke dafür, Vater danke für jeden einzelnen Moment mit dir. Amen.

Lied: „Herbei, o ihr Gläub‘gen“ (F&L 212; T: Friedrich Heinrich Ranke 1826; M: John Francis Wade (?) 1766)

Einleitung 

Der Gottesdienst steht unter dem Thema Friede. Das Wort Friede gibt es in verschieden Sprachen. Zum Beispiel Englisch, Französisch, Persisch, Nepalesisch: Peace, paix, salah, shanti. Doch die Bedeutung ist überall dieselbe. Friede bedeutet dass es Momente und Zeiten von Ruhe und Stille gibt. Dass die Zeit in der wir uns befinden frei ist von Störungen oder Beunruhigungen. Es gibt Personen, die schlichten Streite, man nennt sie auch Mediatoren. Es gibt aber auch Menschen die haben den Namen Frieden als Vornamen. Meine Cousine Heinke zum Beispiel heißt auch Shanti. Sie ist in Nepal geboren und hat auch in Libyen gelebt. Sie arbeitet in einer christlichen Firma, die in Krisen und Katastrophengebieten Menschen hilft, die dort leben. Diese Firma bringt durch ihre Arbeit Momente der Hoffnung, der Freude und des Friedens in die Herzen, der bedrängten und geflüchteten Menschen. Eine Flamme der Liebe.

Text aus dem anderen Advent vom 27.12.

Lied: „Fröhlich soll mein Herze springen“ (F&L 206; T: Paul Gerhardt 1653; M: Johann Crüger 1653) 

Lesung: Jesaja 49,13-16

Jubelt, ihr Himmel, jauchze, du Erde! Ihr Berge, brecht in Jubel aus! Denn der HERR hat sein Volk getröstet, sich seiner Gebeugten erbarmt. Zion sagt: „Der HERR hat mich verlassen, vergessen hat mich der Herr!“ „Kann eine Frau denn ihren Säugling vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergessen könnte, ich vergesse dich nie! In beide Handflächen habe ich dich eingraviert, deine Mauern stehen immer vor mir.

Lied: „Herr, das Licht deiner Liebe leuchtet auf“ (F&L 41; T+M: Graham Kendrick 1988)

Predigt – Friede  

Friede ist das Thema dieses Gottesdienstes zwischen den Jahren, zwischen Weihnachten und Neujahr. 

Vor drei Tagen feierten wir die Geburt unseres Herrn Jesus Christus. Wir hörten die Weihnachtsgeschichte und wie die Engel sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. 

Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden. 

Dieser Friedenswunsch drückt eine Sehnsucht aus. Es möge Frieden werden. Das Kind, auf dessen Geburt die Engel reagieren, ist als Friedefürst angekündigt. Als der Fürst des Friedens. Von ihm soll Frieden über die Menschen kommen. Es ist eine uralte Sehnsucht. Dieser Frieden ist mehr, als wir ahnen. Er meint nicht nur die Abwesenheit von Krieg. Dieser Frieden berührt alle Bereiche des Seins. Frieden meint im wahrsten Sinne des Wortes: genug haben. 

Von einem, der genug hatte, der lebenssatt war, handelt der Bibeltext, der dieser Predigt zugrunde liegt. Im Evangelisten Lukas lesen wir in Kapitel 2:

Damals lebte in Jerusalem ein gerechter und gottesfürchtiger Mann namens Simeon. Er wartete auf die Ankunft des Messias, der Israel Trost und Rettung bringen würde. Der Heilige Geist ruhte auf ihm und hatte ihm die Gewissheit gegeben, dass er nicht sterben werde, bevor er den vom Herrn gesandten Messias gesehen habe. Als die Eltern von Jesus das Kind hereinbrachten, um mit ihm zu tun, wie es nach dem Gesetz üblich war, kam Simeon, vom Geist Gottes geführt, gerade in den Tempel. Er nahm das Kind in seine Arme und pries Gott: „Herr“, sagte er, „nun kann dein Diener in Frieden sterben, denn du hast deine Zusage erfüllt. Mit meinen eigenen Augen habe ich die Rettung gesehen, die du für alle Völker vorbereitet hast – ein Licht, das die Nationen erleuchten und dein Volk Israel zu Ehren bringen wird.“ Josef und die Mutter von Jesus wunderten sich, als sie hörten, was Simeon über das Kind sagte. Simeon segnete sie und sagte zu Maria, seiner Mutter: „Er ist dazu bestimmt, dass viele in Israel an ihm zu Fall kommen und viele durch ihn aufgerichtet werden. Er wird ein Zeichen Gottes sein, gegen das viele sich auflehnen werden – so sehr, dass der Kummer deine Seele wie ein Schwert durchbohren wird. Doch so kommt an den Tag, welche Gedanken in ihren Herzen sind.“ (Neue evangelistische Übersetzung)

Simeon ist alt und lebenssatt. Er hat viel gesehen und erlebt und nun ist die Zeit gekommen, Abschied zu nehmen. Doch eine Sache fehlt noch. Die wichtigste Sache im Leben eines Menschen: Er ist noch nicht dem Messias, dem Retter und Tröster begegnet. Dabei war es ihm schon vor langer Zeit versprochen worden. Gott selbst hatte ihm durch seinen Geist die Gewissheit gegeben, dass er den Messias sehen würde. Allein diese Gewissheit war für ihn Trost und Kraft genug, das Leben zu meistern. Und nun ist es soweit. Er kommt in den Tempel und sein Leben, sein Sehnen, seine Hoffnung erfüllen sich. 

Wenn Menschen Jesus begegnen, also ihm wirklich begegnen, nicht nur so am Rande, sondern tief, dann wird Frieden. Denn in der Begegnung mit Jesus liegt Frieden. Das ist schon in der Weihnachtsgeschichte so. Das erlebt Simeon ganz persönlich und bis heute berichten Menschen davon. Wer Jesus begegnet, begegnet dem Frieden, denn Jesus ist der Fürst des Friedens. Darum ist die Begegnung mit ihm das Wichtigste, was ein Mensch erleben kann.

Frieden ist nicht die Abwesenheit von Krieg oder Kampf. Das ergibt sich zwar daraus. Aber Frieden ist noch viel mehr. Das hebräische Wort für Frieden ist Schalom. Da es im Hebräischen keine Vokale gibt, stehen da nur drei Buchstaben: šlm. Und die erste Bedeutung für šlm ist: genug haben. Genug im Sinne von ausreichend. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Genug heißt: Es ist alles da, was ich brauche, was der neben mir braucht, was meine Seele braucht, was diese Welt und alles, was lebt braucht. Und das kann ja sehr unterschiedlich sein. Häufig wissen wir selbst nicht, was gut und genug für uns ist. Genug heißt eben auch, dass alle anderen ebenso versorgt sind, wie ich selbst. Auch oder gerade mit dem, was über das Lebensnotwendige hinaus geht. Nicht Luxus oder Überdruss bereitender Überfluss. Sondern ausgewogen, zufriedenstellend.

Genau dafür ist der Friedefürst gekommen, Jesus Christus, Sohn Gottes. Er bringt dieses genug haben, an den Dingen Genüge haben, und er schenkt uns dies. Er, der Friedefürst, schenkt uns seinen Frieden. Seinen Schalom. 

Schalom, das ist Frieden, Freundschaft, freundlich sein, freundlich werden. Schalom – das ist kein Fixpunkt, sondern, ähnlich wie der Name Gottes, ein Ereignis, ein Geschehen, die nähere Bestimmung eines Zustands. Es gibt sogar einen etymologischen Zusammenhang zwischen genug haben und sorglos, ruhig sein. Wer Frieden hat, wer genug hat, kann auch sorglos und ruhig sein.

Simeon, dieser alte, weise, im besten Sinne gottesfürchtige Mann sieht sein Sehnen erfüllt. Dieses Baby bringt etwas mit, was die Welt bislang nicht kannte: Frieden, echten Frieden. 

Dieser Frieden bezieht sich auf alles, was zu einem gesunden, harmonischen Leben gehört, nämlich die volle Entfaltung der Kräfte der gesunden Seele. Schalom meint auch den Ausgleich deines Schadens, dass dir Genüge getan wird in dem, was dich beschädigt, beschädigt hat. Frieden deckt nicht zu, was aufgedeckt werden muss. Im Gegenteil. Simeon betont gegenüber Maria, dass viele sich an ihrem Kind stoßen werden. 

Er ist dazu bestimmt, dass viele in Israel an ihm zu Fall kommen und viele durch ihn aufgerichtet werden. So kündigt Simeon es an und es klingt nicht unbedingt nach Kuschelklub, wir haben uns alle so lieb. Heile Welt, friedvolle Welt braucht auch Klarheit, Wahrheit, Licht, Gerechtigkeit. 

Die Jesuserzählungen in den Evangelien zeigen, wie Recht Simeon hatte: Jesus, der Friedefürst ist für keinen faulen Frieden zu haben. Im Gegenteil. Er hält sich nicht zurück, seinen Finger in die Wunde zu legen, wo ungerechte Strukturen Menschenleben beeinträchtigen oder sogar zerstören. Durch Jesus werden unsere Motive offenbar.

Es gehört zu den beschämenden Kapiteln in der Geschichte der Kirche, dass wir Christen so oft genau diesen Impuls übersehen, vergessen oder ignoriert haben und es bis heute tun. Was motiviert uns, wer ist der Antreiber in deinem, in meinem Leben? Doch der Friedefürst, der, dessen Geburt wir in diesen Tagen feiern, lässt nicht locker. 

Er legt den Finger nach wie vor in die Wunde. Er zeigt uns: Echten Frieden kann es nur geben, wo es soziale und ökologische Gerechtigkeit gibt. Das trennt. Ohne Zweifel. Doch Jesus zwingt uns nicht. Er sagt nicht wie ein Despot, der sagt: Ihr müsst. Sondern er wirbt. 

Das ist das Besondere an ihm. Jesus wirbt um unsere Bereitschaft, seinem Frieden Raum zu geben. Im Johannesevangelium steht: Jesus spricht: Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Jesus lässt uns unseren Frieden, unser Verständnis davon, unsere Sichtweise. Er zwingt sich niemandem auf. Zugleich aber gibt er seinen Frieden dazu. Und dieser Frieden kann eben mehr. Er ist darauf angelegt, dass die Gerechtigkeit Gottes sich ausbreitet. Nach dieser Gerechtigkeit gibt es kein Ansehen der Person, sondern nur des Herzens. Nach der Gerechtigkeit Gottes gibt es keine Unterschiede zwischen groß und klein, hoch und tief, Mann und Frau. Die Gerechtigkeit Gottes hebelt alle diese Unterschiede aus und lässt uns dennoch unsere Besonderheiten, das, was uns einzigartig macht. 

Ich glaube, dass viele Menschen eine tiefe Sehnsucht nach echtem Frieden in sich tragen. Nach einem Frieden, der trägt und dauerhaft ist. So wie Simeon, der in der Begegnung mit Jesus diesen Frieden sieht und empfängt und loslassen kann. 

„Herr“, sagte Simeon, „nun kann dein Diener in Frieden sterben, denn du hast deine Zusage erfüllt. Mit meinen eigenen Augen habe ich die Rettung gesehen, die du für alle Völker vorbereitet hast…“. Gott schenke auch uns diesen Frieden.

Amen

Stille

In der Stille, kannst du deinen Dank und deine Bitten, deine Not und Sorgen vor Gott bringen.

Lied: „Es wird nicht immer dunkel sein“ (F&L 216; T: Manfred Siebald; M (God Rest You Merry, Gentlemen): 18. Jh)

Fürbitte[1]

Mit Simeon und Hanna halten wir nach dir Ausschau, Jesus Christus – du kleines Kind. Du bist das Licht in diesen dunklen Tagen. Du bist die Hoffnung in dieser bedrückenden Zeit, und du kommst zu uns. Wie Simeon wollen wir dich in die Arme schließen. Wie Simeon wollen wir das Heil sehen, das du schenkst.

Wir bitten dich:

Umarme du die, zu denen wir Abstand halten müssen. Heile du, wo wir nicht helfen können. Erleuchte du, wo das Dunkel übermächtig ist. Versöhne du, wo Hass und Gewalt regieren. Rette du, wo der Tod herrscht.

Wie Hanna wollen wir dich loben. Wie Hanna wollen wir von dir erzählen. Jesus Christus – du kleines Kind. Du bist der Anfang des Lebens. Du bist die Hoffnung, die in uns wächst. Du bist die Zukunft. Dir vertrauen wir uns an, heute und alle Tage, die noch kommen.

Und alles, was uns bewegt hat seinen Platz in dem Gebet , das uns alle verbindet:

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Lied „Ich glaube“ (zur Jahreslosung 2020 aus Mk 9,24; T+M: Hartmut Kluge 2019)

Segen

Herr, ich glaube! Hilf meinem Unglauben! 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird unsere Herzen und Sinne bewahren in Christus Jesus.


[1] Quelle: https://www.velkd.de/gottesdienst/wochengebet.php?litDay=8#archiv

Gottesdienstordnung zur Christvesper – Vom Himmel hoch

Wir zünden eine Kerze an und halten kurz inne

Eingang

„Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“ | Lk 2,10b.11

Fürchtet euch nicht! Euch ist der Heiland geboren. Der Heiland – ein altes Wort. Es klingt nach etwas Gutem, nach Versöhnung und heil sein. Heil in mir und in meinen Beziehungen. Meiner Beziehung zu mir selbst und zu anderen. Meiner Beziehung zur Welt, zu allem Lebendigen und zu den sensiblen Strukturen unserer Erde. Meiner Beziehung zu Gott, der der Ursprung all dieser Beziehungen ist und auch der, der sie heilen kann. 

Euch ist heute der Heiland geboren – Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Christus, der Retter. Gott selbst hat sich vom Himmel aufgemacht, uns nahe zu sein. Christus ist geboren. Klein und arm, in einem Stall. Von Prunk und Macht keine Spur. Dafür Abhängigkeit und Bedürftigkeit. Ein Baby in einem Futtertrog. Gott kommt und ist schon da. Er kommt uns Menschen nicht nur entgegen und er kommt nicht nur zu uns. Gott wird Mensch. Einer von uns. 

Gebet

Gott, Allmächtiger, Vater und Schöpfer all dessen, was lebt, wir kommen zu dir mit all unserer Bedürftigkeit, mit unserer Sehnsucht nach Heil und heiler Welt. Wir kommen zu dir und suchen Nähe und Beziehung, Hoffnung und Leuchten. Wir vermissen einander, unsere Lieben, unsere Freunde, unsere Traditionen. Gemeinsam zu singen, zu lachen, einander zu umarmen. All das fehlt und heute fehlt es besonders. Bitte begegne uns in unserem Sehnen und Hoffen und fülle uns aus mit deinem Frieden. Wir wollen Gottesdienst feiern und dich treffen, bitte triff uns, bitte segne uns. Amen

Lied: „Vom Himmel hoch“ (F&L 200; T: Martin Luther 1535; M: Leipzig 1539 (Martin Luther?))

Lesung: Lukas 2,1-14

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das judäische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf dass er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Lied: „Hört! Der Engel helle Lieder“ (F&L 219; T+M: Frankreich 18. Jh.; Deutsch: Otto Abel 1954)

Lesung: Lukas 2,15-20

Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über die Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

Lied: „Es wird nicht immer dunkel sein“ (F&L 216; T: Manfred Siebald; M (God Rest You Merry, Gentlemen): 18. Jh)

Predigt – Vom Himmel hoch 

Dieses Jahr ist alles anders. „Rettet Weihnachten!“ war in den Nachrichten und in sozialen Netzwerken zu vernehmen. Wir müssen Weihnachten retten, hieß es ebenso. „Der Lockdown, ausgerechnet an Weihnachten, ist eine Katastrophe“, unkten wieder andere. 

Ja, es ist eine Herausforderung für alle. Innere Nöte werden sichtbarer, wenn die Kontakte reduziert sind, und niemand kann ernsthaft behaupten, er wisse, was die Folgen dieser Entscheidung sein werden. Es ist Zukunftsmusik. Und sie ist in Moll geschrieben. Wobei Moll auch sehr schön sein kann. 

Nur wenige Menschen wagen es, dem Ganzen auch etwas Gutes abzugewinnen und das auch laut zu benennen. Gut, ganz am Anfang der Pandemie, im Frühjahr, da gab es mal diesen wunderbaren Artikel, diesen Hoffnungsruf des Trend- und Zukunftsforschers Matthias Horx. Er malte ein Bild von den Möglichkeiten, die diese Krise mit sich bringen könnte, von dem Potential das in ihr steckt, weil Menschen auch konstruktiv mit Krisen umgehen können. 

Aber diese Stimme wurde alsbald niedergeschrien. Angst um die Zukunft, Angst um Morgen. Und wem könnte man dies verdenken? Doch Angst ist ein Treiber und sie treibt uns um, aber nicht an, zumindest nicht konstruktiv, wertschöpfend und lebensbejahend. 

Als vor gut 2000 Jahren der angekündigte Retter, der Christus, als Kleinstmensch, sein erstes Bett in einem Futtertrog bezog, sah die Welt auch alles andere als heil aus. Der Evangelist Lukas beschreibt das sehr bildhaft in seiner Weihnachtserzählung: Maria, eine Schwangere in den letzten Wochen ihrer Schwangerschaft, auf dem Weg durch unwegsames Gelände zu einer Volkszählung. Eine Volkszählung, die dem herrschenden Kaiser seine Macht bestätigen sollte. 

Der Weg führte die junge Frau mit ihrem Mann von Nazareth nach Betlehem; das sind keine bequemen Wege. Für eine Schwangere schon gar nicht. Und dann finden sie nicht mal einen Platz für die Nacht. Am Ende will mensch doch einfach nur ruhen. 

Das einzige, was sie finden ist ein Stall, ein Verschlag, zwischen den Tieren. Und dann kommt dieses Kind auf die Welt. Zwischen all dem Vieh. Keine Hebamme weit und breit, geschweige denn ein Arzt. Und auch keine andere Hilfe. Was für eine Nacht! Kein Lametta, kein Braten, keine heimelige Atmosphäre. 

Und doch eine heilige Nacht. Denn dieses Baby ist kein normales Baby. Auf ihm liegt eine Verheißung, die viele hundert Jahre alt ist. Von ihm soll etwas ausgehen, das die ganze Welt verändern kann. Verändern zum Guten. 

Eine angstfreie Welt, ohne Herrschsucht und Zerstörung. Eine Welt, die kein Mensch sich vorstellen kann, weil es keinen Vergleich gibt. Alle menschliche Fantasie muss scheitern. Der Prophet Jesaja beschreibt es so (Jesaja 11,1-10): 

Ein Spross wächst aus dem Baumstumpf Isai, ein neuer Trieb schießt hervor aus seinen Wurzeln. Ihn wird der Herr mit seinem Geist erfüllen, dem Geist, der Weisheit und Einsicht gibt, der sich zeigt in kluger Planung und in Stärke, in Erkenntnis und Ehrfurcht vor dem Herrn. Gott zu gehorchen ist ihm eine Freude. Er urteilt nicht nach dem Augenschein und verlässt sich nicht aufs Hörensagen. Den Entrechteten verhilft er zum Recht, für die Armen im Land setzt er sich ein. 

Seine Befehle halten das Land in Zucht, sein Urteilsspruch tötet die Schuldigen. Gerechtigkeit und Treue umgeben ihn wie der Gürtel, der seine Hüften umschließt. 

Dann wird der Wolf beim Lamm zu Gast sein, der Panther neben dem Ziegenböckchen liegen; gemeinsam wachsen Kalb und Löwenjunges auf, ein kleiner Junge kann sie hüten. Die Kuh wird neben dem Bären weiden und ihre Jungen werden beieinander liegen; der Löwe frisst dann Häcksel wie das Rind. Der Säugling spielt beim Schlupfloch der Schlange, das Kleinkind steckt die Hand in die Höhle der Otter. Niemand wird Böses tun und Unheil stiften auf dem Zion, Gottes heiligem Berg. 

So wie das Meer voll Wasser ist, wird das Land erfüllt sein von Erkenntnis des Herrn. Wenn jene Zeit gekommen ist, dann wird der Spross aus der Wurzel Isais als Zeichen dastehen, sichtbar für die Völker; dann kommen sie und suchen bei ihm Rat. Von dem Ort, den er zum Wohnsitz nimmt, strahlt Gottes Herrlichkeit hinaus in alle Welt.

Es kommt die Zeit, verspricht der Prophet denen, die zuhören, in der wird sich alles umkehren. Weisheit und Einsicht werden die erste Geige spielen. Dann zählt nicht mehr, wer der Stärkste oder der Schlauste im Land ist. Was dann zählt ist die Erkenntnis, wie alles miteinander verwoben, aufeinander hin geschaffen und voneinander abhängig ist. Wie das eine zum anderen gehört und ohne nicht sein kann. 

Dann wird es nicht mehr wichtig sein, wie gut du dich verkaufen und darstellen kannst. Wie weise und verständig deine Worte klingen und welche Menschen dir noch etwas schuldig sind. Weil dann nur noch deine inneren Werte, deine wahre Schönheit zählen. Weil nur noch wichtig ist, dass du liebst. 

Gott zu gehorchen ist ihm eine Freude. So sagt es Jesaja. Dieser Spross, dieser neue Mensch, der wahrhaft gerechte König, nimmt das Gebot Gottes nicht nur als Empfehlung wahr. Es ist ihm eine Freude, Gott zu gehorchen. Es ist ihm eine Freude, zu lieben. Denn das ist es, was Gott von uns will. Auch in diesem Jahr. Auch an diesem fremden und zugleich auch vertrauten Fest gibt es nur eine Forderung, ein Gebot: Du sollst lieben! Gott lieben, dich selbst lieben und den, der vor dir steht, so wie dich selbst. Der vor dir steht. Was, wenn dir Gott gerade in ihm begegnet? Liebe ist das Gebot, das durch alle Zeiten gilt. 

Weihnachten gilt als das Fest der Liebe, das Fest großer Freude, ein Familiengroßereignis. Es ist aber immer auch das Fest mit dem größten Stress, den höchsten Erwartungen und dem tiefsten Fall. Die Feiertage sind für viele eine ganz schwierige Zeit. Die Herzspezialisten der Krankenhäuser haben über Weihnachten erhöhte Rufbereitschaft. Das wird in diesem Jahr nicht anders sein. Denn die Sorgen haben zugenommen. Was wird morgen sein? Und das Vermissen ist so groß. 

Das lässt sich nicht wegwischen, nur weil Weihnachten ist. Aber vielleicht lässt es sich auffangen. Vielleicht kannst du Frieden finden, weil du erlebst, dass Gott diese Sorgen und deine Sehnsucht sieht und dich ernst nimmt. Er macht das nicht ungeschehen, aber oft zeigt er uns Wege und Möglichkeiten auf, weil er der Liebende ist. Weihnachten ist das Fest der Liebe, weil Gott liebt und uns befähigt zu lieben. 

Dieses Jahr ist alles anders? Nein, nicht alles, aber vieles. Und dieses Anders bietet uns die Möglichkeit, unsere Werte und Traditionen zu prüfen. Dieses Weihnachtsfest ist anders. Es bietet uns die Chance, neu hinzuhören auf diese unerhörte Geschichte von Liebe, Gerechtigkeit und Treue. Aus ihnen wächst tiefer Frieden. So tiefer Frieden, dass selbst Gefährder und Gefährdete nebeneinander leben und miteinander spielen werden. Weil die Gefahr selbst nicht mehr ist. Lamm und Löwe, Panther und Zicklein, ich und du – nicht mehr gefährdet. 

Wir müssen Weihnachten nicht retten, weil Weihnachten uns rettet. Zumindest das, was wir an Weihnachten feiern: Die Niederkunft Gottes, sein Menschwerden. Er kehrt alle Werte um und stellt die Liebe vornan. Gott rettet uns, er kommt zu uns und wird wie wir. Das feiern wir, das ist der eigentliche Grund für Weihnachten.

Weihnachten ist das Fest der Liebe, der Liebe Gottes zu seinen Menschen. Es ist die Einladung zurück zu lieben. Gott und den Nächsten und uns selbst und alles, was ist. 

Zu lieben bedeutet auch, nach Gerechtigkeit zu streben und treu darin zu sein. Und dazu wiederum befähigt uns der Gerechte und Treue selbst, Jesus Christus, dessen Kommen wir heute feiern. 

Klingt wie ein Zirkelschluss? Ist es auch. Amen.

Lied: „Stille Nacht, heilige Nacht“ (F&L 221; T: Joseph Mohr 1816; M: Franz Xaver Gruber 1818)

Stille

In der Stille, kannst du deinen Dank und deine Bitten, deine Not und Sorgen vor Gott bringen.

Fürbitte[1]

Es ist Weihnachten, danke Gott, du kommst zu uns und bist schon da. Dein Licht leuchtet auch in diesem Jahr, in dem das Vertraute weggebrochen ist. Weihnachten ist, weil du bist. 

Wir bitten dich für alle, die wir liebhaben, für alle, die krank sind, für alle, die wir vermissen. Sei bei ihnen und behüte sie. 

Wir bitten dich für alle, deren Herzen schwer sind, die Gewalt erfahren müssen, die ohne Schutz und Hilfe sind. Sei bei ihnen, bewahre sie und lass uns sehen, wo wir gebraucht werden, wo unsere tätige Hilfe nötig wird. 

Wir bitten dich für deine Schöpfung, für Menschen, Tiere, Pflanzen, für diese Erde. Beschütze sie und mache uns bereit, unserem Auftrag, diese Erde zu bewahren, nachzukommen. 

Wir bitten dich für die, die Entscheidungen treffen, die mächtig sind, für die Großen dieser Welt. Sei bei ihnen und gib ihnen ein freundliches, ein gerechtes Herz. 

Es ist Weihnachten, lass in uns Weihnachten werden, lass dein Licht leuchten Jesus Christus, dass alle es sehen und sich daran orientieren können. Lass uns gemeinsam feiern mit dir, auch in Zeiten des physischen Distanzgebotes, komm du uns nah und segne uns. 

Und alles, was uns bewegt hat seinen Platz in dem Gebet , das uns alle verbindet:

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name. 

Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. 

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. 

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. 

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. 

Amen.

Segen

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft stiftende Kraft des Heiligen Geistes sei mit uns allen! (2Kor 13,13)

Lied „O du fröhliche“ (F&L 220; T: Str. 1 Johannes Falk 1819, Str. 2-3 Heinrich Holzschuher 1829; M: Sizilien vor 1788)


[1] Fürbitte in Anlehnung an das Wochengebet der VELKD; Quelle: https://www.velkd.de/gottesdienst/wochengebet.php?litDay=5#archiv, letzter Zugriff: 22.12.2020; 10:04

Gottesdienstordnung zum vierten Advent – Verheißungen – bei Gott ist nichts unmöglich

Wir zünden vier Kerzen am Adventskranz an und halten kurz inne

Eingang

Freut euch in dem Herrn allewege und abermals sage ich: Freut euch! Der Herr ist nahe! | Phil 4,4.5b

Heute feiern wir den 4. Advent. Nun brennen alle 4 Kerzen am Adventskranz und nur noch ein paar Tage bis zum Heiligabend. Der Bibelvers für diesen Sonntag ruft uns zu: Freuet euch! Der Herr ist nahe! Diese wunderbare Nachricht kann man nicht für sich behalten.

Freude kann schön machen. Unscheinbare Menschen fangen an zu leuchten, wenn sie sich auf etwas freuen: junge Mütter, die wie Maria ein Kind erwarten, Verliebte, die sich auf den geliebten Menschen freuen.

Wir erleben in diesem Jahr ein Weihnachten, das so ganz anders ist. Vor ein paar Tage wurden die Schulen, Kitas und Geschäfte geschlossen, damit wir uns mehr schützen vor der Pandemie. Das gesellschaftliche Leben soll heruntergefahren werden. Wir sollen zu Hause bleiben. Und da ruft uns dieser Vers aus Philliper 4 zu: „ihr sollt euch freuen, denn der Herr ist nahe“. Auch bei aller Not und Bedrängnis, bei allen Fragen, wie konnte das alles geschehen, ist Weihnachten das Fest, an dem Jesus Christus auf diese Welt kam, Gottes Sohn, der Heiland, der Retter.

Gebet

Vater im Himmel, heute feiern wir den 4. Advent. Weihnachten, ein Fest der Freude über das Kommen deines Sohnes hier auf diese Welt. Du hast deinen Sohn Jesus Christus auf diese Welt gesandt und wir feiern in der kommenden Woche seine Geburt. Du hast deine Verheißungen wahr werden lassen, die du schon den Propheten zu Zeiten des altes Testaments gezeigt hast. Sie haben schon den Menschen  damals dein Kommen auf die Welt verkündigt.

Weihnachten , ein Fest der Freude und des Friedens. Aber wenn wir uns umschauen, dann entdecken wir gerade in diesen Tagen viel Angst, Not und Leid.  Menschen, die schwer erkranken. Menschen, die ihre Ehepartner oder Angehörigen sterben sehen. Menschen, die ihre Heimat verlassen und sich aufmachen in eine neue Welt.

Herr , wir glauben, dass deine Friedensbotschaft allen gilt. Dein Kommen auf diese Welt ist eine  Hoffnung für alle Menschen. Du hältst alles in deinen Händen. Bei dir finden wir Trost und Zuversicht. 

Wir bitten um deinen Segen. Amen

Lied: „Preist den König, der da kommt“ (F&L 196; T+M: Ian Smale 1993)

Einleitung 

Der Gottesdienst steht unter dem Thema Verheißung. Was bedeutet Verheißung: eine feierliche Ankündigung von etwas Bedeutsamen. 

Verheißung ist auch ein Versprechen – und das Gegenstück zum Plan. Jedes menschliche Leben beginnt mit beidem. Während der Plan schon im Erbgut eines Embryos angelegt ist, möchte eine göttliche Zusage, eine Verheißung, unser täglicher Zuspruch sein: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“

Unsere Tochter Sarah hat vor 4 Monaten ihr zweites Kind bekommen, ein gesundes Mädchen, Emmilie. Gott hat seinen Segen gegeben für dieses junge Leben, und da wird die Verheißung , diese Ankündigung von etwas Bedeutsamen, so klar, deutlich und sichtbar. 

Aber natürlich haben wir uns auch Sorgen gemacht , geht alles gut . Und wie schön war der Moment , wo man dieses junge zerbrechliche Leben zum ersten Mal in den Armen hielt.

Ich habe im Adventskalender „ der andere Advent „ eine Geschichte  gefunden. Diese Geschichte will zeigen, wie trotz Verheißung die Zweifel und Sorgen aufkommen, und wie wunderbar  Gott am Ende handelt:

Text aus dem anderen Advent 20.12.20

Was für ein wunderbare Überraschung, ein Weihnachtskind wird es. Manchmal werden wir in einer Weise von Gott überrascht, dass wir sprachlos sind. 

„Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!“

Lied: „Wir grüßen den, der zu uns kommt“ (F&L 197; T+M: Gerhard Schnitter 1996) 

Lesung: Philipper 4,4-6

Freuet euch immerzu, mit der Freude, die vom Herrn kommt! Und noch einmal sage ich: Freuet euch! Alle in eurer Umgebung sollen zu spüren bekommen, wie freundlich und gütig ihr seid. Der Herr kommt bald! Macht euch keine Sorgen, sondern wendet euch in jeder Lage an Gott und bringt eure Bitten vor ihn. Tut es mit Dank für das, was er euch geschenkt hat.

Lied: „Wie soll ich dich empfangen“ (F&L 182; T: Paul Gerhardt 1653, M: Johann Crüger 1653)

Predigt – Verheißung – bei Gott ist nichts unmöglich 

Adventskalender sind eine schöne Tradition, um die Zeit bis Weihnachten zu verkürzen. Und vielleicht auch, um die Verheißung des kommenden Herrn zu verstärken. Es gibt die unterschiedlichsten Modelle. Mal mit Bildern und Gedichten, mal mit Süßem oder Dekorativem. Ich habe von meiner Tochter einen sehr inspirierenden Adventskalender gekommen. Er besteht aus 24 Umschlägen: ein Umschlag für jeden Tag. Darin ein Brief, in dem sie mir zuerst sagt, dass sie mich sehr lieb hat – sie und auch ihr Bruder. Beide haben mich lieb. Ist das nicht eine schöne Nachricht, mitten im Advent? Und dann stellt sie mir eine philosophische Frage. Ich soll mir mit der Antwort so viel Zeit lassen, wie ich benötige. Das steht immer auch im Brief. Was nicht drin steht, aber deutlich wird: Es geht ihr vor allem darum, dass wir uns austauschen und über die Fragen miteinander ins Gespräch kommen. Das sind wirklich tolle Fragen. Über die meisten muss ich erstmal nachdenken. Sehr oft berühren die Fragen meine innersten Werte, meinen Glauben, meine Hoffnung. Das ist gerade im Advent, in der Zeit des Wartens, der strukturierten Hoffnung, für mich sehr stimmig. 

Eine Frage lautete zum Beispiel: Glaubst du an Gott oder eine höhere Macht im Universum? Ist Gott der Ursprung von allem oder nur ein von Menschen geschaffenes Konstrukt?

Das IST eine spannende Frage. Meine Antwort: Ja, ohne wenn und aber. Ich glaube an Gott. Und zwar so richtig. Ich denke auch, man kann nur ganz oder gar nicht glauben. So ein bisschen Glaube funktioniert nicht. Eine Prise Glaube und eine Prise Unglaube, das ist nichts richtiges. Mein Glaube trägt mich. In Zeiten, die leicht sind und voller froher Gedanken. Aber auch in den schweren Zeiten, wenn ich verletzt und einsam bin. Dann trägt mein Glaube mich besonders.

Mein Glaube hilft mir zu hoffen und zu lieben. Und er hilft mir, Außergewöhnliches zu entdecken Wunder zu sehen, an Verheißungen festzuhalten. 

Es gibt viele Verheißungen auf dieser Welt. Große und kleine, spektakuläre und kaum zu benennende. Oft sind sie wunderbar und wer glaubt, entdeckt Gott als deren Urheber. 

Von einer Verheißung erzählt auch unser Predigttext. Von einer Verheißung, die unbedingten Glauben braucht. Sie steht im 1. Buch Mose, Kapitel 18, 1-3.9-14.

Abraham wohnte bei den Eichen von Mamre. Dort erschien ihm der HERR. Abraham saß in der Mittagshitze am Eingang seines Zeltes. Als er aufblickte, sah er wenige Schritte vor sich drei Männer stehen. Sofort sprang er auf, warf sich vor ihnen nieder und sagte: „Mein Herr, wenn ich Gnade vor dir gefunden habe, dann geh nicht hier vorüber. Ich stehe dir zu deinen Diensten!

Nach dem Mahl fragten die Männer Abraham: „Wo ist deine Frau Sara?“ „Drinnen im Zelt“, antwortete er. Da sagte der HERR: „Nächstes Jahr um diese Zeit komme ich wieder zu dir, dann wird deine Frau einen Sohn haben.“ Sara stand im Rücken Abrahams am Zelteingang und horchte. Die beiden waren damals schon alt und Sara war schon lange über die Wechseljahre hinaus. Sie lachte in sich hinein und dachte: ‚Jetzt, wo ich alt und verwelkt bin, soll ich noch ein Kind empfangen? Und mein Mann ist auch viel zu alt!“ Da sagte der HERR zu Abraham: „Warum hat Sara gelacht? Warum zweifelt sie daran, dass sie noch ein Kind gebären wird? Ist denn für den HERRN irgendetwas unmöglich? Nächstes Jahr um die verabredete Zeit komme ich wieder, dann hat Sara einen Sohn.“

In einem Jahr um diese Zeit hat deine Frau ein Kind, einen Sohn. Diese Nachricht trifft Sara unerwartet. So unerwartet, wie die drei Männer plötzlich vor Abraham in der Mittagshitze auftauchen. Ich stelle mir vor, wie das so gewesen sein mag. Alles ist warm, die Grillen und Zikaden zirpen. Sie sind das einzige Geräusch, dass zu hören ist. Das sonst so geschäftige Lager ist still. Es ist Mittag. Zeit für Ruhe und Erholung. Und plötzlich und unerwartet stehen da drei Männer. Der HERR ist da. Gott.

Gott kommt – wenn du es am wenigsten erwartest. Das ist eine Erfahrung, die seit Abraham unzählige Menschen gemacht haben. Es gehört zu Gottes Wesen, nicht berechenbar und vorhersagbar zu sein. Er kommt und wenn er da ist, dann ist es gut, sich Zeit zu nehmen. 

In jedem meiner Briefe ermutige ich Dich, Dir Zeit zu nehmen für die Begegnung mit Gott. Denn Gott kommt und er will Dir und auch mir begegnen. Und wenn er da ist, dann geschieht Bedeutsames. Vielleicht ist es nur für Dich bedeutsam. Vielleicht bekommt niemand anderes davon etwas mit. Aber das ist auch nicht wichtig. Ob andere etwas davon haben oder mitbekommen. Wenn Gott da ist, dann geht es immer um Eure Beziehung. Um Dich und Ihn, oder um mich und Ihn. Damit eine Beziehung funktioniert, braucht es Zeit. Zeit, in der sie sich entwickeln und entfalten und wachsen kann. 

Wie die Beziehung eines Menschen zu Gott ist, drückt sich in seinem Leben aus. In den Hoffnungen und dem Vertrauen in Gottes Verheißungen zum Beispiel. In den Erwartungen, die ich habe und auch benenne. Und in meiner Bereitschaft, den Verheißungen Gottes zu vertrauen, mich in Seinen Arm fallenzulassen. Diese Bereitschaft kommt nicht von ungefähr. Sie wächst so, wie meine Beziehung zu Gott wächst. So, wie mein Vertrauen wächst, wächst auch meine Hingabe. 

Abraham versorgt die Männer, die da plötzlich und unerwartet vor ihm stehen. In den Versen, die ich ausgelassen habe, wird beschrieben, wie er ein tolles Essen zubereiten lässt. Das muss Stunden gedauert haben. Und dann essen sie und Abraham bewirtet sie, zeigt sich als zuvorkommender Gastgeber, der seinen Gästen nach allen Regeln der Kunst dient. Das beeindruckt mich. Oft ist es bei mir eher so, dass ich die Begegnung mit Gott eben noch zwischenschiebe. Aber gerade das darf im Advent anders sein. Die Zeit der Erwartung ist eigentlich auch eine Zeit, in der die Fülle der Aufgaben abnehmen sollte, damit Zeit für echte Begegnungen bleibt. 

Der Adventskalender meiner Tochter zwingt mich ein bisschen dazu, diese Zeit zu nehmen. Zu oft – gerade in diesem Jahr – vertröste ich sie und mich. Wir machen das später. Doch später gibt es ja auch viel zu tun. Und sie besteht darauf, immer wieder besteht sie auf diesen gemeinsamen Zeiten. Und es sind dann echte Wertvollzeiten. 

So ist es auch mit Gott. Er will unsere gemeinsamen Zeiten. Nicht damit wir einen Haken an eine Aufgabe machen, sondern weil er sich uns nur auf diese Weise mitteilen kann. Wie soll denn eine Verheißung, ein Trostwort, ein Zuspruch zwischen Tür und Angel möglich sein? Wie kann das denn überhaupt ankommen? 

Menschen, die schon sehr lange zusammenleben, erleben häufig, dass sie einander nicht mehr richtig zuhören, weil sie glauben zu wissen, was der andere sagen will, weil es viel Zeit braucht, den gemeinsamen Alltag zu gestalten, weil … Es gibt unzählige Gründe, warum wir einander zu wenig zuhören. Und Gott? Um ihn hören zu können, brauchen wir auch Zeit. Zeit und Ruhe. 

Und dann können wir auch Gottes Verheißung hören. Abraham nimmt sich diese Zeit, verbringt Zeit mit Gott, dient ihm. Und er hört diese unglaublichen Worte: Deine Frau wird einen Sohn haben. Abraham hört diese Worte aus dem Mund des HERRN. 

Hier steht im hebräischen Text das Tetragramm, die Selbstbezeichnung Gottes, der von sich sagt: Ich bin, wer ich sein werde. Also in deiner Situation bin ich für dich so da, wie es gut für dich ist. Ich bin Begegnung, Ereignis, Liebe. 

Der Liebende, der Begegnung mit uns Menschen sucht, sagt zu Abraham: Deine Frau wird Mutter sein. Er wiederholt damit die alte Verheißung vom großen Volk, das aus Abraham entstehen soll. Ein Volk, das Gott zum Herrn hat. Ein Volk, das sich über die ganze Erde ausbreiten wird. Und es wird größer sein, als unsere engen Gedanken es sich vorstellen können. 

Diese Verheißung ist uralt. Und die beiden sind uralt. Sara und Abraham – sie sind längst dem Alter der Zeugungs- und Empfängnisfähigkeit entwachsen. Wie soll das bitte gehen? Doch Gott wiederholt nicht nur die Verheißung. Nein, er konkretisiert sie auch. Nach Jahresfrist werdet ihr Eltern, wird Sara Mutter sein. 

Kein Wunder, dass Sara zweifelt und lacht. Sie hat eine Ewigkeit gewartet – ohne Erfolg. Und nun soll sich die Hoffnung, die sie längst begraben hatte, doch noch erfüllen? Das ist absurd! Sie hätte sich auch aufregen, empören können. Doch die Zeit der Empörung ist längst vorbei. Darum lacht sie. Und sie lacht über die Verheißung Gottes in Gottes Gegenwart. Ich finde das beeindruckend. Sie konfrontiert Gott, provoziert mit ihrem Lachen und ihren Gedanken: Was bislang nicht gelang, wie soll das jetzt noch möglich sein? Ich bin alt und verwelkt und auch mein Mann ist zu alt für solche Späße. Sara hält sich nicht zurück mit ihrem Zweifel an der göttlichen Verheißung. Und das ist gut so!

Zweifel gehören zum Glauben dazu. Wer nicht zweifelt, dessen Glaube kann nicht wachsen. Es sind Zweifel und Fragen, die uns voranbringen. Wie kann das sein, Gott? Wo bist du, Gott? Warum hast du mich verlassen? Wie soll ich all die Worte aus der Bibel und die Erkenntnisse der Wissenschaft in Einklang bringen? Warum gibt es soviel Elend auf der Welt, wo du doch allmächtig bist? Wann hat diese Ungerechtigkeit ein Ende. Wann hört die Gewalt auf. Wann werden Menschen aufhören, sich und andere zu zerstören? Was ist mit all den Hoffnungen, die ich hatte? Und wann erfüllen sich endlich Deine Verheißungen, Gott? 

Wer diese und ähnliche Fragen unterdrückt, nimmt Gott nicht ernst, macht ihn klein und hilflos. Doch es gehört unbedingt dazu, diese Fragen zu stellen. Sie Gott zu stellen. Er ist der richtige Adressat. Jesus selbst wird eine solche Frage am Kreuz stellen, so wie sie schon der Psalmbeter stellt: Warum hast du mich verlassen? Wer glaubt, empfängt auch eine Antwort. Vielleicht nicht sofort. Aber sie kommt, denn Gott kommt – spätestens rechtzeitig. 

Der Advent ist die Vorbereitungszeit auf das Kommen Gottes. Wäre es nicht schön, wenn wir wirklich auf Ihn vorbereitet und eingestellt sind, wenn er da ist? Amen.

Stille

In der Stille, kannst du deinen Dank und deine Bitten, deine Not und Sorgen vor Gott bringen.

Lied: „Tochter Zion“ (F&L 187; T: Friedrich Heinrich Ranke 1826; M: Georg Friedrich Händel 1747)

Fürbitte[1]

Vater im Himmel, du treuer Gott und Herr.Wir feiern in diesen Tagen dein Kommen auf diese Erde. Du hast deine Verheißungen wahr werden lassen. Wir dürfen im Frieden dieses Weihnachtsfest begehen.

Und doch sehen wir, wieviel Not und Elend in dieser Welt ist. Wir wollen im Gebet an Menschen denken, die unsere Fürbitte brauchen:

Komm zu allen, die dich suchen, die in ihren Nöten fragen: Wo bist du Herr? Die nach dir verlangen, aber dich nicht finden können.

Komm du allen, die nicht mehr hoffen können, deren seelische Kräfte aufgebraucht sind, die den Glauben an sich und andere und an eine freie Gesellschaft mit Chancen für alle verloren haben.

Komm zu allen, die einsam sind, zu den Alten, die ihre Familien vermissen, zu den Kindern, die in ihren vier Wänden keine Heimat haben

Komm zu allen, die in Krankheit ins Ungewisse schauen, die sich an der Grenze ihres Lebens wissen und fragen, was sie erwartet und wie sie bestehen können in ihrer Angst

Komm zu allen, die sich in Feindbilder einschließen, die Andersdenkende diffamieren müssen, um sich selbst in den eigenen Wahrheiten zu bestätigen, die keine Kritik ertragen können. 

Komm zu allen, die in Unfrieden leben, zu all den Hungernden, die vergessen werden, zu all denen, die auf der Flucht sind vor Gewalt und Elend 

Herr, erbarme dich schenke du inneren und äußeren Frieden, gib du Hoffnung und Trost. Schenke du Kraft, Mut und Zuversicht.

Und alles, was uns bewegt hat seinen Platz in dem Gebet , das uns alle verbindet:

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name. 

Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. 

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. 

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. 

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. 

Amen.

Lied „Freue dich Welt“ (F&L 185; T: Isaac Watts 1719; D: Annette Sommer 1985; M: Manfred Staiger 2000)

Segen

Der HERR segne dich und behüte dich. Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der HERR erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir seinen Frieden. 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird unsere Herzen und Sinne bewahren in Christus Jesus. (nach Phil 4,7) Amen


[1] Nach dem Wochengebet der VELKD; Quelle: https://www.velkd.de/gottesdienst/wochengebet.php?litDay=4#archiv

Gottesdienstordnung zum dritten Advent – Liebe sieht … das Mögliche

Wir zünden drei Kerzen am Adventskranz an und halten kurz inne

Eingang

Denn: also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf das alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.  |  Johannes 3 Vers 16

Heute feiern wir den 3. Advent! Nun brennen schon drei Kerzen. Das Licht leuchtet  immer heller! Wir warten – der Herr kommt! Gott schenkt uns seinen Sohn! Er schenkt uns ein „ Herz voller Liebe“.

Gebet

Herr Jesus, Sohn Gottes, wir feiern den 3. Advent und erwarten dein Kommen! Gott: Du beschenkst uns in deiner großen Liebe. Danke für deine Gegenwart. Lass uns zu Ruhe kommen in dieser Stunde, wo wir auch sind, dass wir uns dir ganz öffnen! Lass uns dein Wort aufnehmen und mach dazu unsere Herzen weit. Wir bitten im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Segne uns! Amen

Was ist Liebe? 

Liebe ist nicht nur ein Wort. Liebe das sind Worte und Taten (aus einem Lied). Liebe ist Wärme, Geborgenheit und Licht. Die Liebe ist vielfältig. Ich denke an: die Liebe Gottes zu uns, die Liebe zu mir selbst, zum Mitmenschen, zum Heimatlosen und Vertriebenen, zur Familie, zur Natur, zu Tieren, zu Freunden, die Feindesliebe. Liebe zum Partner, zu Eltern, zu den Kindern und Enkelkindern. Die Liebe zu Gott!

Gott ist Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Ein Vers aus 1. Johannes 4, 16.

Und weil Gott „die Liebe“ ist, kommt jetzt, auch wenn es kein Adventlied ist, das Lied Gott ist die Liebe

Lied: „Gott ist die Liebe“ (F&L 347; T: August Rische 1852; M: Thüringen um 1840)

Einleitung

Dieser Adventsonntag steht unter dem Thema LIEBE. Das Herz, die Einleitung, das Lied – alles zeigt und sagt uns: Die Liebe öffnet Türen und Herzen und ist das größte Geschenk von unserem Gott!

„Liebe sieht … das Mögliche“     Dazu passt ein Text aus unserem Kalender „der Andere Advent“,     die Überschrift lautet „ HEIMAT“ 

Text aus dem anderen Advent 18.12.20

Lied: „Es kommt ein Schiff“ (F&L 191; T: 15. Jh./Daniel Sudermann um 1626; M: Köln 1608) 

Lesung: 1. Korinther 13,4-7.12.13

Liebe hat Geduld. Liebe ist freundlich. Sie kennt keinen Neid. Sie macht sich nicht wichtig und bläst sich nicht auf; sie ist nicht taktlos und sucht nicht sich selbst; sie lässt sich nicht reizen und trägt Böses nicht nach; sie freut sich nicht, wenn Unrecht geschieht, sie freut sich, wenn die Wahrheit siegt. Sie erträgt alles; sie glaubt und hofft immer. Sie hält allem stand. 

Jetzt sehen wir wie in einem blank polierten Stück Metall nur rätselhafte Umrisse, dann aber werden wir alles direkt zu Gesicht bekommen. Jetzt erkenne ich nur Teile des Ganzen, dann aber werde ich so erkennen, wie ich von Gott erkannt worden bin. Was bis dahin bleibt, sind Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei. Und die größte davon ist die Liebe.

Lied: „Jetzt ist es wieder höchste Zeit“ (F&L 198; T: Johannes Jourdan 1990, M: Hella Heizmann 1990)

Predigt – Liebe sieht … das Mögliche – Jesaja 40,1-11

Liebe Gemeinde, Liebe ist heute morgen unser Thema. Das ist wohl schon sehr deutlich geworden. Sei es der wunderbare Text aus dem Adventskalender oder das berühmte Hohelied der Liebe aus dem Brief des Apostels Paulus an die Christen in Korinth. Was den Menschen immer und immer beschäftigt ist die Liebe. Und das ist auch kein Wunder. Denn wir sind Geschöpfe des Liebenden, dessen, der die Liebe selbst ist, der uns als sein Gegenüber schuf. Nur wenig geringer als Er selbst. Wir sind Geschöpfe Gottes, des liebenden Vaters. 

Es ist also aus kein Wunder, dass die Liebe DAS Thema schlechthin ist. Dabei beschränkt die Liebe sich nicht auf erotische oder freundschaftliche Begegnungen. Sie will und kann viel mehr. 

Und nicht immer wird sie dabei wie eine Monstranz vorangetragen. Eigentlich ereignet die Liebe sich still und leise. Sie entwickelt sich und veranlasst Menschen über sich hinauszuwachsen. Sie entwickelt sich und damit auch den Menschen; sowohl den Menschen, der liebt als auch den, der geliebt wird oder Liebe erfährt. 

In seinem wunderbaren Hohelied der Liebe beschreibt der Apostel Paulus, wie die Liebe ist. Er nennt sie geduldig und voll Hoffnung und erfreut an der Gerechtigkeit. Keine Sorge, ich werde nicht alles wiederholen, was schon gesagt ist. Es soll nur eine kurze Erinnerung sein. Die Liebe kann viel mehr, als auf Anziehung und Freundschaft zu bauen. 

Sie kann zum Beispiel auch trösten oder zum Trost befähigen. Trost, das ist etwas, das zurzeit oft nötig ist. Die Einschränkungen, der zu erwartende echte Lockdown. Das kann Angst machen und mich sehr bedrohen. Wer hier Trost sucht, braucht sicher nicht jemanden, der die Angst noch schürt. 

Einer, der tröstet, muss in der Lage sein, dahinter zu schauen. Hinter die Angst. Auf das, was alles jenseits der Angst und Bedrohung möglich ist. So ein echter Tröster war Dietrich Bonhoeffer, der aus seiner Gefängniszelle das unvergessliche Gedicht „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ schrieb. Ein Gedicht voll Zuversicht angesichts unvorstellbaren Grauens. Oder Jochen Klepper, der kurz vor seinem Freitod dichtete: „Es wird nicht immer dunkel sein“. 

Ein echter Tröster ist auch der Prophet Jesaja, vor allem im letzten Drittel des Prophetenbuches finden sich immer wieder Trostworte, die voll Zuversicht und Hoffnung auf ein besseres Morgen sind. Dem Kapitel 40 sind die Verse entnommen, die der Predigt zugrunde liegen: 

„Tröstet, tröstet mein Volk!“, sagt euer Gott. „Sprecht den Leuten aus Jerusalem Mut zu, sagt zu ihnen: ‚Eure Gefangenschaft ist zu Ende! Eure Schuld ist abgebüßt! Ihr habt vom HERRN die volle Strafe für eure Vergehen empfangen; jetzt ist alles beglichen!‘“

Hört, jemand ruft: „Bahnt für den HERRN einen Weg durch die Wüste, baut eine Straße für unseren Gott! Füllt die Täler auf, ebnet die Berge und Hügel ein, räumt alle Hindernisse aus dem Weg! Der HERR wird kommen in seiner ganzen Herrlichkeit und alle Menschen werden es sehen. Der HERR selbst hat das gesagt!“

Ich hörte eine Stimme sagen: „Rede zu deinem Volk!“ 

„Was soll ich denn sagen?“, fragte ich. „Alle Menschen sind vergänglich wie das Gras. Auch wenn sie noch so gerecht und treu sind, es ergeht ihnen nicht anders als den Blumen auf der Wiese. Das Gras verdorrt, die Blumen verwelken, wenn der HERR seinen glühenden Atem darüber wehen lässt. Ja, wie das Gras ist das Volk!“

Da sagte die Stimme: „Das Gras verdorrt, die Blumen verwelken; aber das Wort Gottes bleibt für immer in Kraft.“ 

Steig auf einen hohen Berg, du Freudenbotin Jerusalem! Ruf mit lauter Stimme deine Botschaft aus, du Zionsstadt! Tu es unbesorgt, hab keine Angst! 

Sag den Stätten Judas: Euer Gott kommt! Der HERR, der mächtige Gott, kommt als Sieger und herrscht mit starker Hand. Die Siegesbeute, sein Volk, dass er befreit hat, zieht vor ihm her. Er führt sein Volk wie ein guter Hirt, der die Lämmer auf seinen Arm nimmt und an seiner Brust trägt und der die Mutterschafe behutsam leitet.“

Worte des Propheten Jesaja aus alter Zeit. 

Alle diese Zeilen sind Zeilen voll Hoffnung und Trost, aus Liebe geschrieben. Aus jedem Wort atmet Liebe, in jeder Wendung versteckt sich Zuversicht, die aus der Liebe genährt wird. Diese Liebe ist eine ganz besondere Liebe. Sie ist aus Gott, sie ist von Gott, sie ist göttlicher Natur und sie  wohnt in uns, wenn wir sie nur lassen. 

Diese Liebe ist klar und sieht auch das, was bitter und schlecht ist. Sie sieht nicht weg, sondern hin. Es ist Ausdruck von Liebe, dass sie sich auseinandersetzt mit dem, was nicht gut, sondern was schlecht ist. Die Liebe ist nicht „ich-bezogen“, sondern „du-bezogen“. Wer liebt, sieht von sich weg auf das, was für den anderen gut ist. 

Der Prophet Jesaja war niemand, dem man zujubelte. Überhaupt waren Propheten zu keiner Zeit umjubelte Promis. Sie waren eher ungeliebt, denn sie legten den Finger in die Wunde und zeigten auf, wo Unrecht geschieht. Da ging es um Fragen der sozialen Gerechtigkeit ebenso, wie um die Verantwortlichen in Politik und Religion. Wo Egoismus und Habgier zerstörerische Dimensionen annahmen, benannten Propheten mit klaren Worten den Schaden. 

Das macht keine Freunde. Warum sollte ein Mensch dann solch eine Aufgabe übernehmen? Aus Liebe. Aus Liebe und auch aus Ehrfurcht vor Gott. Ich glaube, dass Liebe und Ehrfurcht sich nicht ausschließen, sondern im Idealfall ergänzen. Denn zu echter Liebe gehört auch die Wertschätzung. Liebe ohne Wertschätzung ist keine Liebe. 

Also aus Liebe übernimmt ein Mensch einen solchen Job. Aus Liebe zu Gott, aber auch aus Liebe zu den Menschen. Denn der Auftrag geht ja immer über das Schlimme, über die Schreckensbilder hinaus. Ja, der Prophet Jesaja malt in drastischen Bildern die Verdorbenheit der Gesellschaft. Man braucht schon einen langen Atem, die ersten beiden Drittel des Prophetenbuchs auszuhalten. Es sind wirklich drastische Bilder, harte Worte, ohne Wenn und Aber. Doch in ebenso starken Bildern malt er auch die Zukunft aus, wenn Gottes Wirklichkeit anbricht, wenn Sein Wille geschieht. 

Tröstet mein Volk – so lautet der Auftrag. Und Trost ist bitter nötig. Entwurzelung, Ungewissheit, materielle und soziale Unsicherheit waren an der Tagesordnung. Selbst die Religion konnte man nicht so ausüben, wie es wohltuend und gut gewesen wäre. Israel liegt in Trümmern. Also zumindest so, dass von der einstigen Blüte nicht mehr viel übrig ist. Tröstet! Das Elend hat ein Ende. Ihr seid frei, könnt euer Leben neu entwickeln und gestalten.

Ich kann mir vorstellen, dass das nicht zwingend als tröstend empfunden wurde. Ich meine, wenn es keine Infrastruktur gibt, wenn Wirtschaft, Kultur und Religion am Boden sind, wo soll denn da Trost herkommen? 

Ein bisschen davon erleben wir in diesen Wochen. Die massiven Einschränkungen sind vor allem für die Kulturschaffenden ein existenzielles Problem. Und sicher kennt jede und jeder von uns Menschen, deren materielle Existenz bedroht oder sogar schon zerstört ist. Und wo der finanzielle Background fehlt, fehlt es schnell auch an allem anderen. Hier sind unser aller Kreativität und Solidarität gefragt. Wie können wir denen unter die Arme greifen, die gerade am meisten bedroht sind? Aber das ist ein anderes Thema. Oder vielleicht auch nicht. Vielleicht ist es ja sogar explizit Teil dieses Nachdenkens über die Liebe. Denn die Liebe ist auch fähig, kreativ zum Wohle des anderen zu denken. 

Doch kehren wir zurück zu unserem Text und zu der Zeit, als das Volk Israel diese Botschaft von Jesaja empfängt. Es ist ja schön, dass sie nun frei sind. Doch woher sollen sie die Energie nehmen, um neu anzufangen, sich etwas neues aufzubauen? 

Jesaja fragt darum auch: Was soll ich den Leuten denn sagen? Es ist doch ohnehin alles vergänglich. Die Menschen leben nicht ewig, sie sind nicht unbesiegbar. Im Gegenteil, wie das Gras verdorrt, geht auch menschliches Leben unweigerlich dem Ende zu und da ist es völlig egal, wie gerecht und treu du bist. Gott lässt seine Sonne aufgehen über Gerechte und Ungerechte. Er behandelt alle Menschen erstmal gleich. Das ist doch eher ärgerlich als erbaulich! Was soll ich den Menschen denn sagen? 

Ein bisschen verzagt wirkt Jesaja auf mich und ich kann ihn gut verstehen. Wenn alles dagegen spricht, wie soll man da noch auf Hoffnung und Zuversicht setzen? Wie soll man lieben, wenn alles lieblos und leer ist? Da tönt ein Ruf in die Verzagtheit. 

Bahnt einen Weg für unseren HERRN, ebnet die Wege, räumt die Hindernisse weg, Gott selbst kommt und die Begegnung mit ihm wird alles verändern. Was eben noch ohne Kraft ist, wird neue Kraft bekommen. Ja, der Mensch ist vergänglich. Wir sind vergänglich und werden hier sogar mit dem Gras verglichen, das eine heiße Sonne im Sommer sehr schnell versengen kann. 

Ein bisschen Erdung hilft uns Menschen sicher manchmal. Wir sind nicht unverletzlich. Das merken wir in diesen Wochen besonders. Aber wir sind auch nicht ohne Hoffnung. Denn der Liebende, Gott selbst, sieht uns und will uns retten. 

Das Problem? Er rettet uns nicht gegen unseren Willen. Das ist auch gut, nicht nur problematisch. Aber der Wille des Menschen hat in der Regel zuerst sich selbst im Sinn und Blick. Über den Horizont können nur wenige sehen. Es braucht Vertrauen in die Liebe Gottes, die nur unser Bestes im Sinn hat. Ein anderer Prophet drückt das sehr schön aus. Gott lässt seinem Volk durch Jeremia sagen: Ich weiß wohl, welche Gedanken ich über euch habe. Es sind Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch Zukunft gebe und Hoffnung. Nachzulesen bei Jeremia im 29. Kapitel. 

Zukunft und Hoffnung kann man nur glauben, nicht sehen. Dieser Glaube braucht eine Basis und die heißt Liebe. Diese Liebe sieht das, was vor Augen ist. Und sie benennt es klar und ohne Umschweife. Diese Liebe sieht aber auch das, was möglich ist. Ist das naiv? Nein, es ist Liebe. 

Sie sieht das Herz eines alten Mannes, der vor Sehnsucht schwermütig zu werden droht und auch die von Karies zerfressenen Zähne im geschlossenen Mund eines Teenagers. Sie sieht, dass das, was vor Augen ist, immer nur ein Bruchteil der Wahrheit ist. Sie ahnt, dass sich dahinter ein ganzes Reich von Möglichkeiten auftut. Diese Liebe ermöglicht Menschen, sich zu entfalten. Diese Liebe trägt den Menschen, wenn er nicht mehr kann, sie leitet behutsam die, die Verantwortung tragen. Diese Liebe kommt nicht aus uns, aber sie wohnt in uns, seitdem Gott selbst Mensch wie du und ich wurde. Und sie drängt nach außen. Sie will sich zeigen. 

Ja, du machst dich damit verletzlich, wirst vielleicht nicht gefeiert, Menschen sind vielleicht von dir irritiert. Warum machst du das? Warum fängst du immer wieder an und gibst nicht auf? Wie oft wurdest Du schon verletzt, wie oft haben die Menschen dich enttäuscht? 

Diese Fragen kannst du dir stellen oder du stellst sie dem, der unser aller Grund ist – Gott. Und seine Antwort? Weil ich dich liebe und deine Möglichkeiten sehe. 

Amen.

Stille

In der Stille, kannst du deinen Dank und deine Bitten, deine Not und Sorgen vor Gott bringen.

Lied: „Wir grüßen den, der zu uns kommt“ (F&L 197; T+M: Gerhard Schnitter 1996)

Fürbitte

Allmächtiger Gott. Du bist der Gott der Liebe, der Barmherzigkeit, des Lichts. Du bist gegenwärtig im All, im kleinsten deiner Geschöpfe und in allem was existiert. Du hältst alles in deiner liebenden Hand.

Wir bitten: Gib uns die Kraft deiner Liebe, damit wir das Leben und die Schönheit hüten und bewahren! Heile unser Leben, damit wir Beschützer der Erde sind und nicht Räuber, damit wir Schönheit säen und nicht Verseuchung und Zerstörung. Überflute uns mit Frieden, damit wir als Schwestern und Brüder leben und niemandem schaden.

Wir bitten: Sei bei den Mächtigen und Einflussreichen, gib ihnen Liebe zu Gerechtigkeit und Frieden. Lass sie weise und verantwortungsvoll entscheiden.

Wir bitten: Sei bei den Kranken und Infizierten, bei denen an den Beatmungsgeräten und auf der Intensivstation. Sei bei den Behandelnden und Pflegenden, gib ihnen Kraft und Gesundheit. Sei bei den Trauernden.

Wir bitten: Sei bei allen, die in Anspannung und Sorge sind. Komm zu den Alleingelassenen, die sich vor Weihnachten fürchten. Vertreib die Finsternis und gib Liebe und Licht in die Herzen.

Wir bitten: Sei bei deiner Kirche, rüste uns aus mit Glauben, Hoffen und Lieben. 

Wir warten auf dein Kommen. Herr, komm und segne uns. Wir preisen deine große Liebe und beten dich an.

Und alles was uns bewegt bringen wir vor dich im Gebet, das du uns gelehrt hast. 

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Lied „Freue dich Welt“ (F&L 185; T: Isaac Watts 1719; D: Annette Sommer 1985; M: Manfred Staiger 2000)

Segen

Der HERR segne dich und behüte dich. Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der HERR erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir seinen Frieden. Amen

Gottesdienstordnung zum zweiten Advent – Gemeinschaft

Wir zünden zwei Kerzen am Adventskranz an und halten kurz inne

Eingang

Seht auf und erhebet eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht! | Lukas 21,28b

Heute ist der 2.Advent, die 2. Kerze leuchtet, und der Bibelvers für den heutigen Sonntag wird uns zugerufen, ich höre fast den Posaunenklang des Herolds, des verkündenden Boten, dazu:

„Seht auf und erhebet eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht“

Warum soll ich meinen Kopf heben, wenn ich noch mitten im Schlamassel stecke?

Eine Antwort dazu habe ich bei Charly Brown gefunden. Charly ist ein kleiner Junge in einer Comic-Geschichte, der mit seinen Freunden viele Situationen des alltäglichen Lebens durchläuft und zu wunderbar klaren ehrlichen Antworten findet.

Wenn wir uns aufrichten, ändert sich unsere Haltung – äußerlich und innerlich. Und mit dem Aufsehen ändern wir unseren Blickwinkel, wir sehen dem entgegen, was kommt.

Advent heißt Ankunft, wir warten, wir erwarten unsere Erlösung, unser Heil,  unseren Heiland.

Mit erhobenem Haupt  feiern wir diesen Gottesdienst im Namen unseres großen Gottes, des Vaters, und des Sohnes, der uns die Erlösung schenkt, und des Heiligen Geistes, der unser Begleiter und Tröster sein will.

Wir feiern hier oder am Küchentisch, im Zoom oder in unserer Wohnung an einem ruhigen Platz, wir freuen uns über jeden, der mitfeiert und fühlen uns auf diesem Wege miteinander verbunden, seid alle herzlich willkommen.

Gebet

Vater im Himmel, du großer Gott, danke für diesen neuen Tag. Du hast uns den Sonntag geschenkt, um zur Ruhe zu kommen, um uns neu zu besinnen und unseren Blick auf dich zu richten. Danke, dass du uns aufrichten und beschenken willst. Danke, dass du das Band bist, das uns verbindet.

Segne diesen Gottesdienst, öffne unsere Ohren und unsere Herzen. Danke, dass wir zu dir kommen können und dass du zu uns kommst.

Amen  

Lied: „Tochter Zion“ 

(F&L 187; T: Friedrich Heinrich Ranke 1826; M: Georg Friedrich Händel 1747)

Einleitung

Der Gottesdienst steht unter dem Thema „Gemeinschaft“. Das Thema ist in diesen Zeiten, in denen alles ein wenig anders ist, ein sehr interessantes Aufgabenfeld.

Wie kann ich Gemeinschaft haben, wie können wir untereinander Gemeinschaft haben, wenn wir gleichzeitig den Anderen, aber auch uns selber schützen wollen und schützen müssen?

Es verlangt Kreativität, ein um-denken,  ein neu denken, immer wieder eine Blickwinkeländerung. Wie anders denken aussehen kann? Dazu habe ich eine Geschichte aus dem Adventskalender „der andere Advent“ mitgebracht. 

Text aus dem anderen Advent 10.12.20

Allein ist dieses Umdenken oder Neudenken  nur schwer zu schaffen, aber wir müssen es ja auch nicht allein schaffen.

Lied: „Komm in unsre stolze Welt“ 

(F&L 195; T: Hans von Lehndorff 1968; M: Gerhard Schnitter 2002) 

Lesung: Kolosser 3,12-17 

Ihr seid von Gott auserwählt und seine geliebten Kinder, die zu ihm gehören. Darum soll jetzt herzliches Mitgefühl euer Leben bestimmen, ebenso wie Güte, Bescheidenheit, Nachsicht und Geduld. Ertragt einander und vergebt euch gegenseitig, wenn jemand euch Unrecht getan hat. Denn auch Christus hat euch vergeben. Wichtiger als alles andere ist die Liebe. Wenn ihr sie habt, wird euch nichts fehlen. Sie ist das Band, das euch verbindet. Und der Friede, den Christus schenkt, soll euer ganzes Leben bestimmen. Gott hat euch dazu berufen, in Frieden miteinander zu leben; ihr gehört ja alle zu dem einen Leib von Christus. Dankt Gott dafür! Lasst die Botschaft von Christus ihren ganzen Reichtum bei euch entfalten. Unterweist und ermahnt euch gegenseitig mit aller Weisheit und dankt Gott von ganzem Herzen mit Psalmen, Lobgesängen und Liedern, die euch Gottes Geist schenkt. Ihr habt doch Gottes Gnade erfahren! All euer Tun – euer Reden wie euer Handeln – soll zeigen, dass Jesus euer Herr ist. Weil ihr mit ihm verbunden seid, könnt ihr Gott, dem Vater, für alles danken.

Lied: „Jetzt ist es wieder höchste Zeit“ 

(F&L 198; T: Johannes Jourdan 1990, M: Hella Heizmann 1990)

Predigt – Gemeinschaft – Lukas 22,14-20(21) 

Gemeinschaft ist unser Thema. Gemeinschaft als Hoffnungszeichen. Gemeinschaft und Hoffnung in einer Zeit des physical distancing. 

Wir sind gefordert. Wir sind gefragt. Unsere Kreativität ist gefragt. Unsere Bereitschaft, anders zu denken, anders zu agieren, als gewohnt. So, wie in der Geschichte vorhin: Eine vergessene Fahrkarte macht aus einfachen Reisenden für kurze Zeit eine Gruppe, Gemeinschaft wird erlebt. Eine schöne Geschichte. Aus einer anderen Zeit, Dezember 2019, und doch so einladend und warm. Gemeinschaft an einem Ort, an dem man vielleicht am wenigsten damit rechnet. 

Woche für Woche suchen wir miteinander Gemeinschaft. Wir treffen uns hier über Zoom und feiern Gottesdienst auf eine Weise, die ich persönlich mir vor einem Jahr um diese Zeit nicht hätte träumen lassen. Advent über Zoom? Das kam selbst in meiner lebhaftesten Phantasie nicht vor. Andere von uns lesen den Gottesdienst zuhause, an ihrem Küchentisch oder im Lieblingssessel. Einige sitzen allein und fühlen sich vielleicht einsam. Oder auch nicht. Alleinsein deutet jeder Mensch anders. Manche Menschen brauchen andere Menschen um sich her, damit sie sich nicht einsam fühlen. Anderen reicht es, immer mal auf andere zu treffen und wieder andere berichten, wie sie erleben, dass Gott ihr Gegenüber, ihr Freund und Einsamkeit kein Thema ist. 

Die Sehnsucht, das Bedürfnis nach Gemeinschaft ist allerdings Teil des menschlichen Seins. Ich bin kein Genetiker, aber ich glaube, dass das Bedürfnis nach Gemeinschaft Teil unserer menschlichen DNA ist. Denn nur durch andere Menschen erkennen wir uns selbst. Gemeinschaft ist also kein Luxusgut, sie ist wesentlich für unser Leben. 

Nun sind wir seit geraumer Zeit gezwungen, unsere Gemeinschaft ausgesprochen eingeschränkt zu gestalten. In Altersheimen und Krankenhäusern ist der Besuch von Verwandten und Freunden drastisch eingeschränkt, teilweise gar verboten. 

Und auch wenn wir nicht auf die Extreme schauen: Die Sehnsucht nach Gemeinschaft wird groß und größer. Und das ist auch kein Wunder. Denn der Mensch ist als Gegenüber geschaffen. Ohne Gemeinschaft verkümmert er. 

Gleich am Anfang der Bibel wird erzählt, wie der Mensch geschaffen wird und erst als ein anderer Mensch hinzukommt, eine Menschin gar, wird der Mensch vollständig. Wir sind also Gemeinschaftswesen, die erst durch andere Menschen ihre Bestimmung leben können.

Wie kann das in Zeiten des physical distancing, der körperlichen Distanz gelingen? Wie können wir diese Ursehnsucht sehen, ernst nehmen und einander begegnen ohne einander gleichzeitig zu gefährden? Ich bin übrigens nicht der Meinung, dass wir uns von Angst treiben lassen sollten. Im Gegenteil: Angst ist immer ein schlechter Ratgeber. Angst ist eigentlich gar kein Ratgeber. Im ersten Johannesbrief steht, dass die vollkommene Liebe die Furcht oder auch Angst austreibt. 

Interessanterweise hieß zu Beginn der Pandemie der Auftrag an uns alle immer: social distancing – soziale Distanz. Doch recht schnell war klar: Das geht gar nicht. Es geht nicht darum, auf Biegen und Brechen alle sozialen Kontakte abzubrechen. Das ist lieblos und macht krank. 

Wir mussten und müssen lernen, dass es um eine neue Qualität des Miteinanders geht. Gemeinschaft auf einem anderen Level gewissermaßen. Darum: physical distancing – auch keine schöne Wendung, aber klarer: Wir brauchen Gemeinschaft, die sich von der Liebe treiben und nähren lässt, die Gott in unsere Herzen legt. Diese Liebe ist das Band, das uns alle verbindet.  

Es geht also um Liebe. Auch wenn das Drumherum bedrohlich erscheint. Es geht immer um Liebe. Liebe sucht das Miteinander, die Gemeinschaft. Aus ihr wachsen Kreativität und Bereitschaft füreinander da zu sein, auch in schwierigen und unklaren Zeiten. Gemeinschaft funktioniert ja nicht nur über die unmittelbare Begegnung. Da ist unserer Kreativität keine Grenze gesetzt. 

Diese Liebe hat auch Jesus angetrieben und ihn mit seinen Jüngern und auch mit uns verbunden. Sie verbindet uns auch heute mit ihm. Diese Liebe war und ist bis heute die Ursache für sein Sehnen nach Gemeinschaft. Gemeinschaft können wir mit Jesus erleben, wenn wir miteinander das Abendmahl feiern. Eigentlich sind wir dabei in einem Raum, hören einander, nehmen einander körperlich wahr. Das geht gerade nicht. Aber wir wollen nicht auf das gemeinsame Abendmahl verzichten. Darum lesen wir jetzt die Worte zum Abendmahl aus dem Lukasevangelium und teilen dann Brot und Kelch. Jeder an seinem Ort und doch miteinander und mit Jesus verbunden.

Lukas 22,14-20(21) 

Als es dann soweit war, legte sich Jesus mit den Aposteln zu Tisch und sagte: „Ich habe mich sehr danach gesehnt, dieses Passamahl mit euch zu genießen, bevor ich leiden muss. Denn ich sage euch: Ich werde dieses Fest nicht mehr feiern, bis es im Reich Gottes seine volle Erfüllung findet.“ Dann nahm er einen Kelch, sprach das Dankgebet (Gelobt seist du, Ewiger, unser Gott, Schöpfer der Frucht des Weinstocks) und sagte: „Nehmt ihn und trinkt alle daraus! Denn ich sage euch: Bis zu dem Tag, an dem Gott seine Herrschaft aufrichtet, werde ich keinen Wein mehr trinken.“ Jesus nahm ein Fladenbrot und dankte Gott (Gelobt seist du, Ewiger, unser Gott, du bist es, der Brot aus der Erde hervorbringt). Er brach es, reichte es den Jüngern und sagte: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies als Erinnerung an mich!“ 

Brot essen!

Ebenso nahm er den Kelch nach dem Essen und sagte: „Dieser Kelch ist der neue Bund, der sich gründet auf mein Blut, das für euch vergossen wird.

 Kelch leeren!

(Doch wisst, der Verräter hat seine Hand mit mir auf dem Tisch.)

Jesus spricht von Sehnsucht: Ich habe mich sehr gesehnt. Es ist für mich immer wieder berührend. Jesus sehnt sich nach der Gemeinschaft dieses Mahls. 

Wenn wir davon ausgehen, dass es wirklich ein Passamahl, also eine Festmahlzeit am Ende der Passawoche war, dann hat es eine enorme theologische Bedeutung: Das Passa feiert die Freiheit von der Knechtschaft, von der Sklaverei. Gott will keine Knechte. Er will, dass seine Menschen frei sind. Als Erinnerung an diese Tatsache feiern die Juden bis heute dieses Fest. Es ist eines der höchsten Feste in Israel und auch in der jüdischen Diaspora. Gott will, dass seine Menschen frei sind. 

Für die Freiheit braucht es Liebe, Phantasie und Kreativität. Die Freiheit wird niemandem auf einem goldenen Teller serviert. Das Volk Israel muss einen langen und weiten Weg gehen, bis es frei ist. Und auch diese Freiheit ist immer wieder bedroht – von außen und von innen. 

Jesus sehnt sich danach, mit seinen Freunden dieses Fest zu feiern. Zusammen, in Gemeinschaft. Und so feiern sie. So ein Passamahl ist kein gewöhnliches Festessen. Es folgt einer recht strengen Ordnung. Erinnerung und Trauer gehören ebenso dazu, wie Hoffnung und Freude. Denn das sind menschliche Empfindungen und sie sind kostbar und wichtig. Die Erinnerung: Ihr wart Knechte, Sklaven, unfrei. Euer Leben war schrecklich. Wie viele Menschen sind elendig zugrunde gegangen? Wie viele haben wir verloren? Krankheit, Hunger, Isolation. Aber es gibt auch Hoffnung, eine Aussicht, Grund zur Freude. Weil Gott selbst sein Volk aus dieser Gefangenschaft befreite, es in die Freiheit führte, gibt es immer noch Hoffnung. Lies gern nach im zweiten Buch Mose. 

Dieses Fest lebt auch von der Erinnerung an die Verantwortung, die wir füreinander und für diese Welt haben. Als Jesus sagt, dass er dieses Fest nicht mehr feiern wird, bis es im Reich Gottes seine volle Erfüllung findet, wissen seine Freunde genau, was gemeint ist. Freiheit, echte Freiheit gibt es nur dort, wo ausschließlich die Liebe die Triebfeder allen Tuns ist. Und das ist auf dieser Erde kaum möglich, denn Habgier und Neid sind allzu mächtige Antriebe. Und wer will schon gern zurückstecken, sich freiwillig mäßigen? Maß halten ist nicht menschliche Stärke. Die Sehnsucht nach mehr bringt auch viel Fortschritt und der ist doch auch ein Segen. Mit all dieser Ambivalenz feiern sie und feiern wir und verbinden uns miteinander und hoffen. 

Und dann nimmt Jesus einen Becher mit Wein. Er segnet ihn und gibt ihn weiter. Von diesem Becher erzählt nur der Evangelist Lukas. Es ist der dritte der vier Becher im Passamahl. Es ist der Erlösungsbecher. „Nehmt ihn und trinkt alle daraus!“ Auch Judas, der ihn schon verraten hat. Dass Jesus davon weiß, das verrät der letzte Vers des Predigttextes aus dem Lukasevangelium: „Doch wisst, der Verräter hat seine Hand mit mir auf dem Tisch.“

Auch Judas wird dieser Becher gegeben, der Erlösung bedeutet. Was bedeutet es, dass Jesus auch Judas ausdrücklich den Kelch der Erlösung reicht? Ich bin selbst immer noch erstaunt darüber und habe keine andere Erklärung dazu als: Wir müssen dringend über unsere Vorstellung von Erlösung, Schuld und Vergebung nachdenken. Dass Lukas explizit davon schreibt, ist wirklich bedeutsam und kein Zufall, keine Marotte eines schrulligen Evangelisten. Das Motiv ist immer Liebe; Liebe als das Band, das uns alle miteinander und mit Jesus verbindet.

Das Brot, das Jesus bricht, ist das Brot, das den Messias ankündigen soll. In der Ordnung eines Passamahls steht dieses Brot für das Kommen des Erlösers. Wir glauben, dass wir in einer Zeit der Erwartung leben. Heute ist der zweite Advent. In zweieinhalb Wochen feiern wir, dass diese Erwartung sich erfüllt hat, als Jesus geboren ist. Und dennoch leben wir immer noch (oder auch seit 2000 Jahren wieder) in der Erwartung, dass Jesus wieder-kommt. Er hat gesagt, dass er wiederkommen wird, dass er diese Welt vollenden wird. Diese Hoffnung, diese Erwartung feiern wir immer mit, wenn wir Advent feiern. Und wir feiern sie, wenn wir miteinander das Abendmahl feiern. Dann erinnern wir uns an das Band der Liebe, das uns miteinander und mit Jesus verbindet und wir feiern, dass Jesus wiederkommen wird, weil er es versprochen hat. 

Bis dahin sind wir eingeladen und aufgefordert, miteinander Gemeinschaft zu haben, einander zu stärken, zu trösten, aufzurichten. Miteinander zu lachen und zu weinen und füreinander da zu sein. Und gerade in dieser Zeit brauchen wir dafür viel Liebe. Das Gute daran: Gott schenkt sie uns überbordend. Dann werden auch so kreative Lösungen möglich, wie die am Ende der Geschichte von der vergessenen Fahrkarte, als die Zugbegleiterin die Dame auffordert: „Schließen sie uns alle bitte heute Abend in ihr Abendgebet ein“. Wenn das nicht Gemeinschaft ist… Amen

Stille

In der Stille, kannst du deinen Dank und deine Bitten, deine Not und Sorgen vor Gott bringen.

Lied: „O komm, o komm, du Morgenstern“ 

(F&L 183; T: Str.1+2: John Mason Neale 1851/1861, Str.3: Henry Sloane Coffin 1916; D: Ottmar Schulz 1975; M: Frankreich 15. Jh.)

Fürbitte[1]

Du hast Geduld mit uns, ewiger Gott.
Wir danken dir für den langen Atem, für die Barmherzigkeit, für die Liebe und das Glück.

Du bist geduldig, Gott – wir warten und werden ungeduldig.
Wir hungern danach, dass die Krankheiten aufhören, dass die Infektionen enden, dass die Impfstoffe wirksam sind. Komm.

Du bist geduldig, Gott – wir warten und werden ungeduldig.
Wir wünschen uns, dass die Sterbenden in Frieden gehen, dass die Trauernden Trost finden, dass unsere Toten bei dir geborgen sind.

Du bist geduldig, Gott – wir warten und werden ungeduldig.
Wir sehnen uns danach, dass Barmherzigkeit diese Welt regiert, dass die Hungernden satt werden, dass die Betrogenen Wiedergutmachung erfahren, dass die Entwurzelten Heimat finden.

Du bist geduldig, Gott – wir warten und werden ungeduldig,
mit dieser Welt, mit unseren Nächsten, mit uns.
Du hast Geduld mit uns, ewiger Gott, und gibst uns deinen Atem.
Komm mit deiner Barmherzigkeit und Liebe.
Wir warten. Komm.

Und alles was uns bewegt hat seinen Platz in dem Gebet, das uns alle verbindet:

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name. 

Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. 

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. 

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. 

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. 

Amen.

Lied „Freue dich Welt“ (F&L 185; T: Isaac Watts 1719; D: Annette Sommer 1985; M: Manfred Staiger 2000)

Segen

Der HERR segne dich und behüte dich. Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der HERR erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir seinen Frieden. Amen


[1] Quelle: https://www.velkd.de/gottesdienst/wochengebet.php, letzter Zugriff: 04.12.23:32

Gottesdienstordnung zum ersten Advent – Freude

Wir zünden die erste Kerze am Adventskranz an und halten kurz inne

Freuet euch ihr Christen alle, freue sich, wer immer kann. Gott hat viel an uns getan. Halleluja! Liedtext von Christian Keimann 1646

Eingang

Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer. |Sacharja 9,9a

An diesem ersten Advent feiern wir Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Lied: „Macht hoch die Tür“ 

(F&L 179; T: Georg Weißel 1642; M: Halle 1704)

Gebet  

Vater im Himmel, wir danken dir, dass wir Gottesdienst feiern dürfen. Jede von uns an ihrem Ort. Zu Hause im Wohnzimmer oder am Küchentisch. Du begegnest uns überall. Du siehst und kennst jede von uns und weißt, was wir heute Morgen fühlen und denken. Lass uns zur Ruhe kommen, auch wenn wir hier alleine sitzen. Du kannst zu jeder Einzelnen reden. Du weißt was uns Sorge macht. Du kannst uns jetzt Ruhe schenken, damit wir auf dein Wort hören können. Amen

Einleitung

Wir setzen auch in diesem Advent unsere jahrelange Tradition fort:

Uns begleitet im Advent der Kalender der „Andere Advent“.  Für jeden Tag gibt es ein gesondertes Kalenderblatt mit wertvollen Gedanken, fröhlichen, dankbaren Erinnerungen, manche Kurzgeschichte.

Das Thema des Kalenders ist in diesem Jahr #hope, Hoffnung!“

Das Titelblatt des Kalenders ist ein Foto aus dem Wallis mit seiner nächtlichen Kulisse und Zermatt im Hintergrund. Über allem schwebt, wie ein mutmachendes, rotes Banner in weißer Schrift: „Hope“ – Hoffnung! – eine Lichtinstallation auf dem Matterhorn. 

Alle Adventssonntage haben ein spezielles Thema: Heute lautet es „FREUDE“.

Gibt es etwas worüber du dich freust? 

Mich hat in diesen Tagen eine Nachricht sehr erfreut: Noch nie in den letzten Jahren wurde so viel gespendet wie zur Zeit: von Januar bis September 2020 sind 3,3 Milliarden Spenden eingegangen. Davon allein 300 Millionen Euro für Flüchtlingsprojekte. Das ist eine Steigerung von 60 % seit letztem Jahr. Das ist ein Spendenaufkommen von 37 € pro Person in den ersten neun Monaten. Das ermutigt und erfreut mich. (Michael Schnepel)

Lied: „Es kommt ein Schiff geladen“ 

(F&L 191; T: 15. Jh./Daniel Sudermann um 1626; M: Köln 1608)

Lesung: Römer 13,8-12 (Neue evangelistische Übersetzung)

Bleibt also niemandem irgendetwas schuldig außer dem einen: einander zu lieben. Denn wer den anderen liebt, hat das Gesetz erfüllt. 

Die Gebote: „Du sollst die Ehe nicht brechen, du sollst niemand ermorden, du sollst nicht stehlen, du sollst der Begierde keinen Raum geben“ und alle anderen sind ja in dem einen Satz zusammengefasst: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“ Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses an. Darum wird durch die Liebe das ganze Gesetz erfüllt. 

Achtet also auf die Gelegenheiten, die Gott euch gibt! Es ist höchste Zeit, aus dem Schlaf aufzuwachen, denn jetzt ist unsere Rettung noch näher als am Beginn unseres Glaubens. Die Nacht geht zu Ende, bald ist es Tag. Darum wollen wir uns von allem trennen, was man im Dunkeln tut, und die Waffen des Lichts ergreifen!

Lied: „O Heiland reiß die Himmel auf“ 

(F&L 189; T: Friedrich von Spee 1622, M: Augsburg 1666)

Predigt – Freude – Sacharja 9,9-10 

Ich kann es nicht leugnen: Mit Spannung habe ich am vergangenen Mittwoch das Ergebnis der Verhandlungen der Bundeskanzlerin mit den Länderchefs und Chefinnen erwartet. Was kommt auf uns zu? Wie lange und wie weit reichen die Einschränkungen, die uns auferlegt werden? Und wann ist endlich Normalität in Sicht? 

Um mich her stelle ich eine bemerkenswerte Corona-Müdigkeit fest. 

Die Einschläge kommen zwar näher. Und doch scheint es unwirklich und weit weg. Mit Kollegen und Kolleginnen bin ich im ständigen Austausch. Was ist richtig, was angemessen? 

Die einen haben ihre Kirchen bis in den Januar hinein geschlossen, feiern Gottesdienst nur noch online. Die anderen sind der Überzeugung: Wenn alles dicht ist, unsere Gottesdienste müssen ein präsentes Erlebnis sein und bleiben. Irgendwo dazwischen suche ich nach dem richtigen Weg. Und auch in der Gemeindeleitung machen wir uns die Entscheidungen nicht leicht. Zeitnah und häufig setzen wir uns zurzeit zusammen, um neu zu bewerten und zu entscheiden. 

Das ist im Kleinen so und das geschieht so auch im Großen: Im Vier-Wochen-Turnus – so schreibt es das Infektionsschutzgesetz vor – ist die Bundesregierung aufgefordert, neu zu bewerten, neu zu definieren, was zu beachten ist. 

Alle ahnen und die meisten wissen es: Die Menschen sehnen sich nach Hoffnung, nach Licht. Wenigstens Weihnachten, wenigstens das Fest der Familie, soll unbeschwert gefeiert werden können. Da brauchen wir Zugeständnisse.

Wir leben in einer Zeit der Erwartung. Und diese Erwartung ist je unterschiedlich, jeder erwartet Anderes. Doch viele eint die Hoffnung auf die Rückkehr der Normalität. Dabei wissen wir eigentlich: Normalität wird neu werden müssen, denn hinter die Zeit der Pandemie können wir nicht zurück. 

Auch das Volk Israel lebte und lebt in einer Erwartung. Und auch da waren und sind nicht alle Erwartungen gleich. Auch zur Zeit des Propheten Sacharja. 

Der lebte und wirkte in der Zeit nach der Rückkehr aus der Verbannung, also um 520 vor Chr. 

Israel oder zumindest die Nachkommen, vermutlich die Kindeskinder der ehemals weggeführten oberen Zehntausend, war zurück aus der Verbannung. Lange ersehnt, mit großen Geschichten und bunten Hoffnungsbildern ausgemalt. Das Land, in dem Milch und Honig fließen. Das Land, in dem der Kult nicht fremd und die Lieder hingegen vertraut sein sollen. 

Doch es ist alles anders und seltsam in diesem alten neuen Zuhause. 70 Jahre Babylon lagen hinter ihnen. Die zurück nach Hause kehrten, kannten dieses Land nicht. Es war ihnen fremd. Ja, sie hatten wohl Geschichten darüber gehört. Aber das war alles Hörensagen. Heimat, vertraut sein, davon kann keine Rede sein. Kultur und Erinnerungen der Nachkommen gehörten nicht nach Israel. Auch die Sprache, Sitten und Gebräuche waren fremd.

Es ging ihnen ähnlich wie vordem ihren Vorfahren. Die wurden nach Babylon entführt und mussten sich irgendwie arrangieren. Ein ewiger Kreis – hin und her. Heimat finden, Heimat verlieren. Entwurzelt sein. 

Hinzu kam, dass die Rückkehr keine Rückkehr in echte Freiheit und Selbstbestimmung war. Denn nach Babylon waren es nun die Perser, die die Oberhoheit hatten. Erst Kyros II, dann Darius I.; und entgegen aller Fantasien waren die Juden in Babylon gut gestellt. Sie waren wohlhabend, konnten teilweise sogar Sklaven halten. Sie durften ihren Kult weiterentwickeln, assimilierten sich spätestens in der dritten Generation. Und nun wurden sie nach Hause geschickt, ein Zuhause, das sie nicht kennen. 

Eigentlich muss man sagen: Sie wurden ausgewiesen. Kyros schickt sie weg und schwächt auf diese Weise das eben besiegte Babylon. Vielleicht war das ein Akt der Gnade durch Kyros. Ich persönlich halte es eher für machtpolitisches Kalkül.

Die Rückkehrer hatten so einiges zu verdauen. Wir malen uns das vielleicht so romantisch aus. Endlich nach Hause. Doch wie ist das, wenn das Zuhause der Vorfahren für einen selbst Fremde ist? Gerade die Menschen, die im Zuge des zweiten Weltkrieges aus den ehemaligen Ostgebieten zurück ins Kernland kamen, können oder konnten davon lebhaft erzählen. So geht es den Heimkehrern damals wohl auch und auch das mit den Verheißungen schien nicht ganz so gut zu laufen. Das Land in dem Milch und Honig fließen? Das Land, das Gott den Vorfahren zum ewigen Erbe versprochen hatte? Hier riecht alles anders, schmeckt anders, sieht anders aus.

Da kommt der Prophet Sacharja zu Wort, meldet sich mit einer Hoffnungsbotschaft, die nach einer neuen Weltordnung und echtem Frieden klingt: 

Sacharja 9,9-10 – Neue evangelistische Übersetzung

Freue dich du Zionsstadt! Jubelt laut, ihr Leute von Jerusalem! Seht, euer König kommt zu euch! Er ist gerecht vor Gott, und er bringt die Rettung. Er ist demütig und reitet auf einem Fohlen, dem männlichen Jungtier einer Eselin. „Ich vernichte die Streitwagen aus Efraim und die Pferde aus Jerusalem!“, sagt er. Die Waffen werden zerstört. Er wird den Völkern Frieden gebieten! Von Meer zu Meer reicht seine Herrschaft, vom Strom des Euphrat bis zu den Enden der Erde. 

Freue dich, jubelt laut, seht, euer König kommt zu euch! 

Ich habe keine Ahnung, wie die Menschen damals die Ankündigung eines neuen Königs auffassten. Sowohl Kyros II. als auch Darius I. waren Könige, die durch und durch Menschen waren, bestrebt, Macht zu erhalten. Zwar hatte Kyros die Verbannung der Israeliten beendet. Doch das war, wie gesagt, nur möglich, weil er zuvor Babylon unterworfen hatte und vermutlich eine politische Entscheidung.

Das Bild eines Königs, über den man sich freuen kann und laut jubeln, wird schwerlich das Bild eines Menschen gewesen sein. Menschliche Könige haben zumindest den Machterhalt im Sinne, eigentlich eher die Erweiterung von Macht. Nur, wer expandiert überlebt, hat eine Chance nicht unterzugehen. Das ist menschliches Denken. Das Streben nach Macht und Erweiterung des Einflusses wohnt uns allen inne. Und wir tragen es mehr oder weniger bewusst mit uns herum. Wobei das nicht zwingend schlecht ist. Es ist nur eben vor allem eins: total menschlich und auf mein eigenes Wohl bedacht. 

Der König, von dem Sacharja spricht, ist keiner, der machtvoll seine Feinde unterwirft oder ohne Rücksicht auf Verluste seinen Raum erweitert. Sacharja malt das Bild eines gerechten und demütigen Königs. Dieser König fürchtet Gott und Gott sieht ihn als gerecht an. Er ist einer, dessen Motivation fair und selbstlos ist. Einer, der die Gebote Gottes nicht als Last und unerfüllbare Aufgabe sieht. Er ist die Erfüllung all dessen, was vor Gott recht und wahr ist. Das Bild von dem Jungtier einer Eselin, auf dem der König reitet, unterstreicht das. Dieser König beansprucht keine Macht und keinen erweiterten Lebensraum. Eitelkeit ist nicht sein Wesen. Und das unterscheidet ihn grundsätzlich von allen weltlichen Herrschern. 

Der König, den Sacharja ankündigt, ist ein König, der die Armen und Schwachen sieht und ihnen aufhilft. Er sieht die, die von der Gesellschaft an den Rand gedrängt werden, weil sie nicht so leistungsstark sind, wie die Mehrheit. Oder weil man ihnen diese Stärke nicht zutraut. Der König, der vor Gott als gerecht steht, sieht alles das, was in unseren Augen grau und bedeutungslos erscheint. Er sieht es und wertet es nicht ab. Im Gegenteil. 

Er sieht die Hoffnungslosen. Er sieht die, die Angst vor morgen haben. Er sieht die Menschen auf der Flucht, die mit einem Quentchen Hoffnung aufgebrochen waren. Hoffnung, dass sie ein Leben finden, welches sie leben lässt. Er sieht, wie die Hoffnung zu verlöschen droht und richtet sie wieder auf. Es gibt ein Morgen. Heute ist nicht das Ende. 

Dieser König, den Sacharja ankündigt, ist ein König, der größer ist als meine Angst. Er ist viel größer als meine kleinen Vorstellungen. Wo immer ich mir ein Bild von ihm mache, bricht er es auf. Er vernichtet die Streitwagen aus Efraim und die Schlachtrösser aus Jerusalem. 

Damals wussten die Hörer sofort, was diese Bilder zu sagen hatten. Heute brauchen wir andere Bilder, denn Streitwagen und Schlachtrösser gehören nicht mehr zu unserem Alltag. Gott sei Dank! Doch auch wir sehen uns Bedrohungen gegenüber. Sie sind heute weniger greifbar aber nicht weniger real. 

Die Zersplitterung der Gesellschaft, das Auseinanderdriften der Schichten. Die Sprachlosigkeit auf der einen Seite, die Wut auf der anderen. Und die Ungewissheit: Wo geht das alles hin? Klimawandel und Pandemie, Wutbürger und Widerstand. Es ist eine andere Art von Fremdheit und sie ist nicht weniger real und beängstigend. 

Der König, den Sacharja ankündigt, bringt Frieden. ER bringt Frieden von einem Ende der Welt bis ans andere Ende. Das, was dir heute Angst macht und dich bedroht, wird entschärft werden. Schon jetzt und hier kannst du die vielen kleinen Hinweise sehen, die das Reich dieses Königs sichtbar werden lassen. Da ist die Mutter, die sich mit Hingabe ihrem Kind widmet. Der Freund, der es sich nicht nehmen lässt, einen handgeschriebenen Gruß zu verschicken. Wer bekommt nicht gern Post? Da sind die beiden Streithähne, die sich endlich wieder versöhnen. Oder der kleine Kerl, der über die bunten Blätter staunt und sich nicht satt sehen kann. Und da ist die Frau mittleren Alters, deren Lebensfreude durch die Laubhaufen am Weg unbändig wird.

Es sind die kleinen Dinge, die winzigen Wunder unseres Alltags, die uns sehen lassen, dass der  König kommt. Der König, der Frieden bringen wird und nicht Krieg. Dieser König hat unser Bestes im Sinn. Frieden und Unversehrtheit sind seine Gaben. Ihm geht es nicht um Macht. Ihm geht es um Begegnung, um Frieden, letztlich um Liebe. 

Über diesen König jubele ich gern. Diesem König jauchze ich zu. Dieser König ist Gott, der himmlische Vater, der Schöpfer all dessen, was lebt. ER ist der Grund meiner Freude. Und manchmal fängt diese Freude ganz klein an. Entzündet sich an einer winzig kleinen Begebenheit, die aber alles ändert. 

Zum Abschluss kommt eine kleine Geschichte aus dem anderen Advent. Es ist die Geschichte für diesen Sonntag, den ersten Advent. Hanna Buiting erzählt: 

Er ist mein Sitznachbar im ICE: Rafael aus Venezuela. Während der Fahrt kommen wir ins Gespräch. Wir unterhalten uns auf Englisch, erzählen einander, wohin wir unterwegs sind, was wir so machen im Leben, stellen fest, dass wir gleich alt sind. Es ist ein lockeres Gespräch. Ungezwungen. Eine kleine Zugbekanntschaft, wie man sie manchmal macht. Wenn wir aussteigen, wird wohl jeder von uns wieder seine eigenen Wege gehen. Jetzt aber teilen wir dieselbe Strecke. 

Der Zug verlässt gerade den Hauptbahnhof von Hannover, als unsere Unterhaltung abrupt abbricht: Rafael springt so plötzlich von seinem Sitz auf, dass ich zusammenzucke und auch andere Fahrgäste auf ihn aufmerksam werden. Rafael strahlt übers ganze Gesicht, wirkt ganz außer sich, deutet mit dem Finger nach draußen und ruft: „Snow! Look at this! Snow!“ – „Schnee, guck dir das an! Schnee!” Mein Blick folgt seinem Finger. Er hat recht. Weiße Flocken fallen vom dezembergrauen Himmel. Wenige nur. Eher Flöckchen als Flocken. Sie bleiben nicht mal liegen. Und doch, es stimmt: Es schneit. Ich muss lächeln. „Das erste Mal in diesem Jahr“, sage ich auf Englisch. Rafael nickt langsam. Er kann den Blick kaum vom Fenster abwenden. Es sieht so aus, als würden Tränen in seinen Augen glitzern. „Das erste Mal im Leben“, sagt er. (Quelle: der andere advent 2020)

Stille

In der Stille, kannst du deinen Dank und deine Bitten, deine Not und Sorgen vor Gott bringen.

Lied: „Freuet euch ihr Christen alle“ 

(F&L 204; T: Christian Keimann 1646; M+S: Andreas Hammerschmidt 1646)

Fürbitte

Gott du siehst unsere zerrissene und bedrohte Welt. Es ängstigt uns. Da ist uns nicht immer nach Freude. Aber du stehst über Allem und vermittelst uns Hoffnung. Auch durch diesen Gottesdienst.

Wir bitten dich für alle Hunger- und Kriegsgebiete:

Lass Menschen aufstehen und sich für den Frieden stark machen. Bewahre die Menschen, die sich voller Hoffnung auf den Weg gemacht haben. Schenk Lösungen in ihren Ländern.

Du siehst auch wie die Schere zwischen Arm und Reich in unserem Land immer weiter auseinandergeht. Lass Menschen aufmerksam sein für ihre Nachbarn und Mitmenschen. Wir fühlen uns bedroht durch das Virus. 

Wir bitten dich: Schenk baldige Abhilfe und lass unsere Mitbürger und uns selbst noch durchhalten. Wir bitten dich für die Verantwortlichen in unserer Stadt. Schenk ihnen Weisheit für kluge und richtige Entscheidungen; besonders Andreas Bovenschulte und die Senatorinnen und Ortsamtsleiter. Du siehst was jede Einzelne von uns ärgert. Lass uns weise sein in den Gesprächen mit Freunden und Nachbarn. Du siehst jede von uns und du weißt was uns persönlich und in den Familien bewegt. Wir legen dir das hin, was uns belastet, die, die uns Sorgen machen in unserem Umfeld. Wir befehlen sie deiner guten und helfenden Hand an.

Wir bitten dich für die Verantwortlichen in unserem Gemeindebund, bewahre du sie auf all ihren Wegen und schenken ihnen deine Vollmacht. Wir danken dir, dass wir mit unseren Geschwistern in den anderen Gemeinden solch einen guten Kontakt haben. Lass uns weiterhin phantasievolle Brückenbauer zwischen der evangelischen und katholischen Kirche und allen Freikirchen in Bremen Nord sein. Ich danke dir für das gute geistliche Miteinander.

Wir legen dir unsere Kranken und Alten und unsere Flüchtlinge hin. Du kennst Ihre Sorgen und Ängste. Lass uns wachsam sein für sie und sie nicht alleine lassen.

Wir bitten dich für unsere Gemeindeleitung und unsere Pastorin Anja Bär. Bewahre du sie an Leib und Seele und ermutige sie jeden Tag neu. Rüste sie mit deinem heiligen Geist aus. Wir danken dir für unsere Gemeinde.

Und alles was uns bewegt hat seinen Platz in dem Gebet, das uns alle verbindet:

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name. 

Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. 

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. 

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. 

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. 

Amen.

Lied „Freue dich Welt“ 

(F&L 185; T: Isaac Watts 1719; D: Annette Sommer 1985; M: Manfred Staiger 2000)

Segen

Der HERR segne dich und behüte dich. Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der HERR erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir seinen Frieden. Amen

Gottesdienstordnung zum Ewigkeitssonntag – Neu(es) Sehen

Wir zünden eine Kerze an und halten kurz inne

Eingang

Haltet euch bereit und lasst eure Lampen nicht verlöschen. |Lk 12,35

An diesem Ewigkeitssonntag feiern wir Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Gebet  

Guter Gott, unser Vater im Himmel,

danke, dass Du einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen willst, in der wir jubeln und uns ohne Ende freuen können. Danke, dass wir auch an diesem Ewigkeitssonntag Gottesdienst feiern dürfen, weil Du uns dazu aufforderst; und wir müssen nicht in Trauer versinken, sondern wir dürfen hoffnungsvoll und getrost in die Zukunft schauen, auch wenn wir alle nicht wissen, wie es weitergeht. 

Danke, dass wir die Möglichkeit haben, miteinander Gottesdienst zu feiern ohne in die Kirche zu kommen. Segne alle, die diese Möglichkeiten nutzen und segne besonders Anja Bär, wenn sie uns die Predigt hält.

Deinen großen und heiligen Namen beten wir an. AMEN

Lied: „Gott des Himmels und der Erden“ 

(F&L 458; T+M: Heinrich Albert 1642)

Einleitung

Oft träume ich von einer Welt ohne Leiden und Schmerz, ohne Trennung und Tränen, eine Welt, in welcher der Tod seinen Schrecken verliert.[1]

Ein neuer Himmel und eine neue Erde, Gott, der mitten unter den Menschen wohnt – in den schönsten Bildern beschreibt die Bibel das Ende der Zeit. Eine Utopie? Ja, aber wer sie glaubt, wird selig. Denn sie hat schon jetzt verändernde Kraft. Die Verheißung dieser neuen Zeit lässt uns heute schon ausschauen nach ihr, wie die Jungfrauen nach dem Bräutigam, der das Fest eröffnet. In der Hoffnung darauf, dass Gott wahr macht, was er verspricht – auch gegen das Leid und den Tod – gedenken viele Gemeinden, so auch wir, heute ihrer Verstorbenen dieses Jahres.

[1] Quelle: https://www.kirchenjahr-evangelisch.de/article.php#904

Gedenken an

Lied: „Gott loben in der Stille“ 

(NGL 118; T: Günther Balders 1984; M: Anders Nyberg 1873) 

Lesung: Matthäus 25,1-13 

Das Gleichnis von den Brautjungfern 

»Wenn Gott sein Werk vollendet, wird es zugehen wie in der folgenden Geschichte: Zehn Brautjungfern gingen mit ihren Lampen hinaus, dem Bräutigam entgegen, um ihn zu empfangen. Fünf von ihnen handelten klug, die anderen fünf gedankenlos. Die Gedankenlosen nahmen nur ihre gefüllten Lampen mit, während die Klugen auch noch Öl zum Nachfüllen mitnahmen. Weil der Bräutigam sich verspätete, wurden sie alle müde und schliefen ein. Mitten in der Nacht ertönte der Ruf: ›Der Bräutigam kommt, geht ihm entgegen!‹ Die zehn Brautjungfern standen auf und brachten ihre Lampen in Ordnung. Da baten die Gedankenlosen die anderen: ›Gebt uns von eurem Öl etwas ab, denn unsere Lampen gehen aus.‹ Aber die Klugen sagten: ›Ausgeschlossen, dann reicht es weder für uns noch für euch. Geht doch zum Kaufmann und holt euch welches!‹ So machten sich die fünf auf den Weg, um Öl zu kaufen. Inzwischen kam der Bräutigam. Die fünf Klugen, die darauf vorbereitet waren, gingen mit ihm hinein zum Hochzeitsfest, und die Türen wurden geschlossen. Schließlich kamen die anderen nach und riefen: ›Herr, Herr, mach uns auf!‹ Aber der Bräutigam wies sie ab und sagte: ›Ich versichere euch, ich kenne euch nicht!‹ Darum seid wachsam, denn ihr wisst weder Tag noch Stunde im Voraus!«

Lied: „Jesus Christus, Herr der Lebens“ 

(F&L 92; T: Lars Mörlid, M+S: Peter Sandwall 1984)

Predigt – Neu(es) Sehen – Offenbarung 21,1-7 

Am Ende des Kirchenjahres richten wir unseren Blick immer auch nach hinten. Wir erinnern uns an die Menschen, die zu uns gehören und nun nicht mehr da sind. Sie sehen das, was sie geglaubt haben. Das ist eine Formulierung, die ich verwende, wenn ich einen Menschen aussegne. 

Aussegnen, das ist so ein typisches Wort in Kirchensprache. Es meint eigentlich nicht mehr und nicht weniger als einen letzten Segen über dem Menschen auszusprechen, dessen irdisches Leben zu Ende ist. 

Sie sehen, was sie geglaubt haben. Dieses „Glauben“ kann man nicht beweisen oder festschreiben. Menschen, die glauben, sehen mehr, sehen weiter. Sie sehen etwas Größeres, eine höhere Macht hinter dem, was uns im Leben begegnet. Glaubende sehen darin auch Trost. Menschen, die glauben sehen, was nicht vor Augen ist, was sich weder beweisen, noch verifizieren lässt. Das hat mit Hoffen und Vertrauen zu tun. Hoffen, dass das, was wir jetzt erleben, nicht das Ende ist. Vertrauen, dass die höhere Macht, dass Gott das letzte Wort spricht. 

Vom Seher Johannes ist ein bildgewaltiger Text in der Bibel überliefert, die Offenbarung oder auch Apokalypse, das letzte Buch der Bibel, ganz am Ende. Diesen Text muss man richtig einordnen, um ihn zu verstehen. Johannes war ein Verbannter, der dem römischen Imperium ein Stachel im Fleisch war. Leute, die unbequem waren und für die herrschende Ordnung problematisch, wurden gern mal verbannt. 

Johannes kritisiert auch in der Verbannung das, was ihn an Nachrichten aus dem römischen Imperium erreicht. Er kritisiert nachdrücklich den wachsenden und sich verschärfenden Kaiserkult in Rom – Kaiser Domitian, der im ersten Jahrhundert unserer Zeit regierte, ließ sich gar „unser Herr und Gott“ nennen. Die Unterdrückung der Menschen, die sich dem Kaiserkult verweigern, nimmt zu. Sie wird später in einer großen Christenverfolgung münden. Das ahnt Johannes und malt diese Ahnung in großen Bildern seinen Lesern vor Augen. Ihr werdet leiden, das ist in weiten Teilen die Botschaft der Offenbarung, die wahrscheinlich als Rundbrief durch die Gemeinden ging. Das Leben IST beschwerlich – so der O-Ton des Textes. Das Leben auf dieser Erde hat nicht zum Ziel glücklich zu sein und im Frieden gestaltet zu werden. Es ist eine große Herausforderung. Und das Ende ist nahe. Ein wirklich anspruchsvoller Text, der bis heute Stoff für viele Romanreihen und Verfilmungen bietet.

Wie gut, dass der Seher am Ende ein Hoffnungsbild malt. Not und Elend wird ein Ende gesetzt werden. Die Situation, wie wir sie jetzt erleben, ist nicht das Ende. Es gibt gute Nachrichten am Ende der Johannesoffenbarung, Kapitel 21:

Danach sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde. Der frühere Himmel und die frühere Erde waren vergangen; auch das Meer gab es nicht mehr. Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, schön wie eine Braut, die sich für ihren Bräutigam geschmückt hat. Und vom Thron her hörte ich eine mächtige Stimme rufen: »Seht, die Wohnung Gottes ist jetzt bei den Menschen! Gott wird in ihrer Mitte wohnen; sie werden sein Volk sein – ein Volk aus vielen Völkern, und er selbst, ihr Gott, wird ´immer` bei ihnen sein. Er wird alle ihre Tränen abwischen. Es wird keinen Tod mehr geben, kein Leid und keine Schmerzen, und es werden keine Angstschreie mehr zu hören sein. Denn was früher war, ist vergangen.« Daraufhin sagte der, der auf dem Thron saß: »Seht, ich mache alles neu.« Und er befahl mir: »Schreibe die Worte auf, ´die du eben gehört hast`! Denn sie sind wahr und zuverlässig.« Dann sagte er zu mir: »Nun ist alles erfüllt. Ich bin das A und das O, der Ursprung und das Ziel ´aller Dinge`. Wer Durst hat, dem werde ich umsonst von dem Wasser zu trinken geben, das aus der Quelle des Lebens fließt. Das alles wird das Erbe dessen sein, der siegreich aus dem Kampf hervorgeht, und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein.

Durch alle Zeiten hindurch war der Text, der in diesem Jahr für den Ewigkeitssonntag steht, ein Trosttext, ein Hoffnungswort. Ja, Johannes sieht die unheilvollen Zustände im römischen Reich. Er sieht die Menschen leiden, die Schere zwischen oben und unten ist weit geöffnet. Menschenrechte gehören nicht zum Alltag, sie sind weitgehend unbekannt. Und dieses Sehen macht ihn für die Mächtigen unbequem, denn er sieht nicht nur, er beschreibt auch, was er sieht. Das ist von jeher Aufgabe und Gabe von Propheten gewesen: die aktuelle Lage erkennen, beschreiben und einordnen. Und was Johannes sieht, ist bedrohlich und schlimm. 

Aber er sieht noch mehr. Er sieht einen weit geöffneten Himmel. Er sieht eine neue Welt. Himmel und Erde sind verwandelt, neu. Alles ist neu. Ein neues Jerusalem, schön und makellos. Gott selbst wird hier wohnen und alles, was unser Leben beschwert, uns beengt und quält, wird nicht mehr sein. Es ist vergangen, vorbei.

Das, was unser Leben schwer macht, ist vergangen. Aller Streit und alle Missverständnisse. Die Irritationen und Ängste. Unterdrückung und Schmach, selbst die Trauer – alles ist vorbei. Es gibt Hoffnung: Was heute unerträglich ist, es wird nicht ewig dauern. Krankheit und Leid wird nicht ewig sein. Und auch das Sterben hat dann ein Ende. All das, was so aussieht, als ginge es nie vorbei – es wird vorbeigehen. Und Gott selbst wird alle Tränen abwischen. Er wird selbst der Tröster, der Trost sein.

Wenn eines meiner Kinder weinte, dann war und ist bis heute der größte Trost Zuwendung. Ich sehe dich und deinen Schmerz, deinen Kummer. Komm in meinen Arm. Dieser Trost ist unersetzlich. Denn es bedeutet: Ich nehme dich und deinen Kummer, deine Not ernst. Natürlich bin ich als Mutter, als Mensch in meinen Fähigkeiten begrenzt. Es gibt gute und weniger gute Tage. Und manches Mal gelingt es mir nicht zu sehen. Vor allem dann, wenn ich so ganz umnebelt bin von dem, was mir zu schaffen macht, mich bedrängt. 

Die Nachrichten, die mich, die uns täglich erreichen, sind voller Not. Überall auf der Welt herrscht ein unglaubliches Ungleichgewicht. Der Klimawandel, die Pandemie, Kriege, Verwüstung, unfassbare Armut. Auch hier bei uns, in Deutschland nimmt der soziale Unfrieden zu, weitet Armut sich aus. Noch leben wir in einer Welt, in der das Unrecht siegt. In der Menschen, die Unfrieden schüren, immer mehr Gehör bekommen. In all unserem Wohlstand werden wir immer ungerechter – auch untereinander. Was in den Sozialen Netzwerken an Unsozialem Verhalten daherkommt, entbehrt jedes Anstandes. 

Doch selbst das wird nicht ewig sein. Denn die Ewigkeit gehört Gott. Und das, was der Seher Johannes beschreibt, ist anders als alles, was ich mir vorstellen kann. Worte sind zu schwach, Bilder zu begrenzt. Neu sehen – neue Bilder, neue Farben, neues Leben. 

Doch Gott wird ALLE Tränen abwischen. Gott selbst. Er sieht meine Trauer, meine Verluste. Er kennt meine Ängste, mein Scheitern. Er weiß um allen Streit und alles Missverstehen. Bei ihm findet das alles ein Ende. Kein Negieren und Wegdiskutieren, kein Vertagen, sondern ein echtes Ende. Echter Trost nimmt wahr, sieht, warum Trost notwendig wurde. Wenn Gott alle Tränen abwischt, dann hat er zuvor auch den Grund dafür gesehen. Es ist für mich sehr tröstlich, zu glauben, dass Gott alle meine Tränen sieht. Auch die Tränen, die ich aus Scham über mich selbst vergieße. Gott sieht sie und er wischt sie ab. 

Die Ewigkeit gehört Gott. 

Johannes sieht, was noch nicht ist, aber kommen wird und ich bin der festen Überzeugung, dass seine Schrift dieses Ziel hat: Das wir alle neu sehen lernen. Dass wir uns nicht von dem, was uns vor Augen ist, lähmen und begrenzen lassen. Gott selbst wird für Ausgleich sorgen – das ist keine Hinhaltetaktik, sondern Ermutigung: Gib nicht auf, denn Gott selbst macht alles neu. Gott, dessen Name und Wesen Begegnung und Bewegung ist. Er begegnet uns – dereinst, wenn das Alte vergangen ist und alles neu geworden sein wird. 

Und auch schon jetzt, heute, hier. Denn Gott ist ewig, ist sein und tun, gestalten und trösten, und begegnende Liebe. Von ihm kommen wir, in ihm leben wir, in ihm sterben wir, zu ihm gehen wir. Dahin, wo alles neu, alles heil ist. 

Amen

Lied: „Noch ehe die Sonne“ 

(F&L 448; T: Eugen Eckert 1994; M: Sergey A. Bazuk)

Stille

In der Stille, kannst du deinen Dank und deine Bitten, deine Not und Sorgen vor Gott bringen.

Fürbitte[1]

Ewiger Gott, vor aller Zeit und in jedem Augenblick, an jedem Tag, in Geburt und Tod
bist du gegenwärtig und geschiehst. Du bist immer schon da – auch dort, wo wir dich nicht erkennen.

Wir bitten wir dich für alle, die Abschied nehmen müssen, deren Heimat zerstört ist, deren Lebensumstände zerrüttet, deren seelische Grundfesten erschüttert sind, für alle die gehen und alle die zurückbleiben. Herr, erbarme Dich.

Wir bitten dich für alle, die von uns gegangen sind, die uns fehlen und die wir vermissen,
ohne die wir uns ein Weiterleben gar nicht vorstellen können, für die Toten, die wir bei Dir, in deiner Nähe glauben, geborgen in Deiner zeitlosen Gegenwart. Herr, erbarme Dich.

Wir bitten Dich für alle, die zurückschauen und verzweifeln über dem, was geschah, für Kinder ohne ihre Eltern, Eltern ohne ihre Kinder, für Fliehende ohne Hoffnung, für Gefolterte, Traumatisierte, Verletzte und Verstümmelte, für alle, die nicht mehr an Menschlichkeit glauben können. Herr, erbarme Dich.

Wir bitten dich für alle, die Opfer der Pandemie wurden, die ihre Gesundheit verloren, deren Zukunft dunkel scheint, für alle, die sich Sorgen um ihre Eltern, um ihre Kinder machen, für alle, die Verantwortung tragen und Entscheidungen fällen müssen, für die Sprachlosen und für die Wütenden, für die Ängstlichen und die Fragenden. Herr, erbarme dich.

Wir bitten dich für alle, die auf Dich warten, die Dein Kommen ersehnen, die Dich vermissen,
die Dich suchen, überall, die nach dir fragen, dem Gott, der ihr Leben umfangen und mit Sinn erfüllen möge. Herr, erbarme Dich.

Ewiger Gott, vor aller Zeit und in jedem Augenblick, an jedem Tag bist du gegenwärtig und geschiehst. Wenn diese Welt vergeht – und wir in ihr, so bleibst du – und wir in dir. In allem,
was wir sind und haben, was wir waren und sein werden, warten wir auf die Vollendung Deiner Schöpfung und Dein Kommen in unsere Welt.

Amen.

[1] Nach: https://www.velkd.de/gottesdienst/wochengebet.php?litDay=69#archiv

Lied: „Noch ehe die Sonne“ 

(F&L 448; T: Eugen Eckert 1994; M: Sergey A. Bazuk)

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name. 

Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. 

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. 

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. 

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. 

Amen.

Lied „Weil du immer zu mir hältst“ 

(F&L 412; T: (zu Psalm 16): Christoph Zehender 2000; M: Manfred Staiger 2000)

Segen

Der HERR segne dich und behüte dich. Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der HERR erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir seinen Frieden. Amen

Gottesdienstordnung drittl. So.d.KJ. – Nüchtern sein, einander trösten

Wir zünden eine Kerze an und halten kurz inne

Eingang

Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes heißen. |Mt 5,9

Dieser Satz aus der bekannten Bergpredigt Jesu regt doch etwas zum Nachdenken an. Stiften ist mehr als Frieden halten. Wir kennen anstiften zum Streit, aber Frieden stiften? Ich habe nachgeschlagen, die genaue Definition von stiften lautet: bewirken, einen bestimmten Zustand herstellen, etwas fördern. Ich könnte also sagen: Selig sind, die dafür sorgen, dass Frieden ist, dass Frieden hergestellt wird, dass Frieden bleibt, sie werden Kinder Gottes genannt.

Gebet  

Vater im Himmel, du großer Gott, danke für diesen Sonntagmorgen, den wir jetzt hier erleben dürfen. Danke, dass wir die Möglichkeit haben, von dir zu hören und Gottesdienst zu feiern. Danke, dass wir trotz aller äußeren Umstände die Möglichkeit haben, miteinander verbunden zu sein. Danke, dass du uns deinen Frieden schenken willst. Du willst uns trösten, wie eine Mutter tröstet. Danke, dass wir wissen, du bist da. Amen

Lied: „Wo ich auch stehe“ (F&L 416; T+M: Albert Frey 1994)  

Einleitung

Um Frieden stiften, um nüchtern sein und um Trösten wird es in diesem Gottesdienst gehen. Es geht um meine Beziehung zu Gott und zu meinem Nächsten. Wo kann ich Nähe aufbauen, wenn Abstand gefragt ist?  Wie kann ich empfangen und weitergeben?

Lied: „Vater, ich komme jetzt zu dir“ (F&L 418; T+M: Daniel Jacobi 1995) 

Lesung: Römer 8,18-25 

Ich bin überzeugt: Was wir in der gegenwärtigen Zeit noch leiden müssen, fällt überhaupt nicht ins Gewicht im Vergleich mit der Herrlichkeit, die Gott uns zugedacht hat und die er in der Zukunft offenbar machen wird. Die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf den Tag, an dem die Kinder Gottes vor aller Augen in dieser Herrlichkeit offenbar werden. Denn alles Geschaffene ist der Sinnlosigkeit ausgeliefert, versklavt an die Vergänglichkeit, und das nicht durch eigene Schuld, sondern weil Gott es so verfügt hat. Er gab aber seinen Geschöpfen die Hoffnung, dass auch sie eines Tages von der Versklavung an die Vergänglichkeit befreit werden und teilhaben an der unvergänglichen Herrlichkeit, die Gott seinen Kindern schenkt. Wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis jetzt noch stöhnt und in Wehen liegt wie eine Frau bei der Geburt. Aber auch wir selbst, die doch schon als Anfang des neuen Lebens – gleichsam als Anzahlung – den Heiligen Geist bekommen haben, stöhnen ebenso in unserem Innern. Denn wir warten sehnsüchtig auf die volle Verwirklichung dessen, was Gott uns als seinen Kindern zugedacht hat: dass unser Leib von der Vergänglichkeit erlöst wird. Wir sind gerettet, aber noch ist alles Hoffnung. Eine Hoffnung, die sich schon sichtbar erfüllt hat, ist keine Hoffnung. Ich kann nicht erhoffen, was ich vor Augen habe. Wenn wir aber auf etwas hoffen, das wir noch nicht sehen können, dann heißt das, dass wir beharrlich danach Ausschau halten.

Lied: „Du bist mein Zufluchtsort“ (F&L 422; T+M: Michael Leder 1981; Deutsch: Gitta Leuschner 1988) 

Predigt – nüchtern sein, einander trösten 

Du bist mein Zufluchtsort. Ich berge mich in deiner Hand. Dieses Lied gehört zu meinen Lieblingsliedern. Und es ist eines meiner ersten frommen Lieder. Ich lernte es, als in der Jungen Gemeinde in Berlin Prenzlauer Berg. Das muss so um 1990 gewesen sein. Interessanterweise heißt die Gemeinde im Prenz‘l Berg in Berlin „Zoar“ – die Kleine. Oder auch „die Zuflucht“. Du bist mein Zufluchtsort. Und das wurde diese Gemeinde für mich viele Jahre. Eine Zuflucht, in der ich oft Trost fand, weil die Leute mir Jesus nah brachten.

Du bist mein Zufluchtsort. Dieses Lied hat schon immer etwas Tröstliches für mich. Wenn es mir so richtig schlecht ging, dann sang ich es. Meistens ganz still und mehr im Herzen als auf den Lippen. 

Trost, das sieht für jeden anders aus. Jeder empfängt anders Trost, jeder spendet anders Trost. Und hat seinen ganz eigenen Grund, Trost zu suchen. Und doch, offenbargibt es ein paar Ereignisse im Leben, in denen wir alle gleichermaßen Trost brauchen und auch geben können. 

Steigende Infektionszahlen in ganz Europa, in Deutschland, hier in Bremen. Das allein wäre schon Grund genug, Trost zu suchen. Wie geht es weiter? Wie hoch sind die Verluste und welcher Art werden die Verluste sein? Und was ist, wenn das alles vorbei ist? 

Der Klimawandel, das Abschmelzen der großen Eisflächen und Permafrostböden. Die Waldbrände und Trockenzeiten – Wüstenbildung mitten in Brandenburg. 

Fast eine ganze Woche Nachrichten aus den USA. Das Mitfiebern, die großen Befürchtungen, zwischendurch Erleichterung. Während ich diese Predigt schreibe, fehlen noch immer die Wahlergebnisse aus Nevada. Und die verfeindeten Lager plustern sich auf, vor allem das Lager der Trump-Anhänger – wie Paviane auf ihrem Felsen. Mittlerweile kursieren Bilder und Filmchen im weltweiten Netz, die die Unsäglichkeit des Ganzen auf die Schippe nehmen. Anders als mit Humor ist das wohl auch nicht zu ertragen. 

Und dann Wien, Nizza, Kabul. Sinnlose Gewalt. Die Verlockung ist groß, einseitig Schuldige zu suchen und an den Pranger zu stellen. 

Ich suche Trost. 

Wie gut, dass ich den Trost nicht allein suchen muss. Ich habe Weggefährten, Menschen in meiner Gemeinde, die mit mir gehen und suchen und auch Trost spenden und alle ihre Kraft aus der größten vorstellbaren Kraftquelle, aus Gott schöpfen. Unser „miteinander unterwegs sein“ zeichnet sich gerade vor allem durch innere Verbundenheit aus, weil wir uns nicht persönlich treffen können. Und doch ist sie zu spüren, diese Verbundenheit. Und sie ist nötig, denn die Verunsicherung ist groß. 

Auch die Christen in Thessaloniki vor etwa 2000 Jahren waren verunsichert. Wenn auch aus ganz anderen Gründen.  Einige ihrer Glaubensgeschwister sind gestorben. Was an sich ja zum Leben gehört, Tod und Leben gehören zusammen. Aber sie hatten erwartet, dass Jesus Christus vorher wiederkommt. Nun müssen sie damit umgehen, dass alles, was sie glaubten zu wissen und alle Hoffnung sich in Luft auflöst. Die Dinge treffen eben nicht ein, wie erwartet, statt dessen tritt unerwartete Irritation auf. Der Apostel Paulus schreibt ihnen in diese Situation hinein einen Brief. Verse daraus sind die Grundlage für diese Predigt: 

Aus dem ersten Brief an die Christen in Thessaloniki, Kapitel 5: 

Nun zu der Frage nach den Zeiten und Fristen, wann das geschieht: Brüder und Schwestern, eigentlich brauche ich euch dazu nichts zu schreiben. Denn ihr wisst selbst ganz genau: Der Tag des Herrn kommt unerwartet wie ein Dieb in der Nacht. Gerade sagen die Leute noch: »Wir leben in Frieden und Sicherheit!« Da wird das Verderben ganz plötzlich über sie hereinbrechen – so wie bei einer schwangeren Frau plötzlich die Wehen einsetzen. Dann gibt es kein Entkommen.

Brüder und Schwestern! Ihr lebt nicht im Dunkel. Deshalb wird der Tag des Herrn euch nicht überraschen wie ein Dieb. Denn ihr seid alle Kinder des Lichts und Kinder des Tages. Wir gehören nicht zum Bereich der Nacht oder der Dunkelheit. Wir wollen also nicht schlafen wie die anderen. Wir wollen vielmehr wach und nüchtern sein! Denn wer schläft, schläft in der Nacht. Und wer sich betrinkt, ist nachts betrunken. Aber wir gehören zum Tag. Deshalb wollen wir nüchtern sein – gewappnet mit Glaube und Liebe als Brustpanzer und der Hoffnung auf Rettung als Helm. Denn Gott hat uns nicht dazu erwählt, dass wir seinem Strafgericht verfallen. Sondern dazu, dass wir gerettet werden durch unseren Herrn Jesus Christus. Der ist für uns gestorben, damit wir zusammen mit ihm leben – ganz gleich, ob wir dann noch am Leben sind oder schon entschlafen. Deshalb: Macht euch gegenseitig Mut und baut einander auf, wie ihr es ja schon tut.

Ich glaube jeder von uns kennt das Gefühl, wenn eine Erwartung oder eine Hoffnung jäh zerstört wird. Je nachdem, wie groß die Erwartung war, ist die Enttäuschung eben auch groß. So geht es auch den Christen in Thessaloniki. 

Die Gemeinde war von Paulus gegründet worden. Die Stadt eine blühende, wirtschaftlich sehr erfolgreiche Hafenstadt, ein erfolgreicher Handelsplatz im römischen Imperium. Die Christen sahen sich mittlerweile Anfeindungen ausgesetzt und Wanderprediger hatten für Unruhe gesorgt. 

Zu dieser Zeit wurden die Überlieferungen der Worte von Jesus so gedeutet, dass die Wiederkunft Jesu Christi in absehbarer Zeit geschehen würde. Die Gläubigen waren der festen Überzeugung, dass sie selbst Jesus noch zu Lebzeiten sehen würden. Und nun waren die ersten gestorben und Jesus nicht wieder aufgetaucht. War das alles Humbug? Sind sie vielleicht ein großen Schwindel aufgesessen? 

Ein bisschen erinnert mich die gegenwärtige Situation in den USA an die Lage der Christen in Thessaloniki. Die Stimmauszählungen in den USA hatten noch längst nicht überall begonnen, da erklärte der aktuelle Präsident sich schon zum Sieger der Wahl. Und ein Teil der religiösen Elite des Landes unterstrich diese Erklärung mit Gebetsmarathons und Proklamationen. Denn es kann nicht sein, was in der Fantasie dieser Leute nicht sein darf. Das ganze Glaubensgebäude stürzt doch ein, wenn sich die Vorhersagen nicht erfüllen. 

Die Christen in Thessaloniki erleben diesen Einbruch. Die Vorhersagen klangen so logisch und hoffnungsvoll. Daran hielt man sich gern fest. Und es kann dann ja auch nicht mehr lange dauern, dann ist das ganze Theater hier vorbei. Ehe wir sterben, kommt der Herr Jesus wieder. Welche Enttäuschung. 

Der Apostel Paulus muss bekennen: Niemand weiß die Zeit oder die Stunde, wenn der Herr wiederkommt. Heute, zweitausend Jahre später warten wir ja immer noch. Und mittlerweile sind vielen von uns die Bibelstellen aus den Evangelien bekannt, in denen Jesus sagt, dass nicht mal er selbst weiß, wann sich welche Sache ereignen wird, schon gar nicht seine Rückkehr. 

Sprache schafft Wirklichkeit. Diesem Satz bin ich in dieser Woche mindestens dreimal begegnet. Sprache schafft Wirklichkeit. So ist es auch in unserem Predigttext. 

Der handelt eigentlich nicht von der Enttäuschung, zumindest nicht nur. Zu allererst ist er eine Klarstellung, die in einem Zuspruch mündet: Tröstet einander, macht euch gegenseitig Mut, baut einander auf, wie ihr es ja schon tut. Dieser Zuspruch gilt den Thessalonichern, die sich in der Welt, wie sie nun mal ist, einrichten müssen. Macht euch Mut, baut einander auf. Helft einander, das Leben anzunehmen und zu gestalten.

Der Zuspruch gilt auch uns. Das ist natürlich herausfordernd, denn wie kann man sich gegenseitig trösten, wenn jede Nähe gerade wieder Bedrohungspotential hat? Wie können wir uns ermutigen, wenn wir einander kaum begegnen können? Ich muss bei mir anfangen. Bei dem, was in mir wirkt und mich beeinflusst. 

Was, wenn ich nicht nur das sehe, höre und lese, was bedrohlich ist? Ich könnte ja Gesprächen eine Wendung geben, weg vom immer Jammern und die Not beschreiben, hin zu dem, was gut ist. 

Was, wenn ich mich nicht treiben lasse, sondern nüchtern bleibe, so wie es der Apostel in seinem Brief schreibt. Und nüchtern, das meint hier: sachlich, unaufgeregt, besonnen sein. Seid besonnen, lasst euch nicht von eurer Angst und Unsicherheit treiben. Gebt euren Gedanken und euren Worten die Macht, Leben zu ermöglichen, nicht noch mehr Leid, Angst und Unsicherheit. 

Sprache schafft Wirklichkeit. Statt nur auf das zu schauen, was wirklich schwer ist, kann ich das Gute suchen und tun. Ein Telefonat, ein erbaulicher Brief, ein Blumenstrauß an die Tür gebracht. Eine freundliche Geste, ein Friedensgruß. 

Es gibt tausend Wege, einander zu begegnen, auch wenn Distanz verordnet ist. 

Einander – einer dem anderen. 

Das ist kein Einwegsystem, es geht immer in beide Richtungen. Wenn dir zum Beispiel auffällt, dass du lange nichts von Lieschen Müller gehört hast, dann warte nicht länger, melde du dich bei ihr und mach ihr keine Vorwürfe. Unser himmlischer Vater macht uns ja auch keine Vorwürfe, sondern freut sich immer, wenn wir uns ihm zuwenden. Sprache schafft Wirklichkeit. Darum, bleibt nüchtern, tröstet einander, macht euch gegenseitig Mut, baut einander auf, wie ihr es ja schon tut.

Die Schwester eines der Opfer von Wien schreibt: „Hätte meine Schwester die Macht gehabt, sich auszusuchen, wie sie in dieser Situation handeln könnte, hätte sie sich gewünscht, diesem jungen Menschen sicher vor Kugeln gegenübertreten zu können. Sie hätte ihn sicher ziemlich forsch angesprochen und gesagt: ‚Hör sofort auf mit dem Scheiß, das ist doch Blödsinn. Leg die Waffen weg und setz dich her zu mir. Erzähl mir, was dich so wütend macht.‘ Und ich weiß, sie hätte so lange mit ihm geredet und diskutiert und gestritten, bis er gesehen hätte, es gibt viele Wege für ihn und nicht nur diesen einen. Aber niemals hätte sie gesagt: ‚Schleich di, Oaschloch‘:“

Achten wir aufeinander und hören einander zu, nicht um zu antworten, sondern um zu verstehen und dann feiern wir, dass wir einander und das Leben haben.

Wir feiern Abendmahl – eine ganz besondere Form einander zu begegnen. 

Abendmahl mit Lukas 22,14-20

Als die Stunde für das Passamahl gekommen war, legte sich Jesus mit den Aposteln zu Tisch. Und Jesus sagte zu ihnen: »Ich habe mich sehr danach gesehnt, dieses Passamahl mit euch zu essen, bevor mein Leiden beginnt. Das sage ich euch: Ich werde das Passamahl so lange nicht mehr essen, bis es in Vollendung gefeiert wird im Reich Gottes.« Dann nahm Jesus den Becher, sprach das Dankgebet und sagte: »Nehmt diesen Becher und teilt den Wein unter euch! Das sage ich euch: Ich werde von nun an keinen Wein mehr trinken – so lange, bis das Reich Gottes kommt.« Anschließend nahm er das Brot und sprach das Dankgebet. Er brach das Brot in Stücke, gab es ihnen und sagte: »Das ist mein Leib. Er wird für euch gegeben. Tut das immer wieder zur Erinnerung an mich.« Genauso nahm Jesus nach dem Essen den Becher und sagte: »Dieser Becher steht für den neuen Bund, den Gott mit den Menschen schließt. Er kommt zustande durch mein Blut, das für euch vergossen wird.«

Lied: „Da wohnt ein Sehnen“ (freiTöne 25; T+M: Anne Quigley 1973; Deutsch: Eugen Eckert 1986) 

Stille

In der Stille, kannst du deinen Dank und deine Bitten, deine Not und Sorgen vor Gott bringen.

Fürbitte

Du Gott des Lebens, gefährdet ist unser Leben, in diesen Tagen lernen wir dies von Neuem.
Du liebst uns in unserer Angst, in unserer Unachtsamkeit, in unserer Zerbrechlichkeit.
Du liebst uns und mahnst uns.

Du sprichst die Worte, durch die die Angst vergeht: Worte der Versöhnung.
Sprich in diesen Tagen diese Worte zu den Menschen in den USA – zu den Wählerinnen und Wählern und zu den Gewählten.
Wir rufen zu dir: Erbarme dich.

Du gibst die Liebe, die die Herzen bewegt: Liebe zu den Verachteten und zu den Schwachen.
Gib in diesen Tagen diese Liebe denen, die Macht haben denen, die für andere Verantwortung übernehmen, denen, die achtlos sind.
Wir rufen zu dir: Erbarme dich.

Du heilst und tröstest. Heile die Kranken. Tröste die Trauernden. Verbinde die Getrennten.
Befriede die Streitenden. Beschütze alle, die Kranke pflegen und versorgen.
Wir rufen zu dir: Erbarme dich.

Du Gott des Lebens, gefährdet ist unser Leben, und doch gehören wir zu dir.
Sei mit deiner Liebe, mit deinem Wort und deinem Heiligen Geist in unserer Mitte
durch Jesus Christus.         Amen.

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. 

Lied „Friede sei nun mit euch allen“ (F&L 118; T: Gerard Moultrie 1864 aus dem Griechischen, D: Erich Griebling 1969; M: 17. Jh. Frankreich)   

Segen

Der HERR segne dich und behüte dich. Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der HERR erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir seinen Frieden.

Amen

Gottesdienstordnung 21. So. n. Trin. – von Akzeptanz ohne Resignation oder von Recht und Gnade

Wir zünden eine Kerze anund halten kurz inne

Eingang

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. |Rö 12,21

„Herr, mach mich zu einem Werkzeug Deines Friedens“ So betete Franz von Assisi.- Frieden hat nicht nur mit der großen Weltpolitik zu tun, sondern er fängt bei mir, bei dir, bei jedem von uns an! Wo bin ich friedlos? Wo bin ich aufgefordert mich für Frieden, für Gnade, für Recht  einzusetzen?

Eine Meditation des großen „ Friedensgebets“ von Franziskus kann dabei helfen:

Gebet  

Herr mach mich zum Werkzeug deines Friedens, dass ich Liebe übe, wo man sich hasst; dass ich verzeihe, wo man sich  beleidigt; dass ich verbinde, wo Streit ist; dass ich die Wahrheit sage, wo der Irrtum herrscht; dass ich den Glauben bringe, wo der Zweifel drückt; dass ich die Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält; dass ich Licht entzünde, wo die Finsternis regiert; dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt. – Ja Herr, mach uns zum Werkzeug deines Friedens! Herr, öffne unsere Sinne, unsere Ohren und unsere Herzen, dass wir uns sammeln um auf dich und dein Wort zu hören. Sei bei einem jeden. Segne uns und diesen Gottesdienst. Wir loben deinen heiligen Namen. Amen

Lied: „Singt ein Lied von Gott“ (F&L 309; T+M: Peter Strauch 1999)   

Einleitung

Gott ist da! Willkommen zu diesem Gottesdienst.  Unser Thema heute ist: „Von Akzeptanz ohne Resignation oder von Gnade und Recht“ und wir sollen das „Böse mit Gutem überwinden“! Solche Sätze fordern uns zum Handeln heraus. Das ist nicht leicht! Denn die Worte Jesu, besonders aus der Bergpredigt, sind radikal. „Liebet eure Feinde und bittet für die, die euch nicht mögen, für die, die euch verfolgen! Und: Suchet der Stadt Bestes! So steht es in der Bibel! Ich bin gespannt, was es mit Akzeptanz ohne Resignation auf sich hat und wie sich das mit Gnade und Recht Gottes verbinden lässt. Gott segne uns. 

Lied: „Komm in unsre stolze Welt“ (F&L 195; T: Hans von Lehndorff 1968; M: Gerhard Schnitter 2002) 

Lesung: Matthäus 5,38-48 

»Ihr wisst, dass es heißt: ›Auge um Auge, Zahn um Zahn.‹ Ich aber sage euch: Verzichtet auf Gegenwehr, wenn euch jemand Böses tut! Mehr noch: Wenn dich jemand auf die rechte Backe schlägt, dann halte auch die linke hin. Wenn jemand mit dir um dein Hemd prozessieren will, dann gib ihm den Mantel dazu. Und wenn jemand dich zwingt, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh mit ihm zwei. Wenn jemand dich um etwas bittet, gib es ihm; wenn jemand etwas von dir borgen möchte, sag nicht nein.«

»Ihr wisst, dass es heißt: ›Liebe deinen Mitmenschen; hasse deinen Feind.‹ Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für alle, die euch verfolgen. So erweist ihr euch als Kinder eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne scheinen auf böse Menschen wie auf gute, und er lässt es regnen auf alle, ob sie ihn ehren oder verachten. Wie könnt ihr von Gott eine Belohnung erwarten, wenn ihr nur die liebt, die euch ebenfalls lieben? Das tun auch die Betrüger! Was ist denn schon Besonderes daran, wenn ihr nur zu euresgleichen freundlich seid? Das tun auch die, die Gott nicht kennen! Nein, wie die Liebe eures Vaters im Himmel, so soll auch eure Liebe sein: vollkommen und ungeteilt.«

Lied: „Herr, in deinem Namen“ (F&L 102; T+M: Werner Arthur Hoffmann 1994/2002) 

Predigt – Von Akzeptanz ohne Resignation oder Gnade und Recht 

Es gibt Zeiten, in denen ist alles ruhig. In denen feiern wir das Leben. Vielleicht ärgern uns auch Situationen oder Umstände. Aber in der Summe können wir sagen: Es ist sehr gut. 

So war das Leben bis zum März dieses Jahres. Es war ruhig. In der Summe ging es uns sehr gut. Ja, seit 2015 gab es ein paar mehr Herausforderungen als üblich. Aber es war nichts, was wir nicht hätten regeln können. Und wir haben es geregelt. Selbst hier in Lesum, in unserer kleinen, sehr feinen Gemeinde haben wir vieles gewuppt. Die Kanzlerin hatte gesagt: „Wir schaffen das!“ und wir haben es geschafft. 

Was wir geschafft haben? Na wir haben vielen Menschen aus anderen Ländern und Kulturen ein neues Zuhause gegeben. Menschen mit anderen Geschichten, anderen Erfahrungen, anderer Kultur. 

Menschen mit unerträglichen Fluchterfahrungen. Die Geschichten aus ihren Heimatländern eignen sich für Albträume.

Fluchtgeschichten, Lebensgeschichten, Liebesgeschichten.

Und doch waren es ruhige, zumindest vertraute Zeiten. Der Alltag, das Leben plätscherte mehr oder weniger vor sich hin. Und wir lebten den Alltag mit all seinen großen und kleinen Herausforderungen.

Und dann kamen andere Zeiten. Zeiten, in denen das, was vertraut ist, wegbrach. Pläne machten keinen Sinn, denn niemand wusste, was der nächste Tag, die nächste Woche, der nächste Monat bringen würde. Bis heute dauert diese Zeit. Und niemand weiß, was in einem Monat sein wird.   

Schon immer gibt es diese Zeitenwandel. Die Bibel erzählt viele solcher Geschichten. Eine davon erzählt, wie der große Babylonierkönig Nebukadnezar die oberen Zehntausend des Volkes Israel entführt, oder entführen lässt. Nach Babylon. Die Folgen für das Land sind dramatisch. Kultur und Kult vertrocknen, denn es gibt niemanden mehr, der sich für Kultur und Kult einsetzt. Was zurückbleibt, ist der Teil der Bevölkerung, der das Land bestellt. Sie sind unbestreitbar elementar wichtig. Aber eben als Teil einer Gesamtheit. Nun sind sie allein und, das was Orientierung und gelegentlich einen anderen Blick auf die Dinge gab, ist abgeschafft.

Ist der Kopf, ist die Führungsschicht weg, kann ein Volk leichter gelenkt werden. Das ist keine neue Erkenntnis, sie ist ebenso alt, wie die Menschheit. 

Das Ganze wird in Israel und in der Bibel als Strafe Gottes, als Folge unerträglichen Rechtsbruchs gedeutet. Immer wieder hatten die Propheten den unmenschlichen, raffgierigen, egozentrischen und gottvergessenen Umgang der Oberschicht angemahnt. Witwen und Waisen zählten ebenso wie die Fremden im Land zu den großen Verlierern. Der Kult diente nur noch zur Selbstbeweihräucherung. Kultur gab es nur für die Wohlhabenden. 

In allen Prophetenbüchern der hebräischen Bibel kann man darüber lesen. Und auch die Mahnung: Ändert euer Verhalten, sonst wird es euch schlecht ergehen. Gerade von denen, denen viel gegeben ist, wird auch viel verlangt werden. Und so ist der Fall tief. Die Oberschicht wird entwurzelt. Sie kommt in ein fremdes Land mit fremdem Kult, fremden Sitten und Gebräuchen. Was nun? 

Der Prophet Jeremia verkündet in diese Suche nach dem Weiter Folgendes (Jeremia 29,1.4-7.10-14 | Lut17)

Dies sind die Worte des Briefes, den der Prophet Jeremia von Jerusalem sandte an den Rest der Ältesten, die weggeführt waren, an die Priester und Propheten und an das ganze Volk, das Nebukadnezar von Jerusalem nach Babel weggeführt hatte: So spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels, zu allen Weggeführten, die ich von Jerusalem nach Babel habe wegführen lassen: Baut Häuser und wohnt darin; pflanzt Gärten und esst ihre Früchte; nehmt euch Frauen und zeugt Söhne und Töchter, nehmt für eure Söhne Frauen und gebt eure Töchter Männern, dass sie Söhne und Töchter gebären; mehrt euch dort, dass ihr nicht weniger werdet. Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum HERRN; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s euch auch wohl. 

Denn so spricht der HERR: Wenn für Babel siebzig Jahre voll sind, so will ich euch heimsuchen und will mein gnädiges Wort an euch erfüllen, dass ich euch wieder an diesen Ort bringe. Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung. Und ihr werdet mich anrufen und hingehen und mich bitten, und ich will euch erhören. Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht der HERR, und will eure Gefangenschaft wenden und euch sammeln aus allen Völkern und von allen Orten, wohin ich euch verstoßen habe, spricht der HERR, und will euch wieder an diesen Ort bringen, von wo ich euch habe wegführen lassen.

Das Leid, das über die Israeliten gekommen ist, ist offenbar Gottes Werk. Es entspricht seinem erklärten Willen. In diesem Text immer wieder die Rede davon: Gott, der Herr Zebaoth erklärt, dass er selbst sein Volk – oder zumindest Teile davon – hat wegführen lassen. Der Herr Zabaoth ist der, dem ganze Heere gehorchen. Ein starker Gott, der dafür Sorge trägt, dass sein Volk unterliegt, dass es verliert, in Gefangenschaft gerät. Kein Zweifel: Gott will das. Er hat es nicht nur zugelassen – passiv, die Hände im Schoß verschränkt. 

Das verstört möglicherweise. Vor allem dann, wenn ich Gott als lieben Daddy verstehe, den man nicht besonders ernst nehmen muss. Der sowieso immer gnädig ist. Aber Gnade bei Gott setzt immer Gottes Recht voraus. Wer mag, liest mal ein wenig im Propheten Jeremia. Offenbar haben die Israeliten es zu weit getrieben, das erste Gebot und alle weiten missachtet und auch noch alle Warnungen in den Wind geschlagen. Nun hat Gott Recht gesprochen. 

Unser Tun hat Konsequenzen. Israel erlebt das hautnah. 

Gott ist es, der das Recht aufrichtet. Hier sieht das Recht Gottes vor, die Selbstsucht seines Volkes einzudämmen. Das, was vertraut ist, ist vorbei. Es gibt neue Regeln, neue Sitten, neue Gebräuche, denen sie in Babylon begegnen. Das ist nicht leicht und es geht noch weiter. 

Denn zu Gottes Rechtsspruch gehört, dass die Israeliten sich einrichten sollen. Richtet euch ein und zwar wie folgt: 

  1. Baut Häuser und wohnt darin
  2. Pflanzt Gärten und esst ihre Früchte
  3. Nehmt euch Frauen und zeugt Söhne und Töchter
  4. Gebt eure Töchter Männern, dass sie Söhne und Töchter gebären
  5. Mehrt euch dort, dass ihr nicht weniger werdet. 
  6. Suchet der Stadt Bestes.
  7. Betet für sie zum HERRN.

Das sind sieben Aufträge. Sieben ist eine heilige Zahl, in sieben Tagen erschuf Gott Himmel und Erde und alles, was lebt. Die sieben Aufträge sind kein Zufall. Sie sind bewusst gewählt. Sie fordern heraus. 

Akzeptiere was ist, damit du gestalten kannst, was du hast. 

In aller Verwerfung und Verzweiflung mutet Gott seinem Volk zu, sich einzurichten. Das Leben, wie es sich eben darstellt, anzunehmen. Es zu akzeptieren. Er mutet ihnen wirklich was zu. Aber nicht nur das. Sie sollen nicht nur die Gegenwart, das Gegebene akzeptieren. Sie sollen es auch noch gestalten. Sieben Aufträge. Einer davon ist schon viel. Aber alle sieben? Akzeptiere, aber resigniere nicht, sondern richte dich ein und mach das Beste draus.

Ich finde, auch uns heute wird eine Menge zugemutet. Auch wir haben eine Wirklichkeit vor Augen und stecken mittendrin in einer echten Zumutung. Corona und Lockdown light fordern uns heraus, ohne Frage. Und niemand weiß, wann das alles mal zu Ende ist und was dann kommt. 

Doch es bleibt nicht allein bei dem Auftrag, zu akzeptieren, was nun mal die gegenwärtige Lage ist. Gott fordert uns in unserer Kreativität heraus. Gestalte das, was du hast. Mach was draus. Lass dich nicht gehen und resigniere nicht, sondern nutze heute. Denn der wichtigste Tag ist heute. 

70 Jahre – eine weitere Zumutung. Das alles hier dauert 70 Jahre. Das ist ein Menschenleben, aus soziologischer Sicht sind es etwa 7 Generationen. Wer heute jung ist, wird die Rückkehr in die Heimat nicht erleben. Wer noch nicht geboren ist, wird möglicherweise alt und grau sein, wenn es zurück ins gelobte Land geht. Und dann wird das Heimatland fremd sein. 

75 Jahre ist das Ende des zweiten Weltkrieges her. Nur noch zwei aus unserer Mitte haben diesen Krieg erlebt. Das Ende der DDR ist 31 Jahre her. Selbst das fühlt sich an, wie eine ganz andere Zeit. In 31 Jahren ändert sich alles. Vor allem dann, wenn es einen so unfassbar tiefen Einschnitt in das Gewohnte gab. Wieviel mehr ändert sich in 70 Jahren? Es entsteht eine neue Wirklichkeit. 

Ja, das ist eine echte Zumutung. So, wie sie selbst vordem für andere eine Zumutung waren. Wie wir selbst manchmal eine Zumutung sind? Für uns, für andere, für diese Welt? 

Gott ist gerecht. Er hat immer das Ganze im Blick. Und zugleich ist er der Gnädige. Und darum verspricht er: Diese Zeit wird vorbeigehen. Wenn die Zeit gekommen ist, wenn ihr euch mit all euren Fähigkeiten eingesetzt habt – auch zum Wohl dieser neuen Heimat, werde ich selbst euch zurückführen. Es ist eine ewige Geschichte. 

Wir haben den Auftrag, die Wirklichkeit zu gestalten, das Beste zu suchen und für die zu beten, die Verantwortungsträger sind. Darauf liegt Verheißung, darauf liegt Segen.  

Amen.

Stille

In der Stille sammeln wir unsere Gedanken und Gefühle, unser Hoffen und Sehnen

Fürbitte

Gott unser Vater ich danke dir, dass du die Welt erschaffen hast und alles was darin ist! Du bist der Gott des Friedens und willst Frieden und Gerechtigkeit   für deine ganze Welt. Dein Wort verwandelt die Welt.

Dein Wort befreit und gibt neuen Mut. Du schenkst Gnade und bist gerecht.

Wir bitten: lass uns Verantwortung übernehmen, lass uns nicht nur zusehen, sondern gib uns Mut zum Handeln. Lass  unseren Glauben auch im Alltag sichtbar werden. Herr, mach uns zu einem Werkzeug deines Friedens.

Wir bitten:  für alle, die zu uns gehören und die wir lieben. Segne sie, schenke Freude, Gesundheit und Kraft für den Alltag. Lass sie spüren, dass wir eine Gemeinschaft sind.

Wir bitten: für die Regierung, die gewählt wurde, damit sie das Zusammenleben der Menschen und den Frieden schützen. Sprich durch dein Wort in ihre Herzen und  schenke ihnen Gedanken des Friedens. Herr, wir denken auch an die Wahlen in USA. Schenke du Weisheit für die politische Verantwortung damit sie der Einheit dienen und dem Hass wehren.

Wir bitten: für die Geflüchteten, Gefolterten und Gequälten, die durch Flucht und Krieg traumatisiert sind. Dein Wort ist wie ein Licht in der Nacht. Heile  ihre Wunden und gib Gedanken des Friedens.

Dein Wort versöhnt und schenkt Freude. Sprich du zu uns, damit dein Wort uns formt und belebt. Gedenke der weltweiten Gemeinden, damit sie Werkzeug deines Friedens sind. Wir vertrauen auf Jesus Christus und sein lebendiges Wort.

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heuteUnd vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Lied: „Meine Hoffnung und meine Freude“ (F&L 385; T: Katalanischer Spruch nach Jes. 12,2; M: Jaques Berthier 1989)  

Segen

Der HERR segne dich und behüte dich. Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der HERR erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir seinen Frieden.  

Segen

Der HERR segne dich und behüte dich. Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der HERR erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir seinen Frieden.  

Amen

Gottesdienstordnung 20. So.n.Trin. – was gut ist …

Wir zünden eine Kerze an und halten kurz inne

Eingang

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. |Micha 6,8

Gebet  

Unser Vater im Himmel, wir wollen Gottesdienst feiern. Deine Nähe ist uns wichtig. Du kennst uns und liebst uns. Du hast für jeden von uns eine Botschaft, die uns begleitet in die neue Woche. Schärfe unsere Sinne, dass wir verstehen und getrost an deiner Hand gehen. Amen.

Lied: „Herr Jesus, öffne uns die Ohren“ (F&L 103; T+M: Jan Mattsson 1988/1991)  

Einleitung

Was ist gut? Ist das Thema dieses Gottesdienstes. Gottes Wort ist eigentlich klar, trotzdem kommen mir Fragen zum Eingangswort. Was ist gut? Fordert Gott unmögliches? In meiner Lieblingsbibel steht der Vers ein wenig anders: „Der Herr hat euch wissen lassen, was er von euch erwartet. Achtet auf das Recht, erweist einander Gutes und tut nichts ohne euren Gott.“ Diese Worte entsprechen mir persönlich eher. Ich bin gespannt, was wir in der Predigt darüber erfahren werden. 

Lied: „Halleluja! Lobet Gott“ (F&L 68; T+ M: Bernd Draffehn 1981) 

Lesung: Psalm 119,1-8.18.33 

Wohl denen, die ohne Tadel leben, die im Gesetz des HERRN wandeln. Wohl denen, die sich an seine Mahnungen halten, die ihn von ganzem Herzen suchen, die auf seinen Wegen wandeln und kein Unrecht tun. Du hast geboten, fleißig zu halten deine Befehle. O dass mein Leben deine Gebote mit ganzem Ernst hielte. Wenn ich schaue allein auf deine Gebote, so werde ich nicht zuschanden. 

Ich danke dir mit aufrichtigem Herzen, dass du mich lehrst die Ordnungen deiner Gerechtigkeit. Deine Gebote will ich halten, verlass mich nimmermehr. Öffne mir die Augen, dass ich sehe die Wunder an deinem Gesetz. Zeige mir, HERR, den Weg deiner Gebote, dass ich sie bewahre bis ans Ende. HERR, öffne mir die Augen für die Wunder, die dein Gesetz in sich verborgen hält. Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg. Amen.

Lied: „Wohl denen, die da wandeln“  (F&L 91; T: Cornelius Becker 1602; M: Heinrich Schütz 1661)

Predigt – Was gut ist

Was gut ist. Die Frage, was gut ist, treibt uns immer wieder um. Zumindest behaupte ich das. Und ich bin mir sicher, dass diese Behauptung wahr ist. 

Vielleicht nennst du das anders. Vielleicht sagst du, dass du den richtigen Weg suchst. Oder dass die Entscheidungen, die du triffst, sinnvoll oder hilfreich sein sollen. Denn „Gut sein“, diese Wendung ist in unserer Zeit ein wenig in Verruf geraten. 

Den „Gutmenschen“ gibt es im abwertenden Sprachgebrauch seit 40 Jahren schon. Doch unrühmliche Ehre erlangte das Wort 2015, als es das Unwort des Jahres wurde. 

Dabei steht es schon in der hebräischen Bibel: Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir erwartet. Luther übersetzt sogar: fordert. Jeder weiß, so sagt es der Wochenspruch aus dem Propheten Micha, jeder weiß, was gut ist, was richtig ist. Es ist dir gesagt Mensch. 

Die Bibel ist voller Worte. Erzählungen, Poesie, Gesetzestexte, verstörende Texte, ermutigende Geschichten. Alles ist gesammelt in diesem Buch. Würden wir uns festlegen wollen, was nun das Wichtigste ist und worauf es ankommt, kämen wir sehr schnell an unsere Grenzen. Sind es die Reinheitsgebote oder ist es die Rede von der Ehescheidung? Sind wir gefordert, unsere Ethik und Moral anhand der Sittlichkeitsgesetze oder der Haustafeln zu orientieren? Oder sind die zehn Gebote Grundlage unseres Denkens? Und was ist mit dem Doppelgebot der Liebe, in dem sich alle Gebote und Ordnungen erfüllen?

Der Text, den wir heute als Predigttext vorliegen haben, steht im Markusevangelium, in Kapitel 2. Er beschäftigt sich mit der Frage, was gut ist, worauf es ankommt: 

An einem Sabbat ging Jesus durch die Felder. Seine Jünger fingen an, am Weg entlang Ähren zu abzureißen und die Körner zu essen. Da sagten die Pharisäer zu ihm: 

            „Hast du gesehen, was sie da tun? Das ist doch am Sabbat nicht erlaubt!“

            Jesus antwortete: 

„Habt ihr nie gelesen, was David tat, als er und seine Begleiter nichts zu essen hatten und Hunger litten? Wie er damals – zur Zeit des Hohenpriesters Abjatar – ins Haus Gottes ging und von den geweihten Broten aß, von denen doch nur die Priester essen durften, und wie er seinen Begleitern davon gab?“

            Und Jesus fügte hinzu: 

            „Der Sabbat ist für den Menschen gemacht, nicht der Mensch für den Sabbat.“

Eine Gruppe Männer zieht durch Israel – vor gut 2000 Jahren. Das Korn ist reif, jedenfalls reif genug, als Snack für unterwegs zu dienen. Die Männer greifen in die vollen Ähren, reißen sie ab, trennen das Korn von seiner Schale und verzehren es. 

Ich kann mich gut erinnern, wie wir als Kinder über die Felder im heutigen Sachsen-Anhalt liefen und die Ähren daraufhin prüften, ob sie wohl schon essbar wären. Es war ein Feuerwerk an Lebenslust. Die Sinne wurden überreich beschenkt. Das war keine Arbeit, es war Lust. Natürlich haben wir diese Körner nur als Snack genossen. Es war keine Ernte im klassischen Sinn, aber natürlich haben wir auch geerntet. 

So machen es auch die Jünger von Jesus. Sie greifen ins volle Korn und essen, was sie freilegen. Das empört, denn es ist Sabbat, heiliger Ruhetag.

In Israel war der Sabbat wirklich heilig. Bis heute ist er heilig. Und es gibt nur wenige Orte, an denen dieses Heiligkeitsgebot nicht gilt. Selbst die Busse und Bahnen fahren am Sabbat nicht oder nur sehr reduziert. Kein Vergleich mit unserer Sonntagsruhe. Das ist eher eine Unruhe. 

Das Gebot, den Sabbat zu heiligen, meinte zuerst: Am Sabbat sollst du keine Arbeit verrichten. Auch dann nicht, wenn sie dir viel Freude bereitet. Auch dann nicht, wenn sie dir Sinn schenkt und du dich darin erst so richtig selbst findest. Am Sabbat tue nichts außer Gott und dir selbst zu begegnen. Alles, was über diese Begegnung hinaus geht, mache vorher oder danach. Aber nicht am Sabbat. Am Sabbat hält man inne. Sabbat bedeutet übersetzt: innehalten, mit etwas aufhören. Es könnte, wenn es vom hebräischen Wort šeba kommt, das mit „sieben“ übersetzt wird, auch siebter Tag oder siebtes Jahr bedeuten. Aber auch dann wird innegehalten – und zwar wirklich. 

Durch diese Regel hob das alte Israel sich von seiner Umwelt ab. Der wöchentliche Ruhetag war im Altertum unbekannt. Noch um die Zeit des Wirkens Jesu haben die Griechen die Juden als Faulenzer verspottet, weil diese einen Tag in der Woche ruhten (Sabbat machten).

Dieser Ruhetag war so wichtig, dass man sogar in der Tora davon lesen kann, dass ein Mensch, der am Sabbat arbeitet, getötet werden soll. Das finde ich ehrlich gesagt völlig maßlos und auf die Frage, wozu das nützlich sein könnte, muss ich passen. Ich erzähle es auch nur, damit die Bedeutung des Ruhetages deutlich wird. Es geht nicht um irgendwas. Es geht um ein wirklich wichtiges Gebot, etwas, das auch die Öffentlichkeit als wesentlich versteht. 

Vielleicht so, wie Solidarität für uns heute ein immer höherer Wert wird. Allein die Irritation, die durch Maskenverweigerer in einer breiten Mehrheit ausgelöst wird, macht das vielleicht deutlich. Der Vergleich hinkt, das ist mir klar. Aber es ist ein Gebot, das einen allgemeinen gesellschaftlichen Konsens findet. 

Jesus wird also von den Pharisäern gerügt. Siehst du, was deine Freunde da machen? Das ist nicht erlaubt! So der Vorwurf und nach dem, was wir vom Sabbatgebot hörten, ist das ein rechtmäßiger Vorwurf.

Da kommt die Frage auf, wozu es das Sabbatgebot gibt, welchen Nutzen es hat. Denn alle Gebote – und damit meine ich ausdrücklich die uns als „die zehn Gebote“ bekannten – sollen dem Leben dienen.

Also muss auch das dritte Gebot, das Gebot der Ruhe dem Leben dienen. Es gab in der jüngeren Menschheitsgeschichte immer wieder Versuche, den Lebensrhythmus zu ändern und aus der 7-Tage- eine 5-Tage-Woche oder sogar 10-Tage-Woche zu machen. Und das sind nur zwei Beispiele. Sie scheiterten und mehr gibt es dazu nicht zu sagen. 

Es wird deutlich: Der Rhythmus aus Arbeit und Ruhe ist lebensnotwendig. Und offenbar gibt es etwas wie ein genetisches Programm. 6 Tage Arbeit und dann ein Ruhetag – dieser Rhythmus ist wirklich notwendig für das Überleben, sowohl des einzelnen Menschen als auch der Gesellschaft. 

Es kann durchaus ein Zeichen der Fürsorge sein – zumindest Fürsorge für die Gesellschaft, dass die Pharisäer Jesus auf das Verhalten seiner Jünger ansprechen. Pharisäer waren dafür bekannt, auf die Einhaltung der Gebote zu achten und ein wahrhaft frommes und gottesfürchtiges Leben anzustreben. Eigentlich aller Ehre wert. 

Interessant ist Jesus Reaktion. Er kanzelt sie nicht ab. Er schlägt sich nicht mit der Hand vor die Stirn – facepalm nennt man das heute. Er erinnert sie lediglich daran, dass es bei diesem Gebot um das Leben, um den Menschen geht. Und er führt als Beispiel König David an. König David, der große König, der vor Gott Wohlgefallen fand. Und das, obwohl er offensichtlich immer wieder aus der Situation heraus entschied und handelte. 

Es ist dir gesagt Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert. Nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. Gottes Wort halten steht immer im Zusammenhang mit dem Leben. Daran muss sich prüfen lassen, welche Entscheidungen – groß und klein – wir fällen. 

In diesen Zeiten, die wir gerade erleben, ist das besonders wichtig. Denn schon der zweite Teil macht deutlich: Ohne die Liebe ist das alles nichts. Liebe üben, das will Gott von uns, das erwartet er. Den anderen lieben, wie mich selbst. Mein Leben danach gestalten, dass es nicht von Ausbeutung, sondern von förderlichem Verhalten und damit von Liebe geprägt ist. Und schließlich: demütig sein vor deinem Gott. Im letzten weiß ich mich in Gottes Hand und erkenne ich seine Erkenntnis als unendlich viel größer als meine Erkenntnis. Und was immer ich in der Bibel zu Gottes Wesen entdecke: Es hat mit Liebe zu tun. Wenn es wirklich um Gott geht und nicht um Menschen, dann geht es um das Leben in und durch Liebe. 

Jesus antwortet darum auch seinen Herausforderern so: Der Sabbat ist für den Menschen da und nicht der Mensch für den Sabbat. Es geht immer um die Frage: Ist es hilfreich und gut zum Leben? Das Gesetz, die Verordnung ist nicht aus sich heraus gut und richtig, sondern immer im Kontext. Das Sabbatgebot hat unser Wohlergehen und das Wohl der Erde im Sinn. Darum geht es, dass wir weder uns noch andere und auch nicht die Erde ausbeuten, bis nichts mehr geht. Sondern durch den Rhythmus von Arbeit und Ruhe das Leben fördern und die Ressourcen bewahren. 

Die große Herausforderung dabei ist, selbst zu denken. Selbst zu erkennen und zu verstehen, was Gott von uns will: Nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. 

Was gut ist? Das Leben fördern, den anderen lieben und mich selbst. Die Ordnung von Arbeit und Ruhe ernst nehmen. Mich selbst als Teil des Ganzen und nicht als Mittelpunkt erleben. Verstehen: Das, was uns Ordnung und Struktur gibt, muss dem Leben dienen. So hat Gott es festgelegt, so haben es die Altvorderen, die Hebräer, die ersten Christen, so hat Jesus es uns vorgelebt. 

Und dann hinkt der Vergleich mit der Maske vielleicht doch nicht mehr so stark. Denn mit der Maske schütze ich nicht zuerst mich, sondern den anderen. Ich zeige, dass der andere genauso wertvoll ist, wie ich und das ist durchaus im Sinne Jesu. 

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist. 

Amen.

Stille

In der Stille sammeln wir unsere Gedanken und Gefühle, unser Hoffen und Sehnen

Fürbitte

Herr unser Gott, wir kommen stellvertretend für alle Menschen zu dir, die um ihres Glaubens willen verfolgt werden. Die ihre Heimat verlassen müssen und nicht in Frieden mit ihren Familien leben können. Beschütze sie. 

Wir bringen dir die, die hier in unserem Land auf der Straße leben. Schenke ihnen Begegnungen mit Menschen, die ihnen Mut machen. 

Wir bringen dir die vielen, die durch Corona erkrankt sind und ihre Angehörigen. 

Und wir denken an diejenigen, die in unserer Nähe leben. Lass uns mit offenen Augen durchs Leben gehen und helfen, wo es nottut. 

Hilf uns, nicht die Augen zu verschließen, sondern gib uns die Kraft und Freude zuzupacken. 

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Lied: „Segne und behüte“ (F&L 106;T: bei Johannes Goßner 1825; M: Johann Friedrich Francke 1755)

Segen

Der HERR segne dich und behüte dich. Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der HERR erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir seinen Frieden.  

Amen

Gottesdienstordnung 18. So.n.Trin. – ins Herz geschrieben, in den Mund gelegt

Wir zünden eine Kerze an und halten kurz inne

Eingang

Dieses Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.| 1.Joh 4,21

Liebe muss sichtbar, erfahrbar werden und sein, sonst ist sie nicht mehr als Gerede. Darum steht diese Erinnerung aus dem ersten Brief des Johannes zu Beginn dieses Gottesdienstes und als Wort über der neuen Woche: Dieses Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe. Diese Bruder- oder Geschwisterliebe geht über unsere Ländergrenzen hinweg. Wir wollen auch an Menschen denken, die unter ihren Umständen leiden, die Verfolgung erleben, die auf der Flucht sind. Menschen, die Angehörige betrauern und Verluste beklagen. Und wir wollen uns daran erinnern lassen, wie gut es uns geht. 

Wir feiern Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. 

Gebet

Himmlischer Vater, danke für den neuen Morgen, für diesen Sonntag, an dem wir dir begegnen können, weil du uns begegnen willst. Danke für die Ruhe der Nacht und jede Minute Schlaf, die wir genießen konnten. Danke für die Freiheit, in der wir leben und unseren Glauben füllen und gestalten können. An so vielen Orten und Ländern weltweit ist diese Freiheit nicht vorhanden. Wir wollen das nicht vergessen und dankbar für all das sein, das uns geschenkt ist. Nimm alle Sorgen und Fragen von uns, schenke uns die Freiheit, dir zu begegnen und von dir erfüllt zu werden. 

Lied „All Morgen ist ganz frisch und neu“ (F&L 455; T: Johannes Zwick um 1541; M: Johann Walter 1541)

Einleitung

Heute ist der 18. Sonntag nach Trinitatis und in der evangelischen Christenheit geht es an diesem Sonntag um die Ernsthaftigkeit des Lebens im Glauben. Das klingt sehr ernst. Und schwer. Und vielleicht auch nicht so sehr einladend. Denn unser Leben ist ja auch ohne Glauben ziemlich ernst im Moment. Und dieser Moment hält nun schon länger als ein halbes Jahr an. Zugleich ist an diesem Wochenende auch für die jüdischen Gläubigen eine besondere Zeit. Sukkot, das Laubhüttenfest neigt sich dem Ende und an diesem Ende wird traditionell „das Fest der Freude an der Tora“ gefeiert. Simchat Tora heißt der Tag auf Hebräisch. Er hat gestern, also am Abend des 10. Oktober begonnen und endet heute Abend. An Simchat Tora wird der Lesezyklus der Tora beendet und der neue Zyklus begonnen. Und das ist Grund zu großer Freude. Die Kinder werden in der Regel mit Süßigkeiten beschenkt und man tanzt mit der Tora durch den Raum. Vielleicht ist das genau der Link, der nötig ist, um unseren Glauben und damit unser Leben mit aller Ernsthaftigkeit, also mit aller Tiefe zu feiern. 

Lied: „Herr, in deinem Namen“ (F&L 102; T+M: Werner Arthur Hoffmann 1994/2002) 

Lesung: Markus 10,17-27

Und als er hinausging auf den Weg, lief einer herbei, kniete vor ihm nieder und fragte ihn: Guter Meister, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe? Aber Jesus sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als der eine Gott. Du kennst die Gebote: »Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis reden; du sollst niemanden berauben; du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.« Er aber sprach zu ihm: Meister, das habe ich alles gehalten von meiner Jugend auf. Und Jesus sah ihn an und gewann ihn lieb und sprach zu ihm: Eines fehlt dir. Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm, folge mir nach! Er aber wurde betrübt über das Wort und ging traurig davon; denn er hatte viele Güter.

Lied „Wohl dem der nicht wandelt“ (DBH1 #237; T: aus Psalm 1; M: Peter Strauch 1984)

Predigt – in Herz und Mund

Heute ist ein besonderer Sonntag. In der Einleitung wurde es schon ein wenig erkennbar. Die Tora, oder auch die Fünf Bücher der Weisung, wird gefeiert. Die Tora enthält alle fünf Bücher Mose – so nennen wir Christen diese Bücher. Im Judentum heißen diese Bücher: „Im Anfang“, „Namen“, „Er rief“, „In der Wüste“ und „Reden“. Diese Bücher der Weisung sind die Grundlage des jüdischen Glaubens und somit auch unseres christlichen Glaubens. 

Simchat Tora – der Tag der Freude der an Tora, Tag der Freude an der Weisung Gottes ist kein biblisches Fest. Es wird an keiner Stelle in der Tora, der Weisheitsliteratur oder der Propheten angeordnet. Aber offenbar hat sich am Ende des zweiten Erntedankfestes dieser Brauch herausgebildet. Und ich finde ihn durchaus faszinierend. Stell dir vor, wir würden einen Festtag der Freude der Bibel feiern. Freude darüber, dass wir uralte Weisheitsliteratur, Geschichten und Erzählungen und vor allem eine gute Nachricht haben. 

Ich gebe zu, mir war dieser Festtag fremd. Bis ich bei einer Kollegin davon las. Ich war sofort angetan. Welch schöne Vorstellung: Die Bibel als Grund zur Freude zu erkennen. Sicher gibt es viele Texte in der Bibel, die nicht nur zur Freude reizen. Unverständlich und schwer und voll irritierender Werte. Und gerade in diesen Tagen begegne ich in meinem persönlichen Bibelstudium immer wieder verstörenden Texten. 

Heute sind wir aber eingeladen einen Text voll wunderbarer Lebendigkeit zu entdecken. Lebendigkeit, die Lust zum Feiern macht. Im sogenannten fünften Buch Mose, im Buch „Reden“, lesen wir in Kapitel 30, 11-14: 

Das Gebot, das ich dir heute gebiete, ist dir nicht zu hoch und nicht zu fern. Es ist nicht im Himmel, dass du sagen müsstest: ›Wer will für uns in den Himmel fahren und es uns holen, dass wir‘s hören und tun?‹Es ist auch nicht jenseits des Meeres, dass du sagen müsstest: ›Wer will für uns über das Meer fahren, dass wir’s hören und tun? Denn es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust. 

Gebote klingen ja in unseren Ohren oft nach Strenge und Einengen. Da will mich jemand, eine höhere Instanz, Gott beschneiden. Gönnt mir nicht das kleinste bisschen Freude. So könnte man denken. Und so wurde auch jahrhundertelang gedacht. Martin Luther betonte immer wieder, wie schwer das Gebot Gottes zu erfüllen sei. Es führe uns vor allem in die Erkenntnis, dass wir alle Sünder seien. 

Nun sage ich nicht, dass wir nicht Sünder sind. Immer und immer wieder sind wir Menschen unfähig, gerecht und fair zu leben. Allein mein wöchentlicher Einkauf zeigt mir immer wieder, wieviel Entwicklungspotential noch unausgeschöpft ist. 

Und tatsächlich kann ich vor Gott nur durch seine liebevolle Annahme, durch seine Gnade bestehen. Das macht das Ganze vielleicht ein bisschen verwirrend und du könntest dich vielleicht fragen, warum du dir überhaupt die Mühe machen solltest, die Gebote Gottes zu kennen und zu versuchen, danach zu leben. 

Unser Predigttext lädt uns ein, genau hinzuschauen. Das, was Gott von uns möchte ist keine Überforderung. Es geht dabei immer um gelingendes Leben. Also darum, wie Zusammenleben mit anderen Menschen möglich wird. Die Gebote Gottes sind Lebensregeln. Nicht in dem Sinne, dass dir das Lachen vergeht. Sondern im Gegenteil. Erst das faire Miteinander bringt echte Freude ins Leben des Einzelnen. 

In der Textlesung aus dem Markusevangelium sind wir ja den Geboten begegnet: Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis reden; du sollst niemanden berauben; du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren. Jedes einzelne Gebot dient dem gedeihlichen Miteinander. Ich denke, da sind wir uns alle einig. Wenn diese Gebote erfüllt werden, führt das unweigerlich zur Freude. Oder anders gesagt: Gegen die Gebote zu handeln bringt Leid und Trauer über die Menschen. 

Simchat Tora ist ein Fest, das in großer Ausgelassenheit gefeiert wird. Dabei sind die Feiernden nicht albern, sondern einfach glücklich. Sie freuen sich über Klarheit und Eindeutigkeit. Und darüber, dass die Gebote ganz nah sind. 

Denn hier im Text steht ja, dass wir uns nicht anstrengen müssen, um zu erfahren, was wirklich wichtig ist. Das Gebot ist uns ganz nah, heißt es hier. So nah, wie Gott uns nah ist. Durch das Gebot erfahren wir Menschen Gottes heilsame Zuwendung.[1]

Das Gebot Gottes, es ist nicht im Himmel. Der Himmel ist Ausdruck dafür, dass etwas unerreichbar weit weg ist. Unerreichbar und zugleich Ausdruck tiefer Sehnsucht. Wie kann man aber etwas hören und sogar tun, das unerreichbar weit entfernt ist? Wie verstehen und danach handeln? 

Und es ist auch nicht am anderen Ende der Welt. Jenseits des Meeres, steht im Text, und das meint das Ende der Welt. Die Menschen stellten sich vor, dass hinter dem Meer das große Nichts, der Abgrund kommt. Nur wer wirklich Mumm hat, kann sich auf den Weg dorthin machen und Antworten finden. Unzählige Märchen erzählen von Helden, die keine Mühen scheuten, das Ende der Welt aufsuchten und dann sogar erfolgreich waren. 

Wenn aber ein Gebot, eine Lebensregel so weit entfernt ist, dass nur die Mutigsten sich ihr nahen können, kann kein Normalsterblicher etwas davon verstehen oder gar tun. 

Die Gebote Gottes, eigentlich ja das Gebot Gottes, ist nicht weit entfernt. Es ist ganz nahe unserem Mund und in unserem Herzen. 

Das Herz ist nach jüdischem Verständnis der Sitz des Verstandes. Wer mit dem Herzen entscheidet, entscheidet klug und gut. Er lässt sich nicht ablenken von kühlen Argumenten, sondern sieht, was alles möglich ist. Das Gebot Gottes ist unserem Herzen nahe. Es ist hineingeschrieben, in unser Herz. Auf die Frage, was er denn tun könne, um das ewige Leben zu erlangen, antwortet Jesus dem Fragenden mit den Geboten Gottes. Und als der Mann bekennt, alle Gebote von Jugend auf zu halten, fordert Jesus ihn auf, sich von seinem Wohlstand zu trennen und ihn den Armen zu geben und dann ihm, Jesus, nachzufolgen. 

Welch eine Herausforderung. Lass alles los, was wertvoll ist und folge Jesus nach. In seinem Herzen wusste der Mann, dass dieser Weg der richtige ist. Denn, so geht die Geschichte weiter, der Mann wurde traurig und ging weg, weil er ein großes Vermögen hatte. Traurig ist man mit dem Herzen. Das Herz weiß, was richtig ist. Und doch handeln wir oft gegen unser Herz. Häufig weil der Kopf lauter spricht und schneller argumentiert. Und überhaupt sind Argumente nicht Herzensstärke. Aber was richtig ist, das weiß das Herz ziemlich gut. Weil das Gebot Gottes uns ins Herz geschrieben ist. 

Als der Mann weggegangen war, denkt Jesus laut darüber nach, wie schwer es für einen Reichen ist, in den Himmel zu kommen. Die Jünger sind entsetzt. Gilt der Himmel nur den Armen. Haben Reiche keine Chance? Muss man darum dem Reichtum abschwören? Das ist alles nicht nötig. Lediglich eines: Gott in allem zu vertrauen. Denn was bei Menschen unmöglich ist, ist bei Gott möglich. 

Und bei Gott ist es sogar möglich, dass die Werte sich verändern, dass das, was mal wichtig war, sich zugunsten anderer, neuer Werte nach hinten verschiebt. Und das wird dann ein ganz natürliches Geschehen. In etwa so, wie auf das Einatmen immer das Ausatmen folgt, folgen muss. Und manchmal ist diese Veränderung ein Prozess. Und wir können uns dabei sogar beobachten und das auch trainieren. 

Wenn wir Gottes Gebote tun, wird echte Freude Realität. Dieses Tun beginnt oft im Kopf. Es kann aber auch wiederum unser Denken beeinflussen. Abraham Joshua Heschel war ein bedeutender jüdischer Religionsphilosoph. Er war überzeugt, dass indem wir das Gute einfach tun, hier und heute, sich dadurch der ganze Mensch erneuert; unser Denken, unser Fühlen, unser Wollen.[2]

Es geht immer um Beides: um unser Hören und Tun, verstehen und handeln. Darum ist das Gebot Gottes nah bei uns. So nah, wie Gott uns nahe ist. Es ist in unser Herz geschrieben und in unserem Mund gelegt. Das Gebot heißt Liebe: Liebe Gott und deinen Nächsten und dich selbst – alles in gleichem Maß.

Daraus entsteht Freude. Echte Freude, die nicht aufgesetzt ist, sondern aus dem Herzen kommt. Freude, die uns auch dann trägt, wenn die Festzeiten vorbei sind. 

Unsere jüdischen Geschwister feiern heute die Freude an der Tora, die Freude an den Weisungen Gottes. 

Wir feiern heute Gott, der uns mit seinem Wort und Gebot so nah kommt, dass er unsere Herzen berührt und unseren Mund segnet, damit wir seinen Willen tun. 

Amen.

Stille

In der Stille sammeln wir unsere Gedanken, unsere Gefühle, unser Hoffen und Sehnen. Und wir denken an alle, mit denen wir zurzeit keine direkte Gemeinschaft haben können. 

Lied „Herr, ich komme zu dir” (F&L 333; T+M: Albert Frey 1992)

Fürbitte[Fürbitte]

Ganz nah ist dein Wort,
gütiger und liebender Gott.
Wenn wir dich suchen, bist du längst da.
Wenn wir in Angst sind, hast du Rat und Trost.
Ohne dein Wort wäre die Welt kalt und tot.
Wir bitten dich: Sprich und erbarme dich.

Sprich dein Wort zu den Mächtigen,
damit ihre Worte einen und verbinden,
damit ihre Taten helfen und schützen,
damit ihre Pläne dem Frieden und der Gerechtigkeit dienen.
Wir bitten dich: Sprich und erbarme dich.

Sprich dein Wort zu den Kranken,
zu den Infizierten,
zu denen, die pflegen und heilen.
Sprich damit dein Wort Trost gibt
und die Angst vertreibt,
damit die Einsamkeit weicht,
damit dein Wort Mitgefühl und Liebe weckt
und die Kälte und Verachtung vertreibt.
Wir bitten dich: Sprich und erbarme dich.

Sprich dein Wort zu unseren jüdischen Geschwistern,
damit sie heute deine Weisungen mit Freude feiern.
Sprich dein Wort zu uns,
damit wir es tun.
Sprich dein Wort zu denen,
die zu uns gehören,
damit sie leben.
Sprich dein Wort zu den Suchenden,
damit sie dich finden.
Wir bitten dich: Sprich und erbarme dich.

Ganz nah ist dein Wort, gütiger und liebender Gott.
Heute und morgen und alle Tage durch Jesus Christus. 

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.

Lied „Weil du immer zu mir hältst“ (F&L 412; T: (zu Psalm 16): Christoph Zehender 2000; M: Manfred Staiger 2000)

Segen

Es segne uns Gott, der Vater, der diese Erde schuf und alles wohl ordnete. Es segne uns Gott, der Sohn, der uns in Liebe annimmt und mit Liebe füllte. Es segne uns Gott, der Geist, der diese Liebe weckt und uns befähigt, Liebende zu sein. 

Amen


[1] Vgl. https://stefanklaes.wordpress.com/2020/10/09/deuteronomium-3011-14/?fbclid=IwAR1MHIyH1juj4n3eqvLZob692vj-i3qcLNbmYmN_quUEmI5sGs94q0ywq9Y

[2] Wie Anm. 1

[Fürbitte] Quelle: https://www.velkd.de/gottesdienst/wochengebet.php?litDay=61#archiv

Gottesdienstordnung Erntedank

Wir zünden eine Kerze an und halten kurz inne

Eingangswort 

Der Wochenspruch für die vor uns liegende Woche ist Psalm 145 entnommen und lautet:

Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit. Du tust deine Hand auf und sättigst alles, was lebt, mit Wohlgefallen.

Heute feiern wir Erntedankfest und trotz der schwierigen Zeit, in der wir durch die Pandemie gerade leben, sind wir alle auf die eine oder andere Weise reich beschenkt worden im vergangenen Jahr. Denn es geht um mehr als die Ernte aus unserem Garten: Nahrung und Kleidung, Wachsen und Gedeihen in Partnerschaft und Familie, große und kleine Erfolge im Beruf – da ist so viel, wofür wir danken können. Das Erntedankfest gibt der Dankbarkeit Raum und wendet sie hin zu Gott. Wer dankt, sieht nichts als selbstverständlich an.

Gebet

Guter Gott, es ist Erntedank.

Wir danken dir für alle guten Gaben, das tägliche Brot, den Ort, an dem wir leben, die Menschen, die uns begleiten, die Aufgaben, die du uns anvertraust.

Danke für diese Gemeinde und dafür, dass wir heute wieder Gottesdienst feiern dürfen – hier in diesem Raum aber auch zuhause am Küchentisch oder am Computer. Segne alles Reden und Hören und nimm Störungen von uns.

Wir danken dir aus vollem Herzen und beten dich und deinen großen Namen an. AMEN

Lied: „Auf, Seele, Gott zu loben“ (F&L 500; T: M. Müller-Zitzke 1947, M: J. Steurlein 1575)

Lesung: 2. Kor. 9, 6 – 15

Wie Christen geben sollen

Ich bin davon überzeugt: Wer wenig sät, der wird auch wenig ernten; wer aber viel sät, der wird auch viel ernten. So soll jeder für sich selbst entscheiden, wie viel er geben will, und zwar freiwillig und nicht aus Pflichtgefühl. Denn Gott liebt den, der fröhlich gibt. Er kann euch so reich beschenken, ja, mit Gutem geradezu überschütten, dass ihr zu jeder Zeit alles habt, was ihr braucht, und mehr als das. So könnt ihr auch noch anderen auf verschiedenste Art und Weise Gutes tun. 

Schon in der Heiligen Schrift heißt es ja von dem Mann, den Gott reich beschenkt hat: »Großzügig schenkt er den Bedürftigen, was sie brauchen; auf seine Barmherzigkeit kann man immer zählen«. Gott aber, der dem Sämann Saat und Brot schenkt, wird auch euch Saatgut geben. Er wird es wachsen lassen und dafür sorgen, dass das Gute, das ihr tut, Früchte trägt. Ihr werdet alles so reichlich haben, dass ihr unbesorgt weitergeben könnt. Wenn wir dann eure Gabe überbringen, werden viele Menschen Gott dafür danken. Eure Gabe hätte demnach zwei gute Auswirkungen: Sie wäre nicht nur eine Hilfe für die notleidenden Christen in Jerusalem, sie würde auch bewirken, dass viele Menschen Gott danken. 

Durch eure Unterstützung zeigt sich, wie sich euer Glaube bewährt. Dann werden die Beschenkten Gott loben, weil ihr euch so treu zur rettenden Botschaft von Christus bekennt und so bereitwillig mit ihnen und mit allen anderen teilt. Sie werden für euch beten und wären gern mit euch zusammen, weil sich an euch die Gnade Gottes auf so wunderbare Weise gezeigt hat. Wir aber danken Gott für seine unaussprechlich große Gabe.

Lied: „Laudate omnes gentes“ (F&L 7; T nach Psalm 117,1; M+S: J. Berthier, 1978)

Predigt

Am Donnerstag war wieder Bibellesen mit unseren farsisprechenden Freunden angesagt. Alle vierzehn Tage lesen wir zusammen in der Bibel und unterhalten uns dabei über christliche Werte und über Alltagsfragen. Wie ist Vergebung möglich? Heißt Vergeben auch Vergessen? Wie kann ich mit Menschen umgehen, die mir nicht aufs Fell gucken können? Und was mache ich, wenn ich jemanden lieber von weitem als nah dran sehe? 

Das ist nur ein Bruchteil aus dem Fragenkatalog, mit dem wir uns, neben dem gemeinsamen Bibellesen, beschäftigen. Immer wieder kommen diese Fragen hoch, vor allem, wenn wir in der Bibel miteinander lesen. Ich finde das total spannend und freue mich, dass wir so offen miteinander sind. 

Ich behaupte, dass dieser Katalog in uns festgeschrieben ist, und zwar in jedem von uns. Das ist meine feste Überzeugung. Wir reden nur nicht so gern darüber. Vielleicht zeigt es ja meine Schwäche oder meine Ängste oder auch manche meiner Unfähigkeiten. Und ich habe es schon oft erlebt, dass Leute es als bedrohlich empfanden, wenn ich offen mit meinen Fragen und Anfechtungen umgehe. Aber viel mehr Leute erleben es als befreiend. Denn wie gesagt: Diese oder ähnliche Fragen beschäftigen uns alle – mal mehr und mal weniger. Und immer ringen wir darum, dass unser Leben in Gemeinschaft aber auch allein gelingt. Manchmal fühlt sich das an wie Wüstenzeiten. Trocken, einförmig, nur mit viel Fantasie und Beobachtungsgabe wird das, was bunt ist sichtbar. 

Das Volk Israel kennt dieses Ringen auch. Und da sind Kräfte unter ihnen, die immer wieder ein bisschen wie Sabotage wirken. Dann geht es nicht schnell genug. Oder die Versprechen und Verheißungen sind zu groß. Die Zukunft liegt wie ein bedrohlicher Schatten vor ihnen. Und um sie her Wüste. Das verheißene Land hatten sie schon mal vor sich gesehen. Aber dann konnten sie da nicht hin. Die Gründe dafür sind im vierten Buch Mose nachzulesen. Spannende Geschichte. Ließ gern mal: Numeri 14 

Der Predigttext für heute steht im 5. Buch Mose, im Buch Deuteronomium in Kapitel 8. Da heißt es: 

Denn der HERR, dein Gott, führt dich in ein gutes Land, ein Land, darin Bäche und Quellen sind und Wasser in der Tiefe, die aus den Bergen und in den Auen fließen, ein Land, darin Weizen, Gerste, Weinstöcke, Feigenbäume und Granatäpfel wachsen, ein Land, darin es Ölbäume und Honig gibt, ein Land, wo du Brot genug zu essen hast, wo dir nichts mangelt, ein Land, in dessen Steinen Eisen ist, wo du Kupfererz aus den Bergen haust. 

Und wenn du gegessen hast und satt bist, sollst du den HERRN, deinen Gott, loben für das gute Land, das er dir gegeben hat.

So hüte dich nun davor, den HERRN, deinen Gott, zu vergessen, sodass du seine Gebote und seine Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, nicht hältst. Wenn du nun gegessen hast und satt bist und schöne Häuser erbaust und darin wohnst und deine Rinder und Schafe und Silber und Gold und alles, was du hast, sich mehrt, dann hüte dich, dass dein Herz sich nicht überhebt und du den HERRN, deinen Gott, vergisst, der dich aus Ägyptenland geführt hat, aus der Knechtschaft, und dich geleitet hat durch die große und furchtbare Wüste, wo feurige Schlangen und Skorpione und lauter Dürre und kein Wasser war, und ließ dir Wasser aus dem harten Felsen hervorgehen und speiste dich mit Manna in der Wüste, von dem deine Väter nichts gewusst haben, auf dass er dich demütigte und versuchte, damit er dir hernach wohltäte. Du könntest sonst sagen in deinem Herzen: Meine Kräfte und meiner Hände Stärke haben mir diesen Reichtum gewonnen. Sondern gedenke an den HERRN, deinen Gott; denn er ist’s, der dir Kräfte gibt, Reichtum zu gewinnen, auf dass er hielte seinen Bund, den er deinen Vätern geschworen hat, so wie es heute ist.

Ein üppiges Bild wird hier gemalt. Wasser, nicht zu viel und nicht zu wenig. Mehr als genug für das Nötigste. Dazu Getreide und Früchte, Öl und Honig. Es klingt ein bisschen wie Schlaraffenland. Alles ist da und muss nur gebraucht werden. Und als ob das noch nicht reicht: Sogar Erz und Edelmetall sind vorhanden: Kochgeschirr und Feldgerät sind kein Thema mehr. 

Es ist gutes Land, das da vor euch liegt. Das versprechen die bildhaften Worte den Israeliten. 

Das muss ein Traum gewesen sein. Eigentlich nicht mal das. Denn wie soll man träumen, was man nicht kannte? Bislang waren sie in der Wüste unterwegs gewesen. Lange 40 Jahre. Die, die damals aus Ägypten gezogen waren, lebten nicht mehr. Ihre Kinder waren nun auch schon erwachsen, ebenso die Enkel und gewiss gab es auch Urenkel. In 40 Jahren passiert viel. Die Bilder vom Leben in Ägypten sind längst nicht mehr so lebendig. Genauso die Furcht vor dem Unbekannten. Vor 40 Jahren, als die Israeliten das schnelle Ziel verpasst hatten, weil die Sorge vor der Zukunft, vor dem Fremden zu groß war. So groß, dass es dann doch besser erschien, noch ein wenig zu warten und umherzuziehen. Keine Entscheidung – das gibt es nicht. Man entscheidet sich immer. Für oder gegen etwas. Israel entschied sich für die Wüste.

Und nun sind all die Jahre rum. Und das gelobte Land liegt vor ihnen. Gutes Land!

Gestern feierten wir 30 Jahre geeintes Deutschland. Der Weserkurier titelte: Vereint und doch nicht eins. 30 Jahre sind vergangen, seitdem aus zwei deutschen Staaten einer wurde. Damals wurden blühende Landschaften versprochen. Wohlstand und ein gutes Auskommen für alle auf beiden Seiten der ehemaligen Grenze. Es ist gutes Land, das da vor euch liegt. Und schnell wollten alle hinein in diesen Land und übersahen die Gefahren und dachten, die Kräfte würden schon reichen. Vereint. Es ist gutes Land.

Ein Traum? Wie soll man träumen, was man nicht kennt? 

Aber hoffen, das geht. 

Und ehe sie losziehen, werden die Israeliten noch mal erinnert und ermahnt. Wenn du gegessen hast und satt bist, sollst du den HERRN, deinen Gott, loben für das gute Land, das er dir gegeben hat. 

Ich weiß nicht, wie es bei dir ist, aber wir beten zuhause in der Regel vor dem Essen. Dann danken wir für den Reichtum und bitten, dass Gott das Essen segnen möge. Aber hinterher danke sagen? Gott danken? 

Wir bedanken uns viel in meiner Familie. Dank für das Kochen, Decken, Einkaufen, Aufräumen. Und so viel mehr. Dank ist wichtig, das lernen die Kinder von klein auf. Und so, wie sie danke sagen, so bedanke ich mich auch bei ihnen. Danke für das, was du getan hast. Eigentlich ist es eine logische Folge, nach dem Essen Gott zu danken, dass wir satt geworden sind. Danke, dass wir ausreichend von allem haben. Danke, dass es warm ist in unserer Wohnung, warm und trocken. Danke, dass wir keine Not leiden. 

Ich glaube wirklich, dass darin große Macht liegt. Wenn es uns gut geht, vergessen wir schnell, wie gut und vor allem, wie wenig selbstverständlich das ist. Die Ermahnung an die Israeliten gilt darum genauso auch uns. Wenn du satt bist, dann sollst du den HERRN, deinen Gott, loben für das gute Land, das er dir gegeben hat. 

Sich darauf zu besinnen, dass nichts von all dem selbstverständlich ist, hilft uns auch, den Boden unter den Füßen zu behalten, nicht abzuheben. Ich hatte alle Jahre meines Lebens große Not, wenn es um finanzielle Fragen ging. Nie reichte das Geld und es war mir schwer, zu vertrauen, dass es eines Tages anders sein könnte. Denn wie soll man träumen, was man nicht kennt? Tatsächlich war es ein langer Weg, auf dem ich viel über mich und vor allem über Gott lernen musste. Vor allem Vertrauen. Es ist nicht so, dass ich jetzt im Reichtum lebe. Aber die Not ist vorüber. Warum? Ich habe weder eine große Erbschaft gemacht, noch einen zweiten Job angenommen. Aber ich habe mir ein Herz gefasst und Gott meine Finanzen hingelegt. Ich habe ihm versprochen, in allem Ihm zu vertrauen und keine Angst mehr zu haben. Das ging nicht von heute auf morgen. Es war eine echte Challenge. Ich glaube, ich habe schon mal von dem Wort erzählt, das Gott mir aufs Herz gelegt hat?! Das Wort, das mich herausforderte und mein Jahresthema wurde. Ich meine, es war 2017. Da hat Gott mir hier in der Kirche am Kreuz das Wort „Vertrauen“ geschenkt. Ich fand das damals ein bisschen groß. Denn, wie soll man träumen, was man nicht kennt? Aber nach einigem Ringen habe ich mich auf diese Herausforderung eingelassen. Und viele kleine und auch größere Schritte später bin ich immer wieder begeistert, dankbar und auch überrascht, wie sehr Gott meine Ängste in Vertrauen gewandelt hat. Und mir dabei immer wieder gezeigt hat, wem ich dieses gute Land zu verdanken habe. 

Vergiss nicht! So werden die Israeliten aufgefordert. Vergiss nicht, wem du alles verdankst, wer dich aus der Knechtschaft befreit hat. 

Immerhin waren die Israeliten vorher Sklaven, unterdrückt und zu Fronarbeit gezwungen von den Ägyptern. Vergiss nicht, wo du herkommst und wer dich befreit hat. 

Unsere Knechtschaft heute hat mit der Sklaverei in Ägypten damals nicht mehr viel zu tun. Aber wir alle haben irgendwas, das uns bindet. Vielleicht ist das eine kaputte Beziehung, weit entfernt von Vergebung oder gar Versöhnung. Wie kann man mit Menschen leben, die einen so sehr verletzt haben, dass man nicht mehr richtig durchatmen kann? Versöhnung gar? Wie ist das möglich. Vielleicht ist das ein Job, den du nur machst, weil du Angst hast, andernfalls deinen Lebensstil nicht mehr halten zu können. Der Kollege oder die Chefin hat dich offenbar auf dem Kieker. Und du kannst den Feierabend und das Wochenende kaum erwarten. Vielleicht ist das die Informationsflut, der wir täglich ausgesetzt sind. Was ist wahr und was nicht? Was kann ich glauben und wer lügt wie gedruckt? Oder es sind ganz andere Themen. Wie soll man träumen, was man nicht kennt?

Wie gesagt, diesen Herausforderungen, diesem Fragenkatalog, sind wir alle mehr oder weniger stark immer wieder ausgesetzt. Die Frage ist, stellen wir uns ihnen und lassen uns in das neue Land führen oder wählen wir weitere Wüstenzeiten? Deine Entscheidung, die dir niemand abnehmen kann. Aus der Knechtschaft frei sein – das musst du wollen. Und dann hilft dir Gott. Wie soll man träumen, was man nicht kennt? Gott legt den Traum von Freiheit, Geborgenheit, Liebe und so viel mehr in uns. Und er geht mit uns, führt uns, Schritt für Schritt, kontinuierlich, manchmal kaum wahrnehmbar. Manchmal fühlt es sich vielleicht sogar an, als würdest du im Kreis gehen. Aber selbst wenn, der Kreis wird größer, weil Gott genau weiß, wie viel du aushalten und mitmachen kannst. Und immer will er dich in dieses Land führen, in dem das Leben üppig ist.

Ich habe gerade eine neue Herausforderung angenommen. Und wenn sie bewältigt ist, wenn Gott mich an den Ort geführt hat, an dem diese Herausforderung bewältigt ist, dann werde ich ihm dafür danken und Loblieder singen. Ja klar: Mein Anteil ist unerlässlich. Aber die Kraft und Ausdauer schenkt Gott.  Und darum ist diese Aufforderung nicht zu vergessen, eine Mahnung und vor allem eine Ermutigung zur Bescheidenheit. Damals war meine Knechtschaft das Thema Finanzen. Heute sind es andere Themen und Lebensbereiche. Aber immer malt Gott mir blühende Landschaften vor Augen. Wie soll man träumen, was man nicht kennt? Gott schenkt uns diese Träume.

Und sie sind dann keine leeren Versprechungen und kein Plattwalzen dessen, was mir wichtig und wertvoll ist. Bei Gott läuft das anders. Er geht Schritt für Schritt mit in das gelobte, ins üppige Land. Vieles davon erleben wir schon längst und es ist an der Zeit, das zu sehen und Gott dafür zu danken. 

Dank macht bescheiden und hilft uns, zu erkennen, wie kostbar und schützensnotwendig dieses Land ist, in dem wir uns frei entfalten können. Dank setzt in uns Kräfte frei, Reichtum zu gewinnen, damit die Verheißungen sich erfüllen können, die sich durch die ganze Bibel ziehen. Reichtum an Liebe, Geduld, Barmherzigkeit, Besonnenheit und setze hier gern dein Wort, deinen Sehnsuchtsort, deine blühende Landschaft ein. 

Gott segne all unser Träumen und Hoffen, er segne unser Tun und Denken. Er mache uns zu dankbaren Menschen, die aus seiner Fülle schöpfen und ihm Loblieder singen. 

Amen.

Lied: „Laudate omnes gentes“ (F&L 7; T nach Psalm 117,1; M+S: J. Berthier, 1978)

Stille 

In der Stille sammeln wir unsere Gedanken und Gefühle, unser Hoffen und Sehnen

Gebet

Guter Gott, 

heute in diesem Gottesdienst haben wir dir in ganz besonderer Weise für alles Gute gedankt, das du uns schenkst, und jede und jeder hat eben in der Stille sicher noch ganz persönliche Dinge vor dich gebracht.

Wir wollen aber all die nicht vergessen, denen es nicht so gut geht wie uns. 

Da leben Menschen in unvorstellbaren Verhältnissen in Flüchtlingslagern oder auf der Straße: Erbarme dich.

Viele haben zu kämpfen mit Feuersbrünsten, mit Überschwemmungen, mit Hunger, Durst oder Heuschreckenplagen: Erbarme dich.

Die Pandemie hält die ganze Welt in Atem und mehr als 1 Million Menschen sind bereits gestorben, viele sind krank und haben keine ausreichende medizinische Versorgung: Erbarme dich. 

Gestern feierten wir 30 Jahre EIN Deutschland. Und doch ist von Einheit an vielen Orten wenig nur zu spüren. Vorbehalte und Abgrenzungen prägen vielerorts den Alltag: Erbarme dich.

So viel Gutes nehmen wir allzuoft als selbstverständlich, dabei ist es das gar nicht. Erbarme dich. Wandle unsere Herzen und Sinne, dass wir dich als Grund all dessen erkennen, preisen und loben und selbst zu Gebern von Gutem werden.

Alles was uns erfüllt und bewegt, bringen wir in dem Gebet zum Ausdruck, das Jesus uns gelehrt hat: 

Vaterunser 

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit. In Ewigkeit. Amen. 

Lied: „Gott beschenkt uns reich mit Gaben“ (F&L 485; T: F.PlGreen/G. Balders; M: aus Wales)

Segen

Gott segne dich und behüte dich. Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Gott erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir seinen Frieden. 

So segne uns alle Gott der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. 

Amen.

Gottesdienst am 14. So.n.Trin. – vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat

Wir zünden eine Kerze an und halten kurz inne

Eingang

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.| Psalm 103,2

Gott zu loben ist eine Wohltat für die Seele. Wenn wir uns an dem freuen, was Gott für uns tut und getan hat und ihn dafür loben, tun wir uns selbst, unsrer eigenen Seele, etwas Gutes; auch dann, wenn uns eigentlich nicht zum Loben zumute ist. 

Gebet  

Guter Gott, unser Vater im Himmel, danke für diesen Sonntag, an dem wir Dich anbeten, Dich loben und mit dir Gemeinschaft haben können. Danke, dass wir in einem Land leben, wo das möglich ist. An weitaus mehr Orten weltweit sieht die Lebenswirklichkeit anders aus, trauern Menschen, haben Angst vor der Zukunft, können die Gegenwart nicht mehr aushalten. Wir sind überreich beschenkt. Das wollen wir in Erinnerung behalten.

Danke, dass wir uns heute im Abendmahl noch mehr mit Dir und untereinander verbunden wissen. Wir wollen Deine Freundlichkeit nie vergessen. Nimm Störungen fort und öffne uns ganz, damit wir Dich mit allen Sinnen in uns aufnehmen können und Dir begegnen. Deinen großen, heiligen Namen beten wir an. 

Amen.

Lied: „Ein neuer Tag beginnt“ (NGL 147; T+M: Helga Poppe 1642)

Einleitung

Gott zu loben ist eine Wohltat für die Seele! Wenn wir uns an schönen Erlebnissen freuen und dafür Gott loben, tun wir uns selbst, unserer eigenen Seele etwas Gutes.

Dankbarkeit ist das Thema dieses Sonntags – Dank für unerwartete Gottesbegegnungen, die sich manchmal erst im Rückblick als solche erweisen; Dank für konkrete Erfahrungen; Dank dafür, von Gott geliebt zu sein. Lobe den Herrn!

Lied: „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“ (F&L 55; T: Joachim Neander 1680; M: 17.Jh.; geistl. Stralsund) 

Lesung: Psalm 146 

Halleluja! Lobe den Herrn, meine Seele! Ich will den Herrn loben, solange ich lebe, und meinem Gott lobsingen, solange ich bin. Verlasset euch nicht auf Fürsten; sie sind Menschen, die können ja nicht helfen. Denn des Menschen Geist muss davon, und er muss wieder zu Erde werden; dann sind verloren alle seine Pläne. Wohl dem, dessen Hilfe der Gott Jakobs ist, der seine Hoffnung setzt auf den Herrn, seinen Gott, der Himmel und Erde gemacht hat, das Meer und alles, was darinnen ist; der Treue hält ewiglich, der Recht schafft denen, die Gewalt leiden, der die Hungrigen speiset. Der Herr macht die Gefangenen frei. Der Herr macht die Blinden sehend. Der Herr richtet auf, die niedergeschlagen sind. Der Herr liebt die Gerechten. Der Herr behütet die Fremdlinge und erhält Waisen und Witwen; aber die Gottlosen führt er in die Irre. Der Herr ist König ewiglich, dein Gott, Zion, für und für. Halleluja!

Lied: „Ich will den Herren loben allezeit“ (F&L 93; M: Jakob Braun 1859)

Predigt – was er dir Gutes getan hat

Bis hierher haben wir Gott gelobt, ihm Dank gesagt, unser Vertrauen ausgesprochen. Lieder, Gebete, Psalmen – alles im Modus Dankbarkeit. Und es ist auch wirklich gut und wichtig, nicht zu vergessen, was Gott Gutes getan hat. Bis hierher. Und dann darauf zu vertrauen, dass Er auch weiter Gutes tun wird. Und gewiss kommt der Dank oft viel zu kurz. Die vielen Feiertage in Israel haben das bewusste Erinnern zum Zweck. Klar treffen sich auch die Familien und feiern, dass sie einander haben. Aber im Mittelpunkt steht das Erinnern und der Dank für alles, was gut war und ist. Dank ist wirklich wesentlich im Umgang mit sich selbst und anderen. 

Am Freitag bekam ich eine Danksagung für eine Beileidsbekundung. Ich hatte den Hinterbliebenen in meinem Brief erzählt, was ich alles am Verstorbenen geschätzt habe und wie kostbar mir die wenigen und doch eindrücklichen Begegnungen waren. In der Antwort nun wurde die Wertschätzung dankend erwähnt. Wie schön, so viel Dank. Und dann war da noch ein Satz. Ein Satz, der mir unter die Haut ging:

„Wie gut wäre es, wenn wir uns viel selbstverständlicher zu Lebzeiten sagen, was wir aneinander schätzen und mögen.“

Ja, wie gut wäre es. Lasst es uns tun. Lasst uns einander sagen, was wir am anderen schätzen und mögen. Das muss gar nicht viel sein. Und es braucht auch keine schönen Worte. Nur ehrlich müssen sie sein. Und das mit der Ehrlichkeit gelingt am besten, wenn wir dankbar werden, für den anderen. Danke himmlischer Vater, dass Du Lieschen Müller geschaffen hast. Du hast sie einzigartig gemacht. Lass mich das erkennen. Wäre das nicht ein schönes und mein Herz öffnendes Gebet? Ich bin mir sicher, mit Dankbarkeit im Herzen öffnen sich die Augen für die Schönheit hinter allem Äußeren. Denn wir Menschen sehen nun mal nur das Äußere. Das Innere wird nur selten sichtbar.

Der Bibeltext, über den wir heute miteinander nachdenken, erzählt von einem Mann, dessen Äußeres offenbar wenig ansprechend war. Man sah ihn nicht oder übersah ihn gern. Er war klein und er war reich. Und er hatte von diesem Wanderprediger gehört, der umherzog und die aufregendsten Dinge von Gott erzählte. Die Geschichte spielt in Jericho, einer uralten Stadt nordöstlich von Jerusalem, am Westufer des Jordans.

Lukasevangelium, Kapitel 19:

Jesus kam nach Jericho; sein Weg führte ihn mitten durch die Stadt. Zachäus, der oberste Zolleinnehmer, ein reicher Mann, wollte unbedingt sehen, wer dieser Jesus war. Aber es gelang ihm nicht, weil er klein war und die vielen Leute ihm die Sicht versperrten. Da lief er voraus und kletterte auf einen Maulbeerfeigenbaum; Jesus musste dort vorbeikommen, und Zachäus hoffte, ihn dann sehen zu können. Als Jesus an dem Baum vorüberging, schaute er hinauf und rief: „Zachäus, komm schnell herunter! Ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein.“ So schnell er konnte, stieg Zachäus vom Baum herab, und er nahm Jesus voller Freude bei sich auf. 

Wer ist dieser Mann, von dem alle Welt redet? Man hört viel Gutes aber kann man auch alles glauben? Blinde sehen, Lahme gehen, Gott liebt alle Menschen gleich? Kein Wunder, dass Zachäus wissen will, was das für einer ist. Aber was tun, wenn man zu klein ist und man ständig übersehen wird?

Das eine ist die Neugier, das Interesse, vielleicht sogar eine Art Sehnsucht. Zachäus wird davon getrieben. Bis hoch in den Baum. Immerhin ist so ein Maulbeerfeigenbaum nicht ohne. Vielleicht kann man ihn am ehesten mit einem Apfelbaum vergleichen, oder besser noch mit einer Walnuss. Also hoch auf den Baum. Dort sieht man gut, aber man wird nicht zwingend selbst gesehen. Das Blattwerk ist dicht, die Äste stark. Der Stamm ist dick. So ein Maulbeerfeigenbaum lädt zum Klettern ein, aber es gehört auch was dazu, da hoch zu kommen. 

Mich fasziniert das. Vielleicht ist er wirklich sehr klein, der Zachäus. Und gewiss hat er nicht nur Fans in der Stadt. Das ist ja bis heute so: Ein Steuerfahnder ist sicher nicht auf allen Feiern der liebste Gast. Es ist eben ein Job und der ist auch noch ziemlich öffentlich. Menschen, Personen des öffentlichen Interesses stehen immer auch stärker in der Kritik als alle anderen. Sie werden eben gesehen – zumindest solange sie öffentlich sind und das, was man sieht, bewertet man auch gleich. Und da ist es auch unerheblich, ob wir in der Bergpredigt ermahnt werden, nicht zu urteilen. Wir tun es einfach. Jeder tut es, immerzu. Und je öffentlicher ein Mensch ist, desto mehr Kritik muss er einstecken Ein Zolleinnehmer also. Und nicht nur das. Er ist der oberste aller. Er legt die Regeln fest. Und möglicherweise wirken die Regeln nicht immer fair und vielleicht sind sie es auch nicht. Freunde finden sich mit solch einem Posten jedenfalls eher schlecht. Die äußeren Bedingungen sind nicht ideal, aber Zachäus lässt sich nicht hindern. Er findet einen Weg. So, wie immer. 

Und dann kommt er. Jesus kommt am Baum vorüber und er ist nicht allein. Die Menschen ziehen mit ihm. Sie umringen ihn. Vielleicht reden sie auf ihn ein, bitten und fragen ihn. Hoffnungen und Erwartungen werden in einer enormen Geräuschkulisse umgesetzt. Wo das Auge hinblickt: Menschen. Und alle wollen was, jeder kommt mit seinen ganz eigenen Vorstellungen dorthin. Zachäus will nur mal gucken. Mit den Augen, mehr nicht. Wer ist dieser Mann? Diese Frage treibt ihn auf den Baum. 

Dieser Mann ist es tatsächlich wert, auf den Baum geklettert zu sein. Denn in all dem Wust, der Menschenmenge, inmitten all der Lautstärke hört Zachäus seinen Namen. Jesus, dieser bemerkenswerte Wanderprediger, ruft ihn. Und nicht nur das. Er will zu ihm nach Hause kommen, lädt sich selbst ein. „Ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein“ – so lauten seine Worte. Ich muss! Das ist keine Frage, das ist eine klare und eindeutige Aussage. Ich liebe so etwas. Ich liebe Klarheit. Ich muss heute in deinem Haus Gast sein. Es ist nötig – steht im griechischen Text. Es ist nötig, dass ich in deinem Haus bleibe. Bei so viel Klarheit bleibt dem Zolleinnehmer nichts übrig. Er steigt eilends herab, um mit Jesus Gemeinschaft zu haben. Gemeinschaft, die Zachäus nicht gesucht hatte. Ihm hätte ein Blick auf Jesus gereicht. Jesus aber reicht der Blick nicht. Bis heute reicht es ihm nicht, von ferne zu schauen und sich – vielleich ja, vielleicht aber auch nein – bewegen zu lassen. Jesus geht aufs Ganze und lädt sich ein. Er sucht und findet Gemeinschaft. Etwas weiter hinten im Lukasevangelium, in Kapitel 22, spricht er gar von Sehnsucht, Sehnsucht nach gemeinsamer Mahlfeier. Diese Sehnsucht ist bis heute ungebrochen. Jesus sehnt sich nach Gemeinschaft und wo Menschen sich drauf einlassen, macht er sie möglich. 

Abendmahl mit Lukas 22,14-20

Zachäus, kom schnell, heute muss ich in deinem Haus zu Gast sein… Die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Denn: 

Die Leute waren alle empört, als sie das sahen. „Wie kann er sich nur von einem solchen Sünder einladen lassen!“ sagten sie. Zachäus aber trat vor den Herrn und sagte zu ihm: „Herr, die Hälfte meines Besitzes will ich den Armen geben, und wenn ich von jemand etwas erpresst habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück.“ Da sagte Jesus zu Zachäus: „Der heutige Tag har diesem Haus Rettung gebracht. Denn“, fügte er hinzu, „dieser Mann ist doch auch ein Sohn Abrahams. Und der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.“

Es ist wie ein Reflex. Empörung macht sich breit. In der Regel wissen die Leute nichts oder nur Bruchteile der Geschichte. Aber es reicht, sich zu empören. Da hat einer was gehört, der andere gibt es weiter, die Geschichte ändert sich, wird größer, krimineller. Am Ende wurde aus einer Mücke ein Elefant. 

So ist es auch in unserer Geschichte. Die Leute sehen nur, dass Jesus mit Zachäus redet, sie hören, dass Jesus dort einkehren und Rast machen wird und sie machen sich ihren eigenen Reim. Was genau sie sagen und welche Konsequenzen sie daraus ziehen, wird nicht erzählt. Und eigentlich ist diese Empörung auch nur eine Randnotiz. Aber oft sind es genau diese Randnotizen, die wesentlich für das Verständnis sind. Hier wird deutlich: Die Zuschauer wähnen sich wertvoller als Zachäus, würdiger. Solch ein Sünder. Also wirklich. Liebe Leute, sagt uns diese Randnotiz, liebe Leute, keiner von uns ist besser oder würdiger als der andere. Unser Wert hängt weder an unserer Leistung noch an unserem Job. Unser Wert hängt auch nicht am Vermögen oder Besitz. Alles, was uns wertvoll und kostbar und damit würdig macht ist unser Sein vor Gott. Wir sind seine Geschöpfe – einer wie der andere. Ob alt oder jung, Mann oder Frau, weiß oder farbig – vor Gott sind wir alle gleich. Auch unsere Herkunft spielt keine Rolle. Höchstens vielleicht in dem Sinne: Wem viel gegeben ist, von dem wird auch viel verlangt werden. 

Aber Danke Gott, wir sind alle gleich. 

Und jetzt kommt die Wende. Der Grund zu übergroßem Erstaunen. Ohne Auftrag und ohne klärendes Vorabgespräch kommt Zachäus auf den Gedanken, sein Tun und Lassen zu prüfen. Und er stellt fest, dass er was ändern muss. Seine Entscheidungen und Pläne klingen märchenhaft. Ich halbiere mein Vermögen und gebe es den Armen. Und wo ich ungerecht und erpresserisch war, zahle ich meine Schuld vierfach zurück. Vielleicht war das alles schon von langer Hand angebahnt bis hin zum Maulbeerfeigenbaum. Vielleicht wusste Zachäus schon lange, dass er unfair handelte. Vielleicht brauchte es diese eine Begegnung mit Jesus, damit all das, was sich schon entwickelte und anbahnte Wirklichkeit werden konnte. Ich kann nur so viel sagen: Die Begegnung mit Jesus stellt alles auf den Kopf. Die Werte verschieben sich, das Ego tritt einen Schritt zurück. Ich wundere mich nicht über Zachäus. Im Gegenteil, ich halte seine Kehrtwende für eine, eigentlich die einzig schlüssige Reaktion. 

Wenn Jesus in das Leben eines Menschen kommt, verändert sich alles. Die Werte und Bezugspunkte. Was nun zählt, ist der Wille Gottes und der will immer das Wohl aller, Fairness, Gerechtigkeit, Mit-Menschlichkeit.

Gott sei Dank, Er ist zu Zachäus gekommen. Das Ergebnis: Rettung für das ganze Haus. Und Gerechtigkeit für die, die an der Ungerechtigkeit Zachäus‘ gelitten hatten.

Heute ist diesem Haus Rettung widerfahren – sagt Jesus. Interessanterweise wird mit keinem Wort Dankbarkeit erwähnt. Und das, obwohl doch dieser Sonntag unter dem großen Thema Dank steht. Wenn sich ein Menschenleben radikal verändert, wenn aus ungerechten Strukturen gerechte werden, dann ist Dankbarkeit vermutlich die einzig natürliche Reaktion. Und sie muss nicht extra erwähnt werden. 

Wenngleich: Wäre es nicht schön, wenn wir uns erzählen, was uns alles dankbar macht? Wo wir Gottes Eingreifen erlebten. An welchen großen und auch kleinen und unscheinbaren Stellen hat Gott uns staunen und dankbar werden lassen? Wenn wir es uns erzählen, dann erinnern wir uns und einander. Und daraus entsteht Dankbarkeit. Dann können vielleicht auch entsetzliche Ereignisse, wie die Zustände in Moria, überlebt werden. 

Denn wenn wir uns erinnern, wie oft Gott uns schon versorgt hat, werden wir dankbar. Vielleicht erinnerst du dich an den Moment, an dem Jesus dir das erste Mal begegnete. Was war dein Maulbeerfeigenbaum? Vielleicht ist es ja auch gerade jetzt so, dass Jesus in dein Leben hineinruft und bei dir sein will, mit dir Gemeinschaft haben möchte. Wie auch immer. Die Begegnung mit Jesus ändert alles, stellt die Werte auf den Kopf und hebt deinen Wert auf das Realmaß: Unendlich kostbar, unendlich wertvoll – jeder Mensch, auch du! Gott sei Dank!

Amen.

Stille

In der Stille sammeln wir unsere Gedanken und Gefühle, unser Hoffen und Sehnen

Lied: „Lobet den Herren, alle die ihn ehren“ (F&L 460)

Fürbitte

Lieber Vater im Himmel,

in diesem Augenblick der Stille wird unser Herz fröhlich, weil Du uns so viel Gutes geschenkt hast. Wir haben Familie und Freunde. Wir haben Glaubensgeschwister, mit denen wir uns hier treffen dürfen. Wir müssen uns nicht um Essen, Trinken, Kleidung oder ein Dach über dem Kopf sorgen. 

Bitte sei bei den vielen, vielen Menschen, die diese Sorgen jeden Tag aufs Neue haben. Wir denken in diesen Tagen ganz besonders an die Geflüchteten des abgebrannten Camps Moria auf Lesbos. Lass die Regierenden Verantwortung übernehmen und die richtigen Entscheidungen treffen, damit diesen armen Menschen geholfen wird.

Wir bitten für diejenigen, die krank, einsam oder in Trauer sind, die wegen der Pandemie beruflich keine Perspektive mehr haben. Tröste Du und stelle ihnen Menschen an die Seite, die ihnen helfen.

Alles was uns erfüllt und bewegt, bringen wir in dem Gebet zum Ausdruck, das Jesus uns gelehrt hat: 

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name.Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute Und vergib uns unsere Schuld,wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.Und führe uns nicht in Versuchung,sondern erlöse uns von dem Bösen.Denn dein ist das Reich und die Kraftund die Herrlichkeit. In Ewigkeit. Amen. 

Vaterunser

Lied: „Ein neuer Tag beginnt“ (NGL 147;T+M: Helga Poppe)

Segen

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Der allmächtige Gott, der unser Leben kennt und Wohlergehen und Frieden für uns im Sinn hat, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem Herrn. 

Amen

Gottesdienst am 13. So.n.Trin. – miteinander gesegnet

Wir zünden eine Kerze an und halten kurz inne

Eingang

„Christus spricht: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ |Mt 25,40b

Gebet  

Großer Gott, himmlischer Vater, danke für diesen neuen Tag. Danke für die Ruhe der Nacht und das Licht des neuen Tages. Danke für die Freiheit, die uns hier in Deutschland geschenkt ist. Wir sind frei, unserem Glauben Raum und Stimme zu geben. Wir sind frei, einander zu begegnen. Wir sind frei, Entscheidungen zu treffen. Wir dürfen uns äußern, dürfen dagegen sein. Danke für dieses hohe Gut. Lass uns erkennen, wie kostbar es ist. Danke, dass Sonntag ist, Zeit, dir zu begegnen, Zeit, dich zu loben. Nimm, was uns trennt von dir und schenke Begegnung mit dir. Amen.

Lied: „Gott des Himmels“ (F&L 458; T+M: Heinrich Albert 1642)

Einleitung

Der Mensch ist seines Bruders Hüter und trägt Mitverantwortung für ihn. Vielleicht bist du beim „Hüter des Bruders Sein“ direkt an Kain und Abel erinnert. Und das ist auch Absicht. Wir sind als Mensch immer auch Mitmensch und als solche mitverantwortlich für den und die neben oder vor uns. Das kann manchmal eine Last sein und dann heißt es: Teile die Last. Doch auch dann gilt das, was Jesus seinen Freunden am Ende seines irdischen Wirkens mitgegeben hat:  

„Was ihr getan habt einem von meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“

Lied: „Kommt in sein Tor“ (F&L 25; T nach Psalm 100,4 + M: Nina Lee Hopper 1974; Deutsch: Agape-Gemeinschaft, München 1988)

Lesung: Psalm 112 

Lied: „So jemand spricht“ (F&L 369; T: Christian Fürchtegott Gellert 1757; M: Bartholomäus Gesius 1605/Johann Herrmann Schein 1628)

Predigt – Miteinander

Gott schuf die Welt nicht bloß für mich, mein Nächster ist sein Kind wie ich. Diese Worte sind so gut 260 Jahre alt und haben an Aktualität nichts verloren. Im Gegenteil. Gerade die Entwicklungen in unserem Land machen es überdeutlich – es geht um mehr als um meinen eigenen Bauch. Der Nächste, das ist immer auch ein Auftrag und es gilt, selbst Nächster dem anderen zu werden. 

Wir haben in der Bibelstunde die Bergpredigt aus dem Matthäusevangelium miteinander gelesen und durchdacht und auf den einzelnen Abschnitten rumgekaut, um ihre Botschaft zu verinnerlichen. Am letzten Donnerstag war nun, neben anderen Fragen, auch die Frage nach dem Nächsten und seiner Position wieder Thema. Dieses Thema zieht sich durch. Dieses und die Frage danach, wie das mit der Liebe nochmal war. 

„Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, dass ihr einander liebt“ – diese Worte gibt Jesus seinen Jüngern in seiner Abschiedsrede mit, so überliefert es das Johannesevangelium in Kapitel 13. Das allerhöchste und alles andere erfüllende Gebot, die wichtigste Regel ist das Gebot der Liebe. Wir haben davon schon oft gehört, darüber gesprochen – miteinander und mit anderen. Und immer wieder die Frage: Wie kann das gehen? Wie ist Liebe möglich und woran erkennen wir Liebe?

Es ist meine feste Überzeugung, dass Liebe Ausdruck des Segens Gottes ist. Und als solche braucht sie selbst eine Ausdrucksform, muss begreifbar sein. Mit allen Sinnen – nicht mit allen gleichzeitig, aber trotzdem sinnlich. Sie ist sichtbar, fühlbar, du kannst sie riechen, schmecken, hören. Fallen dir noch andere Sinne ein, mit denen du Segen und damit die Liebe wahrnimmst? 

In der Apostelgeschichte wird uns eine Begebenheit erzählt, die mit Segen und Liebe zu tun hat. Apostelgeschichte 6,7-12:

Die Zahl der Jünger wuchs unaufhörlich. Allerdings wurden in dieser Zeit auch Klagen ´innerhalb der Gemeinde` laut, und zwar vonseiten der Jünger, die aus griechischsprachigen Ländern stammten. Sie waren der Meinung, dass ihre Witwen bei der täglichen Versorgung mit Lebensmitteln benachteiligt wurden, und beschwerten sich darüber bei den einheimischen Jüngern.

Da beriefen die Zwölf eine Versammlung aller Jünger ein und erklärten: »Es wäre nicht gut, wenn wir ´Apostel` uns persönlich um den Dienst der Verteilung der Lebensmittel kümmern müssten und darüber die Verkündigung von Gottes Botschaft vernachlässigen würden. Seht euch daher, liebe Geschwister, in eurer Mitte nach sieben Männern um, die einen guten Ruf haben, mit dem Heiligen Geist erfüllt sind und von Gott Weisheit und Einsicht bekommen haben. Ihnen wollen wir diese Aufgabe übertragen. Wir selbst aber werden uns weiterhin ganz auf das Gebet und den Dienst der Verkündigung des Evangeliums konzentrieren.«

Dieser Vorschlag fand allgemeine Zustimmung, und die Gemeinde wählte folgende sieben Männer aus: Stephanus, einen Mann mit einem festen Glauben und erfüllt vom Heiligen Geist, Philippus, Prochorus, Nikanor, Timon, Parmenas und Nikolaus, einen Nichtjuden aus Antiochia, der zum Judentum übergetreten war. Man ließ sie vor die Apostel treten, und die Apostel beteten für sie und legten ihnen die Hände auf.

Die Botschaft Gottes breitete sich immer weiter aus, und die Zahl der Jünger in Jerusalem stieg sprunghaft an. Auch zahlreiche Priester nahmen das Evangelium an und glaubten an Jesus.

Segen und Wachstum

Offenbar erlebte die Gemeinde reichen Segen, denn „die Zahl der Jünger wuchs unaufhörlich“. Eigentlich doch Grund zu reiner Freude und großer Dankbarkeit. Um Wachstum beten wir hier in Lesum seit Jahren und wir wissen auch, dass wir nicht bestehen können, wenn wir nicht wachsen. Das ist ein unstrittiger Zusammenhang. Und mein Sehnen und Hoffen hat sehr damit zu tun.

So ist es also sehr erfreulich, was die junge Gemeinde in Jerusalem erlebt. Wachstum ohne Ende. Menschen lassen sich von der schönsten befreienden Botschaft erreichen, die es je gab. Gott liebt dich, Gott will dich. Er sagt ja zu dir. Mit allem, was dich ausmacht. Sei es schön, sei es weniger schön. Es gibt vor Gott eben kein Groß und Klein oder Schön und Hässlich – bei Ihm sind wir alle schön, jeder und jede ist wirklich einzigartig. Das ist kein Lippenbekenntnis, sondern einfach wahr. Und es ist nicht wichtig, was deine Vergangenheit prägte, was zählt ist heute und das, was kommt. Im Philipperbrief wird das wunderschön ausgedrückt: Ich vergesse, was hinter mir liegt und schaue nur noch auf das, was vor mir ist. Egal was war, bei Gott fängst du neu an – wenn du willst. 

Diese Botschaft verbreitet sich rasend schnell und bei wirklich vielen Menschen trifft sie auf fruchtbaren Boden. Die Saat geht auf, die Gemeinde wächst. Hinzu kommt, dass die Christen einen sehr guten Ruf genossen: Sie achteten einander und in ihren Versammlungen gab es keine Standesunterschiede, alle waren auf Augenhöhe. 

Und doch: Es ist eben nicht alles eitel Sonnenschein. Wo Licht ist, ist auch Schatten und wo Menschen aufeinandertreffen, gibt es eine Menge an Konfliktpotential. Und je schneller eine Gruppe wächst, desto herausfordernder ist es, sie zusammenzuhalten. Die Apostel hatten jede Menge zu tun, auf ihren Schultern lastete große Verantwortung. Und nicht alles war genuin Aufgabe der Apostel.

Liebe und Versorgung

Offenbar gab es in der Jerusalemer Gemeinde eine gut durchdachte oder zumindest von Fürsorge geprägte Versorgungsstruktur. Und wie es scheint, trugen die Apostel die Verantwortung in diesem Dienst. Wie diese Verantwortung genau aussah, ist nur zu vermuten. Wir können annehmen, dass es eine Art diakonischen Sozialdienst gab. Die Bedürftigen kamen zur festgesetzten Zeit und wurden mit Essen versorgt. Das ist durchaus ein liebevoller Dienst – sicher nicht immer auf die gleiche Weise und mit derselben Intensität ausgeführt, aber gut gemeint und hilfreich. Es gab Leute, die sich kümmerten. 

Nun kommt es zu wahrgenommener oder auch zu tatsächlich unfairer Behandlung: Die Einheimischen werden zulasten der Zugereisten bevorzugt. Wie genau dies aussah, wird nicht erzählt. Es ist auch nicht von Bedeutung. Ebenso wenig ist es wichtig, ob diese Ungleichheit tatsächlich vorhanden war oder nicht. Es reicht, dass es sich so anfühlt. Die Witwen aus den griechischsprachigen Ländern werden bei der täglichen Versorgung benachteiligt – so lautet die Klage. Und sie wird den einheimischen Jüngern zugetragen. 

Hier eröffnet sich für mich ein großes Lernfeld: In der Regel reicht es aus, wenn ich anerkenne: Hier wird eine Ungleichheit wahrgenommen. Und dann muss sie natürlich beseitigt werden. Ich muss nicht allen Dingen auf den Grund gehen. Es macht überhaupt keinen Sinn, die Wahrnehmung zu bestreiten, nach dem Motto: Was stimmt denn mit deiner Wahrnehmung nicht? Das stößt nur ab und führt zu nichts, außer zu Verdruss. 

Und so rufen die Apostel ein Versammlung ein und beraten über die vorgetragenen Klagen. Sie beraten und beschließen neue Strukturen. 

Segen durch Struktur

Ich bin an Mose erinnert, der sich von seinem Schwiegervater in Sachen Versorgung und Beratung des Volkes Rat geben ließ. Mose war zu seiner Zeit der Einzige, der als Richter und Schlichter fungierte. Das Volk Israel war in der Wüste unterwegs Richtung Gelobtes Land. Das Land, dass ihren Vorvätern Abraham, Isaak und Jakob zugesagt worden war. Und es kommt zu Streitereien, Alltagsthemen. Viele Menschen auf einen Haufen – das gibt Probleme, immer schon. Jithro empfiehlt seinem Schwiegersohn darum, das Volk, in Gruppen aufgeteilt, von extra dazu berufenen und qualifizierten Männern anführen zu lassen. Nur noch die ganz großen Nummern wurden auf diese Weise vor Mose gebracht. Wenn du magst, dann lies mal nach: im Buch Exodus, oder auch 2. Buch Mose, Kapitel 18. Für mich ist das spannend: Schon zur Zeit, als das Volk Israel durch die Wüste zog, war Struktur unbedingt notwendig.

Nun also auch in Jerusalem, in der ersten Gemeinde. Die Apostel beraten sich und stellen fest: Unser Auftrag, unsere Berufung ist nicht die eierlegende Wollmilchsau. Wir sollen beten und die Botschaft Gottes verkündigen. Das ist explizit unser Auftrag. Wir können uns nicht um alles kümmern und dabei den vordergründigen Auftrag vernachlässigen. 

Puh, nun könnte man ja sagen, dass Diakonie Verkündigung der Botschaft Gottes ist: nämlich Liebe. Die Liebe Gottes zu allen Menschen und sein unbedingter Beziehungswille. Das ist unstrittig – für mich jedenfalls. Und wir hier in Lesum dienen immer wieder in diakonischen Projekten und Einsatzbereichen. Allein schon die Arbeit mit den Geflüchteten ist ein großes diakonisches Projekt. 

Also, Diakonie ist Verkündigung der Botschaft Gottes durch Taten. Die Apostel aber sind herausgefordert, immer neue Worte zu finden, um den Menschen diese Botschaft zu bringen. Worte und Wege für diese Worte. Sie müssen sich strukturieren. Darin liegt Segen – das jeder das macht, was er kann, wozu er begabt ist. 

Liebe Gemeinde, wählt Leute aus, die Verantwortung übernehmen. Verantwortung für bestimmte Bereiche in der Gemeinde. Seien es diakonische oder seelsorgliche Aufgaben, seien es organisatorische oder verkündende Aufgaben. Oder welche Aufgaben auch immer da sind – in der Regel sind das Aufgaben, zu denen es begabte Menschen gibt. Diese Menschen – in der Apostelgeschichte ist von Männern die Rede. Und das hatte zur damaligen Zeit großen Sinn. Denn Frauen erhielten nunmal keine oder nur unter ganz besonderen Umständen solch strukturierende, diakonische Aufgaben. Diese Menschen sollen einen guten Ruf haben und mit dem Heiligen Geist erfüllt sein und von Gott Weisheit und Einsicht empfangen haben. Das sind klare Maßstäbe. Wer in der Gemeinde Entscheidungen fällt, muss einen guten Ruf haben, der Geist Gottes muss ihn erfüllen, Weisheit und Einsicht von Gott geschenkt, gehören ebenso dazu. Dann ruht die Verantwortung auf den richtigen Schultern und der Segen wird fließen.  

Segen durch Verantwortung

Sieben Männer wurden daraufhin in Jerusalem gewählt. Sieben ist eine heilige Zahl. Aber das ist hier nicht Thema. Sieben Männer, unter ihnen Stephanus, ein Mann mit einem festen Glauben und erfüllt vom Heiligen Geist. Stephanus wird später als Märtyrer sterben – gesteinigt unter der Aufsicht des Saulus, der später zum Paulus und zum erfolgreichsten Missionar der damaligen Zeit wird. 

Die Sieben tragen die Verantwortung dafür, dass es fair zugeht in der Jerusalemer Gemeinde. Ich weiß nicht, ob es danach keine Streitereien mehr gab. Es ist nicht wahrscheinlich. Viel wahrscheinlicher ist, dass es eben immer weiter menschelt. Und Fairness liegt immer auch im Auge des Betrachters. Doch nun werden nicht mehr zuerst die damit behelligt, deren Hauptaufgabe Gebet und Verkündigung ist. Jetzt kommen andere in Verantwortung, tragen die Aufgaben miteinander. Darauf liegt großer Segen und der lässt nicht lange auf sich warten. 

Liebe und Wachstum

Die Botschaft Gottes breitete sich immer weiter aus und die Zahl der Jünger in Jerusalem wuchs sprunghaft. 

Für manche Menschen ist Struktur und Klarheit ein großes Übel, sie fühlen sich eingeengt und ihrer Freiheit beraubt. Als wir coronabedingt feste Regeln einführten, einführen mussten, war das für manche auch ein Ärgernis. Wo bleibt der gesunde Menschenverstand? Warum muss alles geregelt werden? Ich verstehe das gut und auch mir fällt es nicht immer leicht, alle diese Regeln einzusehen. Und doch stelle ich fest, dass sie auch hilfreich sind. Natürlich müssen wir sie immer wieder überprüfen. Was diese Woche noch gut und richtig ist, kann nächste Woche schon überholt sein. Aber erstmal dienen die Regeln und Strukturen dazu, das Miteinander möglich zu machen; so, dass möglichst viele dabei sein können. Denn unser Miteinander ist kostbar und wertvoll und zu schützen. Hier und in Jerusalem. Die sieben Männer haben den Auftrag, für Fairness und damit für ein gutes und gesegnetes Miteinander zu sorgen. Weil nun jeder das tut, was er kann und wozu er beauftragt ist, kommt es zu einem sprunghaften Wachstum in der Jerusalemer Gemeinde. Die Menschen werden angezogen von dem, was dort geschieht. Das Miteinander strahlt nach außen. 

Miteinander gesegnet

Struktur kann also durchaus Ausdruck von Liebe sein. Weil sie das Miteinander fördert und den Einzelnen nicht überfordert. Natürlich ist der Mensch nicht für die Struktur gemacht, sondern die Struktur für den Menschen. Aber das versteht sich hoffentlich von selbst. 

Gott schuf die Erde – strukturiert. Alles hängt voneinander ab, ist aufeinander zu geschaffen, dient einander und dem Miteinander. Schon im Anfang ist die Struktur Ausdruck des Segens Gottes, der diese Erde aus, durch und mit Liebe schuf. 

Miteinander sind wir gesegnet, miteinander leben wir den Segen, miteinander machen wir Segen und damit die Liebe Gottes sicht- und spürbar.

Amen.

Lied: „Herr, lass deine Wahrheit“ (F&L 170; T: Liselotte Corbach 1953; M: nach Wilhard Becker 1961)

Stille

In der Stille sammeln wir unsere Gedanken und Gefühle, unser Hoffen und Sehnen

Lied: „Herr, lass deine Wahrheit“ (F&L 170; T: Liselotte Corbach 1953; M: nach Wilhard Becker 1961)

Fürbitte

Ewiger Gott, Du hast diese Welt geschaffen und ihr Struktur gegeben. Struktur, die zum Leben dienen soll. Danke für den Segen, der von dir kommt. Danke für das Leben, das du gibst.

Wir können diese Struktur als segensreich erfahren, wenn wir uns darauf einlassen. Doch allzuoft erleben wir unfaire und verachtende Strukturen. Erbarme dich über uns, wo ungerechte Strukturen Leben zerstören. Erbarme dich, wo wir einander das Leben schwer machen. Erbarme dich, wo wir lieblos miteinander umgehen. 

Es gibt viel Gutes in unserem Land. Menschen, die sich für andere einsetzen, die ihre Bedürfnisse nicht als das Non plus Ultra sehen, sondern sich als Teil einer Gemeinschaft verstehen. Doch es gibt auch Menschen, die vor allem auf den Mangel schauen, den sie wahrnehmen. Erbarme dich Herr, dass auch hier wieder ein Miteinander und Gespräche auf Augenhöhe möglich werden. Gespräche, die das Wohl aller zum Ziel haben und dabei den Einzelnen nicht aus dem Blick verlieren. 

Du bist der Herr über Leben und Tod und du bist der Schöpfer der Ewigkeit. Du bist die Liebe und aus dir wird Vergebung und aufeinander zugehen möglich. Aus dir werden Neuanfänge denkbar. Erbarme dich und schenke dort, wo ungerechte Strukturen und verhärtete Fronten ein Miteinander unmöglich machen, Vergebungsbereitschaft, den Blick für das, was falsch läuft und die Fähigkeit zur Korrektur.

Sei bei denen, die einsam und voller Kummer sind, tröste sie und fülle sie ganz aus. Segne die, die voller Vermissen sind, schenke ihnen deinen Frieden. Dein Ja zu uns sei größer als alle verdrehte Struktur, deine Liebe stärker als alle Angst, dein Frieden weiter als der Hass, der sich immer wieder Bahn bricht.  

Alles was uns füllt und bewegt, bringen wir in dem Gebet zum Ausdruck, das Jesus uns gelehrt hat:

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name.Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute Und vergib uns unsere Schuld,wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.Und führe uns nicht in Versuchung,sondern erlöse uns von dem Bösen.Denn dein ist das Reich und die Kraftund die Herrlichkeit. In Ewigkeit. Amen. 

Lied: „Schalom, Schalom, der Herr segne uns“ (F&L 119;T nach einer liturgischen Vorlage + M: Gerhard Schnitter 1990)   

Segen  

So segne uns Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. 

Amen

Gottesdienst am 12. So.n.Trin. – Grundstein

Wir zünden eine Kerze an und halten kurz inne

Eingang

„Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“ | Jes 42,3

Gebet  

Großer Gott, himmlischer Vater, danke für diesen neuen Morgen. Danke für den Regen der vergangenen Tage. Deine Erde dürstet, Pflanzen, Tiere und auch Menschen – wir alle tragen Sehnen in uns und hoffen auf dich und dein Wirken. Du bist der Grund unseres Lebens, das wollen wir feiern und bitten dich, nimm von uns, was uns hindert, ganz bei dir zu sein. Löse unsere Anspannungen und schenke uns Begegnung mit dir. Amen

Lied: „Auf Seele, Gott zu loben“ (F&L 500; T: Martha Müller-Zitzke 1947; M: Johann Steuerlein 1575)

Einleitung

Die Predigt und Texte heute beschäftigen sich mit unserem Glauben. Worauf bauen wir unser Leben und welche Bedeutung hat Jesu Liebe für uns? Und welchen Einfluss lassen wir zu?

Es geht um die Frage, wie Menschen von Jesus berührt werden und sein Lob verbreiten – wie sie gemeinsam Gottes Reich aufbauen und ihn ehren.

Das alte Bild für das Reich Gottes ist vielen bekannt. Wir finden es zum Beispiel im Johannesevangelium: Blinde sehen, Taube hören, Stumme sprechen. Gott kann Augen und Ohren öffnen – für sein Wort und den Blick in die Welt. In der Begegnung mit Jesus können wir dieses Öffnen erleben. Jesus, unser Fundament, der Grund unseres Glaubens. Und so bekennen wir mit dem ersten Korintherbrief: 

„Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“

Lied: „Herr Jesus, Grundstein der Gemeinde“ (F&L 126; T: Karl Eisele, 1939; M: Langenöls 1742/bei J.S. Bach 1769)

Lesung: Psalm 147,1-6.11 

Lied: „Lobe den Herrn meine Seele“ (T:Andrea Adams Frey+Albert Frey; M: Albert Frey 2004,freyklangmedien)   

Predigt – Grundstein

In diesem Jahr habe ich im Urlaub nichts gemacht. Ich habe kein Dach gebaut – im letzten Jahr bestand mein Jahresurlaub aus Dachbau. Ich habe kein Obst eingekocht – die Ernte fiel schmal aus. Ich habe keine großen Tagestouren unternommen – es war zu heiß und ich war zu erschöpft. Ich brauchte wirklich Ruhe und die suchte und fand ich. 

Nun war es nicht so, dass ich den ganzen Tag im Bett lag und mich nicht bewegte. Nein, so war das nicht. Und Ruhe meint ja auch nicht Bewegungslosgkeit und auch nicht Antriebslosigkeit. Aber ich habe mich nicht hetzen lassen und keine Verpflichtungen angenommen. Im Wesentlichen bestanden meine Tage aus Muße und Genuss. Und aus der unbewussten Suche nach dem, was meinem Leben Grund gibt. Denn ich war wirklich abgehetzt – die letzten Monate haben mir und sicher auch Euch sehr zugesetzt. Wie sehr, das habe ich erst gemerkt, als ich in die Ruhe kam.

Ich habe gelesen – viel in der Bibel! Ich habe Bücher gelesen und ich habe gemalt. Ich habe die herrliche Natur auf mich wirken lassen, den Hornissen zugesehen, wie sie den ganzen Tag unfassbar aktiv an ihrem Reich bauten und den Wespen erlaubt, sich an meinem Essen zu bedienen. Zur Ruhe zu kommen, den Dingen auf den Grund zu gehen, war also nicht so schwer. Es war geradezu naheliegend. 

Was ist der Grund meines Lebens? Worauf baue ich alles das, was mir wichtig ist? Die Hornissen scheinen es genau zu wissen. Sie folgen einem Plan, verbinden sich miteinander, achten aufeinander. Sie bauen gemeinsam an dem, was ihnen Schutz und eine Perspektive gibt. Das beeindruckt mich. 

Was ist mein Grund, meine Perspektive? Ich habe viel Zeit in den vergangenen Wochen damit verbracht, herauszufinden, worauf ich stehe. Und ich würde gern voll Inbrunst sagen können: Das Ziel all meines Tuns ist Jesus und der Bau seines Reiches. Es wäre doch keine bescheidene Sehnsucht, so richtig tief drin zu stecken im Bau des Reiches Gottes. Oder?

Vielleicht teilst Du diese oder eine ähnliche Sehnsucht. Oder vielleicht schreckt es dich auch ab. Es könnte ja durchaus sein, dass alle diese frommen Reden vor allem Irritation und Fragezeichen auslösen. Meine vorläufige Erkenntnis lautet, dass es viele Ziele in meinem Leben gibt. Der nächste Schritt war dann die Erkenntnis, dass es erstmal nicht so sehr auf das Ziel ankommt. Oder besser und klarer ausgedrückt: Der Grund auf dem mein Leben, meine Entscheidungen, mein Streben aufgebaut sind, ist wichtiger. Denn ohne diesen Grund ist es schwer, das Ziel zu fixieren. 

Der Apostel Paulus schreibt über diesen Grund und das, was damit zu tun ist. An die Christen in Korinth schreibt er Folgendes: 

Es ist also Gottes Werk, an dem wir miteinander arbeiten, und ihr seid Gottes Ackerfeld; ihr seid Gottes Bauwerk. Weil Gott mich in seiner Gnade dazu befähigt hat, habe ich als ein kluger und umsichtiger Bauleiter das Fundament gelegt; andere bauen jetzt darauf weiter. Aber jeder soll sich sorgfältig überlegen, wie er die Arbeit fortführt.

Das Fundament ist bereits gelegt, und niemand kann je ein anderes legen. Dieses Fundament ist Jesus Christus.

Wie nun aber jemand darauf weiterbaut – ob mit Gold, Silber, Edelsteinen, Holz, Schilfrohr oder Stroh – ,das wird nicht verborgen bleiben; der Tag des Gerichts wird bei jedem ans Licht bringen, welches Material er verwendet hat. Denn im Feuer des Gerichts wird das Werk jedes Einzelnen auf seine Qualität geprüft werden.

Wenn das, was jemand auf dem Fundament aufgebaut hat, ´die Feuerprobe` besteht, wird ´Gott` ihn belohnen. Wenn es jedoch verbrennt, wird er seinen Lohn verlieren. Er selbst wird zwar gerettet werden, aber nur wie einer, der im letzten Augenblick aus dem Feuer gerissen wird.

Wisst ihr nicht, dass ihr der Tempel Gottes seid und dass Gottes Geist in eurer Mitte wohnt? Wer den Tempel Gottes zerstört, zerstört sich damit selbst, weil er Gottes Gericht über sich bringt. Denn Gottes Tempel ist heilig, und dieser heilige Tempel seid ihr.

Der Grund ist bereits gelegt und niemand kann je einen anderen legen. Jesus Christus ist dieser Grund, das Fundament, auf dem alles andere – vor allem dein Lebenshaus – gebaut wird. Und es gibt verschiedene Baumeister, viele außer dir selbst, die daran mitwirken, dass dein (und auch mein) Lebenshaus gebaut wird.

Fangen wir etwas vorher an. Die Christen in Korinth sind berühmt für ihre Konflikte. Vor allem Fragen nach dem rechten Glauben, nach Ordnung und Gesetz, nach Anstand und Moral treibt die Freunde Jesu an. Und es menschelt gar sehr in Korinth – so, wie es in allen Vereinen und regelmäßigen Zusammenkünften eben menschelt. Und da wird Schuld gesucht und gefunden – Schuld für Versäumtes, für Versagen. Und der rechte Glaube wird gesucht, solange und so intensiv, dass es zu Gruppenbildungen innerhalb der Gemeinde kommt. Da sind die einen und die anderen und wieder noch mal andere und jede Gruppe beansprucht für sich, den wahren Glauben zu besitzen, die Fragen des Lebens durchdrungen zu haben. Im Wesentlichen waren es drei Gruppen, die sich gegenseitig das Leben schwer machten und einander den Glauben zumindest infrage stellten. Die einen gehörten zu Apollos, andere hielten sich an die Lehren von Petrus und die dritte Gruppe hielt es mit Paulus. 

Das ist bis heute so. Bis heute finden sich solche Gruppenbildungen. Und die einen meinen, sie wüssten, wie es sich richtig glaubt und die anderen denken genauso. Das gehört offenbar zur menschlichen DNA. 

Dabei geht es erst in zweiter Linie oder sogar noch weiter hinten um die Frage, wer der Lehrer, in deinem Leben ist. Die erste und alles entscheidende Frage lautet: Gibt es dieses Fundament, diesen Grund in deinem Leben? Und ist dieser Grund Jesus? 

Woran erkenne ich, welcher Grund in meinem Leben liegt? Nun, ich denke, jeder muss seine eigene Antwort finden. Ich kann nur für mich antworten. Ich meine zu erkennen, dass der Grund meines Lebens Jesus ist. Immer und immer wieder frage ich nach Seinem Willen für mein Leben. Ich frage, was Er wohl tun, wie Er reagieren würde. Vor allem in schwierigen Situationen, wenn die Verzweiflung größer ist als die Hoffnung, suche ich Antwort oder wenigstens Trost bei Jesus. Ich bete, lese in der Bibel, setze mich ans Kreuz. Ich versuche, herauszufinden, wie das Reich Gottes sichtbar und erfahrbar wird – für mich und auch für andere. Dabei treibt mich die Sehnsucht nach Heilung und Heiligung im besten Sinne an. Wo Menschen heil werden, da ist Reich Gottes. Auf die Frage Johannes des Täufers, wer er sei, ob er der Messias sei, antwortet Jesus mit den berühmten und auch schon vorhin genannten Worte: Blinde sehen, Taube hören, Stumme sprechen. Reich Gottes hat also irgendwas mit Heil und Heilung zu tun. Danach sehne ich mich. 

Sind das Beweise, dass Jesus der Grund ist, auf dem ich versuche, mein Lebenshaus zu bauen? Beweise nicht. Aber es sind Indizien, Hinweise, dass es vielleicht wirklich Jesus ist, der das Fundament meines Lebens darstellt. 

Unser Text spricht von dem Baumeister, der den Grund gelegt hat. Paulus bezeichnet sich selbst als diesen Baumeister. Und er weiß, dass es allein die Weisheit Gottes ist, die ihn befähigt hat. Wer ist der Baumeister in deinem Leben gewesen? Wer waren die Baumeister, die den Grund gelegt haben? Oder vielleicht ist die Grundlegung noch in vollem Gange und du erlebst gerade, wie sich etwas Grundsätzliches in deinem Leben ereignet. 

Paulus bezeichnet sich selbst als den Baumeister, der Jesus als das Fundament in Korinth gelegt hat. Bei mir waren und sind es verschiedene Menschen, die dieses Fundament legten. Und die dafür sorgten, dass es nicht trocken und damit rissig wurde. Natürlich gibt es Risse. Lebensereignisse, Entscheidungen – so viele Dinge wirken auf das ein, was unser Grund ist. Und da ist Zweifel. Nicht an der Liebe Jesu. Das interessanterweise nie und zu keiner Zeit. Aber es gab viele und lange Zeiten, in denen mein Zweifel durch die Frage genährt wurde, ob diese Liebe auch wirklich mir galt und gilt. 

Ich habe beobachtet, dass es Fundamente gibt, die irgendwie Jesus ähneln aber nicht Jesus sind. Ein echtes Jesus-Fundament ist ein Fundament aus Liebe. Dieses Fundament hilft dir dabei, dich mit den Augen Gottes, des Schöpfers und allmächtigen Vaters zu sehen. Und diese Augen sehen deine Schönheit, deine Anmut, deine Klugheit, deine Weisheit. Sie vermitteln dir, dass du unendlich kostbar bist. So kostbar, dass dein Wohlsein mit keinem Gold der Welt zu bezahlen wäre. Es ist meine feste Überzeugung, dass mit Jesus als Fundament Herzen und Seelen heil werden. Dass Menschen anfangen, sich anzunehmen und dass sie sich lieben lernen. 

Was ist eigentlich Liebe? Das war vor kurzem bei einem Telefonat mit einer Freundin Thema. Was ist eigentlich Liebe?

Liebe, so denke ich, äußert sich je unterschiedlich. Und sie fühlt sich auch immerzu anders an. Liebe ist vielleicht heute eher nüchtern und dafür morgen voller Emotionen. Und doch ist es beide Male Liebe. Was ist Liebe? Der Apostel Paulus schreibt sehr viel weiter hinten in seinem Brief an die Christen in Korinth, wie die Liebe ist. Langmütig, großzügig, strebt nicht nach Vergeltung, trägt das Böse nicht nach. Das alles und noch so viel mehr erzählt er über die Liebe. Und man kann Paulus alles mögliche unterstellen. Aber gewiss nicht, dass er ein verträumter, idealistischer Romantiker war. Im Gegenteil. Wenn er so von der Liebe schreibt – und ich empfehle dir: Lies mal Kapitel 13 im ersten Brief an die Christen in Korinth – dann erzählt er von der Sehnsucht der Menschen, vielleicht auch von seiner eigenen Sehnsucht. Er erzählt und schreibt davon, wie gesunde Liebe aussieht. Und es sind großartige und heilsame Bilder, die er mit seinen Worten malt. Diese Liebe lässt sich wirklich erleben, wenn das Fundament unseres Lebens Jesus ist. 

Das Fundament ist also gelegt und ich wünsche mir und dir sehr, dass Jesus dieses Fundament ist. Was nun auf deinem Fundament gebaut wird, ist deine Aufgabe. Auch hier ist Paulus klar und deutlich. Du kannst nicht anderen oder den Umständen die Verantwortung für dein Lebenshaus überlassen. Du bist gefragt, du baust und andere bauen mit. Wie viel sie mitbauen, das ist deine Entscheidung. Du entscheidest, wie viel Verantwortung du abgibst und wie viel du übernimmst. 

Wie du baust und welche Materialen du verwendest – es ist jedes Mal deine Entscheidung. Paulus führt hier die unterschiedlichsten Materialien an: Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Schilfrohr oder Stroh. Und am Ende wird sich zeigen, wie stabil das alles ist. 

Aber – und das ist für mich DIE gute Nachricht schlechthin: Vielleicht ist unser Haus brüchig. Das Fundament ist zwar stabil, aber die Wände und die Decke sind nicht vom Besten, sondern eher zusammengezimmert, irgendwie. Und irgendwann bricht vielleicht alles zusammen. Selbst wenn das so ist, wenn alles zusammenbricht, wenn deine Ideen und Träume den Bach runtergehen ober, wie in unserem Text, verbrennen, du bleibst bestehen, weil dein Fundament Jesus ist. Deinen Lohn wirst du vielleicht verlieren, aber du wirst gerettet, du wirst dennoch und immer zu Jesus gehören. Denn dieses Fundament macht dich heilig. Wie ein Tempel ein heiliger Ort ist, so bist auch du ein heiliger Raum. 

Wer hat dein Fundament gelegt? Vielleicht ist jetzt der Moment, Gott dafür zu danken. 

Ich habe im Urlaub nichts getan – außer mein Fundament zu überprüfen. Das war kein willentlicher Akt, und ich wünschte, ich könnte etwas anderes behaupten. Aber es war dran und wurde mir geschenkt. Zur Ruhe kommen, runterfahren, nachspüren, kauen, schmecken und beten, was da in mir ist. Lesen, malen, reden, hören, Radfahren, Muße, das Leben feiern und feststellen: Der Grund, das Fundament meines Lebens ist Jesus, und ein anderer Grund kann nicht gelegt werden. Für das, was drauf gebaut wird, bin ich verantwortlich. Und ich darf mich dabei begleiten, ermutigen, trösten, aufbauen lassen und so vieles mehr. Aber die Verantwortung trage ich. Gott sei Dank dafür. 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem Herrn. Amen

Stille

In der Stille sammeln wir unsere Gedanken und Gefühle, unser Hoffen und Sehnen

Lied: „Wir haben Gottes Spuren festgestellt“ (F&L 441; T: Michael Scouarnec 1973; M: Jo Akepsimas 1973)

Fürbitte

Du bist unser Grundstein unserer Gemeinde, du bist Liebe und Trost. Vater erbarme dich! Du tust Wunder, du heilst Kranke, du liebst uns Menschen und führst uns zusammen. Du bist treu Gott – und begleitest uns täglich. Vater erbarme dich – wir bitten dich! Heile zerbrochene Herzen, begleite unsere Kinder in ihre Zukunft, segne die Alten und gib ihnen die Ruhe nach der sie sich sehnen und die sie brauchen. Du bist Trost und Quelle des Lebens. Vater erbarme dich –  wir bitten dich! Sei bei den Unruhigen und Rastlosen. Vor dich bringen wir alle Katastrophen: Stürme, Überflutungen, Kriege und Krankheiten. Vater erbarme dich. Wir bitten dich um Verständnis Freunden gegenüber, wir bitten dich um Geduld im hektischen Alltag, wir bitten dich um Liebe im Unmut, heilender Vater hab Dank für deine treue und aufrichtige Liebe.

Alles Sehnen, alle Hoffnung, alle Gedanken und Gefühle sammeln wir in dem Gebet, das Jesus uns gelehrt hat:

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name.Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute Und vergib uns unsere Schuld,wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.Und führe uns nicht in Versuchung,sondern erlöse uns von dem Bösen.Denn dein ist das Reich und die Kraftund die Herrlichkeit. In Ewigkeit. Amen. 

Lied: „Schalom, Schalom, der Friede sei mit dir“ (F&L 111; T + M:Gisela Steil 1988)   

Segen  

Jesus, der Grundstein unseres Lebens, schenke uns immer wieder Mut und Inspiration, Liebe und Hoffnung, damit wir unser Lebenshaus auf ihm bauen. Er fülle uns ganz aus mit dem, was wir benötigen für alles Alltägliche und auch das Besondere. Er schenke uns dieWahrnehmung für das Gute in unserem Leben und mache uns dankbar. 

So segne uns Gott, der Vater in Jesus Christus, seinem Sohn, unserem Freund und Retter, durch den Heiligen Geist, der uns den Weg weist und uns mit Seinem Frieden erfüllt. 

Amen

Gottesdienst am 8. So.n.Trin. – vom Warum zum Wozu

Wir zünden eine Kerze an und halten kurz inne

Eingang

Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.|Eph 5,8b.9

Gebet                                                                                                                                               

Großer Gott, allmächtiger Vater, danke für diesen Sommermorgen. Danke für die Freiheit, dich anzubeten und für die Möglichkeit, auf dich zu hören. Vieles treibt uns um in diesen Tagen, manches davon betrifft uns persönlich. Wir legen vor dir ab, was uns hindert, ganz bei uns und bei dir zu sein und bitten dich: Segne uns, schenke uns Begegnung mit dir. Amen.

Lied: „Geh aus mein Herz“ (F&L 493; T+M: Paul Gerhard 1653) 

Einleitung                                                      

Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

Paulus ermuntert uns, Lichtquellen für andere zu werden. Lichter zu sein, die Orientierung geben, die Wärme ausstrahlen und Sicherheit schenken. Licht hilft uns, unseren Weg sicher zu gehen. Licht hilft, dass die Seele aufatmen kann. 

Lebt als Kinder des Lichts. Wie wäre das, wenn wir heute für einen anderen Menschen zu einer Lichtquelle werden könnten? Wenn wir in die gefühlte Dunkelheit des Lebens hineinleuchten – und das, auch wenn mittags die Sonne scheint?

Die Frucht des Lichts ist Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit – das wäre schön, wenn mein Leben davon etwas ausstrahlen könnte. Nicht nur am Sonntag; auch beim Gespräch mit meinem Nachbarn, beim Umgang mit der Kassiererin und wenn ich mit meiner Familie zu tun habe. Denn was ich tue oder unterlasse, was ich sage und plane, ist nicht gleichgültig. Wer vom Glauben an Jesus angesteckt ist, der weiß: Ich bin verantwortlich. Mein Leben kann etwas verändern.

Lied: „Dir, Gott, sei die Ehre“ (F&L 3; T+M aus Lateinamerika, Deutsch: Hartmut Handt 1997)

Lesung: Psalm 115,1.11-18 

Lied: „Herr Jesus, öffne uns die Ohren“ (F&L 103; T+M: Jan Mattsson 1988/1991)  

Predigt – vom Warum zum Wozu

Kennst du diese Menschen, denen einfach alles gelingt? Und wenn etwas mal nicht gelingt, dann wirft sie das nicht aus der Bahn. Im Gegenteil, es spornt sie geradezu an. Nach dem Motto: Jetzt erst recht! Ich kenne sie und sie beeindrucken mich, denn sie leuchten. Sie haben etwas an sich, das ganz besonders ist. 

Und dann gibt es Menschen, denen geht vieles schief. Immer wieder misslingen dieselben Dinge. Die Vergangenheit scheint sich zu wiederholen. So, als wäre jeden Tag „Murmeltiertag“. Das belastet, raubt den vorletzten und auch den letzten Nerv. Warum immer ich? Warum passiert das immer mir? Solche Fragen drängen sich dann auf; eine Antwort darauf kann es nicht geben. 

Das Warum fragt immer nach der Vergangenheit und möglicher Schuld. Diese Frage führt aber eigentlich zu nichts.  

Fragen nach dem Warum und der Schuld stellen auch die Menschen in der Bibel immer wieder. So auch die Jünger Jesu. Johannes erzählt in seinem Evangelium in Kapitel 9 folgende Geschichte: 

            Im Vorbeigehen sah Jesus einen Mann, der von Geburt an blind war. Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat Schuld auf sich geladen, sodass er blind geboren wurde – dieser Mann oder seine Eltern?

Jesus antwortete: Weder er selbst hat Schuld auf sich geladen, noch seine Eltern. Er ist nur deshalb blind, damit das Handeln Gottes an ihm sichtbar wird. Wir müssen die Taten vollbringen, mit denen Gott mich beauftragt hat, solange es noch Tag ist. Es kommt eine Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht für diese Welt.

Nachdem er das gesagt hatte, spuckte er auf den Boden. Aus dem Speichel machte er einen Brei und strich ihn dem Blinden auf die Augen. Dann sagte er ihm: Geh und wasche dich im Wasserbecken von Schiloach! (Schiloach heißt übersetzt „der Abgesandte.) Der Mann ging dorthin und wusch sich. Als er zurückkam, konnte er sehen. 

Wer hat Schuld auf sich geladen? fragen die Jünger Jesus. Warum ist er blind? 

Warum, diese Frage drängt sich auf. Sie gehört zu uns und sehr sehr oft frage ich mich und andere: Warum? Warum hast du dies gemacht, warum habe ich sowas erlebt, warum passiert das ausgerechnet immer mir? Das Problem an der Frage ist, dass sie sich zumeist mit der Vergangenheit beschäftigt und vor allem: Das sie dann auch meistens in der Vergangenheit verweilt, nicht wieder rauskommt um weiterzugehen. 

Nicht dass wir uns missverstehen. Ich finde die Beschäftigung mit der Vergangenheit wichtig. Aber nur, wenn aus dem Warum ein Wozu entwickelt wird. Und manches „Warum“ kann man eigentlich auch knicken, sich sparen. 

Sicher ist es interessant, die Ursache für manche Not und manches Leid zu erfahren. Wenn die Motivation für die Ursachenforschung gut und richtig ist. Wenn ich also einer Sache auf die Spur gehe, um dann die Gegenwart zu verändern, die Grundlage für die Zukunft ist. So habe ich im Übrigen meine Therapie erlebt: Wir forschten in der Vergangenheit, um meine Gegenwart zu verstehen und mich für die Zukunft fit zu machen.  

Der Frage seiner Jünger begegnet Jesus mit einer Zurückweisung. Freundlich aber klar: Es geht nicht um die Frage, wer schuld ist. Niemand ist schuld an der Blindheit des Mannes. Er ist eben blind. Sicher könnte man heute die Frage nach der Ursache medizinwissenschaftlich beantworten oder den Genpool untersuchen und so Rückschlüsse ziehen. Jesus aber will etwas ganz anderes. Er will die Fragestellung seiner Freunde verändern und damit auch ihre Grundhaltung. Die weiterführende Frage lautet: Wozu? Gibt es irgendeinen Sinn? 

Blicken wir einen Moment weg von dem Blinden auf unsere eigenen Geschicke: Wo sind bei dir die Fragen nach dem Warum sehr laut und vordergründig? Wo bist du manches Mal vielleicht beinahe verzweifelt und fragst dich, warum immer dir diese Dinge passieren? 

Diese Frage steckt in uns. Wir wollen Ursachen und Gründe finden und das ist auch nicht verkehrt. Doch wenn du auf dein Leben und deine Fragen schaust: Wie oft hat dich die Warum-Frage, die Frage, wer schuld ist, weitergebracht? In den seltensten Fällen ist das so. Eigentlich lässt uns diese Frage eher verharren. Die Gegenwart verschwimmt mit der Vergangenheit und wir drehen uns im Kreis.

Im Brief an die Christen in Philippi finden wir folgenden Vers: „Ich vergesse, was hinter mir liegt und streckt mich aus nach dem, was vor mir ist.“ (Phil 3,13b) Der Autor weiß, dass er die Vergangenheit nicht ändern kann. Er kann damit nur Frieden machen, loslassen. Am besten gelingt das, indem ich neu frage: Wozu ist geschehen, was geschehen ist? Was lerne ich daraus?

Was lerne ich aus dem, was mich verletzt? Was lerne ich aus dem, was andere als verletzend wahrgenommen haben? Was lerne ich aus Entwicklungen, die schädlich sind? Was lerne ich aus Reaktionen – meinen eigenen und den Reaktionen anderer? 

Diese Frage muss ich einüben. Sie ist mir nicht automatisch gegeben. Im Gegenteil: Das Warum drängt sich auf. Aber das Wozu ändert meine Blickrichtung – von hinter mich nach vor mich. 

An den Tiefpunkten meines Lebens, wenn die Warum-Frage übermächtig zu werden droht, erlebe ich Gott, den himmlischen Vater, als den, der mir hilft, den Blick nach vorn zu richten. Was vergangen ist, ist vergangen, ich muss daran nicht festhalten, ich darf loslassen. Ich vergesse, was hinter mir liegt und strecke mich aus nach dem, was vor mir liegt.  

Damit wir uns nicht missverstehen. Es gibt Dinge, Ereignisse, deren Ursache muss erforscht und Schuld beim Namen genannt werden. Es gibt unerträgliches Leid, das Menschen über Menschen bringen. Es gibt unfassbare Entscheidungen, die Menschen treffen und damit sich, anderen und unserer Welt nachhaltig schaden. Aber diese Frage steht in unserem Text nicht im Raum. Es geht nicht um Verbrechen, die geahndet werden müssen. Es geht eher um die Vermutung eines Tun-Ergehen-Zusammenhangs in der alltäglichen Dimension. Eine Beziehung zerbricht oder eine Erkrankung reißt uns aus dem Alltag. Eine Gemeinschaft zerreibt sich an der immer wiederkehrenden Frage, wer Recht hat, was die Wahrheit ist. 

Wir kennen das und ähnliches vermutlich alle. Entweder haben wir es persönlich erlebt oder wir kennen Menschen, die solches erfahren haben. Wer dann in der Warum-Frage steckenbleibt, schadet sich. Denn der Blick nach vorn ist verbaut vom Blick in die Vergangenheit. 

Ganz konkret: Als meine Ehe scheiterte suchte ich natürlich nach dem Schuldigen. Diese Frage wird bei Scheidungen vor Gericht im Übrigen nicht mehr gestellt. Und das ist auch gut so. Denn in den meisten Fällen gibt es nicht den eindeutig Schuldigen, nicht die eindeutig Schuldige. Es ist in der Regel ein Konglomerat an Unvermögen, Kommunikationsstörung und auch Unwillen. Für mich war es sehr heilsam zu lernen, dass ich nicht nach der Schuld fragen sollte, sondern den Weg in die Zukunft wählen. 

Was lerne ich aus dem Scheitern meiner Ehe? Was lerne ich über mich? Was lerne ich über meine Fähigkeit, Beziehungen einzugehen? Wozu kann mir das alles dienen? 

Und so fordert Jesus seine Jünger auch auf, nicht nach der Schuld zu fragen. Niemand hat schuld – so antwortet er. Und weiter: Er ist nur blind, damit Gottes Handeln an ihm sichtbar wird. Die Heilung des Blindgeborenen ist auch so erstaunlich, dass sich das ganze neunte Kapitel im Johannesevangelium noch mit den Reaktionen der Umwelt darauf beschäftigt. Es ist spannend, beinahe wie ein Krimi. Die Eltern werden verhört: War es wirklich ein blindes Baby? Der Geheilte wird befragt: Wer hat dich geheilt? Und dann noch: Am Sabbat? Unverschämtheit! Wie kann er es wagen. Und doch auch die Frage der Sehenden an Jesus, was das alles zu bedeuten habe. Und seine Antwort: Dass die Sehenden die eigentlich Blinden sind. Ja, es liest sich wie ein Krimi. So spannend, das ich einen Vers lange Zeit übersehen, überlesen habe. Jesus sagt: 

Wir müssen die Taten vollbringen, mit denen Gott mich beauftragt hat, solange es noch Tag ist. Es kommt eine Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann.

Solange es noch Tag ist. Das bedeutet: Haltet euch nicht mit der Vergangenheit auf. Jetzt ist die Zeit, die Dinge zu tun, die dran sind. Jetzt ist die Zeit, nach vorn zu blicken. Lass los und handle nach dem Willen Gottes, erfülle seinen Auftrag. Und der lautet nicht, in der Vergangenheit zu kramen und herauszufinden, wer wann was zu wem gesagt und sich damit schuldig gemacht hat. 

Sein Auftrag ist klar: Die Liebe Gottes zu den Menschen bringen, in Wort und Tat. 

Wer sich immer nur mit der Suche nach der einen, und ich behaupte mal, der eigenen Wahrheit beschäftigt, vergisst zu leben und zu lieben. Und nochmal: Ich meine damit nicht, dass verbrecherische Schuld nicht beim Namen genannt werden muss. Im Gegenteil, das muss bis ins letzte Detail geklärt werden. 

Aber hier geht es um das, was uns im Alltag begegnet: alltägliche Verletzungen und Irritationen, alltägliches Scheitern. Dann sollte die Frage nicht sein: Warum immer ich?, sondern: Wozu das Ganze?

Wenn wir erkennbar sind an unserer Liebe, unserem Reden und Tun, wenn wir leuchten, dann tritt die Frage nach der Schuld in den Hintergrund. Was zählt ist das, was ist und sein kann. 

Es ist meine feste Überzeugung, dass diese Menschen, von denen ich anfangs sprach, darum Gelingen erleben, weil sie in der Frage nach dem Warum, nach der Schuld nicht stehen bleiben. Sie fragen nach dem Wozu und was sie daraus und dann versuchen sie es und leben. 

Und im Vertrauen auf Jesus leuchten wir dabei sogar. Denn wir müssen die Frage nach der Schuld nicht beantworten. Wer ist schuld, die oder ich? Die Frage stellt sich vor Gott nicht, denn er vergibt unsere Schuld und hilft uns, denen zu vergeben, die an uns schuldig wurden. Und so tragen wir dieses Licht in uns, von dem Jesus an verschiedenen Stellen redet; sehr prominent am Anfang der sogenannten Bergpredigt. Im Matthäusevangelium, Kapitel 5 heißt es: 

            Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt. 

Salz und Licht sind immer in der Gegenwart wirksam. In der Vergangenheit ist es höchstens eine Erinnerung. Erinnerungen sind kostbar, aber das Leben findet jetzt statt und der Auftrag Gottes gilt heute, hier und jetzt. Erzählt allen Menschen von der Liebe Gottes. Erzähle ihnen, was Gott in deinem Leben getan hat. Wie er dich frei und heil gemacht hat. Das ist der Auftrag, den wir zu erfüllen haben, solange noch Tag ist. 

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus unserem Herrn. 

Amen 

Stille

In der Stille sammeln wir unsere Gedanken und Gefühle, unser Hoffen und Sehnen

Lied: „Ich will beten, Gott wird hören“ (F&L 75; T: Gottfried Gottschling 1720, M: 15. Jh.)

Fürbitte           

Licht der Welt, lebendiger Gott. Wir beten dich an. Du öffnest uns die Augen für deine Wunder. Du füllst unsere Herzen mit Freude und Licht. Du tröstest und befreist.

Licht der Welt, lebendiger Gott. Der Sommer ist voller Wärme und Licht. Wir bitten dich für alle, die Erholung und Urlaub suchen und für alle, denen das nicht möglich ist besonders in diesen schwierigen Zeiten der Pandemie.

Licht der Welt, lebendiger Gott. Krieg und Gewalt verdunkeln in vielen Ländern das Leben. Wir bitten dich für alle Länder, in denen die Menschen in Angst vor dem nächsten Morgen leben. Für die Verschleppten. Für die Flüchtlinge. Schaffe Frieden und vertreibe mit deiner Gegenwart den Hass.

Licht der Welt, lebendiger Gott. Macht und Einfluss versperren den Blick auf dein Wirken. Wir bitten dich für die Regierenden und Mächtigen. Wir bitten für alle, die über andere bestimmen können. Schaffe Gerechtigkeit.

Licht der Welt, lebendiger Gott. Wir bitten dich für alle, die dein Wort verkündigen; für Gemeinden, die sich um die Zukunft sorgen, für Christen, die bedrängt werden und in Angst leben. Gib Zuversicht und Mut.

Licht der Welt, lebendiger Gott. Du machst das Leben hell. Strahle über den Kranken, Einsamen und Sterbenden auf. Gib deinen Schein in die Herzen aller, die wir lieben. Wir loben dich und bitten:

Spare nicht mit deinen Wundern heute und alle Tage bis zum Ende der Welt.

Alles Sehnen, alle Hoffnung, alle Gedanken und Gefühle sammeln wir in dem Gebet, das Jesus uns gelehrt hat:

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name.Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute Und vergib uns unsere Schuld,wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit. In Ewigkeit. Amen. 

Lied: „Sonne der Gerechtigkeit“ (F&L 164; T: div. 18.+19.Jh., M: Böhmen 1467) 

Segen                                                                                                                                                           

Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, die Ewige, die war und ist und sein wird. Der unser Herz stärkt, unseren Willen stählt und die Bereitschaft in uns weckt einander zu vergeben und immer wieder neu anzufangen. Amen

Gottesdienst am 7. So.n.Trin. – Gemeinschaft und Teilen

Wir zünden eine Kerze an und halten kurz inne

Eingang                                                                                                                                             

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.|Eph 2,19

Gebet                                                                                                                                               

Großer Gott, himmlischer Vater, wir dürfen Papa zu dir sagen, weil wir deine Kinder sind. Deine Hausgenossen. Welch großes Wunder, welch Geschenk! Danke dafür, danke für deine übergroße Barmherzigkeit, deine Liebe, die uns befähigt, Liebende und Barmherzige zu sein. 

Wir wollen Gottesdienst feiern, in deinem Namen. Wir bitten dich, nimm unser Lob an, nimm unsere Gebete, unsere Lieder, unsere Worte und unser Schweigen als Lob und Dank. 

Wir legen ab vor dir, was uns hindert, ganz bei dir zu sein und bitten dich: Erfülle uns, unsere Herzen, unsere Sinne und unseren Verstand mit deinem Geist. 

Amen.

Lied: „Wenn ich erwache“ (F&L 407; T+M: Gerhard Schnitter 1999)

Einleitung                                                      

Die Sommerferien laufen, die Sonne scheint. Wir dürfen wieder ein bisschen über Gemeinschaft nachdenken. Das tun wir in diesem Gottesdienst. Heute ist  der 7. Sonntag nach Trinitatis. 

Und das Thema ist: Gemeinschaft und teilen; barmherzig sein, gastfreundlich sein!

Gemeinschaft: Was bedeutet das für mich? Was erwarte ich? Und wo habe ich Gemeinschaft?

Mein erster Gedanke galt der  Gemeinde, den Geschwistern. Doch ich erlebe Gemeinschaft in vielen anderen Kreisen. Zum Beispiel beim Sport, in der Nachbarschaft, beim Musizieren, beim Tanzen, im Freundeskreis außerhalb der Gemeinde, in der Familie.

Gemeinschaft bedeutet: Nicht irgendwo allein rumsitzen. Es ist ein offener Kreis. Ich sehne mich nach Freundschaft und Liebe in einer Gemeinschaft! Ein Geben und Nehmen. Es bedeutet: Frieden, Freundlichkeit,  Harmonie, Geborgenheit! Sich auszutauschen, verschiedener Meinung sein. Vertrauen zueinander haben. Dem Anderen zuhören beziehungsweise, dass mir zugehört wird und nicht sofort eine Antwort lossprudelt! Angenommen und ernstgenommen sein. Gastfreundlich sein, miteinander teilen, denken und fühlen. Fröhlich und traurig miteinander sein. All diese Wünsche und Erwartungen habe ich an eine Gemeinschaft.

Ich bin gespannt, was sich im Lauf des Gottesdienstes entwickeln wird. 

Ich wünsche uns und mir, dass wir Gemeinschaft und Gastfreundschaft leben und erleben. Gott wird uns beschenken!

Lied: „Komm, sag es allen weiter“ (F&L 299; T: Friedrich Walz 1964; M: Spiritual) 

Lesung: Psalm 107 

Lied: „Seid fröhlich in der Hoffnung“ (F&L 177 T+M: Diethelm Strauch 1990) 

Predigt Gemeinschaft und Teilen

Ich bin schon oft gefragt worden, ob und wie die Predigttexte der einzelnen Sonntage zusammenhängen. Und meine Antwort lautet immer gleich: Die sogenannten Perikopentexte – das sind herausgenommene Texte – perikopé ist griechisch und bedeutet „rings umhauenes Stück“. Diese Texte korrespondieren tatsächlich miteinander. Sie bauen sogar aufeinander auf. Und das so, dass sie auch allein stehen können. Besonders deutlich wird es, wenn wir uns den Predigttext des vergangenen Sonntags in Erinnerung rufen – es ging um Liebe und Treue – und ihn mit den Text für heute vergleichen. Es geht – richtig, wieder um Liebe. Allerdings geht es dieses Mal um die Auswirkung, das Sichtbarwerden der Liebe. In der letzten Woche wurde deutlich, dass Liebe immer einen Ausdruck braucht. Sie muss sichtbar werden, sich zeigen. Auch heute geht es um Liebe. Als Erweiterung oder Vertiefung zum Thema der vergangenen Woche gewissermaßen. Liebe braucht eine Möglichkeit, sich zu zeigen und zu entfalten. 

Warum rede ich so oft über dieses eine Thema? Zum einen, weil es wirklich das große Thema der Bibel ist, das sich durch alles hindurchzieht. Und es ist in diesem Jahr durch die Predigttexte immer wieder vorgegebenes Thema. Zum anderen, weil wir uns immer wieder erinnern müssen, was wirklich wichtig ist. Unser Alltag, unsere Gefühle, Erlebtes und Erlittenes können uns sehr schnell ablenken und vereinnahmen. Das ist keine neue Erscheinung. Im Gegenteil. Die Christen der zweiten und dritten Generation kannten das auch schon. Briefe, die uns in der Bibel erhalten sind, zeugen davon. 

Der Hebräerbrief, aus dem der heutige Predigttext stammt, ist hauptsächlich verfasst worden, um die Christen zu ermutigen und ihnen in Erinnerung zu rufen, worum es in einem Leben in der Nachfolge geht. 

Wer der Verfasser ist, ist unklar und auch die Adressaten sind nicht eindeutig einzuordnen. Deutlich ist nur: Das Leben als Christ und in einer christlichen Gemeinde unterliegt Schwankungen. Und Abnutzung und Ermüdungserscheinungen gehören einfach dazu. Was wir brauchen sind Erinnerung, Ermutigung und klare Worte. 

Lesen wir Kapitel 13, Verse 1-3:

Die Liebe zu den Geschwistern bleibe! Vergesst die Fremdenliebe nicht. Denn dadurch haben einige, ohne es zu wissen, Engel bei sich aufgenommen. Denkt an die Gefangenen wie Mitgefesselte. Habt Mitgefühl mit den Misshandelten, als wäre es euer Körper, dem die Schmerzen zugefügt werden.

Die Liebe zu den Geschwistern bleibe!

Offenbar ist es nicht selbstverständlich. Die Liebe zu den Geschwistern soll erhalten bleiben. So werden die ersten Hörer und auch wir erinnert. Liebe ist flüchtig. Sie ist abhängig von äußeren Umständen, von Gefühlen der Zuneigung oder eben der Abwehr. Und gerade damals, in den ersten Generationen der Christen war es manchmal eher schwierig, dem anderen liebend zu begegnen. Verfolgung, Denunziation – das ist durchaus Alltag in der damaligen Welt. Wo Denunziation an der Tagesordnung ist, ist Vertrauen nur schwer möglich. Doch Vertrauen gehört zu den Grundlagen einer funktionierenden und einander stärkenden Gemeinschaft. Damals wie heute. Als der Hebräerbrief verfasst wird gilt in der allgemeinen und auch in der politischen Wahrnehmung: Wer dieser neuen dubiosen Sekte angehört ist gefährlich. Und auch innerhalb der jungen Gemeinden ist es schwierig: Es gibt Streit und Zerwürfnisse. Man spricht sich gegenseitig den Glauben ab. Irgendwie ziemlich vertraut – oder? Auch wenn wir in unserer Gemeinde schon lange keinen Streit in dieser Dimension hatten – himmlischer Friede und bleibende Liebe ist Zukunftshoffnung. Und wer anders lebt, als wir es immer schon kannten, ist zumindest einen prüfenden Blick mehr wert. Alles, was neu oder anders ist, kann auch bedrohlich wirken. Wie soll man da offen und liebend aufeinander zugehen? Wie kann die Liebe bleiben?

Dem anderen liebend zu begegnen bedeutet, ihm Vertrauen zu schenken. Einen Vertrauensvorschuss. Auch wenn meine Erfahrungen nicht immer gut sind, ich Verrat und üble Nachrede erlebe: Vertrauen ist wichtig. Manchmal auch gegen die eigenen Erfahrungen. Denn Liebe braucht immer Vertrauen. Auch die Freundes- oder Geschwisterliebe. Im Griechischen steht hier: Philadelphia (??????????) – das meint Bruderliebe, eine besonders enge Beziehung, die sich nicht auf Anziehung oder gar Erotik gründet. Christen sind Kinder Gottes. Und als Kinder Gottes sind sie Geschwister im Glauben an Gott. Darum ist es folgerichtig, wenn wir aufgefordert werden, in dieser Liebe zu bleiben, in der Liebe zu unseren Geschwistern im Glauben. Dass das nicht immer einfach ist, ist klar. 

Wir sind Menschen und als solche immer und immer wieder unseren Eigeninteressen unterworfen. In jeder Familie und in jedem Freundeskreis kennen wir diese Phänomene. Was eben noch super funktionierte, kann im nächsten Moment schon problematisch sein. Ein Wort ergibt das nächste und schon kochen die Emotionen hoch. Es wird hitzig, von Liebe keine Spur. Das bestreitet auch der Hebräerbrief nicht. Sondern im Gegenteil. Der Hebräerbrief ist für Klarheit und wir werden ermutigt und aufgefordert, über all dem Eigenen auch den Anderen wahrzunehmen. Ja, meine Interessen sind da und vermutlich sind sie sogar hier und da berechtigt. Ebenso wie die Interessen des anderen. Und das, was mir wehtut und mich verletzt war für den anderen vielleicht nur eine Lappalie oder eine Unachtsamkeit. Und umgekehrt. Über all diesen Irrungen und Wirrungen sollen wir lieben. Mit geschwisterlicher Liebe. Und die muss sich irgendwie zeigen. 

Wie diese Liebe sich zeigt? Ich glaube, jede und jeder hat dazu eigene Antworten. Nur eines sollte immer klar sein: Liebe ist selbstlos. Ihr Zweck ist Freiheit und Heil für den anderen, für den, der geliebt wird. Liebe, die weder in die Freiheit führt noch heilsam ist, ist keine Liebe.

Nun ist es eine Sache, den Freund, den Bruder oder die Schwester im Glauben, liebend anzunehmen. Eine ganz andere Sache ist der Fremde. Der, den ich nicht kenne. Dessen Lebensweise nicht die meine ist, sich vielleicht sogar ganz unterscheidet von allem, was ich kenne und schätze und für richtig befunden habe. In unseren Bibelübersetzungen steht hier in der Regel das Wort Gastfreundschaft. Und darunter können wir uns sicher schon eher etwas vorstellen. Die berühmteste und auch prägendste Geschichte, die die Bibel zum Thema Gastfreundschaft erzählt, ist die Geschichte von Abraham, der „drei Männern auf der Durchreise“ ein Festmahl bereiten lässt und sich jede Menge Zeit für sie nimmt. Nachzulesen im ersten Buch Mose, Kapitel 18: 

Drei Männer sind auf der Durchreise. Abraham kennt sie nicht. Sie kommen lediglich an seinem Lager vorbei, passieren sein Zelt. Und Abraham lädt sie ein, ja er nötigt sie geradezu, zu verweilen, sich zu erholen, neue Kraft zu schöpfen. 

Angst vor dem Fremden? Eher nicht. Abraham war ja selbst ein Fremder, als er in das Land kam. Abraham, der Urvater der Gastfreundschaft – zumindest ein Vorbild. 

Doch schauen wir auf unseren Text. Hier steht im Griechischen das Wort Philoxenia, das eigentlich mit „Liebe zum Fremden“, kurz „Fremdenliebe“ zu übersetzen ist. Vergesst den Fremden nicht. Vergesst nicht, ihm Liebe zu geben. Das meint natürlich, wenn wir weiterlesen, Gastfreundschaft. Aber es ist ein weites Verständnis von Gastfreundschaft. Denn der, dem diese Art der Liebe begegnet, ist fremd. Keine Empfehlungen, keine Beziehungen sind hier wirksam. Es ist nur der Mensch, der den anderen als bedürftig wahrnimmt und entsprechend reagiert. Auf diese Weise haben einige schon, ohne es zu merken, Engel beherbergt. 

Der Verfasser des Briefes mutet seinen Lesern wirklich etwas zu. Der Fremde ist vom Urverständnis her der Feind. Unbekannt und bedrohlich. Und doch soll ihm unsere Aufmerksamkeit zukommen. Schon in der hebräischen Bibel ist der wohlwollende, ja freundliche Umgang mit dem Fremden ein Gebot. Ohne Verhandlungsspielraum. Du sollst den Fremden lieben wie dich selbst – steht im 3. Buch Mose, in Levitikus, Kapitel 33, Vers 19. Die Begründung wird direkt hinterher geschoben: Denn du warst selbst fremd in Ägypten. 

Ich rede viel mit Menschen und höre ihre Geschichten und die Erkenntnisse daraus. Nicht selten begegne ich dabei der Erkenntnis, dass alles was sie so haben und als ihr Eigen nennen, eigentlich nur geliehen ist. Vielleicht auf Lebenszeit. Aber wenn wir ehrlich vor uns selbst sind, sind wir alle auf der Durchreise. Häufig fremd, unsicher, hilfsbedürftig. Oft brauchen wir Menschen, die uns hilfreich zur Seite stehen. Die uns annehmen und Vorschussvertrauen geben. 

Liebe den Fremden wie dich selbst und dann lass dich überraschen, was passiert. Auf diese Weise haben manche schon ohne ihr Wissen Engel beherbergt.

Engel sind selten Flügelfiguren. Die gehören ins Reich der Fantasie. Die Engel, von denen hier die Rede ist, sind von Gott uns in den Weg oder in unser Leben gesandte Menschen. Menschen mit ganz unterschiedlichen Biografien. Manche sind vielleicht interessant und anregend. Hinreißende Geschichten und aufregende Abenteuer verknüpfen wir mit ihnen. Andere sind möglicherweise genau das Gegenteil. Sie bedürfen unserer Hilfe und Zuwendung, weil sie am Boden oder in großer Not sind. Wieder andere brauchen vielleicht nur einen Moment Aufmerksamkeit – denke dir gern weitere Settings aus. Aber immer haben wir die Möglichkeit zu lieben. Und damit unserem Glauben Gestalt zu geben.

Wenn du es wagst, vertrauensvoll dem Menschen als Mensch zu begegnen, können Wunder geschehen. Das Wunder der Gemeinschaft entsteht da, wo wir Interesse und sogar Mitgefühl zeigen. Wo wir uns berühren lassen von dem Schicksal des anderen. Ehrlich und ohne Netz und doppelten Boden.

Die Christen damals und wir heute brauchen diese Ermutigung, diese Erinnerung. Erhaltet die Liebe zueinander am Leben und entdeckt die euch fremd sind. Entdeckt die Engel um euch her. 

Mitgefühl, Barmherzigkeit – sie sind wesentliche Bestandteile echter Gemeinschaft, auch einer Gemeinschaft, die nicht das Brot teilen und Becher rumgehen lassen kann, weil die Umstände es verbieten. Und so werden wir in unserem Text an die erinnert, deren Leben nicht annähernd so friedlich und geborgen ist, wie es zumeist bei uns aussieht. Denkt an die Gefangenen. Und denkt dabei nicht nur mit dem Kopf, sondern lasst eure Emotionen mitreden. Denkt an sie wie Mitgefesselte. 

Wo Christen um ihres Glaubens willen verfolgt und bedroht werden, da sind solche Sätze vermutlich wie „Öl ins Feuer“. Aber für uns? Ich muss zugeben: Gerade diese Erinnerung brauchte und brauche ich immerzu. Ich denke natürlich an unsere Glaubensgeschwister auf der ganzen Welt. Mein monatlicher Gebetskalender von open doors hilft mir dabei. Aber ich kann nicht sagen, dass ich mich dabei „wie selbst gefangen“ fühle. 

Nun war es für den Adressatenkreis eine durchaus reale ständige Bedrohung. Heute noch frei, konnte man am nächsten Tag schon hinter Gittern sitzen. Durch Verrat oder erfolgreiche Späher aufgeflogen als Anhänger dieser neuen dubiosen Sekte, landete Mensch schnell im Kerker. Und es gibt auch heute jede Menge Orte, an denen es den Christen ebenso ergeht. Wir hören davon, wir beten für sie. Doch erreicht ihr Schicksal meine Magengegend und mein Herz?

Wie kann es gelingen? Wie können mir die Geschicke anderer Menschen so sehr zu Herzen und in den Magen gehen? Vielleicht ist es ein Anfang, wenn wir uns die Geschicke unserer Nächsten, der Menschen um uns her, zu Herzen gehen lassen. Wenn wir ihre Geschichten hören, wenn wir einander zuhören, Zeit schenken, Anteil geben und Anteil nehmen und so miteinander Gemeinschaft leben. Ich glaube ganz fest, dass das ein Anfang ist. Sich öffnen, vertrauen schenken, ohne Vorbehalte aufeinander zugehen. 

Jesus sagt einmal: Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. In unserem Kontext bedeutet das: Lernt von den Kindern. Sie haben keine Angst, vertrauen immer wieder neu, geben zweite, dritte, vierte Chancen und sind auch Neuem, Fremdem gegenüber meist offen. 

Teilt miteinander euer Leben, verschließt euch nicht voreinander. Fühlt mit, liebt einander und lasst euch überraschen. Es könnten Engelbegegnungen werden. 

Es ist eine Ermutigung und zugleich eine Aufforderung, die uns heute morgen erreicht. Lass dich ein auf den Anderen, sei er Freund oder Fremd. Nehmt und gebt Anteil aneinander und lasst euch überraschen, was passiert. Und der Friede Gottes wird unsere Herzen und Sinne erfüllen und uns stärken für jeden einzelnen Schritt. 

Amen 

Stille

In der Stille sammeln wir unsere Gedanken und Gefühle, unser Hoffen und Sehnen

Lied: „Gut, dass wir einander haben“ (F&L 138; T+M: Manfred Siebald 1990)

Gebet  

Gott, unser Vater, ich danke Dir, dass Du die Welt und uns und alles was darin ist erschaffen hast! Du hast jedem seine eigenen Gaben zugeteilt, sodass keiner dem anderen gleich ist. Herr, Du hast uns zu einer  Gemeinschaft gemacht. Wir bitten, dass Du uns Liebe, Geduld und Langmut schenkst. Dass wir aufeinander hören, den Nächsten sehen und Freude und Traurigkeit, Gutes und Böses miteinander teilen. Herr Jesus, wir wollen hilfsbereit und barmherzig sein. Danke dass Deine starke Hand uns führen will!

Wir bitten für einsame, kranke und trauernde Menschen. Lass sie deine Nähe und Liebe spüren, gib ihnen Hoffnung  und Trost.

Wir bitten für die Regierung, für Ärzte, Pflegende, für Menschen die Verantwortung tragen. Leite du die Gedanken, segne ihre Hände, gib Kraft und Glauben und einen langen Atem.

Wir bitten für uns und unsere Lieben, für unsere Gemeinschaft. Lass uns einander Freund und Helfer sein. Lass uns deine große Liebe an alle, mit denen wir Gemeinschaft haben weitergeben.

Alles Sehnen, alle Hoffnung, alle Gedanken und Gefühle sammeln wir in dem Gebet, das Jesus uns gelehrt hat:

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name.Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute Und vergib uns unsere Schuld,wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit. In Ewigkeit. Amen. 

Lied „Komm Herr, segne uns“ (F&L 121; T+M: Dieter, Trautwein 1978)   

Segen                                                                                                                                                           

Gott, der uns Heimatgeber ist und uns zu Heimatgebern macht, segne unser Sinnen und Trachten. Gott, der uns Freund und Retter wurde und uns zu Freunden macht, behüte unsere Herzen und unseren Verstand. Gott, der uns aus der Fremde führte und Freiheit schenkt, mache uns zu Friedensstiftern und Freiheitsgebern. 

So segne uns Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Amen

Gottesdienstordnung 6. So.n.Trin. – Liebe und Treue

Wir zünden eine Kerze an und halten kurz inne

Eingang                                                                                                                                             

So spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich erlöst hat Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!

Der Wochenspruch für die vor uns liegende Woche steht im Propheten Jesaja, Kapitel 43, Vers 1. Es ist ein beliebter Taufvers, ein Zuspruch voll Treue und Annahme, ein Ausdruck des Bundes, den Gott mit seinen Menschen schließt. 

Der sechste Sonntag nach Trinitatis steht im Zeichen der Taufe. Die Taufe als Bundeszeichen, als Ausdruck des Bundes, den Gott mit seinen Menschen geschlossen hat und der die Zeiten überdauert – bis heute. Darum beschäftigen wir uns heute mit Bundestexten aus dem Alten Testament und feiern Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Gebet

Vater, ewiger Gott, wir feiern deine ewige Treue, deine treue Liebe, durch die du uns berufen und erwählt hast. Wir legen ab, was uns trennt und ablenkt und wollen dir begegnen. Wir sehnen uns nach deinen Worten, die uns trösten und ermutigen, die uns ermahnen und den Weg weisen. Bitte begegne uns und nimm unser Lob an. 

Amen.

Lied: „Sonne, Mond und Sterne“ (F&L 487; T: Lars Mörlid/Peter Sandwall 1979; Deutsch: Klaus Heizmann 1987; M: Peter Sandwall 1979)

Einleitung                                                      

Ferien. Endlich sind sie da.

Hurra! Sommerferien nach einer ungewöhnlichen Zeit.

Heute ist aber auch der 6.Sonntag nach Trinitatis, dem Dreifaltigkeitsfest. Vater, Sohn und Heiliger Geist. Im heutigen Gottesdienst geht es um Liebe und Treue.

Für mich bedeuten Vater, Sohn und Heiliger Geist  – Liebe und Treue.

Ich werde geliebt, obwohl ich ich bin. Ich werde geliebt, egal wie groß oder wie klein ich bin. 

Durch seine Treue werde ich bewahrt. Seine Treue bewahrt mich am äußersten Meer, seine Treue umgibt mich in der Finsternis. Die Liebe und Treue begleitet mich im Alltag, im Urlaub.

Durch die Liebe und Treue gehöre ich zu Gott. 

Durch die Liebe und Treue wandelt sich Enge in Weite

Unsicherheit in Gelassenheit und Traurigkeit in Freude.

Freude, Gelassenheit und unendliche Weite 

im Alltag, im Urlaub und jetzt.

Lied: „Herr, das Licht deiner Liebe leuchtet auf“ (F&L 41; T+ M: Graham Kendrick 1988; Deutsch: Manfred Schmidt 1990) 

Lesung: Psalm 139,1-12 

Lied: „Nähme ich Flügel“ (BuJu 1997 #132 T+M: Christfried Wendt ; M: Christoph Lange) 

Predigt Liebe und Treue

Liebst Du mich? Diese Frage ist uralt und Menschen stellen sie einander, um sich zu vergewissern. Oder auch um zu klären. Oder um sich abzusichern. Oder, oder…

Auf die Frage: Warum liebst Du? Kann es eigentlich keine gute Antwort geben. Es gibt Eigenschaften, die liebenswert sind oder als liebenswert wahrgenommen werden. Aber sie sind in der Regel nicht der Grund für die Liebe. Denn Liebe kann man nicht erklären. Liebe ist – oder eben nicht. Menschliche Liebe stößt oft an ihre Grenzen, wenn die Umstände sich ändern, wenn es Situationen gibt, die verletzen oder wenn die Emotionen abkühlen. In der menschlichen Liebe unterscheiden wir zwischen der erotischen Liebe, die eben von Anziehung bestimmt ist und der Freundesliebe, die auf gemeinsamen Interessen beruht. Mir ist klar, dass das sehr grob umrissen ist. Es ist auch nur ein Versuch, dem Phänomen Liebe auf die Spur zu kommen. Und eins ist klar: Liebe ist. Sie lässt sich nicht erzwingen. Sie ist autark.

Und dann gibt es noch die göttliche Liebe, die unabhängig von Anziehung und gemeinsamen Interessen eher eine Frage der Entscheidung ist. Zu dieser Liebe werden wir in der Bibel immer wieder aufgefordert. Im höchsten Gebot heißt es: 

Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen, ganzer Seele, ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft und deinen Nächsten wie dich selbst. 

In diesem Gebot erfüllen sich das Gesetz und die Propheten. Schon im Buch Levitikus, dem dritten Buch Mose wird dieses Gebot genannt und im Dialog mit einem Schriftgelehrten unterstreicht Jesus die Bedeutung des sogenannten Doppelgebotes der Liebe. 

Du sollst lieben. 

Das geht nur im Vertrauen und der Anbindung an Gott und seine Art zu lieben. Gott liebt ohne Bedingungen und seine Liebe ist und macht gesund. Schauen wir uns den Predigttext für heute an. Er steht im Deuteronomium, im fünften Buch Mose, Kapitel 7, Verse 6-12.

Da heißt es: 

Denn du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott. Dich hat der HERR, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind. 

Nicht hat euch der HERR angenommen und erwählt, weil ihr größer wärt als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern -, sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat der HERR euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten.

Du sollst nun wissen, dass der HERR, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten, und vergilt ins Angesicht denen, die ihn hassen und bringt sie um und säumt nicht, zu vergelten ins Angesicht denen, die ihn hassen. 

So halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, dass du danach tust. Und wenn ihr diese Rechte hört und sie haltet und danach tut, so wird der HERR, dein Gott, auch halten den Bund und die Barmherzigkeit, wie er deinen Vätern geschworen hat. 

Diese Verse sind Teil der Unterweisung des Volkes Israel kurz vor dem Einzug ins gelobte Land. Mose spricht zum Volk, erinnert nochmal an die zehn Gebote, die das Zusammenleben regeln sollen und vor allem die Beziehungen untereinander und zu Gott. Sie sind  lange unterwegs gewesen. Vierzig Jahre lang. Die damals jung waren, beim Auszug aus Ägypten, bei der Flucht vor dem Pharao, der sie versklavt hatte, sind heute alt oder längst tot. Nun steht hier eine neue Generation, die Kinder und Kindeskinder der damaligen Sklaven. Vor ihnen das verheißene Land. Das Land, in dem Milch und Honig fließen. In dem die Früchte so groß sind, dass sie nicht ohne weiteres von einem zum anderen Ort zu bewegen sind. Das zumindest erzählen die Kundschafter, die sie ausgesandt hatten, um das Land zu erkunden, das einzunehmen sie im Begriff waren. Neues, unbekanntes Land. Völker, von denen sie bislang höchstens einmal gehört hatten. Das hat schon was Bedrohliches. Bedrohlich und aufregend. Es ist Zeit, das Volk an den Bund zu erinnern, den Gott mit ihnen geschlossen hat. 

Du bist ein heiliges Volk, ein Volk, das erwählt ist. Erwählt aus allen Völkern. Nicht, weil du irgendwas Tolles vorzuweisen hast, sondern aus Liebe. 

Erwählung ist ein schwieriges Thema. Warum werden die einen erwählt? Und werden die anderen nicht erwählt? Doch darum geht es nicht. Israel ist das Heilige Volk Gottes, das von Gott geliebt wird. Nicht mehr und nicht weniger. Gucken wir uns zunächst den Begriff „Heiliges Volk“ an. 

Heilig meint keinen herausragenden Lebensstil, keine besondere Ethik. Heilig ist das Leben im Machtbereich Gottes. Wann immer ich mich mit meinem Leben, meinen Fragen und allem Suchen unter die Hoheit Gottes stelle, begebe ich mich in den Heiligen Bereich. So ist das Volk Israel ein Heiliges Volk, weil Gott mit ihm einen Bund geschlossen hat, weil sein Mittelpunkt in der Lebensgestaltung Gott ist. Wenn ich von Israel als Volk spreche, meine ich das vor Gott versammelte Volk, die Juden. Ich meine nicht den quasi säkularen Staat Israel. Israel ist das aus Liebe erwählte Volk, das vor Gott heilige Volk. 

Schauen wir uns auch nochmal kurz die Erwählung an. Es ist herausfordernd. Vor allem, weil es darum geht bei mir zu bleiben. Ich bin erwählt. Ich stehe für mich vor Gott, für mich ist meine Beziehung zu Gott bedeutend. Nicht die Beziehung des anderen. Der andere steht für sich selbst vor Gott. Seine Beziehung zu Gott ist für ihn bedeutend. Und er steht in der Verantwortung. 

Natürlich ist es mir ein Herzensanliegen, dass viele Menschen ihre Erwählung erkennen und ergreifen würden. Aber es ist eben eine Sache zwischen mir und Gott und eine Sache zwischen dir und Gott. Was deine Erwählung angeht, da habe ich nichts mitzureden – weder in die eine noch in die andere Richtung. Ich denke und hoffe und glaube, dass auch du erwählt bist. Und das Zeugnis der Bibel macht das auch sehr deutlich. Ist das ein Grund für Stolz? Nein! Denn es kein Verdienst, nichts, was ich mir erarbeitet und damit verdient hätte. Es ist auch kein Grund dafür, sich als wertvoller zu wähnen, als andere sind. Jeder Mensch, der die Erwählung glaubend erkennt und annimmt, ist von Gott erwählt. Und das kann eben jeder nur für sich selbst beantworten. 

Erwählt aus Liebe. Warum liebst du, HERR, dieses eine Volk so ausdrücklich? Es gibt darauf keine Antwort. Es ist eben so. Und weil es so ist, hat Gott sein Volk aus Ägypten geführt und jedem einzelnen das Angebot der Erlösung gemacht. Aus Liebe. 

Wir können Liebe nicht erklären, nur ihre Auswirkungen beschreiben. Liebe zeigt sich, muss sich zeigen. Sie muss mit ihrer heilenden und befreienden Wirkung irgendwohin. Wenn sie sich heilsam und befreiend nicht äußert, ist es keine Liebe. Dann ist es vielleicht „haben wollen“ oder „Machthunger“. Vielleicht ist es auch das Stillen unerfüllter Sehnsucht. Aber es ist nicht Liebe. 

Aus Liebe befreit Gott die Menschen, die zu ihm gehören. Die Menschen, die mit ihm verbunden sind. Das war zur Zeit der Landnahme so und es gilt bis heute: Gott befreit seine Menschen – aus Liebe. 

Und darin bleibt er sich treu. Warum hat der HERR euch erwählt? Weil er es den Vorfahren, der sogenannten Erzeltern versprochen hat. Was Gott zusagt, das hält er gewiss. Die Beter der Psalmen wissen das. Und Mose weiß das und er teilt sein Wissen, seine Erfahrung mit dem Volk, mit denen, die ihm zuhören.

Es ist eine Botschaft, die weit über die damalige Zeit hinausreicht. Sie reicht bis heute. Sie gilt bis heute. Die Liebe Gottes zu seinem Volk ist ungebrochen. Seine Treue gilt – bis ins tausendste Glied, so sagt es unser Text. Und das meint nichts anderes als unendlich. 

Gottes Liebe, seine Treue überdauern alle Zeiten. Daran ist nichts zu rütteln. 

Doch bedenkt, dass ein Bund immer aus zwei Seiten besteht. Aus zwei Bundesgenossen. Es nützt alles nichts, alle Liebe und Treue Gottes läuft unweigerlich ins Leere, wenn der Adressat sich dem Bund entzieht. 

Wer Gott liebt und damit Seine Liebe erwidert, ist gewissermaßen „safe“. Der ist sich auch seiner Erwählung gewiss. Der kann sich auf Gottes Treue verlassen. Es steht uns frei – auch das ist Ausdruck der Treue und Liebe Gottes. Es steht uns frei, seine Liebe zu erwidern. Und Liebe braucht immer einen Ausdruck. Jesus sagt einmal zu seinen Jüngern, dass wer ihn liebt, der seine Gebote hält. Und hier schließt sich der Kreis. Das Gebot, das Jesus uns gibt, ist, dass wir einander liebhaben sollen, wie er uns geliebt hat. Liebe und Treue – zwei voneinander untrennbare Partner der großen heilsamen Beziehung Gottes zu seinen Menschen und der Menschen zu Gott.  

Amen 

Lied: „Liebe ist nicht nur ein Wort“ (NGL 123; T: Eckhard Bücken; M: Gerd Geerken)

Stille

In der Stille sammeln wir unsere Gedanken und Gefühle, unser Hoffen und Sehnen

Gebet              

Gott, Vater und Heiliger Geist

von Dir geliebt und durch deine Treue bewahrt beten wir Dich an und bitten:

Lass die Mutlosen in dieser Zeit stark werden

lass die Kinder und  die Jugendlichen zu starken Menschen werden,

damit sie mutig und gestärkt in die bevorstehende, durch Corona geprägte, Zeit gehen.

Von Dir geliebt und durch deine Treue bewahrt beten wir Dich an und bitten:

Schenke den Müden, den Arbeitern

den Eltern, den Pflegern und den Seelsorgern

Gelassenheit, Ausdauer und Liebe deinen Kindern und ihren Nächsten gegenüber.

Von Dir geliebt und durch deine Treue bewahrt beten wir Dich an und bitten:

dass die Menschen  überall auf der Welt, die Regierenden und und die Machthaber

sich in ihrer Not und Hilflosigkeit an Dich wenden.

Von Dir geliebt und durch deine Treue bewahrt beten wir Dich,

gib uns ein liebevolles und hilfsbereites Miteinander,

damit unser Gegenüber und unser Nachbar von deiner Liebe und Treue erfährt.

Alles Sehnen, alle Hoffnung, alle Gedanken und Gefühle sammeln wir in dem Gebet, das Jesus uns lehrte: 

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, 

wie im Himmel, so auf Erden. 

Unser tägliches Brot gib uns heute 

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit. In Ewigkeit. Amen. 

Lied „Gottes guter Segen“ (F&L 123; T: …; M: …)   

Segen                                                                                                                                                           

Der ewigtreue, gütige Gott segne uns und behüte uns. Er, dessen Liebe überfließt und uns ganz ausfüllen will, erhebe sein Angesicht über uns, wir werden seinen freundlichen Blick spüren. Gott, dessen Zusagen und Verheißungen ewige Gültigkeit haben, erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns seinen Frieden. 

Amen

Gottesdienstordnung 5. So.n.Trin.

Thema: „Einfach los!“

Wir zünden eine Kerze an

und halten kurz inne

Eingang                                                                                                                                             

Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gnade ist es. 

Der Bibelvers, der über dieser Woche steht, ist dem Brief an die Christen in Ephesus entnommen. Wir sollen verstehen und dürfen erkennen, dass wir alles der Gnade Gottes verdanken, gerade auch unseren Glauben. Glauben ist ein Geschenk, das nur dann zur Entfaltung kommt, wenn wir es annehmen und auspacken. Und dadurch nicht nur hören, sondern erleben, dass die Gnade Gottes real ist. 

Wir feiern Gottesdienst, vor Ort und Zuhause, im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. 

Gebet                                                                                                                                               

Gott Vater, du beschenkst uns mit deiner Gnade, liebst uns mit deiner Liebe, füllst uns mit deinem Frieden. Wir danken dir und loben dich und legen vor dir ab, was uns hindert, dich zu hören und zu erleben. Bitte begegne uns in diesem Gottesdienst. 

Sei bei den Fröhlichen, dass ihre Freude anhält und groß wird. Sei bei den Trauernden, dass sie Trost finden und sich geborgen wissen. Sei bei den Friedlosen, dass sie Frieden finden und Friedensstifter werden. Sei bei uns, segne uns und sende uns. 

Amen. 

Lied: „Jauchzt, alle Lande“ (F&L 8; T: Matthias Jorissen 1798; M: Guillaume Franc 1543)  Str. 1.3.5

Einleitung                                                      

„Einfach los!“ Das ist heute unser Thema. Bestimmt reagiert jeder und jede anders auf solch ein Thema. Manche sind ruhiger, gelassener, haben es nicht so eilig. Sie wägen ab und überlegen in Ruhe. Andere könnten jeder Zeit losstürmen. Das ist doch unser Thema der letzten Wochen. „Einfach los!“ Wann machen endlich wieder alle Geschäfte und Restaurants auf? Wann kann ich verreisen, wohin ich will? „Einfach los!“  Ausbrechen, neues erkunden! Was ist für dich dran? Für jede Lebenssituation gibt es andere Aufforderungen. Was ist für mich dran? Ich wünsche uns allen genaues hinhören und hinsehen am heutigen Sonntag, bevor wir losgehen.

Lied: „Gelobt sei Gottes Name“ (F&L 122; T: Rudolf Sichelschmidt 1953; M: Bartholomäus Helder um 1630) 

Lesung 1.Mo 12, 1 – 5 (Einheitsübersetzung)

Der HERR sprach zu Abram: Geh fort aus deinem Land, aus deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde! Ich werde dich zu einem großen Volk machen, dich segnen und deinen Namen großmachen. Ein Segen sollst du sein. Ich werde segnen, die dich segnen; wer dich verwünscht, den werde ich verfluchen. Durch dich sollen alle Menschen der Erde Segen erlangen. Da ging Abram, wie der HERR ihm gesagt hatte, und mit ihm ging auch Lot. Abram war fünfundsiebzig Jahre alt, als er von Haran auszog. Sie zogen aus und sie kamen in das Land Kanaan. 

Lied: „Lasst uns feiern das Mahl“ (F&L 150…) 

Abendmahl – dazu aus Lukas 22,14-20

Predigt Einfach los!

Ich liebe Listen. To-Do-Listen, Für- und Wider-Listen, Wochenpläne, Stundenpläne, Einkaufslisten. Und so weiter und so fort. Listen geben mir das Gefühl, einen großen Teil dessen, was vor mir liegt, bedacht zu haben. Und je besser ich vorbereitet bin, desto flexibler kann ich mit Unwägbarkeiten umgehen. Ich fahre gut damit und stelle fest: Sicherheit ist etwas, das ich mag.

Vor Jahren wurde ich herausgefordert, meine Sicherheiten aufzugeben. Gott forderte mich heraus. In meinem Leben geriet plötzlich alles durcheinander. Meine Pläne waren plötzlich nichts mehr wert und alles, was ich mir an Sicherheit aufgebaut hatte, war verloren gegangen. Dabei war es nicht so, dass es nicht Anzeichen gegeben hätte. Immer wieder hatte ich erlebt, dass meine Pläne schnell auch mal Schall und Rauch wurden. Vor allem die, die ich aufgrund von Erfahrungen machte, die dadurch mir die Zukunft sichern sollten. 

Erfahrung, das ist eine Komponente in unserem Leben, die uns hilft, Entscheidungen in der Gegenwart und auch für die Zukunft zu treffen. Und das ist auch nicht verkehrt. Nur manchmal ist unsere Erfahrung nur ein Teil der Wahrheit, nur ein Teil dessen, was uns wirklich in die Zukunft und damit auch in die Weite führt. 

Der Predigttext für heute handelt auch von Erfahrungen und von Wundern und von etwas ganz Neuem, Unplanbarem. Der Evangelist Lukas erzählt uns die Geschichte vom großen Fischzug und den daraus folgenden Konsequenzen. 

Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm drängte, zu hören das Wort Gottes, da stand er am See Genezareth. Und er sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus. Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen. Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen. Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und ihnen ziehen helfen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken. Da Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch. Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die mit ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten, ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen. Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.

Eine Nacht voll Arbeit und Enttäuschung lag hinter den Fischern vom See Genezareth. Immer wieder raus mit den Netzen, immer wieder leere Netze im Boot. Die Arbeit eines Fischers ist schwer und sie zerrt an den Nerven, wenn sie erfolglos bleibt, wenn alle Erfahrung, alle Kniffe und Tricks ins Leere laufen.

Simon, auch Petrus, der Fels, genannt, ist mit seinen Kollegen wieder an Land und erfüllt seine Pflichten. Denn auch ohne Fangerfolg müssen die Netze gewartet werden. Und dann ist Schluss für heute. Zumindest mit der Fischerei. 

Doch nein, eine Aufgabe kommt noch. Fahre mich ein Stück auf den See – bittet Jesus Simon. Und Simon fährt raus. Sie kannten sich schon. Simon und Jesus. Vor kurzem erst hatte Jesus die Schwiegermutter des Simon von einem schweren Fieber geheilt. Spontan und umfänglich. Und man hörte von ihm – rund um den See Genezareth. Von seinen Lehren und Heilungswundern. Es gibt denn auch keine lange Debatte. Simon fährt Jesus raus auf den See, damit die Leute, die Jesus hören wollen, bessere Chancen haben. Denn der Wind, der vom See aus auf das Land trifft, trägt die Worte Jesu zu den Hörern. 

Was Jesus an diesem Morgen erzählt, wird nicht überliefert. Vermutlich geht es um die Wirklichkeit Gottes, um Seinen Willen für diese Welt. Es ist Jesus immer und überall ein Anliegen, von Gott, dem Vater, zu erzählen. Er will Menschen mit der unfassbaren Liebesbotschaft verbinden. Gott liebt diese Welt. Er liebt sie so sehr, dass er keinen Aufwand scheut, diese Liebe zur Sprache zu bringen und erlebbar zu machen. Die Worte Jesu an diesem Morgen müssen wir uns denken. Denn sie spielen für unsere Geschichte höchstens am Rand eine Rolle. 

Viel wichtiger ist das, was folgt. 

Fahr noch ein Stück weiter raus und wirf die Netze aus. Jesus kommt mit einer befremdlichen Aufforderung. Die Fischer sind sehr wahrscheinlich müde. Der See ist manchmal unberechenbar und fordert alles Können und alle Kraft von denen, die seine Erträge sammeln. Fahrt raus. Nochmal. Und macht, was eurer Profession entspricht: Werft die Netze zum Fang aus. 

Und Simon und die anderen Fischer? Sie tun was er sagt. Simon lässt zwar kurz seinem Unverständnis Raum. Aber dann tut er, was Jesus sagt. 

Ganz ehrlich? Ich bin mir nicht sicher, ob ich da mitgemacht hätte. Müde von der Arbeit, der Zug nach Hause ist enorm. Und statt die Füße hochzulegen und mit ein wenig Gram den Misserfolg reflektieren zu können, soll ich das Gleiche nochmal tun? Wozu?

Ich erwische mich nicht selten dabei, dass meine Erfahrung mich hindert, die Dinge einfach noch ein weiteres Mal zu tun. Ich weiß doch schon, dass der Erfolg ausbleiben wird. Ich habe es doch ausprobiert und habe nichts erreicht. Oder so wenig, dass sich der Aufwand einfach nicht lohnt. 

Es ist menschlich so zu denken. Es ist nachvollziehbar. Aber es bremst uns auch aus. 

Wie oft habe ich es schon gehört und selbst gesagt: Das bringt doch nichts. Ich habe es ja schon versucht. 

Meine Berufung zum Beispiel hörte ich zum ersten Mal mit 20 Jahren. Leute sagten mir ein ums andere Mal: Gott will dich in den vollzeitlichen Dienst bringen. Du sollst für Gott arbeiten, das Evangelium verkünden. Meine Antwort war immer dieselbe: Ich kann nicht vor vielen Menschen reden. Ich bin zu schnell, zu leise. Meine Worte sind zu unbeholfen. Ich kann das nicht und ich traue mich auch nicht. 

Ein bisschen wie Simon: Herr, ich weiß es besser. Ich habe die Erfahrung. Du steckst ja nicht in meinen Schuhen. Erzähle mir doch nicht, wie mein Job geht oder was ich kann.

Und dann doch wieder nicht wie Simon. Denn der reagiert zwar im ersten Teilschritt abwehrend. Im zweiten aber ist er mutig oder besser voll Vertrauen: Eigentlich ist das zwar nicht möglich, aber weil du es sagst, probieren wir es noch einmal. Es ist ein bisschen wie bei Abraham, eigentlich Abram. Gott schickt ihn los, ins Ungewisse. Geh los in das Land, das ich dir zeigen werde. Und Abram zieht los. Ohne Netz und doppelten Boden, ohne Listen für und wider. Er zieht einfach los. 

Jesus sagt zu Simon: Fahr raus und wirf die Netze nochmal aus. Und Simon tut, was er sagt. Vom Ufer aus sehen die Leute bestimmt, was er tut und sie werden sich vielleicht fragen, ob er übergeschnappt ist. Aber Simon schert sich nicht drum, was die anderen sagen. Er schert sich auch nur ein ganz kleines bisschen um seine Erfahrung. Er tut, was Jesus sagt, mit Netz und voll Vertrauen. 

Erfahrung und Selbstwahrnehmung können uns erheblich ausbremsen. Vor allem dann, wenn es um Dinge geht, die absonderlich erscheinen. Ich kann das nicht, ich weiß es besser, es hat noch nie funktioniert. Oder auch sehr gern gewählt: Das haben wir schon immer so gemacht und früher hat es sich auch bewährt, darum müssen wir das weiter so tun. Was wäre gewesen, hätte Simon zu Jesus gesagt: Also entschuldige mal bitte. Fische lassen sich tagsüber nicht fangen. Das hat noch nie funktioniert. Wir haben immer schon nur des Nachts vernünftige Ergebnisse erzielt.

Nun soll das keine Rede gegen vernünftige Planung sein. Es ist keine Aufforderung zum ziellosen Aktionismus. 

Aber wenn Gott uns sendet, sollten wir losgehen. Wenn Gott uns beauftragt, sollten wir dem Auftrag folgen. Denn wie Gott Abram führte und ihn in das Land brachte, das er für geeignet hielt und wie Jesus genau wusste, wie erfolgreich Simon sein würde, so können und sollen wir auch heute Gott vertrauen, dass seine Gedanken gute Gedanken sind und seine Wege zum Ziel führen. 

Aus Abram wurde Abraham, der Vater eines wirklich großen Volkes. Und Volk meint hier mehr als Nation oder Religionsgemeinschaft. Volk meint hier alle die, die sich von Gott rufen lassen und ihm vertrauen. Aus der Gottesbegegnung entsteht eine Verbindung, die Zeiten, Nationalitäten und Grenzen überwindet. Aus Abraham wird ein großes Volk, weitab jeglicher menschengemachter Begrenzung. Es ist kein Volk ohne Konflikte. Im Gegenteil, unsere Erfahrungen und Erkenntnisse stellen wir immer wieder über das, was Gottes Sendung will: Vertrauen, statt wissen, planen, absichern, Grenzziehung. Und dennoch: Gott sendet. Auch heute. 

Aus der Begegnung mit Jesus wird Selbsterkenntnis. In seinem Erfolg erkennt Simon, wie wenig er diesen verdient. Er bekennt: Ich bin ein sündhafter Mensch. Vertrauen ist nicht meine Stärke, Gottvertrauen schon gar nicht. Denn das meint Sünde: Ein Leben ohne das Vertrauen in Gott. Ein Leben unter der Frage: Sollte Gott gesagt haben? Aus der Begegnung mit Jesus entsteht Selbsterkenntnis und daraus entsteht Berufung. Aus Simon wird Petrus, der Erfolg und Versagen kennt und die gute Nachricht von der unbedingten und unverbrüchlichen Liebe Gottes verbreitet, sodass heute auf der ganzen Welt davon bezeugt wird. 

Ja, zwischen der Sendung und dem Ziel ist manchmal ein weiter Weg und oft scheitern wir an unseren „wenns“ und „abers“. Und wir bremsen uns aus und wir ernten Stirnrunzeln und werden gelegentlich auch für total verrückt gehalten. Und vieles läuft menschengemacht auch wirklich vor die Wand. Und doch,  wenn wir uns senden lassen und losgehen, werden wir das gelobte Land sehen. Wenn wir Gott vertrauen, werden wir der Zukunft gelassen entgegensehen, weil wir wissen, Gott weiß, was er tut. Er sendet uns. 

Amen

Lied: „Du, Herr, heißt uns hoffen“ (F&L 172; T+M: Otmar Schulz 1967)   

Stille

In der Stille sammeln wir unsere Gedanken und Gefühle, unser Hoffen und Sehnen

Gebet                                                                                                                                                

Großer Gott, [1]
mit Dir neue Wege gehen, das wär´s.
Netze auszuwerfen, wo dann auch Fische sind.
Mit Dir leben, getröstet und genährt.
Statt all der Alltagsangst, dem Druck,
dem Müssen und Sollen
und am Ende doch der Hunger.

Für Deine Kirche bitte ich Dich, Gott.
Sind die Wasser ausgefischt und die Tempel leer? 

Passen Fische und Netze, Handwerk und Hoffnung zueinander?
Für Zahlen und Rechnungen,
Kundgaben und Geist-Worte,
schenk uns Verstehen!

Für Entscheider und Präsidentinnen,
für Klar-Sein und Maßhalten,
Schutz, Abstand und Nähe.
Dein Weg ist dunkel manchmal, kantig und verwurzelt.
Zeig´ dich, Gott, mitten im Chaos, immer wieder.
Und für die unruhigen Herzen bitte ich Dich, Gott.
Für alles „ich müsste mehr tun“,
jedes „ich hab nichts geschafft“.
Mit Dir zu sein, Gott, ist Leben, ist Atem, ist Glück.
Pulsier´ durch uns durch, alle hier,
wie wir sind, und erhöre uns:

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, 

wie im Himmel, so auf Erden. 

Unser tägliches Brot gib uns heute 

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit. In Ewigkeit. 

Amen. 

Lied: „Wer das neue Leben wagt“ (F&L 174; T: nach Mt. 6,33: Christoph Zehender 1994; M: Johannes Nitsch 1994)   

Segen                                                                                                                                                           

Der Herr segne dich und behüte dich, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. Er, der uns sendet, segnet uns auch.  

Amen


[1] Quelle: Wochengebet der VELKD: https://www.velkd.de/gottesdienst/wochengebet.php?litDay=47#archiv

Gottesdienstordnung 4. So.n.Trin.

Wir zünden eine Kerze an

und halten kurz inne

Eingang                                                                                                                                             

Das Eingangswort für diesen Gottesdienst steht im Römerbrief, Kapitel 12 und lautet:

„Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ (Römer 12,18.21)

Gebet                                                                                                                                               

Himmlischer Vater, danke für diesen neuen Morgen, für das Leben, das Du gibst. Danke, dass wir atmen, danke, dass wir leben, danke, dass wir dich kennen, lieben und feiern können. Wir sehnen uns so nach Begegnung – miteinander und mit dir. Bitte begegne uns und stille du die Sehnsucht in uns. 

Wir feiern diesen Gottesdienst und wissen uns durch dich vereint. Dafür loben und preisen wir dich. Amen.

Lied: „Auf Seele, Gott zu loben“ (F&L 500; T: Martha Müller-Zitzke 1947; M: Johann Steuerlein 1575)

Einleitung                                                      

Heute ist der 4. Sonntag nach Trinitatis. Es ist die Festzeit  nach Pfingsten, der Geburtsstunde der christlichen Gemeinde.

Das Eingangswort weist  darauf hin, worum es heute in diesem Gottesdienst gehen soll. Habt mit allen Menschen Frieden und überwinde das Böse mit Gutem.  

Wie kann ein friedliches,  ein friedvolles Zusammenleben gelingen? Die Menschen sehnen sich doch so nach Frieden und doch, wie schnell ist ein Urteil gefällt, sympathisch oder unsympathisch, diese Entscheidung braucht manchmal nur Sekunden. Wie schnell verletzt man jemanden oder wird selbst verletzt, mit Worten und mit Blicken.

Wie geht es mir damit, wenn ich auf einmal angegriffen werde, verbal oder sogar mit Taten.  Häusliche Gewalt gehört schon so lange zum Alltag in unseren  Gesellschaften. Menschen werden unterdrückt, werden erniedrigt. Menschen nutzen ihre Macht aus. 

Hanns Dieter Hüsch, Kabarettist, Schriftsteller und Schauspieler, der im Dezember 2005 starb, hat einen Text geschrieben, wie reagiere ich vielleicht auf die nahende Gefahr :   

Wenn die Krieger kommen

Lock sie auf das Dach der Taube / Lock sie in das Nest der Schwalbe / Lock sie in die Höhle der Löwin /
Lock sie in den Wald der Rehe

Geh ihnen entgegen  /  Mit offenen Händen  / Voll Brot und Salz / Obst und Wein

Dass sie sich verlaufen / Im Knüppelholz deiner Tugenden / Dass sie sich verirren / 
Im Labyrinth deiner Freundlichkeit 

Mach sie staunen /  Beschäme ihre Generäle und Präsidenten /  Lass ihre Handlanger ins Leere laufen / 
Sei eine Tiefebene voller Höflichkeit 

Dein Gewehr sei die Klugheit  / Deine Kraft sei die Geduld / Deine Geschichte sei die Liebe /
Dein Sieg sei dein Schweigen / So dass die Landpfleger sich wundern.

Komm in unsere stolze Welt, in unserer reiches Land, in unsere laute Stadt, in unser festes Haus, in unser dunkles Herz. Es ist ein Lied, wie ein Gebet:

Lied: „Komm in unsre stolze Welt“ (F&L 195; T: Hans von Lehndorff 1968; M: Gerhard Schnitter 2002) 

Lesung: Lukas 6,36-42

Lied: „Herr, in deinem Namen“ (F&L 102; T+M: Werner Arthur Hoffmann 1994/2002) 

Predigt Gutmenschentum

Gutmenschentum – das meint Menschen eines bestimmten Millieus – Menschen, die es sich zur Aufgabe machen, Gutes zu tun und mit ihrem Tun die Welt ein bisschen besser zu machen. Und es ist ein Begriff, der eigentlich genau das verächtlich machen will.

Schon zweimal hat es der Begriff Gutmensch in die engere Auswahl zum Unwort des Jahres geschafft. Ein zweifelhafter Erfolg, zwar aber ein Erfolg. War er im Jahr 2011 noch auf Platz zwei gelandet, erreichte er von fünf Jahren den ersten Platz. Gutmensch – das ist einer, den ein Teil der Masse gern diffamiert, verächtlich und lächerlich macht. Ein Gutmensch, das ist ein Naivling, einer, der sich selbst ethisch höher zu wähnen meint, als der Rest der Gesellschaft. So zumindest wird er von denen gesehen, die ihn als Gutmensch bezeichnen. 

Was ist gegen Menschen, die danach streben, gut zu sein und Gutes zu tun, zu sagen? Menschen, die  gern Gutes tun möchte, die der richtige Entscheidungen treffen wollen, waren zu keiner Zeit in der Menschheitsgeschichte gern gesehen. Im Gegenteil. Der „gute Mensch“ wird zumindest für naiv und nervtötend gehalten. 

Warum ist das so? 

Nun, Menschen fühlen sich von anderen Menschen angegriffen, wenn ihre Werte sich unterscheiden. Denn wir alle denken im Grunde unseres Herzens, wir hätten „es“ erkannt, wir wüssten, wie Leben geht. 

Der Apostel Paulus weiß, dass das Miteinander der Menschen schwierig ist. Er kennt die Sehnsucht nach einem befriedeten Leben und er weiß, wie sehr das Wollen und das Tun oft auseinanderdriften. Im Brief an die Christen in Rom schreibt er: 

Vergeltet Böses nicht mit Bösem. Habt den anderen Menschen gegenüber stets nur Gutes im Sinn. Lebt mit allen Menschen in Frieden – soweit das möglich ist und es an euch liegt. Nehmt nicht selbst Rache, meine Lieben. Überlasst das vielmehr dem gerechten Zorn Gottes. In der Heiligen Schrift steht ja: 

»›Die Rache ist meine Sache, ich werde Vergeltung üben‹ – spricht der Herr.«

Im Gegenteil: »Wenn dein Feind Hunger hat, gib ihm zu essen. Wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, ist es, als ob du glühende Kohlen auf seinem Kopf anhäufst.«

Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute!

Ganz schön naiv unser Paulus – möchte man meinen. Vergeltet nicht Böses mit Bösem. Habt den anderen Menschen gegenüber stets nur Gutes im Sinn. Als wüsste er nicht, dass die Realität eine ganz andere ist. 

Wir lernen schon früh, dass wir uns nicht alles gefallen lassen dürfen und Angriff die beste Verteidigung ist. Kinder im Kindergarten und auf dem Spielplatz werden schnell das „beliebte Opfer“, wenn sie eher defensiv und freundlich sind. Für mich als Mutter ist es immer schwer auszuhalten, wenn eines meiner Kinder immer und immer wieder einstecken muss. Mir sagte eine andere Mutter mal, dass sie ihrem Kind sehr schnell beigebracht hätte, zurückzuschlagen, damit endlich Ruhe ist. Das klingt auch erstmal sehr verlockend. Aber es ist zugleich auch Ausdruck einer zutiefst kaputten und kalten Welt. Wir leben in einer Welt, in der die Macht des Stärkeren gilt. Sei nicht so weich – heißt es dann. Oder: Heul nicht rum! Oder auch: Wehr dich, schlag zurück. 

Das Wort Gottes, hier durch Paulus verkündet, lehrt aber genau das Gegenteil. Es lehrt uns, dass es Sünde ist, die Rache zu suchen und Böses mit Bösem zu vergelten. Nicht zurückschlagen, sondern stets nur Gutes im Sinn zu haben – das ist die Aufgabe. Das bedeutet: Ich muss mein Ego zurücknehmen. Mein Ego möchte stets gewinnen, die Oberhand behalten. Mein Ego, geleitet von Gottes Geist, weiß sich zurückzunehmen und Gott die Vergeltung zu überlassen. 

Es ist eine Gratwanderung, ohne Frage. Und es kann passieren, dass wir auf der anderen Seite völlig daneben liegen. Nämlich dann, wenn wir uns und unseren Wert nicht mehr sehen vor lauter vermeintlicher Rücksicht und Selbstlosigkeit. Das ist aber nicht gemeint. Im Gegenteil: Ich stehe vor Gott. Er ist mein Herr, der einzige, vor dem ich mich beuge. Ich stehe vor ihm und bin in seiner Hand und geborgen. Und das wiederum bringt mich dazu, die Rache Gott zu überlassen und nicht zurückzuschlagen. 

Habt den anderen Menschen gegenüber stets nur Gutes im Sinn. Das meint mein Denken. Mein Denken drückt sich aus in meinem Tun. Wenn ich meinen Sinn, meine Gedanken erziehe, dann erziehe ich auch mein Tun. Sind meine Gedanken über andere schlecht, wird auch mein Verhalten ihnen gegenüber nicht von Achtung und Respekt geprägt sein. Kontrolliere ich aber meine Gedanken, wird sich auch mein Verhalten ändern. 

Ein Beispiel aus meinem Leben: Viele Jahre lang konnte ich einem nahen Menschen sein sehr verletzendes Verhalten mir gegenüber nicht vergeben. Ich wollte keine Rache. Aber meine Gedanken waren auch nicht gerade heilig. Bis Gott mich darauf stieß. Sein Geist sprach zu meinem Geist: „Höre auf mit diesem schlechten Denken. Fange an, gute Gedanken über diesem Menschen zu haben. Beginne ihn zu segnen!“ Es dauerte eine ganze Weile und am Anfang war ich einfach nur gehorsam. Mit der Zeit änderte sich mein Herz. Meine Gedanken veränderten meine Haltung. Heute haben wir ein herzliches, geheiltes Miteinander. Gottes Ethik, Seine Werte haben mich verändert. Ein altes jüdisches Sprichwort sagt: 

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte. 
Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen. 
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten. 
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter. 
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

Worte aus dem Talmud, der jüdischen Weisheits- und Lehrschriftensammlung. 

Es ist also nicht naiv, darauf zu vertrauen, dass sich Grundlegendes ändern kann allein durch meine Einstellung, mein Verhalten. Ich kann nicht mit dem Finger auf den anderen zeigen und erwarten, dass er sich ändert. Es fängt bei mir an. 

So fordert Paulus uns auf, mit allen Menschen in Frieden zu leben. Und bevor du jetzt innerlich die Liste derer aufrufst, mit denen du im Unfrieden bist, lass dir die Ergänzung dazu auf der Zunge zergehen: So es an euch liegt. Also, Frieden ist immer abhängig von beiden Seiten. Was du dazu tun kannst, das tu. Lass nicht zu, dass ein Wort das andere erschlägt, dass eine böse Tat die nächste fordert. Unterbrich den Kreislauf. Was du tun kannst, damit Frieden ist, das tu. Seit vielen Jahren beten meine Gebetspartnerin Lisel Onken und ich darum, dass Gott uns zu Friedenstiftern macht. Dieses Gebet allein verändert schon so viel. Es dauert und hört auch nicht auf zu dauern. Aber es verändert. So es an auch liegt, haltet Frieden mit jedermann. 

Ich bin weit entfernt von einem Leben, wie Paulus es beschreibt. Aber ich sehne mich danach, so leben zu können. Vielleicht ist es naiv. Aber es ist das, was ich aus den Weisungen der Bibel verstehe: Die Werte und Maßstäbe sind ins Gegenteil verkehrt, was zählt ist nicht das Große und Starke, sondern das Vertrauen in Gott.

Aber was meine ich mit „Vertrauen in Gott“?  

Es ist leicht, seinen Feinden aus dem Weg zu gehen. Nun sind unsere Feinde nicht mehr die, die uns nach dem Leben trachten. Also in der Regel ist das hier in Deutschland so. Feinde sind heute die, die schlecht über uns reden, deren Tratsch Leben zerstört. Auch unter uns gibt es immer wieder solche Situationen, in denen die üble Rede geradezu salonfähig ist. Und ich nehme da niemanden aus – auch mich nicht. Auch ich bin nicht davor geschützt, mich mit offenen Ohren und loser Zunge in solche eine beziehungszerstörerische Lage zu begeben. Wie dankbar bin ich, wenn Gott mich drauf stößt und zurechtbringt. Feinde – und vielleicht wird es verständlicher, wenn wir von Gegnern, statt von Feinden reden – Gegner, das sind heute die, die uns nicht aufs Fell gucken können, denen schon die Nackenhaare zu Berge stehen, wenn sie nur unseren Namen hören. Wie sollen wir mit ihnen umgehen? Vielleicht immer so, wie wir selbst wollen, dass man mit uns umgeht – auch angesichts der Tatsache, dass wir weit entfernt  davon sind, ein heiliges Leben zu leben. Die Rache ist mein, sagt Gott. Ihr sorgt dafür, dass auch die versorgt sind, die gegen euch sind. Haben sie Hunger, gebt ihnen zu essen, sind sie durstig, gebt ihnen zu trinken. Ihr müsst nicht beste Freunde werden und fortan euer Leben miteinander teilen. Aber einander mit dem Lebensnotwendigen zu versorgen – das ist eure Aufgabe. 

Puh, das klingt alles ganz schön heftig. Und ist ein hoher Anspruch an meine Werte. Aber ich muss das ja alles nicht aus eigener Kraft tun. Gott ist es, der mich ausrüstet mit allem, was Not tut. Gott selbst füllt mich ganz aus, mit seiner Vergebung – die ich bitter nötig habe. Mit seiner Liebe, die ich wie ein trockener Schwamm aufsauge. Mit seinem Frieden, der mir hilft, immer wieder den Frieden zu suchen. 

Gutmenschentum ist auf diesem Hintergrund etwas durchaus erstrebenswertes. Denn der gute Mensch sucht das Gute in und aus Gott zu tun. Er sieht den anderen als ebenso geliebtes und gewolltes Geschöpf Gottes, dem die Kindschaft angeboten ist und die er nur ergreifen muss. Und dann wird es leichter auch für die letzte Forderung unseres Textes einen Weg zu finden: 

Und vergeltet nicht Böses mit Bösem, vielmehr überwindet das Böse mit Gutem. Oder, wie es Roland Werner in seiner sehr gelungenen Übersetzung formuliert: Lass dich also nicht von der Bosheit besiegen, sondern besiege du selbst das Böse, indem du Gutes tust. 

Amen 

Lied: „Herr, in deinem Namen“ 

Stille

In der Stille sammeln wir unsere Gedanken und Gefühle, unser Hoffen und Sehnen

Gebet              

Ich bete mit Worten aus Psalm 18  ( Dank für Gottes Hilfe )

Ich liebe dich  Herr, denn durch dich bin ich stark

Vater im Himmel, danke für deine  grenzenlose Liebe. Nichts kann uns scheiden von deiner Liebe.  Du gibst uns das, was wir zum Leben brauchen an Kraft, an Stärke, an Mut und Ausdauer an Bewahrung und Schutz. 

Deine Kraft ist in den Schwachen mächtig, den Unterdrückten, den Armen, nicht den Mächtigen dieser Welt. Deine Kraft kann Menschenherzen verändern.  

Wir bitten dich für Menschen, die mutlos geworden sind, die einsam und zurückgezogen leben. Du kennst die Not, du siehst die Hoffnungslosigkeit. Gib du ihnen neue Hoffnung neue Perspektive für ihr Leben und stärke sie.              

Du bist mein Fels , meine Burg, mein Retter, mein Beschützer, mein starker Helfer, meine Festung auf steiler Höhe 

Herr, wenn die Lebenswege steiler werden, wenn der Sturmwind des Lebens uns ins Gesicht bläst, dann bist du da.  Du Herr willst uns an die Hand nehmen und uns durch das Leben begleiten. 

Wir bitten dich für Menschen, die unter der Last des Alltags zu zerbrechen drohen. Die keine Kraft mehr haben. Wo der tägliche Leistungsdruck sie kaputt macht.     

Sei du ihnen nahe, ein starker Fels in der Brandung des Lebens, ein Helfer in der Not und eine mächtige Festung gegen die Wirren des Alltags.

Wenn ich zu dir um Hilfe rufe, dann rettest du mich vor den Feinden

Vater, wir dürfen zu dir kommen, mit all unseren Sorgen und Nöten, mit all unseren Ängsten. 

Wir bitten dich, höre die Gebete deiner weltweiten Gemeinde. Die Sehnsucht nach wirklichem Frieden in den Herzen der Menschen. Nach Frieden in den vom Krieg zerstörten Ländern. Nach Frieden in den Herzen der traumatisierten Männer, Frauen und Kinder.

Ich preise dich, Herr  !! 

Vater du bist der Herr unseres Lebens. Wir loben und danken dir für deine große Liebe und Treue. Du bist ein lebendiger, ein erfahrbarer Vater im Himmel, der bei uns ist und uns umgibt mit seiner großen Liebe.    

Wir sind nicht allein, denn du bist immer da.                                                                                                         

Alles Sehnen, alle Hoffnung, alle Gedanken und Gefühle sammeln wir in dem Gebet, das Jesus uns lehrte: 

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, 

wie im Himmel, so auf Erden. 

Unser tägliches Brot gib uns heute 

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit. In Ewigkeit. Amen. 

Lied „Bewahre uns, Gott“ (F&L 120; T: Eugen Eckert (1985) 1987; M: Anders Ruuth (um 1968) 1984)   

Segen                                                                                                                                                           

Gott, der Barmherzige, fülle dich mit Barmherzigkeit. 

Gott, die Liebende, fülle dich mit Liebe. 

Gott, die Ursache allen Friedens, fülle dich mit seinem Frieden. 

So segne uns Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. 

Amen

Gottesdienstordnung 1. So.n.Trin.

Wir zünden eine Kerze an und halten kurz inne

Eingang                                                                                                                                             Das Eingangswort für diesen Gottesdienst steht im 1. Johannesbrief Kapitel 4 Vers 21 und lautet: Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder und seine Schwester liebe.

Gebet                                                                                                                                   

Vater im Himmel, Du Gott der Liebe, in Deinem Namen versammeln wir uns heute um Dein Wort. Auch wenn wir uns nicht wie gewohnt sehen können, so fühlen wir uns doch miteinander verbunden als Deine Gemeinde, und wir  warten auf den Tag, an dem wieder Normalität einkehrt. 

Für diesen Gottesdienst und für unseren Alltag bitten wir:

Herr, öffne unsere Augen, damit wir in allem, was uns begegnet, verborgen Dich entdecken.

Herr, öffne unsere Ohren, damit wir unter den verschiedenen Stimmen Deine leise Stimme heraushören.

Herr, öffne unser ganzes Gesicht, damit wir Dir zugewandt leben und allem offen begegnen.

Herr, öffne unser Herz, damit es weit werde für Menschen und Du in uns wohnen kannst. 

Gott der Liebe, Dich beten wir an. AMEN

Lied: „Wer die richtigen Augen hat 

(F&L 488; T: Johannes Jourdan 1983, M: Hella Heizmann 1983)

Einleitung                                                      

In einer anderen Übersetzung klingen die Worte aus dem 1 Johannesbrief so:

Christus gab uns dieses Gebot: Wer Gott liebt, der muss auch seinen Bruder und seine Schwester lieben. 

Menschliche Liebe unterscheidet sich von göttlicher Liebe dadurch, dass Gott so frei ist, auch das Andersartige zu lieben. Der Mensch hingegen liebt dann doch eher das eigene und das Ähnliche – weil ihn das Andere befremdet oder ihm Furcht einflößt.

Dieser Sonntag – der 1. Sonntag nach Trinitatis – ermuntert dazu, achtsam zu bleiben für die Stimme Gottes zwischen den vielen Stimmen um uns. Dazu gibt es Hörhilfen: die Worte und Werke Jesu, das Zeugnis von Mose und den Propheten, ein Bekenntnis, das an Gott allein festhält und nach Gottes Willen fragt. Wer dem aufmerksam folgt und vor Schwierigkeiten nicht flieht, der geht den Weg der Liebe, die sich furchtlos und freigiebig dem anderen zuwendet.

Lied: „Gott ist die Liebe“ 

(F&L 347; T: August Rische 1952, M: Thüringen um 1840) 

Lesung: 1. Johannes 4, 13 – 21 

Predigt Ohne Mangel

Ich habe einen Traum. Martin Luther King hat diese Worte oft gesprochen – vor großem und kleinem Publikum und oft waren Menschenherzen davon berührt worden. So sehr, dass sie anfingen, sich gegen Ungerechtigkeit und Rassismus einzusetzen. Doch am 28. August 1963 wurde aus einem inspirierenden Satz mehr. Er wurde ein Ruf, ein Signal, das nicht mehr überhört werden konnte. Ich habe einen Traum – das rührt Menschen an und wühlt sie auf und sendet sie. Bis heute.

Ich habe einen Traum.

In der Bibel wird uns eine Geschichte erzählt, die wie ein Traum klingt. Ein wahrgewordener Traum. In der Apostelgeschichte, Kapitel 4 lesen wir: 

Die ganze Gemeinde war ein Herz und eine Seele. Keiner betrachtete etwas von seinem Besitz als sein persönliches Eigentum. Sondern alles, was sie hatten, gehörte ihnen gemeinsam. Mit großer Kraft traten dieApostel als Zeugen dafür auf, dass Jesus, der Herr, auferstanden war. Die ganze Gnade Gottes ruhte auf der Gemeinde. Keiner von ihnen musste Not leiden. Wer Grundstücke oder Gebäude besaß, verkaufte diese und stellte den Erlös zur Verfügung. Er legte das Geld den Aposteln zu Füßen. Davon erhielt jeder Bedürftige so viel, wie er brauchte.

So machte es auch Josef, ein Levit, der aus Zypern stammte. Die Apostel nannten ihn Barnabas, das bedeutet »der Tröster«. Josef verkaufte einen Acker, der ihm gehörte. Den Erlös stellte er der Gemeinde zur Verfügung und legte ihn den Aposteln zu Füßen.

Es klingt wie ein wahrgewordener Traum. Denn eigentlich „Zähl unterm Strich immer noch ich“ oder „mein Haus, mein Pferd, mein Boot“. In unserer Zeit und nicht erst heute, sondern eigentlich schon immer, ist Besitz bedeutsam und hilfreich, auch für die eigene Identität. 

In unserem Text wird erzählt, wie allen alles gemeinsam gehört. Die Urgemeinde lebt etwas, das sich aus betriebswirtschaftlicher Sicht wie ein Wahnsinn anhört. Vielleicht könnten Volkswirte diesem Gedanken noch am ehesten etwas abgewinnen. Aber eigentlich ist auch das zumindest verrückt. Mein und Dein verschwindet bzw. geht auf im unser. Klingt nach Kommunismus, nach der Aufgabe aller Besitzverhältnisse, nach Disziplin und Selbstlosigkeit aller Mitglieder der Gesellschaft – hier der Gemeinde. Also eigentlich nicht haltbar. 

Und es ist ja auch so, dass nicht alle mitmachen. Die Freude, vielleicht das Erstaunen über das Gehörte und Erlebte ist noch nicht ganz verklungen, da wird die Geschichte von Hananias und Saphira erzählt. Auch sie verkaufen Besitz und auch sie geben das Geld in die Gemeinde. Doch nicht alles. Sie geben einen Teil und behalten den Rest für sich. Und behaupten nur, sie hätten sich in gleicher Weise großzügig gezeigt wie die anderen. Wer wissen will, wie die Geschichte ausgeht, liest gern im 5. Kapitel der Apostelgeschichte nach. Und etwas später erzählt die Apostelgeschichte von der Not der Jerusalemer Gemeinde und der Notwendigkeit von finanzieller Unterstützung in Form von Spenden durch andere Gemeinden. 

Aber darum soll es heute nicht gehen. Ich habe einen Traum. 

Nicht ohne Grund wird uns die Geschichte von der Gütergerechtigkeit in der Jerusalemer Gemeinde erzählt. Die Versorgung aller durch alle setzt Kapazitäten frei, befreit von der Sorge um die Versorgung. Mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus. Und große Gnade war bei ihnen allen. So übersetzt es die Lutherbibel 2017. Oder mit der basisbibel gesprochen: Die ganze Gnade Gottes ruhte auf der Gemeinde. 

Wenn Menschen sich um ihr tägliches Wohl sorgen (müssen), ist es zumindest verständlich, wenn dann die Kraft für Zeugnis und Begeisterung schwindet. Gerade in unserer Zeit sind wir besonders herausgefordert und zugleich haben wir großen Segen erfahren. Denn die große Not, das große Leid, dass die Menschen andernorts angesichts der Pandemie erfahren, ist uns erspart geblieben – bislang. Und dennoch gibt es auch bei uns große Not. Menschen, die einsam sind, Menschen, die mit ihren Emotionen nicht umgehen können, Aggressionspotenzial, das nicht zu unterschätzen ist. Verschwörungsmythen machen die Runde. Dazu das stete Tasten – wie kann und muss der nächste Schritt aussehen. 

Alles zu verkaufen, was mein ist und den Erlös den Aposteln zu Füßen zu legen, das ist ein unfassbar großer Vertrauensschritt. Es setzt Kräfte und Möglichkeiten frei, weil der tägliche Kampf, das Rechnen und Rechenschaft Geben nicht mehr an erster Stelle stehen. Und zugleich liegt darauf großer Segen, die ganze Gnade Gottes. Und keiner hatte Mangel, keiner musste Not leiden. Lesen wir in der Apostelgeschichte. 

Zwei kurze Gedanken dazu.

Zum einen erwarteten die Gläubigen damals die baldige Wiederkunft Christi und damit das Ende der Welt, wie sie sie bislang kannten. Sich von dem eigenen Besitzstand zu trennen, wenn das Ende nah ist, ist vielleicht nicht so schwer. Ich weiß es nicht, denn ich steckte noch nie in dieser Situation. Andererseits war es auch nicht mehr als eine Ahnung. Die Deutung des Gehörten. Und wer weiß schon genau, was am Anfang gesagt wurde, wenn viele Ohren und ebenso viele Münder dazwischen liegen. Ein altes Spiel, das nicht nur bei Kindern beliebt ist, ist stille Post. Einer sagt einen Satz oder ein Wort ins Ohr des Nachbarn und der sagt weiter, was er gehört hat. Je umfangreicher der Satz, desto schwerer das Weitergeben. Am Ende kommen oft Dinge raus, die nie gesagt wurden. 

Und auch wenn ich drauf vertraue, dass Jesus wiederkommen und diese Erde vollenden wird, weiß niemand, wann es sein wird. Also ja, die Gläubigen erwarteten die Wiederkunft ihres Herrn. Aber sie wussten nicht wann und wie er kommen würde. Sie wussten nur: Sie sind mehr als eine Glaubensgemeinschaft. Sie gehören zusammen. Was mein ist, soll dein sein. Erinnert mich an die Geschichte von Ruth und Noomi aus dem Alten Testament. Zwei Kulturen eng miteinander verflochten, verwoben, eine Schicksalsgemeinschaft, die alles teilt, was sie hat. 

Dem anderen etwas zu Füßen zu legen, bedeutete nach damaligem Verständnis, ihm das Verfügungsrecht zu übertragen. 

Glaubende, Vertrauende, die das Verfügungsrecht über ihren Besitz an die neu entstandene Glaubensgemeinschaft übergaben. Das setzt Kräfte und Möglichkeiten frei. 

Der zweite Gedanke: 

Keiner von ihnen hatte Mangel: Das ist ein wunderschönes Bild von Zufriedenheit, die ihren Grund in einem nicht erklärbaren Vertrauen in die Gnade Gottes hat. Keiner hatte Mangel. Nun kann man vielleicht vom Kontext her denken, dass der Mangel vor allem die finanzielle oder materielle Seite meint. Aber ich bin mir sicher, dass das Fehlen von Mangel sich auch auf die emotionale, seelische Versorgungslage bezieht. Wenn Menschen sich so sehr aufeinander einlassen, dass sie ihre Besitztümer zusammenwerfen und damit auf ein Gefälle verzichten, dann hat das auch im sozialen Bereich Folgen. Denn nun sind alle gleich und es gibt allerhöchstens „Erste unter Gleichen“. Eigentlich sind alle auf Augenhöhe. Das verändert vieles, kann ganze Systeme umwerfen. 

Ja, das klingt schon alles ziemlich idealistisch. Aber die Apostelgeschichte erzählt nicht ohne Grund davon. Es gab eine Zeit und ich glaube, es gibt diese Zeiten immer wieder, in denen die Sehnsucht des Menschen nach Begegnung ohne Gefälle, nach echtem Miteinander so groß ist, dass er sich auf solche wirklich gemeinschaftlichen Wege einlässt. Und keiner von ihnen hatte Mangel. 

Jesus sagt an einer sehr prominenten Stelle: Wem viel anvertraut ist, von dem wird auch viel verlangt werden. 

Uns ist viel anvertraut. Wir sind noch mal davon gekommen. Die Pandemie hat uns bislang nicht so zugesetzt, wie es in vielen anderen Ländern dieser Welt der Fall ist. Ein Blick nach Brasilien und in mir steigt Angst auf – Angst um Menschen, die ich liebe und die dort sind. 

Wir erleben gerade eine Zeit, die das Potential hat, die Werte neu zu bestimmen. Zu den bekannten Werten kommen neue hinzu und alte verschwinden. Und auf einmal ist es nicht mehr wichtig, die eigenen Vorstellungen vom „immer weiter so zu vertreten“. Plötzlich sehen wir, wie wichtig und segensreich es ist, einfach den Menschen als Menschen zu sehen – genauso erlösungsbedürftig, wie ich selbst es bin. Mit ebenso großer Sehnsucht nach geliebt und gesehen werden, wie ich selbst es kenne. Plötzlich ist es nicht mehr wichtig „auf Nummer sicher zu gehen“ und alles was vermeintlich meins ist, festzuhalten. Plötzlich wage ich Dinge, die ich nicht tausendmal getestet habe, riskiere Bruchlandungen und stehe dennoch wieder auf. Plötzlich ist die Macht, die uns verliehen wurde, ein hohes Gut, mit dem wir verantwortungsvoll und bewusst umgehen. Und plötzlich ist es nicht mehr wichtig, woher mein Gegenüber kommt, welche Hautfarbe er hat und welche Kultur ihn prägte. Plötzlich zählt nur noch das Heute und das, was kommt, weil wir „noch mal davon gekommen sind“. 

Wir werden hier in Deutschland mit den wirtschaftlichen Folgen kämpfen und wir können die sozialen Folgen noch nicht abschätzen. Aber wir können den Traum von einer gerechten Gesellschaft, von einem fairen Miteinander träumen. Und nicht nur das. Wir können ihn leben. 

Ich habe einen Traum. Ich träume davon, dass es egal ist, welches Geschlecht, welche Kultur oder Herkunft ein Mensch hat, weil nur zählt, dass er Mensch ist. Ich träume davon, dass nicht zählt, wie alt ein Mensch ist, weil nur zählt, dass er ist. Ich träume davon, dass die Botschaft von der Auferstehung Jesu wirklich die Kraft hat, Menschenleben zu verändern. Weil Jesus selbst uns sendet, diese Botschaft zu verkünden. Ich träume davon, dass jeder und jede seine und ihre Gott gegebenen Gaben kennt und sie einsetzt – zum Wohl der Menschen und zur Ehre Gottes.

Ich habe einen Traum…Diesen Traum haben schon andere vor mir geträumt, er findet sich in der Bibel wieder, in den Worten, die Jesus zu seinen Freunden gesprochen hat, in den Botschaften, die Gott durch die Propheten seinem Volk sagen ließ. Er findet sich immer da wieder, wo das Reich Gottes sichtbar, die Sendung Jesu erkennbar wird. 

Wir leben in einer spannenden Zeit, in der sich viel entscheiden kann. Und ich bin der festen Überzeugung, dass es unsere Aufgabe ist, hinzugucken und hinzugehen und dem Traum von der Wirklichkeit des Reiches Gottes Gestalt zu geben. 

Und es war keiner unter ihnen, der Mangel hatte. Amen 

Abendmahl – dazu aus Lukas 22,14-20

Lied: „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ 

(F&L 392; T: Lübeck vor 1603, M: Jakob Regnart 1574)   

Stille

In der Stille sammeln wir unsere Gedanken und Gefühle, unser Hoffen und Sehnen

Gebet 

Vater, gerechter, ewiger Gott, höre unsere Suche, unseren Schrei nach Gerechtigkeit. Wir sehnen uns nach Gerechtigkeit für die Bedrängten, die Marginalisierten, für Mädchen und Frauen, Kinder und Eltern. Wir suchen nach Gerechtigkeit angesichts der großen Not in dem weitaus größten Teil der Welt. Und stehen oft hilflos daneben, wissen nicht weiter, zucken mit den Schultern, weil der Berg zu groß, die Not zu drückend ist. Wir rufen und bitten: Zeige dein Erbarmen mit den Geschundenen und deine Gerechtigkeit den Bedrückten. Und befreie uns von unserer Selbstgerechtigkeit. Lass uns erkennen: 

Wir sind überreicht beschenkt. 

Gott des Lebens, du gabst uns Atem, damit wir leben. Und doch sind wir atemlos, wenn wir die Not sehen, die uns von überall her erreicht. Wir sind atemlos angesichts der Schlechtigkeit, mit der Menschen, deine Geschöpfe einander begegnen. Schenke uns neuen Atem, damit wir aufstehen und uns bewegen, damit der Traum wahr wird, von dem wir in der Bibel lesen, der uns immer wieder erreicht. 

Gott der Liebe, deine Liebe reicht viel weiter als wir denken können. Höher als alles ist die Liebe, die du gibst, das Leben, das von dir kommt. Mach uns zu Liebenden, zu Menschen mit Herz und Verstand, randvoll gefüllt mit deiner herzlichen Liebe. Verwandle uns und mit uns diese Welt. 

Alles Sehnen, alle Hoffnung, alle Gedanken und Gefühle sammeln wir in dem Gebet, das Jesus uns lehrte: 

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. 

Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit. In Ewigkeit. Amen. 

Lied: „Schalom, Schalom, der Friede sei mit dir“ 

(F&L 111; T + M:Gisela Steil 1988)   

Segen  

Wir öffnen die Hände und sprechen laut den Segen: 

Der Gott des Friedens, der mit Leidenschaft das Leben schafft, erfülle unsere Herzen und Sinne mit seinem Geist, der uns leitet und befähigt, Gutes zu tun, uns selbst den Menschen zu schenken. Er richte unseren Blick zu denen, deren Blicke leer und deren Hoffnung erloschen ist und mache uns zu Boten seiner Liebe. Er richte seinen Blick auf uns und schaue uns gnädig an, damit auch wir den anderen mit seinen Augen sehen. 

So segne uns Gott, der Vater, Sohn und Geist in einem ist. 

Amen

Pfingsten

Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth.“ |Sach 4,6b

Wir feiern Fest des Heiligen Geistes. Die liturgische Farbe ist rot – rot für Feuer, für Leben, für die Liebe. Das Fest des Heiligen Geistes ist zugleich der Geburtstag der Kirche. Eben waren sie noch mutlos, zum Fest der Frühernte nach Jerusalem gekommen. Eben noch war der endgültige Abschied von ihrem Meister in Herz und Sinn. Und plötzlich erfüllt sie große Kraft, wie ein Sturmwind, wie Feuer, kommt der Geist Gottes über sie und löst Herz und Sinn und die Zungen. Sie reden, erzählen von der unfassbaren Liebe Gottes und seiner Erlösungstat. Und sie ermutigen einander, dieser Liebe zu vertrauen, an Jesus Christus, den Messias zu glauben, IHM das ganze Leben anzuvertrauen. Pfingsten – Leben und Geist, Leben im Geist, Leben mit Geist. 

Gebet 

Heiliger, herrlicher Gott, ich danke dir für diesen Freudentag. Ich danke dir, dass wir hier zusammenkommen können, nach so langer Zeit des social distancing. Wir wagen erste Schritte, es ist wie ein vortasten, Schritt für Schritt sind wir unterwegs. Danke, dass du uns dabei leitest, ermutigst, stärkst. Danke, dass du durch deinen Geist unseren Geist stärkst und auch in der Zeit des Distanz immer nah warst. Du siehst manches Zögern und manche Sorge. Wir bringen beides dir und bitten dich: Fülle uns aus mit deiner Liebe, mit deinem Frieden, mit deinem Geist. Amen

Lied: „Geh aus, mein Herz“                                                   

(F&L 493; T: Paul Gerhardt 1653; M: August Harder 1813)

Eingang                                                                                                                           

Liebe Gemeinde,

heute wollten wir ein großes Fest feiern – das Pfingstfest und den 75. Geburtstag unserer Gemeinde. Die Nachbargemeinden und viele ehemalige Gemeindemitglieder sollten dazu eingeladen werden. Und natürlich – dafür ist unsere Gemeinde bekannt – sollte es an Essen und Trinken nicht fehlen. Wir wollten den ganzen Tag zusammen sein und diesen schönen Garten genießen. Dann kam Corona. Ein Wort, das aus unserem Leben seit Monaten nicht mehr weg zu denken ist.

Das große Fest muss zwar warten – vielleicht bis zum Herbst oder bis zum nächsten Jahr. Darüber wird noch zu reden sein.

Aber ein kleines Fest hat jetzt gerade begonnen. Das erste Mal seit Mitte März treffen wir uns zu einem Gottesdienst wieder real – nicht nur am Bildschirm. Was für eine Freude!

Zum Glück haben die Gründer dieser Gemeinde im Oktober 1955 dieses wunderbare Grundstück gekauft. In den 10 ersten Jahren wurden die Gottesdienste als Stubenversammlungen und später in der Mittelschule hier nebenan gefeiert. Die erste Kapelle auf diesem Grundstück wurde 1957 eingeweiht – sie stand ungefähr hier. Im Jahr 1972 wurde dann unsere jetzige Kirche eingeweiht. 

Wenn wir dann irgendwann unser Jubiläum feiern, werden wir sicherlich genauer auf die Chronik dieser Gemeinde eingehen.

Nun wollen wir ein Danklied miteinander singen: Dankt, dankt dem Herrn, jauchzt volle Chöre

Lied: „Dankt, dankt dem Herrn“ 

(F&L 59; T: Matthias Jorissen 1793; M: Guillaume Franc 1543)

Gemeinsamer Psalm: Psalm 118,24-28                                                                               

Lied: „Schmückt das Fest mit Maien“ 

(F&L 279; T: Benjamin Schmolck 1715; M: bei Christian Friedrich Witt 1715)            

Predigt                                   

Festprediger: Pastor i.R. Dr. Bernd Busche

Liebe Gemeinde der Lesumer Auferstehungskirche, liebe Schwestern und Brüder, liebe Freundinnen und Freunde!

Gemeinsam sind wir miteinander verbunden im Glauben an Jesus Christus.

Im alltäglichen Leben aber – auch heute – ist uns in Corona-Zeiten „soziale Distanz“ verordnet.Wir tun gut daran, uns an die Regeln zu halten und fühlen zugleich: Es ist eine paradoxe Situation!

Heute – anlässlich des Jubiläums „75 Jahre Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Bremen-Lesum“ – wollen wir uns von den Einschränkungen nicht über die Maßen beeinflussen lassen.

Irgendwann – in ein oder zwei Jahren – ist Corona ein Thema der Vergangenheit. Dann können wir uns wieder herzlich begrüßen und auch in die Arme nehmen. Was für eine schöne Perspektive!

Ich danke euch für die Einladung, als ehemaliger Pastor der Gemeinde heute die Festpredigt zu halten. Als Festprediger habe ich zwar keine Übung – will mich aber trotzdem gern darauf einlassen. 

Wir blicken zurück und lassen uns auf die Geschichte ein!

Was für ein Datum: der 20. Mai 1945. 

Gerade einmal zwölf Tage ist es her, dass am 8. Mai der 2. Weltkrieg mit der bedingungslosen Kapitulation endete. Für die Hansestadt Bremen war bereits am 27. April das Ende des Krieges vertraglich fixiert. Im Bremer Norden war der Krieg erst zehn Tage später zu Ende. 

Im Glauben, den Feind noch aufhalten zu können, haben deutsche Pioniere am 27. April die Lesumbrücke in Burg gesprengt, die als Nadelöhr den Bremer Norden mit der Stadt verband. 

Vorbei waren Ende Mai 1945 das Sirenengeheul, die Fliegeralarme, die Verdunklungen, die Flucht in den Luftschutzkeller. Endlich Frieden!

Grausam zerstört waren die deutschen Städte; genauso groß war die innere Zerstörung und Verstörung: Ein Volk war aller seiner Werte beraubt. Die menschenverachtende Ideologie von einer  Herrenrasse und nichtarischen Untermenschen, die Rede von unwertem Leben, die bedingungslose Gefolgschaft gegenüber dem Führer – all das sollte von einem auf den anderen Tag nicht mehr gelten. 

Noch nicht absehbar waren mit dem Kriegsende die angerichteten nie wieder gut zu machenden Schäden:

Sechs Millionen Menschen jüdischen Glaubens wurden auf bestialische Weise umgebracht; insgesamt forderte der von Deutschland angezettelte 2. Weltkrieg mehr als 60 Millionen Tote. 

Die schwer zu glaubende und noch schwerer zu verstehende Wahrheit kam erst in den Folgejahren scheibchenweise ans Licht und wird bis heute von einigen Unverbesserlichen in unserem Land geleugnet.

Was sollte nur werden aus unserem Land und Volk? Zwölf Millionen Flüchtlinge strömten aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten nach Westen. Viele Straßennamen in Lesum erinnern an die Herkunft jener Flüchtlinge, die hier eine neue Heimat fanden. 

Was sollte nur werden? Wie würde es weiter gehen? Viele Fragen beschäftigten damals Eltern und Großeltern: 

Gibt es überhaupt einen echten Halt im Leben? 

Wofür kann man sich nach dieser Enttäuschung des 3. Reiches überhaupt noch einsetzen?

Viele Familien hofften und bangten, ihre Väter und Söhne, die als Soldaten in den Krieg gezogen waren, lebendig wiederzusehen.

Mitten in all der Verzagtheit war sich weithin erst einmal jeder selbst der Nächste: 

Wie kann ich überleben? 

Wie kann ich die Meinen durchbringen? 

Der 20. Mai 1945 – was für ein Datum!

In Bremen-Lesum feierte eine kleine Schar von 25 Leuten im Privathaus der Familie Hoefs an Pfingsten einen ersten Gottesdienst. Was für ein Zeichen!

Bibelstunden gab es in Lesum mit kriegsbedingten Unterbrechungen schon seit 1943. Eine selbständige Gemeinde im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland wurdet ihr Lesumer mit dem  1.1.1960. Das Datum eurer Gemeindegründung ist – ich wage mal die Feststellung – historisch fragwürdig, aber theologisch höchst durchdacht. 

Äußerlich waren die Gründe für einen eigenen Gottesdienst in Lesum für jeden nachvollziehbar: Die zerstörte Brücke über die Lesum machte den Weg zur Muttergemeinde in der Zietenstraße in Walle unmöglich. 

Geistlich betrachtet brachte die kleine Schar der Versammelten an Pfingsten 1945 ihren Gottesdienst im Nachhinein in Verbindung mit jenem ersten Pfingstfest, von dem in Apostelgeschichte 2 berichtet wird. 

Das pfingstliche Datum der Entstehung der Jerusalemer Gemeinde gut neunzehnhundert Jahre zuvor, sollte auch der Startschuss für die Gemeindearbeit der kleinen Lesumer Baptistengemeinde sein. 

Das Datum selbst hat Verkündigungscharakter: 

Es ist ein und derselbe Geist, der vor knapp zweitausend Jahren wirkte und der 1945 noch immer lebendig war.

Aus einer Schar von Jüngerinnen und Jüngern, die sich ängstlich verkrochen und auf sich selbst zurückgezogen hatten, wurden beim ersten Pfingstfest Zeugen des auferstandenen Christus.

Angst und Verzagtheit verwandelte der Geist, den wir den Heiligen nennen: Menschen werden zuversichtlich, voll Hoffnung, werden zu mutigen Bekennern.

Es ist derselbe Geist von Pfingsten, der am 20. Mai 1945 Menschen im Glauben an den Auferstandenen dazu verlockte, dem Evangelium zu vertrauen, das ein Wandler der Herzen ist:

  • Aus abgrundtiefe Enttäuschung wurde Mut zur Zukunft;
  • aus Stummheit wurde fröhliches Bekennen;
  • aus Sinnkrise und Lethargie wurde Tatkraft für ein neues Morgen.

Was ist das für ein Geist, den wir auch heute – 75 Jahre später in Erinnerung an jenen ersten Gottesdienst am 20. Mai 1945 – feiern? 

Der Apostel Paulus schreibt seinem Freund und Schüler Timotheus in seinem zweiten Brief (1,7):

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“

Die beiden – Paulus und Timotheus – kannten einander gut. Paulus wusste darum, dass Timotheus zur Verzagtheit und Furchtsamkeit neigte. Dem jungen Mann schlug manches auf den Magen, weshalb ihm sein Ziehvater Paulus auch dazu riet, aus Gesundheitsgründen es hin und wieder mit einem Gläschen Wein zu probieren. 

Natürlich: Den Geist der Verzagtheit und Furcht kannte auch Paulus, bei all dem was er auf seinen Missionsreisen an Katastrophen erlebt hatte. 

Und: Furcht und Verzagtheit kennen auch wir nur zu gut: 

Schreckliche Wochen mit vielen Einschränkungen und sozialer Isolation liegen hinter uns: 

Ein Osterfest  ohne Gottesdienst, an denen man wirklich leibhaftig teilnehmen und feiern konnte;  das haben wir  bis dahin nie erlebt. 

Kein gemeinsam gesprochenes und gesungenes Bekenntnis: „Der HERR ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“ Mir hat das gefehlt. Und ein Gottesdienst im Fernsehen oder Rundfunk ist immer nur eine Notlösung.

Noch ist nicht klar, wie lange uns die Corona-Pandemie noch beschäftigen wird. Statt großer Urlaubspläne beschäftigt uns mehr die bange Frage: Werde auch ich mich noch anstecken? Wie komme ich durch die Krisenzeit gesund hindurch? Manch einer  fragt sich das – ich schließe mich da ein. Niemand lässt das kalt, wenn weltweit Zehntausende an einem Virus sterben. 

Der Geist der Furcht scheint uns Menschen in die Wiege gelegt zu sein – dem einen mehr, dem anderen weniger. Wir brauchen ihn auch, um nicht unvorsichtig und leichtsinnig dem Leben gegenüber zu werden.

Pfingsten aber feiern wir: Gott aber hat uns einen anderen neuen Geist geschenkt. 

Paulus charakterisiert ihn in einem Dreiklang als den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. 

Paulus würde ich gern danach fragen: Was meint du mit dem Geist der Kraft? Vielleicht würde er uns als studierter Theologe und Kenner des Alten Testaments mit der Geschichte von Elia antworten: Nach seinem größten Triumph auf dem Berg Kamel, dem Sieg über die Baalspriester, muss Elia vor der Königin Isebel in die Wüste fliehen, weil sie ihn umbringen will. Mutterseelen allein legt sich der Gottesmann unter eine Strauch um zu sterben: Müde, resigniert, kraftlos, von allen guten Geistern verlassen. Völlig am Ende mit seiner Kraft wird er von einem Engel versorgt, der ihn dann auch wieder neu beauftragt und auf den Weg schickt. 

Paulus würde uns sagen: 

Schaut her, genauso ist es mir ergangen. Der Geist der Kraft war in meinem Leben für mich nie Besitz, sondern immer ein Geschenk von Gott, wenn ich es am Nötigsten hatte. 

Neue Kraft hat Gott mir gegeben, wenn ich keine Kraft mehr in mir spürte. Und einmal bekam ich sogar von Gott das Wort, das mich seitdem begleitet hat: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (2. Korinther 12, 9)

Im Rückblick auf sein Leben kann Paulus nur sagen: Ohne den Geist von Pfingsten, den Geist der Kraft, wäre Alles nicht möglich gewesen. Ich, Paulus, allein auf mich gestellt, wäre schnell am Ende gewesen. Heillos untergegangen. Irgendwo verschollen. Doch, Gott sei Dank, sein guter Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit war mit mir. Um ihn konnte ich immer wieder bitten; oftmals flehen; und dann auch Gott von Herzen danken für alle guten Erfahrungen seiner Geistes Gegenwart.

Gott hat uns gegeben den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. 

Kraft und Liebe sind wie ein Geschwisterpaar, das untrennbar zusammengehört. Denn Kraft ohne Liebe geht ins Leere. Erreicht nichts. Macht höchstens Angst. Unser Zeugnis von Jesus Christus kann noch so kraftvoll und vollmächtig sein – ohne Liebe ist es nichts wert. Die Liebe zu den konkreten Menschen unserer Umgebung ist der Prüfstein für den Geist der Kraft, ob er wirklich von Gott ist oder nur unserer eigenen Einbildung entstammt. Von Jesus lernen wir, dass sein Geist der Liebe so stark war, dass er selbst seine Feinde mit einschloss. 

Umgekehrt: Liebe ohne Kraft traut sich nicht. Sie hat keine Kraft Brücken zu bauen zu den Einsamen, den Verzagten, den Müden und Ruhelosen. Kraft und Liebe wünsche ich mir und uns – zu Pfingsten und alle Tage. 

Dazu kommt noch der Geist der Besonnenheit, der uns gelassen und ruhig die richtigen Entscheidungen für unser Leben und für die Gemeinde treffen lässt. 

Es ist der Geist der Nüchternheit, der uns vor Nervosität und Fanatismus bewahrt. Er macht unsere Köpfe klar und hell, unsere Herzen weit und empfindsam, dass wir Gottes Willen und Gottes Weg erkennen. 

Der Apostel Paulus schreibt seinem Schüler Timotheus bei anderer Gelegenheit auch: „Hab acht auf dich selbst!“ (1. Timotheus 4, 16) Auch das Ist  „Besonnenheit“: Achtsam mit sich selbst und der eigenen Kraft umzugehen; nicht vorzeitig ausbrennen; sich nicht im Aktivismus verlieren; mit anderen zusammen überlegen: Was ist wirklich wichtig und dran? 

Liebe Lesumer Gemeinde an Pfingsten!

Wir feiern heute 75 Jahre Gemeinde Bremen-Lesum. Wir feiern auch den Geist der Kraft, der Liebe und Besonnenheit in 75 Jahren Gemeindegeschichte.   

Gewiss gab es in dieser Zeit auch viel menschlichen Ungeist, manche Konflikte, Zerwürfnisse und vieles mehr. Das gehört auch zur Gemeindewirklichkeit. Aber das lassen wir heute am Festtag mal unter den Tisch fallen.

Eure Kraft – rein zahlmäßig betrachtet – ist klein. Und doch habt ihr immer wieder im Vertrauen auf Gottes Kraft mutig im Glauben euch auf den Weg gemacht. 

Ihr habt nicht nur an euch gedacht: Trotz stets enger Finanzen habt ihr großzügig die Missionsarbeit in Kamerun, in Sierra Leone und in Chile unterstützt. 

Euer Glaube hat euch nicht in die Enge geführt, sondern in ökumenische Weite. Ihr habt euch eurem Stadtteil gegenüber geöffnet, habt mit eurem Winterspielplatz-Angebot Zeichen gesetzt: Wir sind nicht in erster Linie für uns selbst da, sondern für Andere, die unsere Hilfe brauchen. 

Liebe blieb in eurer Gemeindegeschichte kein leeres Wort. Ihr ward miteinander füreinander da. Ihr habt euch und anderen ganz praktisch geholfen. Ihr hattet ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte vom Leid Betroffener.

Ihr habt euch über die Maßen engagiert für die Flüchtlinge und Asylsuchenden, die in den letzten Jahren zu uns gekommen sind und mehr suchten als das bloße Überleben. Ihr habt vielen zum Leben verholfen. Habt ihnen Wertschätzung und Unterstützung entgegengebracht – vom Sprachunterricht bis hin zum Kirchenasyl. 

Pfingsten 2020. Was für ein Datum!

Heute gilt es Gottes Spuren im Leben eurer Gemeinde zu entdecken und fröhlich zu feiern. Ja, es ist derselbe eine Geist, der auf ungeheuer vielfältige Weise Menschen begabt, in Bewegung setzt und verwandelt. 

Dem paulinischen Dreiklang von Kraft, Liebe und Besonnenheit möchte ich zum Schluss noch einen anderen Dreiklang hinzufügen: Danken – bitten – leben.

Pfingsten heißt: Der Geist ist ausgegossen. Wir entdecken ihn und DANKEN Gott für all die wunderbaren Begabungen von Menschen, die sich in den Dienst des Reiches Gottes rufen lassen – das ja bekanntlich viel größer ist als eure Gemeinde. Wir danken heute für die Gegenwart Jesu Christi im Leben der Gemeinde. Er hält sie lebendig durch seinen Geist.

Und: Wir bleiben Bittende. Den Geist Gottes haben wir nie als Besitz, nie auf Vorrat, nie zu unserer alleinigen Verfügung. Wir erleben zeitlebens auch den Mangel und bleiben daher demütig Bittende: HERR, schenke deiner Gemeinde deinen Geist, der sie zu einem Leben in wahrhaftiger Liebe befähigt.

Danken – bitten – leben. 

Zuletzt: Lebt die euch geschenkten Gaben und Begabungen. Vergrabt sie nicht, sondern entfaltet sie weiterhin:

  • Verkündigt das Evangelium von der Liebe Gottes in Jesus Christus – am besten mit eurem Leben.
  • Lebt Versöhnung unter euch – gerade so wie sie Christus euch vorgelebt habt.
  • Nehmt einander an in eurer Unterschiedlichkeit und Vielfalt.
  • Erhebt eure Stimme und protestiert laut, wo Unrecht geschieht und wo Geld und wirtschaftliche Interessen Menschen beschädigen und wo Menschlichkeit auf der Strecke bleibt. 

Ja, wo ihr dankt, bittet und aus der Kraft des Geistes Gottes lebt, da habt ihr als Gemeinde Zukunft, da schenkt Gott Zukunft.

Nur zu gerne wäre ich als euer ehemaliger Pastor bei eurer hundertsten Jubelfeier noch dabei und könnte die nächsten 25 Jahre noch rückblickend mitverfolgen. 

Doch dann werde ich – so Gott will – bereits in die himmlische Herrlichkeit eingegangen sein und von oben segnend eure Gemeindearbeit weiter verfolgen. 

Dann wird vielleicht Anja Bär – als ehemalige Pastorin – die Festpredigt halten. 

Bis dahin ist wahr, was der Liederdichter Samuel Preiswerk 1829 so schön notiert hat:

„Die Sach ist dein, Herr Jesu Christ, die Sach, an der wir stehn, und weil es deine Sache ist, kann sie nicht untergehn.“

Dazu sagen wir ein: AMEN.

Amen

Stille

In der Stille sammeln wir unsere Gedanken und Gefühle, unser Hoffen und Sehnen

Gebet[1]                                                                                                                      

Komm, Heiliger Geist, und schaffe alles neu!
Wir sind in Unruhe.
Komm mit deiner Weisheit.
Viele sind verunsichert.
Komm mit deiner Klarheit.
Die Mächtigen sind uneins.
Komm mit deinem Rat.
Die Kranken sehnen sich nach Heil.
Komm mit deiner Stärke.
Die Wissenschaftler und Forscherinnen mühen sich.
Komm und schenke ihnen Erkenntnis.
Die Traurigen verlieren den Mut.
Komm mit deinem Trost.
Deine Gemeinde sehnt sich danach,
zu singen und gemeinsam aufzuatmen.
Komm und berühre deine Menschen.
Brich mit uns zusammen auf.
Geh mit uns hinaus ins Weite
und heile uns.
Komm, wir warten!
Komm, Heiliger Geist, und schaffe alles neu!
Amen.

Und alle Gedanken und Gefühle, alle Ängste und alle Schuld, alles bringen wir in dem Gebet vor Jesus, das er selbst seine Jünger gelehrt hat: 

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. 

Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld,wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit. In Ewigkeit.
Amen. 

Lied „Möge die Straße uns zusammenführen“ (Irischer Segenswunsch; M: Markus Pytlik)  

Segen                                                                                                                                   

Gott segne und behüte dich, Er lasse sein Angesicht über dir leuchten und gebe dir seinen Frieden, der so viel mehr ist, als wir mit unseren Wissen und Verstand ergreifen und beschreiben können. Er spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben. Amen. 


[1] Wochengebet der VELKD; Quelle: https://www.velkd.de/gottesdienst/wochengebet.php?litDay=40#archiv

Exaudi

Wir zünden eine Kerze an

und halten kurz inne

Eingang                                                                                                                                            

Christus spricht: „Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“ Joh. 12,32

Gebet                                                                                                                                               

Himmlischer Vater, danke für diesen neuen Tag, für diesen Sonntag, an dem wir eingeladen sind, uns auf dich zu besinnen und den Bund, den du mit uns geschlossen hast, zu pflegen und zu erhalten. Danke, dass Du uns zu dir rufst, nicht loslässt, uns umwirbst. Dass die Zusage deiner Liebe gültig ist und bleibt. Danke, dass wir uns bei dir bergen können. Du siehst uns und das, was wir mit uns rumtragen. Hilf uns, diese Last abzulegen, gerade jetzt. Wir wollen dir begegnen, begegne du uns. 

Amen.

Lied: „Gott ist gegenwärtig“ (F&L 1; T: Gerhard Tersteegen 1729; M: Joachim Neander 1680)

Einleitung                                                                                                                                         

Heute ist der 6.Sonntag nach Ostern

Die evangelischen Kirchen wählten den Namen Exaudi aus einer Zeile des liturgischen Wechselgesangs, der Antiphon. Übersetzt bedeutet es »Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe! Sei mir gnädig und erhöre mich!« Oder: Gib mir eine Chance.

Heute geht es um den neuen Bund.

Für mich bedeutet es eine neue Chance. Für das Leben, für die Liebe zu Gott. Wenn Gott mir seine Hand reicht, wenn Gott an meiner Seite steht, wenn Gott meine Stimme hört. Dann gibt er mir eine Chance, dann erneuert er den Bund mit mir. Für ein Leben mit ihm, mit Gott. Dann gibt es ein neues Band zwischen Gott und mir. Ein Band mit Liebe gewebt, gesponnen, geflochten. Denn ein neuer Bund ist eine neue Chance, ein neues Band, unsichtbar, aber fühlbar durch seine Liebe.

Lied: „Herr, das Licht deiner Liebe leuchtet auf“ (F&L 41; T+M: Graham Kendrick 1988; Deutsch: Manfred Schmidt 1990)

Textlesung – Jeremia 31,31-34

Der neue Bund 

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR

Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.

Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

Lied „Von deinen Worten können wir leben“ (F&L 99; T+M: Manfred Siebald 1992)     

Angedacht

Nur eine Bitte habe ich an den HERRN, das ist mein Herzenswunsch: Mein ganzes Leben lang möchte ich in seinem Haus bleiben, um dort seine Freundlichkeit zu schauen und seinen Tempel zu bewundern. Wenn schlimme Tage kommen, nimmt der HERR mich bei sich auf, er gibt mir Schutz unter seinem Dach und stellt mich auf sicheren Felsengrund. Dann triumphiere ich über die Feinde, die mich von allen Seiten umringen. Im Tempel bringe ich ihm meine Opfer, mit lautem Jubel danke ich dem HERRN, mit Singen und Spielen preise ich ihn. HERR, höre mich, wenn ich rufe; hab doch Erbarmen und antworte mir!

Diese Verse sind Psalm 27 entnommen und werden König David zugeschrieben. David ist zu der Zeit, als er dieses Lied dichtete, auf der Flucht vor Saul, dem ersten König Israels. Die Gründe für die Flucht sind vielfältig und spielen keine Rolle. Aber offenbar war David nicht nur auf der Flucht, er war auch von allem abgeschnitten, was ihm kostbar und bedeutsam war. Der Zugang zum Tempel war ihm verwehrt, vermutlich musste er sich von seinen Eltern trennen und er wurde verleumdet. Üble Nachrede nennt man das heute. David sehnt sich. 

Er sehnt sich nach tiefer und fester Bindung, nach Schutz und nach einer innigen und unverbrüchlichen Gemeinschaft mit Gott. Nur eine Bitte habe ich an den HERRN, das ist mein Herzenswunsch: Mein ganzes Leben lang möchte ich in seinem Haus bleiben… David sehnt sich nach einer festen Bindung an Gott. 

Als meine Ehe scheiterte, hatte ich eine große Angst: Ich könnte meinen Glauben verlieren, meine Beziehung zu Gott aufgeben. Vielleicht kennst du ja ähnliche Situationen in deinem Leben. Zeiten, in denen dein Glaube auf wackligen Füßen stand und du dich mit aller Kraft an Dingen oder Orten orientiert und festgehalten hast, die dich mit dem in Verbindung brachten, was dir bis dato immer kostbar gewesen war. 

Vielleicht kennst du das nicht und stattdessen stellt die jetzige Zeit für dich diese Herausforderung dar. Du kannst nicht ohne weiteres die Menschen treffen, die dir wichtig sind. Kirchgang ist kaum möglich. Begegnungen aller Art sind beschränkt auf Abstandhalten, Zeitbegrenzung und Nase-Mund-Schutz. Alles ist anders und das gewohnte, vertraute und auch Sicherheit Gebende ist weg. Und wie richtig und notwendig diese Maßnahmen auch sind: Es sind Einschränkungen und sie tun weh. 

Nur eine Bitte habe ich an den HERRN. 

Egal, welche Einschränkungen, welches Scheitern, welche Ablehnung auch immer dir begegnen: Gott ist mit und bei dir. Du bist nicht allein. 

Seit elf Wochen haben wir uns nicht gesehen. Seit elf Wochen kein Kirchgang, keine Begegnung mit den Glaubensgeschwistern. Eine Trennung, die wir alle nicht gewollt haben und deren Ende wir wohl herbei sehnen. David, der große König Israels, singt davon ein Lied. Ein Lied von Verlust, Verrat und Sehnsucht. Und zugleich ein Lied von großem Vertrauen in die Fürsorge Gottes. 

Die Fürsorge Gottes hat auch der Prophet Jeremia auf dem Zettel. Wir haben vorhin davon gelesen. In Kapitel 31 ist die Rede von einem neuen Bund, den Gott mit den Menschen schließen wird. Das wird ein Bund voll Fürsorge für den Menschen sein. 

Gott spricht, dass der neue Bund nicht auf Tafeln aus Stein, sondern in Herz und Gewissen geschrieben wird. Tafeln aus Stein zerbrechen, verwittern, gehen vielleicht sogar verloren. Gott selbst sorgt dafür, dass der neue Bund weder zerbrechen noch verloren gehen kann. Er schreibt das, was den Bund ausmacht in unsere Herzen und den Sinn, oder auch das Gewissen.

Doch schauen wir näher hin. Es kommt eine Zeit, spricht Gott, da werde ich mit Israel und Juda einen neuen Bund schließen. Die, die seit langer Zeit zerbrochen und zerrüttet sind, werden Bundespartner sein. Bundespartner – gleichberechtigt, gleichversorgt. 

Gott sieht nicht in die Vergangenheit, für ihn zählt das, was ist und daraus werden kann. Ich werde einen Bund schließen, sagt Gott. Das ist keine missverständliche Willenserklärung, sondern eine Zusage, ein Verspechen. Es wird so sein – ohne wenn und aber. Die beiden zerstrittenen Parteien werden Teil von etwas ganz Neuem sein. Ein neuer Bund gegen alte Feindschaft. 

Ein Lied aus meiner Jugendzeit hat es mir angetan. „Wie ein Fest nach langer Trauer“ heißt es und es beschreibt, wie wunderbar Neuanfänge sind. Wie lebendig und hoffnungsvoll. Neuanfänge – ich glaube, dass viele Menschen sich danach sehnen, dass alte Wunden und Risse heilen, dass Neuanfänge möglich sind. Indem Gott durch den Propheten Jeremia die beiden verfeindeten Brüder Israel und Juda nennt und ihnen einen neuen Bund zusagt, greift er dieses Sehnen auf. Ich werde einen neuen Bund mit euch schließen und eure Ressentiments gegeneinander spielen keine Rolle mehr. 

Und sind zu Beginn unseres Textes noch „das Volk von Israel und das Volk von Juda“ die Adressaten des göttlichen Versprechens, ist es am Ende das Volk Israel. Das ganze Volk. Gott will keinen Zerbruch und keine heillosen Zustände. Im Gegenteil, er setzt alles daran, dass Vergebung und Heilung und somit Neuanfang möglich wird. Er setzt alles daran, kämpft, streitet dafür. Die Bedeutung des Namens Israel ist nicht vollständig zu erklären. Aber vermutlich heißt es: Gott kämpft oder streitet. Gott streitet für seine Menschen. Er rettet, er ordnet, er liebt. 

Der alte Bund war ein Bund von oben nach unten. Gott rettet durch seinen Diener Mose das Volk Israel aus ägyptischer Knechtschaft. Die Rettung ist abenteuerlich und gewalttätig – Stoff für Albträume. Gern im 2. Buch Mose nachzulesen. Aber es ist eine Rettung, die verordnet wird. Es dauert dann auch nicht lange, da fängt das Volk schon an zu murren. Es muss ein Gesetz her. In Stein gemeißelt – wie das Gesetz der Meder und Perser, das, in Stein gehauen, unumstößlich war und nicht einmal durch den König aufgehoben werden konnte. Das Gesetz vom Berg Sinai hatte diese  unumstößliche Bedeutung für das Volk Israel. Ein Gesetz, den Menschen zum Leben gegeben, in Stein gehauen, verordnet. 

Ich bin nicht gegen Gesetze – im Gegenteil. Sie ordnen das Miteinander der Menschen und ohne Gesetze würde das Gesetz des Stärkeren gelten. Alle Schwachen, Alten, Kranken, Kinder, Frauen, Alleinlebenden und viele weitere würden unterliegen. Darum regeln Gesetze das Zusammenleben und Verordnungen sind Hilfe für die Umsetzung der Gesetze. Aber Gesetze sind eben keine Herzenssache. 

Der neue Bund, den Gott mit den Menschen schließt, ist ein Beziehungsbund. Gott rettet, Gott ordnet, Gott liebt. Gott verankert sich in unseren Herzen. 

Zu recht könnte man fragen, was das alles mit uns zu tun hat. Wir sind nicht Israel. Wie können wir diesen Text für uns anwenden? Ist das nicht anmaßend?

Der neue Bund – und das ist die Grundlage unseres Glaubens – gründet sich in Jesus Christus, an den wir glauben, dem wir vertrauen, der das Licht in unserem Leben und dessen Weisung für uns verbindlich ist. Jesus Christus ist der Messias, Gottes Antwort auf unsere Suche nach Heil und Heilung und geheilter Beziehung – auch zu Gott. 

Was ist das mit Jesus – werde ich manchmal gefragt. Wer ist Jesus für dich? Ich antworte dann oft so, dass ich erkläre, dass Jesus die Art Gottes ist, sich uns sichtbar und greifbar zu machen. So zeigt sich Gott und so zeigt er uns seinen unbedingten Willen zur Beziehung mit uns.

Nur, wenn du das glaubst, verändert es alles. Glauben ist Herzenssache. Der Glaube gehört ins Herz. Nicht, weil es da so schön gefühlig ist. Das wäre zu wenig und auch wenig haltbar und fundiert. Das Herz ist aber nach biblischem Verständnis der Sitz des Verstandes. Herz und Verstand werden nicht getrennt. Und mit dem Herzen treffen wir kluge, weise Entscheidungen. 

Darum ist auch der neue Bund im Herzen und im Sinn am rechten Platz. Gott schreibt sein Gesetz in unser Herz und lädt uns ein, dieses Gesetz mit Leben zu füllen und es so zu erfüllen. 

Das ist mein Herzenswunsch, dass ich möge bleiben im Hause Gottes immerdar – so bittet König David. Und er wünscht es sich lange vor dem Zerfall Israels und der Feindschaft zwischen Juda und Israel. Lange bevor Jeremia berufen wurde, den neuen Bund anzukündigen, war David klar, dass die Sache mit Gott zutiefst Herzenssache und keine sterile Religionsausübung ist. 

Ja, es kann in deinem Leben diese Zeit geben, in der der Heilige Ort eben nicht der Tempel oder die Kirche ist. Es kann diese Zeit geben, in der du neue Wege finden musst, um deinem Glauben Raum zu geben. Es kann sein, dass alle Strukturen auseinanderfallen oder zumindest nicht mehr anwendbar sind. Und doch ist Gott da. Der neue Bund ist völlig anders als der alte. Es ist ein Bund von Angesicht zu Angesicht, auf der Beziehungsebene, dessen Gesetz in Herz und Sinn geschrieben ist. 

Dies aber ist der stabilste und verlässlichste Ort. Herz und Sinn gehören zusammen zum neuen Bund, durch Jesus Christus verankert und versiegelt.

Gott streitet für uns: Gott rettet uns, Gott ordnet das Chaos um uns, Gott liebt – auch gegen alle Lieblosigkeit. Das ist der neue Bund und du bist eingeladen, diesen Bund zu ratifizieren, ihn in deinem Leben gültig zu machen. Der Liebende selbst lädt dich ein.

Amen

Lied: „Ich will dich loben, ich möchte dir danken“ (F&L 411; T+M: Jörg Streng 1999)  

Stille

In der Stille sammeln wir unsere Gedanken und Gefühle, unser Hoffen und Sehnen

Gebet  

Geist der Wahrheit, Liebe Gottes komm und zieh bei uns ein. Du erfüllst die Herzen. Du stärkst die Schwachen. Wir bitten dich für alle, die in diesen Tagen ratlos sind – für alle, die in Angst sind – weil sie in Katastrophengebieten leben müssen, für alle, die trauern – für alle, die ihre Familien, ihre Freunde vermissen. Komm und sprich, damit die Schwachen aufatmen. Und rüttele die Starken auf, damit sie helfen und stärken, dein Werkzeug sind. Wir bitten für alle, die über andere entscheiden für die Regierung, für die Forscher und Virologen sei die Richtschnur; für alle, die mit ihrem Tun und Lassen, Weichen stellen – zeige ihnen den Grund der Welt. Wir bitten Dich für die, die unsere Partner und Freunde sind für die, die in dieser Zeit getauft, konfirmiert, gesegnet werden sollten für die, die in dieser Zeit durch ihre Ideen andere aufmuntern und stärken. Verwurzele uns immer tiefer in deiner Liebe. In deinem neuen Bund, in der heutigen virtuellen Zeit. Lass uns dich erkennen und nicht aufhören, nach dir zu fragen. Dir vertrauen wir uns an, Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, heute und alle Tage.

Unsere Gedanken und Gefühle, alle Ängste und alle Schuld, alles bringen wir in dem Gebet vor Jesus, dass er selbst seinen Jüngern gelehrte hat :    

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, 

wie im Himmel, so auf Erden. 

Unser tägliches Brot gib uns heute 

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit. In Ewigkeit. Amen. 

Lied „Friede sei nun mit euch allen“ (F&L 118; T: Gerard Moultrie 1864 aus dem Griechischen, D: Erich Griebling 1969; M: 17. Jh. Frankreich)   

Segen                                                                                                                                               

Wir öffnen die Hände und sprechen laut den Segen: 

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. 

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden. 

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, 

unserem Herrn

Amen

Rogate!

Wir zünden eine Kerze an

und halten kurz inne

Eingang                                                                                                                                            

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir nimmt. 

Psalm 66,20

Gebet                                                                                                                                               

Vater im Himmel, danke für diesen neuen Tag, für den Gottesdienst, den wir feiern können, der uns mit dir und unseren Geschwistern im Glauben verbindet. Du lädst uns ein, hast Sehnsucht nach uns. Wecke in uns die Sehnsucht nach dir und segne uns. 

Amen.

Lied: „Herr, ich sehe deine Welt“ (F&L 486; T+M: Peter Strauch 1977) 

  1. Herr, ich sehe deine Welt, das weite Himmelszelt, die Wunder deiner Schöpfung. Alles das hast du gemacht, den Tag und auch die Nacht; ich danke dir dafür. Berge, Flüsse und die Seen, die Täler und die Höhn sind Zeichen deiner Liebe. Sonne, Wolken, Sand und Meer, die loben dich so sehr, sie preisen deine Macht. 

Refr.:   Darum bete ich dich an, weil ich nicht schweigen kann, die Freude füllt mein Singen. Staunend habe ich erkannt: ich bin in deiner Hand, und du lässt mich nicht los. 

  • Auch die Menschen sind von dir und haben Leben hier durch deine große Güte. Fühlen, Wollen und Verstand sind Werke deiner Hand, entstammen deinem Plan. Ist der Mensch auch sehr entstellt, weil er die Sünde wählt, du willst ihn nicht zerstören. Deine Liebe macht ihn frei von aller Tyrannei, wenn er auf dich vertraut. 
  • Herr, weil du der Herrscher bist und alle Menschen siehst, bin ich in dir geborgen. Kleinste Wesen in der Welt, das große Sternenzelt hältst du in deiner Hand. Du regierst auch unsre Zeit, und bald ist es so weit, dann wirst du sichtbar kommen. Mit uns sehnt sich die Natur und alle Kreatur nach deiner Herrlichkeit. 

Einleitung                                                                                                                                         

Heute, am Sonntag Rogate, geht es um das Gebet. 

Was ist beten? Beten wird auch Reden mit Gott genannt. 

Beim Beten sind der Verstand, das Gefühl und das Herz aktiviert, und manchmal wird es durch äußere Gesten wie Hände falten, knien, Kopf senken oder Augen schließen unterstützt. Ein Gebet kann leise oder laut sein, gesungen, gesprochen, geschrien,  sprachlos sein, aber es richtet sich immer an Gott. 

Beten ist kommunizieren mit Gott. Es ist zuhören, schweigen und auch abwarten, es ist ein aktiv erwarten, es ist ein Verbunden sein mit Gott.

Beten ist loslassen und auftanken, jubeln und danken, aber auch abgeben der Sorgen und Probleme. Das kann dazu führen, dass ich Menschen, Situationen oder Nöte  aus einer anderen Perspektive, in einem anderen Blickwinkel sehe. 

Gebet ist die Verbindung des Weinstocks zur Rebe. Gebet ist Lob, Dank, Bitte, Fürbitte und mehr.

Lied: „Ich lobe meinen Gott“ (F&L 62; T(nach Ps 9,2-3.8-10)+M: Claude Fraysse 1982 ) 

Aktion                                                                                                                                               

Die Orte des Gebets können verschieden sein. Es gibt feste Orte zum Gebet in der persönlichen stillen Zeit, im Gottesdienst, zu den Mahlzeiten, und dann die vielen kleinen Gebete im Laufe des Tages, im Haus, beim Autofahren, auf der Arbeit, beim Spazieren gehen, die von Danksagungen bis Stoßgebete auch alles beinhalten können. 

Eine gute Angewohnheit kann sein oder werden, den Tag am Abend in Gottes Hände zurück zugebenDabei kann ich mir folgende Fragen stellen:

  • Was hat mich froh gemacht?
  • Wofür kann ich danken?    Aber auch
  • Was ist offen geblieben?
  • Was nehme ich mit?
  • Welche Menschen sind mir wichtig gewesen?
  • Für wen möchte ich beten?

Die Fragen werden von Abend zu Abend, von Person zu Person, andere Schwerpunkte haben.

Hast du so etwas schon einmal ausprobiert, den Tag so vor Gott ausgebreitet? 

innehalten, reflektieren

Das Vaterunser, das Gebet, das wir persönlich von Jesus bekommen haben, soll uns anleiten und lehren, wie wir beten können. Wenn du die vertrauten und gleichzeitigen aktuellen Zeilen betest kommen dir vielleicht Gebetsimpulse darüber hinaus. Zum Beispiel: 

  • Wofür kann ich danken, wer ist mein Nächster, für wen möchte ich beten?

Lasst uns gemeinsam beten, jeder für sich zuhause, trotzdem vereint als Gemeinde und allen Christen auf der ganzen Welt, die heute überall und zu jeder Stunde mitbeten.

Vaterunser                                                                                                                                       

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name. 

Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute. 

Und vergib uns unsere Schuld, 

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. 

Und führe uns nicht in Versuchung, 

sondern erlöse uns von dem Bösen. 

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Lied „Bist zu uns wie ein Vater“ (F&L 82; T (nach Mt.6,9-13): Christoph Zehender 1995: M: Hans Werner Scharnowski 1995)     

Abendmahl                                                                                                                                       

Lukas 22,14-20 – Basisbibel

Als die Stunde für das Passamahl gekommen war, legte sich Jesus mit den Aposteln zu Tisch. Und Jesus sagte zu ihnen: »Ich habe mich sehr danach gesehnt, dieses Passamahl mit euch zu essen, bevor mein Leiden beginnt. Das sage ich euch: Ich werde das Passamahl so lange nicht mehr essen, bis es in Vollendung gefeiert wird im Reich Gottes.« Dann nahm Jesus den Becher, sprach das Dankgebet und sagte:

»Nehmt diesen Becher und teilt den Wein unter euch! Das sage ich euch: Ich werde von nun an keinen Wein mehr trinken – so lange, bis das Reich Gottes kommt.«

Anschließend nahm er das Brot und sprach das Dankgebet.

Gott, du schenkst uns das Brot, die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit. 

Lass dieses Brot für uns zum Brot des Lebens werden.

Er brach das Brot in Stücke, gab es ihnen und sagte: »Das ist mein Leib. Er wird für euch gegeben. Tut das immer wieder zur Erinnerung an mich.«

            Brot essen

Genauso nahm Jesus nach dem Essen den Becher und sagte: »Dieser Becher steht für den neuen Bund, den Gott mit den Menschen schließt. Er kommt zustande durch mein Blut, das für euch vergossen wird.«

Du schenkst uns die Frucht des Weinstocks, das Zeichen des Festes.
Lass diesen Kelch für uns zum Kelch des Heils werden.

            Kelch trinken

Lied „Dein Wort ist ein Licht auf meinem Weg“ (F&L 100; T+M: Amy Grant / Michael W. Smith 1983)     

Angedacht                                                                                                                                                    

Beten bedeutet für jeden etwas anderes. Für manche ist das Gebet eine Art Puffer, für andere eher ein Entlastungsritual. Vor allem dann, wenn Druck rausmuss oder eine schwierige Entscheidung ansteht, sind Stoßgebete bewährt. Die Sache mit dem Stoßgebet lag mir lange Zeit so gar nicht. Es gab da immer so eine innere Sperre, eine Art Verbot. Nach dem Motto: Stoßgebete sind nur erlaubt, wenn du auch „anständig“ betest. Das ist natürlich Blödsinn. Aber es saß tief in mir: Wenn ich das eine nicht erfülle, dann geht aber auch das andere nicht, dieses „mal eben ein Gebet loslassen“. Ein hoher Anspruch und eine unnötige Zensur. Doch wie betet man richtig? Gibt es ein Richtig?

In der Antike war das Gebet Sache des Kultpersonals. Ein Laie hätte es kaum gewagt, ein Gebet zu formulieren. Beten war etwas, das man lernen, wofür man ausgebildet sein muss. Wer ein Gebet formuliert, muss wissen, was er tut. 

Es ist also kein Wunder, dass Jesus seinen Jüngern erklärt, wie sie beten sollen. Lesen wir Matthäus 6, 5-15.

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten. Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. Darum sollt ihr so beten:

Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt.

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. [Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.]

Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

Mein eigenes Gebetsleben ist in ständiger Entwicklung. Und ich habe noch nicht die eine Methode gefunden, wie ich zu beten habe. Die Bibel gibt viel mehr Empfehlungen zum Gebet, als diese eine hier im Matthäusevangelium. Das Vaterunser findet sich auch im Lukasevangelium – zumindest sehr ähnlich, wenn auch deutlich kürzer. Außerdem sind die Briefe des Neuen Testaments voll von Tipps zum Thema Gebet. Gemeinsam ist allen Stellen, dass das Beten ein Ausdruck von Beziehung ist. Beziehung zu dem, dem mein Gebet gilt – nämlich Gott. Gott als Adressat meiner Gedanken, meines Lobs und Danks, meiner Fürbitte und meiner Klage. 

Manche Zeiten sind wie geschaffen für ein intensives Gebetsleben. Konzentration auf das Wesentliche ist unproblematisch. Die Gedanken lassen sich festhalten und fokussieren. Zu Gott zu kommen, in mein stilles Kämmerlein, ist geradezu ein Selbstläufer. Es gibt einfach nichts, was mich ablenkt. Im Gegenteil. Diese Zeiten sind sehr erfüllend und nährend. Meine Seele findet Ruhe, Ruhe bei Gott.

Genauso kenne ich aber auch Zeiten, in denen ich keinen einzigen Gedanken formulieren, geschweige ihn vor Gott bringen kann. Das Gedankenkarussell dreht sich immer schneller. Je mehr ich versuche, in die Ruhe zu kommen, desto lauter werden die vielen inneren und äußeren Aufträge an mich: Ich muss das noch, ich muss jenes noch. Habe ich daran gedacht? Das darf ich auf keinen Fall vergessen… und so weiter. 

Wenn du betest, geh in dein Kämmerlein, rät Jesus seinen Freunden. Geh in dein Kämmerlein, sperr aus, was dich ablenkt. Dieses Kämmerlein kann ganz verschieden aussehen. Ich kann tatsächlich einen Ort aufsuchen, an dem ich Ruhe finde und nichts mich ablenken kann. Es kann aber auch eine Haltung sein, die ich einüben kann. Am besten übt sich diese Haltung in den Zeiten, in denen das Beten wie ein Selbstläufer ist. Dann kann ich das Kämmerlein in den hektischen, heillos wirkenden Zeiten abrufen und so Ruhe finden. Ruhe, um meine Beziehung zu Gott, dem Vater und Schöpfer zu leben und zu pflegen. 

Und dann bete. Sprich aus, was in dir ist und höre auf das, was der Vater im Himmel dir zu sagen hat. Der Vater, der das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten. Der verborgene Gott sieht das Verborgene. Jahrelang dachte ich dabei an all die Dinge, die vielleicht nicht so toll sind. All meine Schuld, die ich immer wieder auf mich lade – bewusst und auch unbewusst. Ich habe Gott als den Überwacher meines Lebens gesehen. Das fand ich nicht weiter problematisch, weil ich mich so sehr angenommen und geliebt fühlte und fühle, dass es mir nicht wichtig war, dass Gott irgendwas nicht mitbekommen soll. Aber es fehlte was. 

Gott sieht das Verborgene. Das Verborgene zu reduzieren auf das, was uns vielleicht von Gott trennen könnte, ist zu kurz gedacht. Das Verborgene sind vor allem meine Gedanken, die ich manchmal einfach nicht sortiert bekomme. Die Sorge und die Ungewissheit, die Angst vor morgen und die ungeklärten Beziehungen. Die Verletzungen, die ich anderen zugefügt habe und die mir zugefügt wurden. Vor Gott, der im Verborgenen ist, sind diese ganzen verworrenen und verwirrenden Dinge klar. Ich muss mich nicht um wohlfeile Worte bemühen. Er versteht, denn auch das Verborgene sieht er und ordnet es richtig ein. 

Gott weiß, was wir bedürfen, bevor wir ihn bitten. Warum dann überhaupt noch bitten? Indem ich meine Bitte formuliere, erkenne ich, was ich wirklich brauche. Es geht hier um ein echtes Bedürfnis. Klar haben auch Wünsche ihren Platz. Aber Wünsche und Bedürfnisse sind eben nicht dasselbe. Manches klärt sich schon, indem ich versuche, es in Worte zu fassen. 

Das Gebet, das Jesus seinen Jüngern und damit auch uns gibt, bringt alle Bedürfnisse auf den Punkt, also all das, was der Mensch wirklich braucht: 

  • Eine lebensbejahende und fördernde Beziehung. Jesus spricht Gott als Vater, eigentlich als Papa, an. Und das „unser“ nach dem Vater zeigt deutlich: Wir sind Teil eines Ganzen. Der Mensch, der dieses Gebet spricht, spricht es als Gottes Kind und ist als solches Teil einer Familie.
  • Die Bitte um das tägliche Brot, also um das, was wir wirklich täglich zum Leben brauchen. 
  • Vergebung – wir leben davon, dass uns vergeben wird. Natürlich muss ich ehrlich sein vor mir selbst und erkennen, dass ich weit entfernt von einem Leben ohne Schuld bin. Wenn ich aber verstehe, wie nötig ich Vergebung habe, wird es leichter, vergebungsbereit zu sein. Darum lautet die Bitte im Vaterunser auch: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben haben, denen, die an uns schuldig wurden. Wir haben uns an die Verkürzung gewöhnt. Aber eigentlich geht es darum, dass wir vergebungsbereit sind und dann auch um Vergebung bitten können. 
  • Führe uns nicht in Versuchung – eine der am wenigsten zu verstehenden Bitten. Die ersten Bitten sehen voll Vertrauen  auf Gott, diese Bitte ist voll Angst. Gott, der uns versuchen könnte – ein Gottesbild, das vielleicht in der Zeit nach Ostern, nach der Auferstehung, entstanden ist, als die Jünger merkten, dass es Versuchungen gibt und hier Hilfe nötig wird. Die Formulierung, an die wir seit Jahrhunderten gewöhnt sind, ist irreführend und unzureichend übersetzt. Ich erspare uns hier die Details. Aber das Wort, das im Griechischen für Versuchung steht, ist eigentlich eher als „Bewährungsprobe“ zu übersetzen. Also könnte man sagen: Führe uns nicht in eine Bewährungsprobe. Oder auch: Erspare uns eine Bewährungsprobe. Und dann macht auch der zweite Teil dieser Bitte mehr Sinn: Sondern erlöse uns von dem Bösen. Näher am Text: Reiße uns aus der Macht des Bösen. Bei Lukas fehlt dieser Teil im Übrigen ganz. Möglicherweise gehört der Gedanke, dass Gott den Menschen versuchen könnte, bzw. ihn einer Bewährungsprobe unterziehen würde, nur zu einem Teil der frühen Christenheit. Für andere – die anderen Evangelien geben dieses Gebet überhaupt nicht wieder – spielt dieser Gedanke keine Rolle. 

Wie sollen wir beten? Ich sagte es schon, mein eigenes Gebetsleben ist in ständiger Entwicklung. Ich versuche Methoden, probiere Formulierungen, Gebetslieder, Psalmen. Zurzeit bete ich mit Farben – praying color nennt sich die Methode. Das ist interessant und öffnet neue Räume, eignet sich aber vor allem für abgegrenzte Zeiten. 

Was ich aber über all die Versuche, „richtig zu beten“ gelernt habe: Beten ist Ausdruck meiner Beziehung zu Gott. Gott lädt uns ein, mit ihm zu reden, auf ihn zu hören, neue Kommunikationswege auszuprobieren und bewährte auszubauen. Aber was er vor allem möchte: 

  1. Dass ich ihn anspreche.
  2. Dass ich dabei bei mir bleibe und mein Inneres mit ihm teile.
  3. Dass ich ihm voll vertraue. 

Wir sind eingeladen zum Gebet. Das Vaterunser ist dabei ein Weg, längst nicht der einzige, aber in diesem Gebet ist zumindest das in Worte gefasst, wessen wir bedürfen. Gott sei Dank. Amen

Stille

In der Stille sammeln wir unsere Gedanken und Gefühle, unser Hoffen und Sehnen

Gebet                                                                                                                                                

Wir bitten dich: Schau auf die Leidenden.
Du kennst die Not, du spürst ihre Schmerzen, du hörst ihre Klagen.
Auf dich hoffen die Kranken, die Verletzten, die Trauernden.
Auf deine Liebe hoffen die Verzweifelten, die Sterbenden.
Reiße sie aus den Schmerzen, rette sie.
Zu dir rufen wir: Erbarme dich.

Wir bitten dich: Sprich zu den Mächtigen.
Du kennst die Versuchungen, du hörst ihre Fragen, du siehst die Schuld.
Auf Frieden warten die Völker, die Menschen in Syrien und im Jemen, im Irak und Afghanistan.
Auf Gerechtigkeit hoffen die Hungernden, die Heimatlosen, die Verfolgten, rette sie.
Zu dir rufen wir: Erbarme dich.

Wir bitten dich: Höre die Gebete deiner weltweiten Gemeinde.
Du siehst ihren Glauben. Deinem Heiligen Geist vertrauen wir. Um deinen Heiligen Geist bitten wir
für alles, was wir in deinem Namen tun.
Bewege und erneuere uns, leite uns.
Zu dir rufen wir: Erbarme dich.

Wunderbar ist deine Liebe. Erfülle uns mit deinem Frieden und segne uns, heute und alle Tage.
Amen.

Lied „Meine Zeit steht in deinen Händen“ (F&L 415; T+M: Peter Strauch 1981)   

Segen                                                                                                                                               

Wir öffnen die Hände und sprechen laut den Segen: 

Der Herr segne dich und behüte dich. In allem, was dir widerfährt, in allem Guten und in allem Unguten lasse Seine Hand dich nicht los. Der Herr lass sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Gnädig auch dann, wenn du selbst es nicht sein kannst. Seine Gnade erreiche dein Herz in jeder Minute eines jeden Tages. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir seinen Frieden. Den Frieden, der alles heil machen kann, der jeden Winkel und jede verborgene Stelle deines Seins erfüllen kann und will. 

So segne und behüte uns Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist. 

Amen

Kantate

Wir zünden eine Kerze an

und halten kurz inne

Eingang

Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder. Psalm 98,1

Gebet

Himmlischer Vater, Schöpfer des Lebens, du tust auch heute Wunder. Wenn wir uns umsehen und mit den Augen des Herzens sehen, können wir sie auch entdecken. Ich bitte dich, zeige uns deine Herrlichkeit, dein Wirken. Lege ein neues Lied in unseren Mund, erfülle uns mit Musik und segne uns.

Einleitung

Wenn ich ganz unten bin überlege ich mir, was mir guttut. Manchmal ist es der Rückzug, einfach alleine sein. Keinen Wirbel, auch nicht durch eine zweite Person. Was mir Seelenbalsam bedeutet: morgens um 4:30 Uhr aufstehen und darauf warten, dass die Vögel anfangen zu zwitschern. Erst einer, dann antwortet ein zweiter ganz fröhlich. Auf einmal stimmen immer mehr mit ein. Berauschend.

Das geht aber nicht immer. Schon gar nicht, wenn du am zeitig aufstehen keine Freude hast. Aber jeder man immer machen kann und jedem unterschiedlich hilft, ist Musik. Für jeden kann es eine andere Musik sein und manche singen auch selbst gern. Musik kann guttun und die dunklen Wolken und Gedanken vertreiben. „Smoke on the water“ würde mir in einer angespannten oder traurigen Verfassung nicht guttun. Auch kein Tschaikowsky oder Beethoven sind dann eher fehl am Platz. Für mich ist etwas ruhiges, klassisches hilfreich. Bach, Telemann oder ein Schütz Choral. Ich will zur Ruhe kommen. Diese Musik fängt meine bekümmerte Seele ein. Sie ist Medizin für mich.

Lied: „Herr, im Glanz deiner Majestät“ (F&L 36; T: (nach Ps 36,10; Joh 4,14) und M: Uwe Peters 1991)

Textlesung Psalm 98 

Lied „Singt, singt dem Herren neue Lieder“(F&L 9; T: Matthias Jorissen 1798, M: Guillaume Franc 1543 – Melodie: „Jauchzt alle Lande“)

Aktion – Dein frommes Lieblingslied

Welches fromme Lied bewegt dein Herz auf besondere Weise? Mit welchem Lied auf den Lippen kann man dich am ehesten antreffen?

Lied „Ich lieb dich, Herr“(F&L 44; T+M: Laurie Klein 1978; D: Gitta Leuschner 1983)

Angedacht

Wenn meine Seele leicht ist, fange ich an zu summen oder vor mich hin zu singen. In der Regel sind das fromme Lieder, Lieder, die Gott loben und seine Schöpfung bestaunen. Es ist ein sicheres Signal, sagte meine große Tochter mal, dass bei mir alles wieder gut ist, wenn ich anfange zu singen.

Leider gab es eine Zeit in meinem Leben, da sang nichts in mir. Ich war einfach ausgebrannt, hatte keine Energie mehr. Das einzige, was mich aufrecht hielt, war die Liebe zu meinen Kindern und die Ahnung, dass Gott genau in dieser Zeit ganz nah war. Er richtete mich immer auf und schenkte meiner Seele die Kraft seines Geistes. Vielleicht klingt das sehr fromm oder fremd für dich. Aber genau so habe ich es erlebt. In der dunklen Zeit in meinem Leben, schenkte Gott mir immer wieder Licht. Häufig kam dieses Licht durch Musik zu mir. Das war in der Regel Musik aus dem kirchlichen Umfeld. Loblieder, Choräle, Heilslieder.

In der letzten Woche ging es um die Nähe Gottes, heute geht es um die heilende Kraft der Musik für die Seele. Meine feste Überzeugung ist: Beides gehört zusammen.

Der Text, der heute Grundlage für die Andacht ist, steht im 1. Buch Samuel. Da lesen wir:

Der Geist des HERRN aber wich von Saul, und ein böser Geist vom HERRN verstörte ihn. Da sprachen die Knechte Sauls zu ihm: Siehe, ein böser Geist von Gott verstört dich. Unser Herr befehle nun seinen Knechten, die vor ihm stehen, dass sie einen Mann suchen, der auf der Harfe gut spielen kann, damit, wenn der böse Geist Gottes über dich kommt, er mit seiner Hand darauf spiele, und es besser mit dir werde.

Da sprach Saul zu seinen Knechten: Seht nach einem Mann, der des Saitenspiels kundig ist, und bringt ihn zu mir. Da antwortete einer der jungen Männer und sprach: Ich habe gesehen einen Sohn Isais, des Bethlehemiters, der ist des Saitenspiels kundig, ein tapferer Mann und tüchtig zum Kampf, verständig in seinen Reden und schön, und der HERR ist mit ihm. Da sandte Saul Boten zu Isai und ließ ihm sagen: Sende deinen Sohn David zu mir, der bei den Schafen ist. Da nahm Isai einen Esel und Brot und einen Schlauch Wein und ein Ziegenböcklein und sandte es Saul durch seinen Sohn David.

So kam David zu Saul und diente ihm. Und Saul gewann ihn sehr lieb, und er wurde sein Waffenträger. Und Saul sandte zu Isai und ließ ihm sagen: Lass David mir dienen, denn er hat Gnade gefunden vor meinen Augen. Wenn nun der Geist Gottes über Saul kam, nahm David die Harfe und spielte darauf mit seiner Hand. So erquickte sich Saul, und es ward besser mit ihm, und der böse Geist wich von ihm.

Es ist verstörend. Gott nimmt seinen Geist von Saul und gibt ihm dafür einen Geist, der ihn quält. Zwei Sorten Geist, beide aus derselben Quelle. Das macht mich schon sehr nachdenklich. Eigentlich gehöre ich zu der Sorte Gläubiger, die sagen: Alles was gut und vollkommen ist, kommt von Gott“ und die Schläge, welcher Art auch immer, kommen nicht von Gott. Aber in der Andacht der letzten Woche ging es auch um die Frage, wie Gott dafür sorgt, dass wir Frucht bringen. Zurechtschneiden, reinigen war das zugehörige Bild. Gott, der Weingärtner, der alles rausschneidet, was zerstörerisch oder wachstumshindernd ist.

Nun ist ein Geist, der die Seele quält, in keinem Fall wachstumsfördernd. Im Gegenteil. Wir haben es hier offenbar mit Depressionen zu tun. Und Depressionen sind zerstörerisch. Kann solches von Gott kommen, der selbst vollkommen ist?

Ich weiß es ehrlich nicht! Ein weiterer Blick in die Bibel: ich sehe Paulus, der davon spricht, dass der Stachel in seinem Fleisch ihn dazu bringt, seine Kraft allein von Gott abhängig zu machen. Das ist stark und zugleich schwierig. Denn man kann es so verstehen, dass der Stachel in Paulus‘ Fleisch von Gott kommt und ihn abhängig von Gottes Gnade machen soll. Vielleicht ist es so, aber wissen? Ich weiß es nicht. Ebenso wenig weiß ich, ob der Geist, der Saul quält, von Gott dazu bestimmt wurde und ob mit der Qual irgendetwas bezweckt wird.

Ich denke, keiner von uns kann ganz genau sagen, was und wer der Auslöser der Qualen Sauls war. Aber der Text sagt uns: Gott nahm seinen Geist von Saul, die Folge war: Saul wurde depressiv. Depressionen sind zerstörerisch. Sie zerstören den, der depressiv ist und ebenso sein Umfeld. Die Diener Sauls sehen nur einen Weg: Lass uns für Abhilfe sorgen. Musik heilt die Seele. Harfenspiel insbesondere.

Die Harfe, oder eigentlich die Leier, gilt als Instrument, dessen Klänge Unheil abwenden können. Das Spiel auf der Leier hat demnach ähnliche Auswirkungen wie das Passahritual: In der Nacht, in der Israel aus Ägypten zog, bestrichen die Israeliten ihre Türpfosten mit dem Blut geschlachteter Lämmer und wendeten so das Unheil von sich ab, das Gott über Ägypten brachte – der Tod aller Erstgeborenen.

Das Spiel auf der Leier, noch dazu von einem guten Saitenspieler vorgetragen, kann Unheil abwenden, Unheil, das lebenszerstörerisch ist – so wie der Todesengel, der durch Ägypten zieht.

Als Saitenspieler kommt David an Sauls Hof und Saul gewinnt ihn lieb. Und immer wenn Saul schwermütig wird, nimmt David sein Instrument und spielt darauf und es wird besser mit Saul.

Heute feiern wir Kantate. Eigentlich würden wir gemeinsam in der Kirche feiern. Stattdessen sind wir zuhause – am Küchentisch oder vor dem Bildschirm und feiern in ziemlich kleiner, teilweise einsamer Situation. Geht das denn?

Am Freitag habe ich an einer großen Videokonferenz unserer Kirche teilgenommen. Wir waren mehr als 200 Teilnehmer. Das Thema: Gottesdienst – ja oder nein? Zwei Kollegen gaben je ein Statement – eines für und eines gegen die Öffnung der Kirchen zum jetzigen Zeitpunkt. Die Pro-Seite begann ihre Argumentation mit: Das stille Kämmerlein reicht nicht, feiern geht nur mit vielen.

Dem widerspreche ich und hoffe, dass jeder und jede von uns auch in kleiner Runde und auch allein feiern kann. Denn der Grund unserer Feier ist nicht der andere, der Mitmensch. Es ist Gott, der uns zum Loben und Feiern bringt. Dass wir in normalen Zeiten echte Gemeinschaft haben können und genießen, das ist ein wunderbares Beiwerk und ich sehne mich danach, Euch allen wieder real zu begegnen. Aber Feiern braucht in Zeiten wie diesen nicht die Vielen, sondern vor allem die Ausrichtung auf Gott, der uns in Jesus Christus begegnet und dessen Geist unseren Geist tröstet.

Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder – so lautet der Eingangsvers. Singt dem Herrn ein neues Lied. Zurzeit lerne ich viel Neues und es sind auch neue Lieder dabei. Viele davon sind wunderschön und bringen mich in die Anbetung und machen meine Seele heil.

Es ist dann so, wie es vielleicht bei Saul war: Musik heilt das, was in mir zerbrochen ist. Musik zur Ehre Gottes macht mein Herz ruhig und meinen Geist lebendig.

Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Ja, Gott tut Wunder. Auch heute noch. Ich gehe raus und sehe, wie das Grün des Frühlings neues Leben anzeigt. Und wie lebendig alles ist – trotz Corona, trotz Pandemie und Zukunftssorgen. Ich sehe Leben.

Am vergangenen Freitag vor 75 Jahren endete der zweite Weltkrieg.

Es war ein Dienstag.„…und die Sonne scheint. Die Bäume blühen wie zum Trotz, wie gegen alle Zerstörung. Sie blühen in den Parks der Städte oder in dem, was von den Parks übriggeblieben ist. Es blüht auch in den Vorgärten der Häuser, die stehengeblieben sind. Junges Grün am Straßenrand überwächst die Spuren, die Wagen und Menschen zurückgelassen haben auf ihrer Flucht. Im Graben, da, wo sie vor wenigen Monaten noch Schutz gesucht haben vor den Fliegern, antwortet eine Löwenzahnblüte der Sonne. … Es ist ein Dienstag im Mai. Und der Mai tut, was nur der Mai kann. Er überblüht einfach alles. Alle Zerstörung, all das Leid, den Tod. Die Sonne scheint. Es ist still.“1

Ein Wunder. Und notwendige Folge, herbeigesehntes Ende eines Vernichtungszuges gegen die Menschheit, wie es kein zweites Ereignis gab. Auch die Nazis hatten Lieder. Aber es waren Lieder voll Selbstherrlichkeit und Menschenverachtung. Lieder, die nicht Gott als Adressaten der Anbetung, des Lobes oder auch der Klage hatten, sondern Menschen, machtbesessene Egoisten.

Singt dem Herrn ein neues Lied. Der Herr, das ist Gott, der Schöpfer allen Lebens. Der Ursprung unseres Seins, die Richtschur unseres Lebens. Diesem Herrn singe ich gern, denn er tut Wunder – auch heute noch.

Amen

Stille

In der Stille sammeln wir unsere Gedanken und Gefühle, unser Hoffen und Sehnen

Psalm anders

Psalm anders                                                                                                                                    

Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder. Psalmen sind Lieder, neue Psalmen sind neue Lieder. Hier kommt ein neuer Psalm. Ein Lied von Thorsten Latzel[1]:

Ehe ich sehen oder verstehen konnte, 
hast Du, Gott, mich geborgen wie eine liebende Mutter.

Du bist mir zum Bruder geworden, 
zu dem einen an meiner Seite, der bis zum Letzten da ist für mich.

Du hast mir eine Familie gegeben, dass sie um mich sei,
ein Netz von Menschen, die für mich da sind und ich für sie.

Ich danke Dir, Gott, für alle Liebe, die ich durch sie erfahre, 
sie sind für mich Halt und Heimat, Trost und Schutz.

Doch wie schwierig ist es für mich manchmal mit denen, die ich liebe. 
Wie werden mir meine Eltern, Geschwister, Kinder dann zu viel.

Sie treiben mich mitunter schier zum Wahnsinn.
Sie sind mir zur Last geworden, wie ich ihnen wohl auch.

Ich will sie lieben. Doch ich schaffe es nicht.
Gerne wäre ich großherzig, gelassen, fürsorglich. Aber es geht dann nicht.

Gott, mach mich zu dem Menschen, 
den ich mir selber von anderen wünsche.

Lass mich für andere zu Schwester, Bruder, Vater, Mutter werden, 
so wie Du für uns.

Ich danke Dir für die Menschen, die Du mir gegeben hast.
Und dass Du auch mein Scheitern zum Guten wenden wirst.


[1]Direktor der Evangelischen Akademie Frankfurt

Gebet

Unser treuer Vater im Himmel, du siehst jeden und jede Einzelne von uns. Du hast uns alle erlebt in den letzten 7 Wochen. Es ist uns unterschiedlich gegangen. Danke dass du da warst, auch wenn wir dich manchmal nicht gespürt haben. Gib jedem und jeder von uns die Gewissheit, egal was kommt, und wie wir uns fühlen: Du bist da und hältst uns. Und wo wir Licht, Trost, Ermutigung für andere sein können, da gib uns den Hinweis. Lass uns entdecken was uns und unseren Nachbarn, Freunden, Eltern, Kindern und uns allen gut tut. Schenk uns deine Phantasie zur Erfrischung für uns selbst und für andere.

Und alles, was uns sonst noch bewegt fassen wir zusammen in dem Gebet, dass du deine Freunde und Freundinnen gelehrt hast:

Vaterunser

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit. In Ewigkeit. Amen.

Lied „Herr, wir bitten, komm und segne uns“ (F&L 165; T:) Str. 1.3.4

Segen

Wir öffnen die Hände und sprechen laut den Segen:
Der barmherzige Gott, unser Vater, Schöpfer des Lebens, erhalte deinen Leib, deine Seele und deinen Geist in Jesus Christus, unserem Herrn.

So segne und behüte uns Gott – Vater, Sohn und Geist.

Amen

Jubilate

Wir zünden eine Kerze an

und halten kurz inne

Eingang                                                                                                                                            

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. 

2Kor 5,17

Gebet                                                                                                                                               

Vater im Himmel, danke für diesen neuen Morgen. Danke, es ist Sonntag. Dieser Tag ist so kostbar, wir sind eingeladen, uns auf dich zu besinnen und auf das, was du in uns möglich gemacht hast und machst. Durch dich sind wir frei zu leben. Du schenkst uns Ewigkeit. Danke.

Aber da ist auch vieles, was uns unruhig macht und ins Fragen, ja sogar ins Zweifeln bringt. Wir sehen die inneren und äußeren Nöte. Wir sind abgeschnitten von persönlichen Begegnung, uns fehlt die Gemeinschaft miteinander. Zugleich sehen wir die Verantwortung, die wir füreinander haben. Es ist ein Ringen. Und das alles und noch viel mehr hat bei dir Raum. Gerade heute. Danke. Dir sei Lob und Ehre. Amen.

Lied: „Auf Seele, Gott zu loben“ (F&L 500 T: Martha Müller-Zitzke 1947; M: Johann Steurlein 1575) 

Einleitung                                                                                                                                         

Jubilate – der nahe Gott

Der dritte Sonntag nach Ostern wurde Jubilate benannt, übersetzt: Jauchzet, jubelt. Das Wort stammt aus Psalm 66. Jubilate ist der Sonntag der Neuschöpfung. Die Natur kann als Sinnbild stehen für Neues, das beginnt.

Wenn wir rausschauen in unsere Gärten in unsrer Umgebung, sehen wir gerade jetzt wie alles neu erblüht und grünt. Es macht mich innerlich froh, wenn ich mich an solchen Tagen draußen hinsetzte und höre die Vögel, sehe die blühende Natur, kann da Gott nur danken, wie wunderbar er alles erschaffen hat.

In diesen Momente, da bin ich Gott ganz nahe. Ganz anders als das, was wir gerade jetzt unter uns erleben. Wir müssen die  Distanz wahren, 1,5m Mindestabstand sollen wir halten. Teilweise sind Markierungen auf dem Fußboden, damit wir sehen wie ist der richtige Abstand. Da ist einem nicht so nach jubeln zumute. Oder auch die Nachrichten, von den vielen Menschen, die unter dieser Krankheit gestorben sind.

Gerade in diesen nicht ganz einfachen Zeiten ist es wunderbar einen Gott der mich liebt an meiner Seite zu haben, ihm nahe zu sein. Denn wir haben einen Vater im Himmel, der alles in seinen Händen hält. Wir sind hier nicht allein auf dieser Welt. 

Und so, wie der Weinstock seinen Trieben Kraft gibt, so empfangen wir Kraft von Gott, haben unseren  Halt in Christus und sind mit ihm als die Quelle des Lebens verbunden. Grund genug, Gott zu danken.

Lied: „All die Fülle“ & „Dank sei dir“ (F&L 22&23; T+M: Norbert Jagode 1984;  T+M; Steve Smith 1977) 

Textlesung                                                                                                                                       

Apg 17,17-28a

Daraufhin sprach er in der Synagoge zu den Juden und den Griechen, die an den Gott Israels glaubten. Außerdem predigte er an jedem Tag auf dem Marktplatz zu den Menschen, die gerade vorbeikamen. Bei einer solchen Gelegenheit kam es zu einem Streitgespräch mit einigen Philosophen, und zwar mit Epikureern und Stoikern. Einige von ihnen meinten: »Dieser Mann ist doch ein Schwätzer!«, andere sagten: »Er scheint von irgendwelchen fremden Göttern zu erzählen.« Denn Paulus hatte von Jesus und seiner Auferstehung gesprochen. Weil die Philosophen mehr über die neue Lehre erfahren wollten, nahmen sie den Apostel mit zu einer Sitzung des Stadtrats von Athen »Was wir von dir hören, ist alles neu und fremd für uns«, erklärten sie Paulus. »Wir möchten gern Genaueres darüber wissen.«  Denn sowohl die Athener als auch die Fremden in dieser Stadt beschäftigten sich am liebsten damit, Neuigkeiten zu erfahren und weiterzuerzählen. Da stellte sich Paulus vor alle, die auf dem Areopag versammelt waren, und rief: »Athener! Mir ist aufgefallen, dass ihr euren Göttern mit großer Hingabe dient; denn als ich durch eure Stadt ging und mir eure Heiligtümer ansah, da habe ich sogar einen Altar gefunden, auf dem stand: ›Für einen unbekannten Gott.‹ Diesen Gott, den ihr verehrt, ohne ihn zu kennen, möchte ich euch nun bekannt machen. Es ist der Gott, der die Welt und alles, was in ihr ist, geschaffen hat. Dieser Herr des Himmels und der Erde wohnt nicht in Tempeln, die Menschen gebaut haben. Er braucht auch nicht die Hilfe und Unterstützung irgendeines Menschen; schließlich ist er es, der allen das Leben gibt und was zum Leben notwendig ist. Aus dem einen Menschen, den er geschaffen hat, ließ er die ganze Menschheit hervorgehen, damit sie die Erde bevölkert. Er hat auch bestimmt, wie lange jedes Volk bestehen und in welchen Grenzen es leben soll. Das alles hat er getan, weil er wollte, dass die Menschen ihn suchen. Sie sollen mit ihm in Berührung kommen und ihn finden können. Und wirklich, er ist jedem von uns ja so nahe! Durch ihn allein leben und handeln wir, ja, ihm verdanken wir alles, was wir sind

Aktion                                                                                                                                               

Ich erlebe Gott als besonders nah, wenn … 

Lied „Ich will den Herren loben allezeit“ (F&L 93; M+S: Jakob Braun 1859)     

Angedacht                                                                                                                                                    

Gott ist uns nah – immer und überall. Gerade in der Apostelgeschichte wird es sehr deutlich: Keinem von uns ist Gott fern, er ist jedem nah. So nah, dass manche ihn nicht erkennen können. Vielleicht weil sie etwas anderes suchen. Etwas, das greifbar, beschreibbar, fixierbar ist. 

Der Apostel Paulus ist in Athen unterwegs und sieht sich um. Mit offenen Augen geht er durch die Stadt. Was interessiert die Leute, wo legen sie ihre Schwerpunkte, wofür schlägt ihr Herz? 

Wo dein Schatz ist, da ist dein Herz – so steht es in der Bibel, im Matthäusevangelium. Das ist eigentlich als Ermahnung an die Zuhörer der Botschaft Jesu gemeint, ein Teil der Bergpredigt. Hänge dein Herz nicht an Dinge, deren Wert vergeht, hänge es an etwas von Bestand. Eine Herzenssache ist etwas Wesentliches. Etwas, das dich prägt, ausmacht, dir Glanz verleiht oder auch nimmt. Will ich Leute kennenlernen, ihre Herzen erkennen, muss ich ihre Schätze kennenlernen. Interessiert mich, was andere interessiert, was sie bewegt, muss ich nach dem suchen, was sie pflegen, verteidigen, bewahren oder vermehren wollen. 

Die Athener waren Freunde des Verstandes, der Philosophie. Öffentliche Debatten und Bürger-entscheidungen gehörten zu ihrem Alltag. In Griechenland gehörte es allgemein zur Staatskultur, wesentliche politische Entscheidungen in öffentlichen Debatten auszutragen und dann auch zu treffen. Das änderte sich zwar mit der Vorherrschaft des römischen Imperiums. Aber die Grundidee blieb: Gib so viel es geht in die Bildung des Verstandes und in die Bildung einer öffentlichen Meinung. Dazu muss so viel Wissen wie möglich angehäuft werden. Idealerweise sichert man sich dabei auch gleich nach allen Seiten ab. So kommt es zu der Göttervielfalt in Athen. Für jedes Bedürfnis und jede Frage gab es dort einen Gott: Weisheit, Schönheit, Wein, Jagd, Kriegskunst, Fruchtbarkeit – alles findet sich wieder in den Göttern Athens. Und um nur keinen Gott zu vergessen und damit vielleicht zu verprellen, gibt es noch die Statue für den unbekannten Gott. 

Dieser Gott aber ist der einzige, der wirklich Gott ist. Alle anderen sind nur Götzen, Abbilder von dem, was Menschen sich ausmalen, wenn sie „Gott“ denken. Statuen mit Eigenschaften, die sich aus dem täglichen Erleben ableiten lassen. 

Was hat es auf sich mit diesem Gott, der diese Sicherheitshalber-Statue bekommt? 

Paulus spricht von ihm, als wäre dieser Gott real. Gott ist mehr, als alle Fantasie zusammenzählen kann. Er ist es, der allen das Leben gibt und auch das, was zum Leben notwendig ist. 

Dieser Gott ist auch nicht weit entfernt. Er ist nah. So nah, dass unser Leben mit ihm verwoben ist. Martin Luther übersetzt: In ihm leben und weben und sind wir. Oder wie der Dichter im berühmten „Ännchen von Tharau“ dichtet: verknotigt. Unser Leben ist mit Gott verknotigt. 

Im Predigttext für heute wird das Bild des nahen Gottes, in dem wir sind, mit dem wir verknotigt sind, ausgebaut. Im Johannesevangelium, Kapitel 15, sagt Jesus:

Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger. 

Der nahe Gott. Das Bild vom Weinstock und den Reben ist ein Bild voller Nähe. Eine Rebe kann ohne Weinstock nicht existieren. Alle Lebensenergie und auch die Impulse zum Früchte ausbilden, erhält sie vom Weinstock. Mein Schwiegervater besitzt zwei kleine Weinstöcke. Es ist faszinierend, sich den Aufbau dieser Gewächse einmal anzuschauen. Je nach Alter ist der Weinstock glatt und gerade oder knorrig und mit schroffer Rinde umgeben. Am Weinstock bilden sich Triebe aus, an denen sich wiederum Blätter, Blüten und anschließend die Trauben entwickeln. Diese Triebe nennt man Reben. Reben müssen nach der Ernte zurückgeschnitten werden, damit sie gute Früchte bringen. Geschieht das nicht, muss die Rebe im Folgejahr zu viele Früchte entwickeln und ernähren. Die Folge sind kleine, saure Beeren. 

Jesus gilt in unserem Bild als Weinstock und wir als Reben, die an ihm hängen und vom Weingärtner beschnitten werden. Das Bild ist vielleicht nicht das schönste aller Bilder. Vor allem das „beschnitten werden“ gefällt Mensch in der Regel nicht allzu gut. Auf etwas verzichten müssen, Dinge, an die wir uns gewöhnt haben, loszulassen, dabei vielleicht sogar schmerzhafte Erfahrungen machen. Das ist nichts, wonach wir uns sehnen. Aber nur, wenn die Rebe beschnitten wird, kann sie sich entfalten, kann sie volle Frucht bringen. Wird eine Rebe beschnitten, tritt eine Flüssigkeit aus, die in manchen Kulturen und Glaubensrichtungen übrigens als heilsam gilt, sogar Ewigkeit verspricht. 

Vom Weinstock empfangen die Reben all die Energie, die gebraucht wird, gerade auch nachdem der Weingärtner seine Arbeit getan hat. Hier kommt ein nicht leicht zu verstehendes Bild. Der Weingärtner ist ja der, der sich darum kümmert, dass ordentlich und angemessen beschnitten wird. Der Weingärtner reinigt die Reben, damit sie volle und reiche Frucht bringen. 

Immer wieder erlebe ich, dass Menschen der Ansicht sind, das Coronavirus sei direkt eine Antwort oder Maßnahme Gottes. Das Bild vom Weingärtner könnte diese Ansicht unterstützen, wenn die Arbeit des Weingärtners als Strafe verstanden würde. Dem ist aber nicht so. Sondern genau anders: Der Weingärtner beschneidet die Reben eines Weinstocks, damit alles das möglich wird, was im Weinstock angelegt ist. Und Jesus ermutigt uns, ja er fordert uns sogar auf, unsere Verbindung mit ihm nicht zu verlieren, wie die Reben am Weinstock zu bleiben. 

Hier fängt das Bild vom Weinstock an zu hinken, denn eine Rebe kann sich nicht dazu entschließen, den Weinstock zu verlassen. Ein Mensch hingegen kann sehr wohl den Kontakt zu Jesus loslassen und sich von seiner Vorstellung, wie Leben gelingt und möglich wird, trennen. 

Bleibt in mir, sagt Jesus. Bleibt und lasst meine Worte lebendig sein. Nicht trockene und tote Worte, die keine Kraft haben, sondern Worte des Lebens. Damit die Worte Jesu lebendig sind und bleiben, müssen wir uns die Mühe machen, sie in unsere Zeit hinein zu übersetzen. Wir müssen sie kennen, verstehen, übersetzen, uns von ihnen trösten und ermahnen lassen. Dabei geht es nicht um das Wort im Wortlaut, sondern immer im Sinne des Wortes. 

Die Worte Jesu werden lebendig, wenn sie uns geläufig werden, wenn sie Teil unseres Lebens werden. Jesus hat nicht ohne Grund immer wieder so sehr bildhaft gesprochen. Er wollte, dass in uns Bilder und Geschichten entstehen, wenn er spricht. Keine philosophischen Hirnjogging-Geschichten und auch keine Horrorbilder, die uns nötigen, ihm aus Angst zu folgen. Nein, im Gegenteil. Die Bilder Jesu sind voller Leben und er sagt: Lasst meine Worte in euch lebendig sein, dann könnt ihr sogar um alles bitten und ihr werdet es bekommen. 

Unser Gott ist ein naher Gott. Er kommt uns nahe in Jesus Christus, unserem Freund und Retter. Er kommt uns nahe in unserem Leben und er sehnt sich danach, dass wir uns ihm nahen. Das Bild vom Weinstock ist ein Bild von unbedingter, sogar abhängiger Nähe. Ich persönlich bin gern abhängig von Gott, dem wichtig ist, dass ich mich voll entfalte und Frucht bringe. Über diesen Gott jauchze und jubele ich gern.

Amen

Lied: „Unser Herr sagt uns in seinem Wort“ (F&L 365; T: Lars Mörlid 1980; M: Peter Sandwall 1980)  

Stille

In der Stille sammeln wir unsere Gedanken und Gefühle, unser Hoffen und Sehnen

Gebet                                                                                                                                                

Vater im Himmel, das Bild vom Weinstock und den Reben ist das Bild, wie wir mit dir verbunden sind, durch deinen Sohn Jesus Christus. Wir gehen an seiner Hand durch das Leben und dürfen gewiss sein, wir sind nicht allein.

Auch in Zeiten von Not und Angst stehst du uns zur Seite, bist ganz nahe. Die Ausbreitung des Corona –Virus hat unseren  Alltag auf den Kopf gestellt. Das Selbstverständliche ist nicht mehr selbstverständlich.  

Wir bitten dich für die vielen Menschen, die erkrankt sind, gib du ihnen Zuversicht und stärke sie. 

Wir bitten für die Angehörigen, die das Leiden mit ansehen und selbst in Quarantäne sind. Gib du ihnen  Zutrauen und Kraft durchzuhalten.

Wir bitten für Menschen, die Angst haben sich anzustecken und für die , die einsam zu Hause sitzen. Gib du ihnen Mut und neue Hoffnung. Das sie Wege finden aus ihrer Einsamkeit.   

Herr, wir rufen zu dir und bitten dich für alle, deren Sorgen, Ängste und Not nicht gehört werden, weil die Pandemie zur Zeit das Einzige ist, über das gesprochen wird.

Wir bitten für die Menschen, die in dem vom Krieg zerstörten Ländern leben, wie Syrien, Afghanistan und Libyen. Gib ihnen immer wieder neu Zuversicht und Stärke, Bewahrung und Schutz. Schenke du wirklichen Frieden in den Köpfen und Herzen dieser Menschen. 

Wir bitten für die Verantwortlichen Politiker in diesen Ländern aber auch den Regierenden der am Krieg beteiligten Länder. Zeige du ihnen ihre Verantwortung, dass sie gemeinsame Wege des Friedens finden und den Menschen neue Perspektiven geben.  

Unsere Gedanken und Gefühle, alle Ängste und alle Schuld, alles bringen wir in dem Gebet vor Jesus, dass er selbst seinen Jüngern gelehrte hat :    

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, 

wie im Himmel, so auf Erden. 

Unser tägliches Brot gib uns heute 

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit. In Ewigkeit. Amen. 

Lied „Bewahre uns, Gott“ (F&L 120; T: Eugen Eckert (1985) 1987; M: Anders Ruuth (um 1968) 1984)  

Segen                                                                                                                                                

Wir öffnen die Hände und sprechen laut den Segen: 

Der Herr, der dich geschaffen hat, der für dich volles Leben bereithält, segne dich und behüte dich. Er, dessen liebender Blick Gutes für dich sieht, erhebe sein Angesicht über dich und sei dir gnädig. Der Herr, der die ganze Welt im Blick hat und sie liebt, erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden.

So segne uns Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Amen

Misericordias Domini

Wir zünden eine Kerze an

und halten kurz inne

Eingang

Christus spricht: „Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir und ich gebe ihnen das ewige Leben.“ Johannes 10,11a.27.28

Gebet

Jesus, du unser Herr und Hirte, unser Freund und Retter, danke für diesen neuen Morgen. Danke für das Erwachen, das Erwachen der Natur und unser Erwachen. Danke für das Leben. 

Es gibt so vielen, was bedrohlich und ungewiss erscheint. Aber du bist der Grund unserer Hoffnung, die Gewissheit, die uns so oft fehlt. Danke dafür. Danke, dass wir dir folgen können, danke, dass du unser guter Hirte bist. Wir sehnen uns so sehr nach Begegnung und wissen doch, wir sind gebunden. Umso mehr danke für die Begegnung mit dir. Amen

Lied: „Danke für diesen guten Morgen“ (F & L 465; T + M: Martin Gotthard Schneider (1961) 1963) 

Einleitung                                                                                                                                         

Misericoridias Domini heißt dieser Sonntag, die Erde ist voll der Güte des Herrn. Ich sehe das Erwachen der Natur, das herrliche Grün, höre die Vögel singen und staune und bekenne: Die Erde ist voller Güte Gottes. 

Und dann schaue ich in unser Leben: Kontaktverbot und Maskenpflicht, Lockerung des Lock down und volle Ladenzonen. Die einen, die keine Geduld mehr haben und die anderen, die auf Solidarität setzen. Und wir alle hoffen, dass Normalität einkehrt. 

Und dann sind da immer noch die Geflüchteten in völlig überfüllten Camps, Kinder ohne Eltern, Mütter mit kleinen Kindern, Schwangere, Menschen in Not. Corona wie eine riesengroße Schippe Elend obendrauf. 

Die Erde ist voll der Güte des Herrn. Alles, was wir Menschen zum Leben benötigen, bringt die Erde hervor. Nahrung und die Grundstoffe für unsere Kleidung, ebenso die Schönheit der Schöpfung für unsere Sinne, die Liebe, die Menschen füreinander entwickeln und empfinden können ebenso wie die Fähigkeit, uns füreinander einzusetzen. Niemand müsste hungern und frieren. 

Die Erde ist voll! Der Güte des Herrn. 

Am zweiten Sonntag nach Ostern feiern wir noch immer Osterfreude und bekennen: Jesus lebt, das Grab ist leer. Und weil ER lebt, leben auch wir. Weil er das Elend und den Tod überwunden hat, wird auch heute das Leben siegen, das Gott uns schenkt.    

Lied: „Freuet euch, das Grab ist leer“ (F & L 263; T + M: Gerhard Schnitter 1978/2002)    

Das Grab ist leer. Für die einen ist das Grund zur Skepsis und sogar zum Spott. Für andere ist das die Ursache ihrer Zuversicht und Lebensfreude. Lebensfreude wird auf unterschiedliche Weise empfunden. Und jeder Mensch erlebt andere Dinge als schön und lebensbejahend. Ich habe mich in dieser Woche sehr über einen Fliederstrauß gefreut. Er kam unverhofft und machte mich richtig glücklich. Wie ist das mit dir? Was hat dich in dieser Woche so richtig froh gemacht?

Neben Flieder und Co machen mich biblische Worte froh und hoffnungsvoll. So, wie Psalm 23.

Psalm 23

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar. Amen

Lied „Der Herr ist mein getreuer Hirt“ (Gemeindelieder 358; T: Kornelius Becker 1602, M: 15. Jahrhundert)  

Angedacht                                                                                                                                                    

Die Erde ist voll der Güte des Herrn. Dieser Satz ist Psalm 33 entnommen. In der „Guten Nachricht“ steht an der Stelle: „von seiner Güte lebt die ganze Welt“. 

Von Gottes Güte lebt die ganze Welt. 

Auch am zweiten Sonntag nach Ostern feiern wir, dass Jesus lebt, dass er den Tod überwunden hat. Auch und gerade darin zeigt sich die Güte Gottes. Er hat den Tod in die Schranken gewiesen und uns zugleich die volle Kindschaft geschenkt. Wir sind Gottes Kinder, wir sind seine Familie. Und er ist der Hirte, der uns den Weg weist. 

Es gibt, gefühlt, unendlich viele Bilder für Gott. Das liegt sicher daran, dass kein Bild Gott vollständig beschreibt. Die meisten Bilder sind männlich, nur wenige weiblich. Das hat was mit Tradition und Vorstellungskraft zu tun. Die zwei Bilder, die uns heute, am Sonntag Misericordias Domini, begegnen, sind auch eher männlich konnotiert. Und zugleich sind sie sehr vielschichtig. Also weder einseitig so, noch einseitig anders. 

Im ersten Bild ist Gott der gute Hirte, der sich um die Seinen sorgt und sie versorgt, sogar dann, wenn alle äußeren Umstände eine ganz andere Sprache sprechen. 

Der Psalm 23 malt ein sehr buntes und lebendiges Bild von diesem guten Hirten. Wenn ich ihn lese oder singe, entstehen vor meinem inneren Auge Bilder von sattem Grün und übersprudelnder Lebenslust. Dann höre ich Vögel singen, die Sonne wärmt meine Haut und in mir ist alles ganz ruhig und friedvoll. Der gute Hirte, der seine Herde kennt, jedes einzelne Glied, jede Frage, jeden Eigenwillen, jedes Ja und jedes Nein. Und der mir den Tisch deckt, mich mit allem versorgt, was ich benötige und darüber hinaus. Ein wunderschönes Bild. Diesem Hirten will ich folgen. Es gibt doch nichts Schöneres, als von ihm versorgt zu werden.

Und da ist das Bild von Gott, dessen Güte die ganze Welt am Leben erhält. Es ist das zweite Bild des heutigen Sonntags. Es könnte ein Bild vollkommenen Friedens sein. Wäre da nicht die Realität: Corona und seine Nebenwirkungen für unsere Gesellschaft, für das Miteinander, für diese Welt. 

Wie passt das zusammen? Wie kann die Bibel solch friedvolle Bilder malen und dabei sieht die Realität ganz anders aus. Und zwar schon immer. Schon in der Zeit der ersten Christen und auch lange davor war Frieden höchstens eine Sehnsucht. 

Trotzdem bieten und boten diese Bilder den Menschen immer Hoffnung und waren Ursache für tiefen Frieden. 

Der Predigttext für heute unterstreicht diese besondere Bedeutung. Er steht im 1. Petrusbrief, Kapitel 2, 21b-25:

Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben, damit ihr seinen Spuren folgt. Ihr wisst: „Er hat kein Unrecht getan; nie ist ein unwahres Wort aus seinem Mund gekommen.“ Wenn er beleidigt wurde, gab er es nicht zurück. Wenn er leiden musste, drohte er nicht mit Vergeltung, sondern überließ es Gott, ihm zum Recht zu verhelfen. 

Unsere Sünden hat er ans Kreuz hinaufgetragen, mit seinem eigenen Leib. Damit sind wir für die Sünden tot und können nun für das Gute leben. Durch seine Wunden seid ihr geheilt worden! Ihr wart wie Schafe, die sich verlaufen haben; jetzt aber seid ihr auf den rechten Weg zurückgekehrt und folgt dem Guten Hirten, der euch leitet und schützt. 

Wir sind gerufen, den Spuren von Christus zu folgen. 

Der Verfasser unseres Predigttextes macht es uns recht einfach. Denn nach seinem Eingangswort zählt er unmissverständlich auf, worin Christus uns ein Beispiel gegeben hat und was Nachfolge konkret bedeutet. 

Christus hat nie Unrecht getan, nie ist ein unwahres Wort aus seinem Mund gekommen. 

Wenn ich in mein Leben schaue, muss ich bekennen: Diesem Beispiel folge ich nicht. 

Ich kann es nicht. Ich bin nicht frei von Schuld und würde lügen, wenn ich behaupten würde, ich hätte noch nie gelogen. Ich würde gern, aber ich bin weit entfernt von diesem Lebensstil. Allein schon mein Alltagsverbrauch, das, was ich esse und womit ich mich kleide. Wie ich heize und womit ich mein Auto tanke. Das ist ein Teil der praktischen Seite. Überprüfe ich meine Gedanken, muss ich auch hier jede Menge Schuld erkennen. Wie oft habe ich Gedanken, die weit entfernt sind von Heiligkeit. Da ist Ärger, Selbstgerechtigkeit, Besserwisserei, Lieblosigkeit und so vieles mehr. 

Vielleicht geht es dir ja ähnlich und du fühlst dich ertappt, so wie ich. Es geht ja auch knallhart weiter im Text: Wenn er beleidigt wurde, gab er es nicht zurück, wenn er leiden musste, drohte er nicht mit Vergeltung… Wie oft habe ich Widerworte, nur um mein Gegenüber zum Verstummen zu bringen. Wie oft fordere ich Genugtuung und denke nicht daran, Gott dies alles zu überlassen. 

Diese ganzen Themen könnten wir tagelang ausbreiten und müssten, wenn wir vor uns selbst ehrlich sind, erkennen: Wir sind durch und durch weit entfernt von dem Zustand eines geheilten Lebens. Eines Lebens, dass sich ganz und gar in der Hand Gottes weiß und darum auch Gott alles überlässt. Einschließlich der Rache und Genugtuung. 

Ich kann nicht so leben, mein Stolz und mein Eigensinn lassen es nicht zu. 

Für mich ist es die größte Botschaft aller Zeiten, dass ich trotzdem vor Gott so dastehe, als würde ich genau so heilig sein, wie  es von Christus gesagt ist. Weil Christus diesen ganzen Eigensinn und Stolz, meine Rechtsvorstellungen und Lieblosigkeit am Kreuz vernichtet hat. Genauer gesagt, er hat die Macht dieser Sünde vernichtet. Denn all dies ist doch nur die Folge des grundlegenden Misstrauens in die Macht und Herrlichkeit und unbedingte Liebe Gottes. Diese Liebe zeigt sich in Christus, der trotz seiner Unschuld an Kreuz genagelt wurde, wie der schlimmste aller Verbrecher. 

Wir sind nun geheilt worden. 

Ich muss mich nicht mehr selbst belügen und mir vormachen, dass ich doch im Recht sei. Ich muss nicht mehr so tun, als wäre ich heilig und unantastbar. Im Gegenteil. Ich darf bekennen, wie sehr ich mich entfernt habe von dem, was Gott als lebensfreundlich und heilig sieht. Es ist tatsächlich wie eine Krankheit: Ich halte mich für gesund und alle anderen sind kaputt. Ich glaube, bei mir läuft alles glatt, aber die anderen. Oha!

Und doch: Ich bin Gottes Kind, sein Liebstes. Wenn er auf mich schaut, dann ist da helle Freude. Das aber nicht, weil ich alles gut und richtig mache! Nein, obwohl ich so viele Fehler mache und Schuld auf mich lade, sieht Gott mit väterlicher Liebe auf mich. 

Durch Jesus, durch die Wunden, die ihm zugefügt wurden, und zwar nicht, weil Gott so klein und unscheinbar wäre, sondern weil er groß ist, größer als meine Vorstellungskraft, hat er sich demütigen lassen. 

Immer schon war klar: Nichts kann unser Gefühl von Unvollkommenheit heilen, nichts als nur die Liebe, die vollkommen ist. Jesus sagt einmal zu seinen Jüngern: Eine größere Liebe gibt es nicht als die, dass einer sein Leben gibt für seine Freunde. Und damit ist nicht gemeint, dass einer sein Leben als Selbstmordattentäter opfert oder voller Lebensmüdigkeit sein Leben riskiert und verliert. Nein, der Tod Jesu ist frei gewählt, voller Gewalt gegen Jesus selbst. Aber gewaltlos gegen andere. Bis auf die zwei mit ihm Verurteilten stirbt an diesem Tag niemand auf Golgatha. Ein gewaltvoller Tod, der die Gewalt ausschließlich auf das Opfer, auf den, der gekreuzigt wird, richtet. Ich kann nicht anders, ich erkenne und verstehe: Gott tut alles, damit ich ihm seine Liebe glaube und meine Seele von ihm heilen lasse. 

Nun habe ich diesen Hirten, dem ich folgen kann. 

Die Nachfolge gelingt mir nur sehr schematisch. Immer wieder falle ich in alte Muster. Das ist so und wird vermutlich so bleiben, bis meine Zeit hier auf der Erde abgelaufen ist und ich zum Vater in die Ewigkeit darf. 

Doch immer, wenn ich es schaffe, dem Hirten zu vertrauen und den Weg zu gehen, den er mir zeigt – gewaltlos liebend – bin ich überrascht, was alles möglich wird, wie sich Wege zeigen und verschlossene Türen öffnen. Und trotzdem ist es schwer, in allem zu vertrauen. Trotzdem ich es verstehe, glaube und immer wieder erlebt habe, dass der einzig gute Weg zum Ziel der Weg des Hirten ist, gehe ich eigene Wege, suche Abkürzungen und meinen eigenen Glanz. 

Und immer wieder falle ich auf die Nase, schlage mir die Knie blutig, verlängere meinen Weg. Das Großartige: Schaue ich mich um und suche den Hirten, steht er schon da und zeigt mir den Weg, denn er lässt uns nicht allein, egal wie verschlungen unsere Wege, wie irritierend unsere Entscheidungen sind. Jesus ist da, wenn wir zu ihm hinschauen.

Amen

Stille

In der Stille sammeln wir unsere Gedanken und Gefühle, unser Hoffen und Sehnen

Gebet  

Gott, du gehst mit uns und lässt uns nicht allein. Zeige uns, dass wir verbunden sind, auch wenn wir uns nicht treffen dürfen, gerade auch in unseren Gottesdiensten, die wir so lieben. 

Wir bitten für alle, die Angst haben – in Krankenhäusern, aber auch in den überfüllten Flüchtlingslagern. Die Nachrichten erschrecken uns. Aber Du sagst: „Fürchte dich nicht“. Und auf dein Wort vertrauen wir.

Wir bitten für alte und geschwächte Menschen. Dass wir einander weiterhin schützen und füreinander da sind. Um ihretwillen wollen wir vorsichtig sein. Gib uns Geduld für die kommenden Wochen der Zurückgezogenheit.

Wir bitten für die, die erkrankt sind und um ihr Leben bangen, dass sie deine heilende Hilfe erfahren. Das Corona-Virus fordert die Ärztinnen und Ärzte, die Pflegekräfte und uns als Gesellschaft heraus. Wir wissen noch nicht, wie wir der Krankheit begegnen können. Hilf uns, einander beizustehen in dieser Ungewissheit.

Wir bitten für alle, die sich bei ihrer Arbeit einem Ansteckungsrisiko aussetzen und bitten um physische und mentale Kraft in dieser belastenden Situation. Wir danken für ihren Dienst. Beschütze sie und ihre Familien. 

Wir bitten für die Politikerinnen und Politiker, dass sie verantwortungsvolle und richtige Entscheidungen für unser Land und für die Welt treffen.

Wir bitten für die, die sich nach Gemeinschaft sehnen. Gott, wir sind aufeinander angewiesen. Wir vermissen es, uns zu treffen, in Cafés, auf der Straße, im Weserstadion und ganz besonders im Gottesdienst. Schenke uns neue Ideen und kreative Wege, wie wir miteinander in Kontakt sein können.

Im Vertrauen darauf, dass wir uns dir anvertrauen können jetzt und in Ewigkeit bringen wir alle unsere Bitten zu dir mit dem Gebet, das du uns gelehrt hast.                                                                                    

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, 

wie im Himmel, so auf Erden. 

Unser tägliches Brot gib uns heute 

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit. In Ewigkeit. Amen. 

Lied „Möge die Straße uns zusammenführen“ (Irischer Segenswunsch; M: Markus Pytlik)  

Segen                                                                                                                                               

Wir öffnen die Hände und sprechen laut den Segen: 

Der Friede Gottes, des Hirten, von dessen Güte die ganze Welt lebt, erfülle unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn. 

Amen

Quasimodogeniti

Wir zünden eine Kerze an

und halten kurz inne

Eingang

„Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, 

der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat 

zu einer lebendigen Hoffnung 

durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“ 

1. Petr 1,3 – Wir feiern Gottesdienst am Sonntag nach Ostern. 

Gebet

Ewiger Vater, liebender Gott, barmherziger Retter, wir schauen auf dich und suchen deine Nähe. Wir suchen die Hoffnung, die in dir begründet ist. Du lebst und durch dich leben auch wir. Das zu erkennen, mit unseren Herzen, darauf hoffen wir, darum bitten wir dich. Bitte begegne uns und stärke uns. Lass deinen Frieden in unsere Herzen, unsere Fragen und unser Sehnen einziehen. Wir loben und preisen deinen heiligen Namen. Amen.

„Wir wollen alle fröhlich sein“ (F&L 266; T: 12. Jh./Str.1 übersetzt Medingen um 1380, Str. 2-5 bei Cyriakus Spangenberg 1568; M: 15. Jh.)

Einleitung     (W. Steinwede)                                                                                                                                    

Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht!!!                                                  

Hoffnung und Licht sind das Thema heute morgen.

Ich habe aus meiner „ Schatzkiste“ eine kleine Geschichte mitgebracht. Sie ist von Anne Steinwart und hat den Titel:   –  Die anderen Brücken – 

„ Du hast einen schönen Beruf“, sagte das Kind zum alten Brückenbauer, „ es muss sehr schwer sein, Brücken zu bauen.“

„ Wenn man es gelernt hat, ist es leicht“, sagte der alte Brückenbauer,“ es ist leicht, Brücken aus Beton und Stahl zu bauen. Die anderen Brücken sind sehr viel schwieriger „, sagte er, „ die baue ich in meinen Träumen.“ 

„Welche anderen Brücken?“ , fragte das Kind.

Der alte Brückenbauer sah das Kind nachdenklich an. Er wusste nicht, ob es verstehen würde. Dann sagte er: „ Ich möchte eine Brücke bauen von der Gegenwart in die Zukunft. Ich möchte eine Brücke bauen von einem zum anderen Menschen, von der Dunkelheit in das Licht, von der Traurigkeit zur Freude. Ich möchte eine Brücke bauen von der Zeit in die Ewigkeit über alles Vergängliche hinweg.“

Das Kind hatte aufmerksam zugehört. Es hatte nicht alles verstanden, spürte aber, dass der alte Brückenbauer traurig war. Weil es ihn wieder froh machen  wollte, sagte das Kind: „ Ich schenke dir meine Brücke.“ Und das Kind malte für den Brückenbauer einen Regenbogen. – 

Wenn Sonnenlicht an den dunklen Himmel leuchtet, entsteht ein Regenbogen. Der Regenbogen steht in zahlreichen Kulturen weltweit für Aufbruch, Veränderung und Frieden. Er gilt als Zeichen der Toleranz und Akzeptanz, der Hoffnung und der Sehnsucht.

Beim Joggen oder Spazierengehen habe ich viele gemalte Regenbogen in den Fenstern gesehen! 

Besonders in dieser Zeit hoffen die Menschen, das nach der Dunkelheit wieder Licht wird! Diese Hoffnung findet für uns ihren Grund in unserem Glauben. 

Du wurdest im Pastorinnenbrief gebeten, einen Regenbogen als Symbol oder Bild, gemalt oder fotografiert, mitzubringen. Lass uns den Regenbogen ansehen. 

Wir glauben, dass Jesus lebt! Das feiern wir jeden Sonntag, ganz besonders in der letzten Woche. 

Immer wenn ich einen schönen, bunten Regenbogen sehe, denke ich an Gottes Verheißungen! Er baut Brücken bringt Frieden und Versöhnung, gibt Hoffnung, macht mich ruhig. Gott macht alles neu. Und er sagt: Du sollst leben!

Wir haben Ostern alle einen Stein mitgebracht! Als Symbol dafür: Der Stein ist weggerollt, das Grab ist leer! 

Das brachte mich auf eine Idee! Wir haben unseren Kindern und Enkelkindern zu Ostern eine Kleinigkeit gebracht. (Natürlich mit viel Abstand und draußen!) Ich habe schöne Blumen gekauft und sie mit einem Stein und einer gelben Kerze dekoriert! So haben wir die frohe Osterbotschaft an unsere Kinder weitergegeben. Der Stein ist weggerollt, das Grab ist leer, Jesus lebt, er bringt Licht und Hoffnung  in unser Leben!

Lasst uns von dieser Hoffnung und von dem strahlenden Licht singen.

Lied: „Christus, das Licht der Welt“ (F&L 350; T: F. Pratt Green 1968; Deutsch: Sabine Leonhard/Otmar Schulz 1972; M: Paris 1681)                                         

Lesung 1. Petrus 1,3-9

Lied: „Meine Hoffnung und meine Freude“ (F&L 385; T: Katalanischer Spruch nach Jes. 12,2; M: Jaques Berthier 1989)                    

Angedacht                                                                                                                                                    

Ihr Lieben, nun geht es also weiter. Die Hoffnung, dass sich bis nach Ostern der Sturm gelegt haben könnte, ist dahin. Im zwei-Wochen-Rhythmus kommen die Entscheidungen. Ob sich die vorsichtige Öffnung und Wiederaufnahme alltäglichen Lebens als Bumerang erweisen wird, wird sich zeigen. Und die Menschen werden ungeduldiger. Zumindest in den sozialen Netzwerken, den „Stammtischen der Gegenwart“, wird die Spanne zwischen vertrauens- und hoffnungsvoller Gelassenheit und ungezähmter, unverschämter Wut immer größer. 

Wie gehen wir um mit Ungewissheit? Was tun, wenn alles wegbricht, was mir vertraut ist und Sicherheit gab?

Durch die Menschheitsgeschichte hindurch gab es immer wieder Zeiten und Situationen, die das Gewohnte und Vertraute ins Wanken brachten. Dieses Wanken macht unruhig, ungehalten, manchmal auch hoffnungslos. Wie gut, wenn es dann Menschen gibt, die eine Idee davon haben, wie es weitergeht. Und wie gut, wenn es von Gott Gesandte sind, Propheten, die Hoffnungsbilder malen können. 

Der Prophet Jesaja ist so ein Bote, ein Prophet, der, nachdem er viel Schlimmes ankündigen musste, auch gute Nachrichten weitergeben konnte. Im Kapitel 40 lesen wir:

Seht doch nur in die Höhe! Wer hat die Sterne da oben geschaffen? Er lässt sie alle aufmarschieren, das ganze unermessliche Heer. Jeden Stern ruft er einzeln mit Namen, und keiner bleibt fern, wenn er, der Mächtige und Gewaltige, ruft. 

Ihr Leute von Israel, ihr Nachkommen Jakobs, warum klagt ihr: „Der Herr kümmert sich nicht um uns; unser Gott lässt es zu, dass uns Unrecht geschieht.“?

Habt ihr denn nicht gehört? Habt ihr nicht begriffen? Der Herr ist Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit, seine Macht reicht über die ganze Erde; er hat sie geschaffen! Er wird nicht müde, seine Kraft lässt nicht nach; seine Weisheit ist tief und unerschöpflich. Er gibt den Müden Kraft und die Schwachen macht er stark. Selbst junge Leute werden kraftlos, die Stärksten erlahmen. Aber alle, die auf den Herrnvertrauen, bekommen immer wieder neue Kraft, es wachsen ihnen Flügel wie Adler. Sie gehen und werden nicht müde, sie laufen und brechen nicht zusammen. 

Wer hat die Sterne geschaffen, wer ist die Ursache alles dessen, was lebt? Gott allein. Er rief: „Es werde!“ und es ward. 

Immer wieder werde ich belächelt, wenn ich bekenne, dass ich glaube, dass die ganze Welt von Gott geschaffen und in seiner Hand ist. Das ist doch dumm, man weiß doch heute, wie Leben auf der Erde entstand. Ja, man weiß oder zumindest ahnt man. Und dennoch fehlen Bindeglieder und vor allem die Antwort nach dem Ur-Impuls. Ich will und werde keine Debatte anzetteln, wann, wie und in welcher Zeit was entstand. Aber ich bekenne: Ich halte die Schöpfung für logisch und gewollt und da muss jemand hinter stecken, dem dieses Wollen zuzuschreiben ist. 

Wenn ich aber glaube, dass wir es mit logischer Folge eines willentlichen Entschlusses zu tun haben, ist der nächste Schritt nicht weit: Der den Anfang wollte, hat auch die Mitte und das Ende im Blick. Jesaja erinnert das Volk Israel – oder zumindest alle, die zuhören – an die Macht Gottes. 

Es hören allerdings nie alle zu, wenn einer redet. Und schon gar nicht, wenn er von Dingen spricht, die sich der Vorstellungsfähigkeit entziehen. Das ist heute nicht anders als damals. 

Damals, das ist eine Zeit, die wir nur aus Büchern und mit Hilfe unserer Fantasie kennen können. 

Israel – oder zumindest die oberen Zehntausend – sind in der Verbannung. Israel ist winziges Land am Meer. Zwei Drittel des Landes sind Wüste. Fruchtbaren Boden gibt es nur im Norden. Das Volk und aller Wohlstand sind längst Geschichte. Die Hauptstadt ist geschleift, der Tempel völlig zerstört. Kein Wunder, dass die Menschen klagen und den Eindruck haben, dass Gott sie verlassen hätte. Wir reden hier von einem Zeitraum von etwa 70 Jahren. Das sind sieben Jahrzehnte, ein Menschenalter von der Geburt bis zum Ende. Das ist so unfassbar lange. Mir fehlt die Vorstellung der zeitlichen Dimension. Es gibt auch keine echten Vergleichsmöglichkeiten. 

Der dreißigjährige Krieg in Deutschland stellt sich in meiner Fantasie mit all dem, was ich darüber gelernt habe, als grauenvoll dar. Eine unfassbar lange Zeit, in der man schon seine Wurzeln und seine Traditionen vergessen kann. Oder die Zeit der deutschen Trennung: 40 Jahre. Das schafft eine Wirklichkeit, die wir bis heute noch nicht nivelliert haben. Und vielleicht ist das auch gut so. Seit der politischen Wende sind dreißig Jahre vergangen. Für mich ist das eine Realität, die ich abstecken kann. Ich war alt genug, den Wandel zu erleben. 30 Jahre sind dennoch so lange her, dass vieles verschüttet ist oder eben auch sehr individuell erinnert wird. Und für meine Kinder ist diese Realität wie ein Märchen aus Tausend und einer Nacht. Auf jeden Fall eine weit entfernte, nicht nachvollziehbare Wirklichkeit.

Israel hingegen ist seit 70 Jahren weit entfernt von dem, was den Erzvätern Abraham, Isaak und Jakob einst zugesagt wurde. Und nicht nur das. Ohne Führung und Bildung ist das Land ein willkommenes Ziel für Vereinnahmung; Zerstreuung ist nicht nur für die Verbannten real. Auch die im Land geblieben sind, wissen von ihren Wurzeln nicht mehr viel. 

Jesaja erinnert, wem wir uns zu verdanken haben und er mahnt: Warum klagt ihr? 

Das Klagen liegt uns Menschen im Blut. Wann immer ich eine Pressekonferenz der Bundesregierung und ihrer Ratgeber im Internet mit Kommentarfunktion ansehe, muss ich erleben, wie aggressiv und anklagend die Reaktionen sind. Jeder Hans und Franz, jedes Lieschen Müller und auch alle anderen können ihren Senf dazu geben. Und immer und immer wieder: Warum dies, warum das? Und: Ich, ich, ich…

Ihr Leute von Deutschland, ihr Nachfahren Adams und Evas möchte ich dann rufen: Warum klagt ihr? Warum seid ihr immer nur bei euch? Ja, Gott lässt vieles zu, was uns geschieht. Es gehört zu unserem Leben, dass nicht alles rund und ohne Not verläuft. Und doch ist dem Schöpfer des Himmels und der Erde nichts von dem verborgen, was unser Leben zu mühselig macht. Gott sieht dich. Er sieht dein Mühen, deine Plage. Er sieht dein Sehnen und deine kleine Hoffnung. Und er will dich stärken – wenn du ihn nur lässt. Wohl dem, der sich auch in tiefster Not in Gottes Hand weiß. Wohl dem, der weiß, dass das letzte Wort noch lange nicht gesprochen ist. 

Ja, es gehört zu unserem Leben, müde und matt zu werden. Und es gibt entsetzliche Krankheiten. Es gibt Leben, das so schwer und schmerzhaft ist, dass ein Ende herbeigesehnt wird. Wie oft habe ich mit Menschen über ihre Sehnsucht gesprochen, das alles möge endlich ein Ende haben. 

Könnte Gott nicht dem Ganzen ein Ende setzen? Gute Frage! Sicher könnte er, er ist allmächtig. Warum tut er es nicht? Nächste gute Frage – auf die ich keine Antwort habe. Außer vielleicht: Gott sieht viel mehr als ich. Er sieht viel mehr als meinen kleinen Ausschnitt, den ich habe, weil ich mich belesen habe, gereist bin, mit Menschen gesprochen und Erfahrungen gedeutet habe. Für Gott sind 70 Jahre wie ein Wimpernschlag. Er hat den Überblick. Im letzten heißt es immer wieder: loslassen und vertrauen, dass Gott den Müden Kraft gibt und die Schwachen stark macht. 

Wer auf den Herrn vertraut, bekommt immer wieder neue Kraft. 

Es sind Hoffnungsworte. Und Hoffnung braucht Glauben. Ohne den Glauben, dass Gott uns alle sieht und hält, dass er mehr sieht als ich sehen kann und mehr weiß, als ich wissen kann, gibt es keine Hoffnung. Worauf auch willst du hoffen, wer oder was kann der Grund deiner Hoffnung sein?

Unser Glaube lässt uns hoffen und gelassen vorwärts schaun. Gelassen, auch wenn alle Ideen und Träume wieder einmal zerplatzen. Gelassen, weil wir glauben, hoffen, lieben können – durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Amen

Lied: „Du, Herr, heißt uns hoffen“ (F&L 172; T+M: Ottmar Schulz 1967)

Stille

In der Stille sammeln wir unsere Gedanken und Gefühle, unser Hoffen und Sehnen

Gebet                                                                                                                                               

Herr Jesus Christus,  wir danken dir für deine Nähe.

Danke, das du für uns ans Kreuz gegangen bist, das du auferstanden bist, das du lebst, uns Hoffnung gibst und uns liebst!

Du hast für uns eine Brücke gebaut zu deinem himmlischen Vater!

Du hast Himmel und Erde erschaffen und sie uns anvertraut.

Wir dürfen mit unseren Ängsten und Nöten zu dir kommen und wir sind gewiss, dass  du uns hörst.

Und so bitten wir dich:

-Für unsere Lieben, für die, die in Sorge und Angst sind wegen der Corona Pandemie. Wir vertrauen sie deiner Fürsorge an,  bewahre sie.

-Für alle die Verantwortung tragen in Politik und Wirtschaft. Lass sie mit Bedacht und Geduld ihre Entscheidungen treffen.

-Für alle, die in Krankenhäusern und Altenheimen ihren wichtigen Dienst tun. Stärke sie in ihrer nicht leichten Arbeit. 

-Für alle, die für unser leibliches Wohl sorgen, die an den Kassen sitzen, für die Müllabfuhr und die Busfahrer, bewahre und leite sie.

-Für die Alten, Schwachen und Trauernden, behüte und bewahre sie und gib ihnen Zuversicht.

-Wir bitten für die, die mit  der Erziehung von Kindern und Jugendlichen zu tun haben. Schenke ihnen gutes Gelingen bei dieser Aufgabe.

-Für alle, die in unseren Gemeinden tätig sind. Lass sie, lass uns voll Hoffnung und Glauben unser Christsein bezeugen.

Du bist unsere Hilfe und Stärke. Auf dich hoffen wir, heute, morgen und an allen Tagen. Und diese Hoffnung bringen wir im Gebet, das du uns gelehrt hast vor dich!

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, 

wie im Himmel, so auf Erden. 

Unser tägliches Brot gib uns heute 

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit. In Ewigkeit. Amen. 

Lied: „Vertraut den neuen Wegen“ (F&L 439; T: Klaus Peter Hertzsch 1989; M: 16. Jh./Böhmische Brüder 1544)                                       

Segen                                                                                                                                               

Der Ewige segne und behüte dich. Die dich im Mutterleib schuf und einzigartige machte, lasse ihr Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der deine Wege sieht und dein Sehnen kennt, erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Hoffnung und Frieden. 

Amen

Ostersonntag

Lied: „Der Herr ist auferstanden“ 

(F&L 267; T: Osterruf nach Lukas 24,34; M: Paul Ernst Ruppel 1955)                                      

Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!

Wir zünden die Osterkerze an

und halten kurz inne

Eingang

Offenbarung 1,18: „Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ 

Wir sind gerettet auf Hoffnung hin! (Römer 8,24)

Entwurf für ein Osterlied[1]

Die Erde ist schön, und es lebt sich leicht im Tal der Hoffnung. Gebete werden erhört. Gott wohnt nah hinterm Zaun. 

Die Zeitung weiß keine Zeile vom Turmbau. Das Messer findet den Mörder nicht. Er lacht mit Abel.

Das Gras ist unverwelklicher grün als der Lorbeer. Im Rohr der Rakete nisten die Tauben. Nicht irr surrt die Fliege an tödlicher Scheibe. Alle Wege sind offen. Im Atlas fehlen die Grenzen.

Das Wort ist verstehbar. Wer ja sagt, meint Ja, und Ich liebe bedeutet: jetzt und für ewig. 

Der Zorn brennt langsam. Die Hand des Armen ist nie ohne Brot. Geschosse werden im Flug gestoppt.

Der Engel steht abends am Tor. Er hat gebräuchliche Namen und sagt, wenn ich sterbe: Steh auf.

[1] Von Rudolf Otto Wiemer, Autor; Aus dem Fastenkalender der EKD, Ostersonntag 2020

Lied: „O herrlicher Tag, o fröhliche Zeit“ 

(F&L 262; T: Cyriakus Günther 1714; M: Köln1623)

Gebet

O herrlicher Tag, o fröhliche Zeit. Jesus, du lebst und mit dir leben auch wir. Du hast uns gerettet, auf Hoffnung hin. Du hast den Tod besiegt, in dir hat die Angst keine Macht mehr. Welche Freude, welch ein Fest. Wir wollen dich feiern, dir und uns begegnen. Wir legen ab, was uns hindert, ganz hier zu sein und bitten dich: Begegne uns und segne uns. Amen

Lied: „Herr, du bist mächtig“ 

(SONG2 115; T+M: Lenny LeBlanc/Paul Baloche)          

Lesung: Markus 16,1-8

Lied: „Er ist erstanden“ 

(F&L 260; T: Bernhard Kyamanywa 1966; Deutsch: Ulrich S. Leupold 1966; M: Haya-Melodie aus Tansania)

Angedacht                                                                                                                                                    

Ihr Lieben, Ostern kann man nicht erklären. Ostern kann man nur glauben und feiern. Für mich ist Ostern das schönste und höchste Fest überhaupt. Nach Karfreitag, dem Tag der zerborstenen Hoffnung, ist Ostern das pure Licht. Alles ist anders, alles ist neu.

Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden. Ich habe diesen Osterruf heute morgen auf die Straße vor meiner Haustür gemalt. Als Ruf, als Hoffnungsbotschaft, als Vergewisserung: Wie schlimm und hoffnungslos auch immer die Lage sein mag, wie übel die Zukunft uns vor Augen gemalt wird: Jesus lebt. Und in ihm bin ich sicher und geborgen. Denn was auch immer kommen mag: Nie tiefer als in Gottes Hand kann ich fallen. 

Der Herr ist auferstanden – wir haben es auf verschiedene Weise gesungen, gehört, gedacht, gesprochen. Und obwohl ich das schon so oft gesagt und gesungen habe, ist es für mich immer wieder neu überraschend und beschert mir unbeschreibliche Glücksgefühle. 

Als die Marias und Salome am Morgen des dritten Tages loszogen, um dem geliebten Lehrer und Meister die letzte Würdigung zukommen zu lassen, war vermutlich kein Glück in ihnen. Wie auch. Der Weg war wohl eher belastet, von schweren Gedanken und Unruhe über die Zukunft. Die ganz nahe Zukunft stellte eine ganz praktische Frage: Wer rollt den Stein weg? 

Steine haben ganz unterschiedliche Funktionen. Sie sichern etwas, sie begradigen, man kann sie zum Bauen und auch zum Begrenzen nutzen. Und mit manchen kann man sich schmücken. Steine bieten eine enorme Vielfalt. Über Steine könnte ich lange reden. Einer meiner Vorträge für Frauenfrühstückstreffen handelt von Steinen. Steine können uns stolpern lassen und manche Steine versperren den Weg. 

Ich hatte euch gebeten, Steine bereitzuhalten. Jetzt ist der Moment, an dem wir kurz innehalten und den Stein betrachten. Was siehst Du? Wie fühlt der Stein sich an? Hast Du einen Gedanken, einen Ostergruß, den Du auf den Stein schreiben möchtest? Vielleicht mit einem Edding? Dann ist jetzt ein Moment Zeit dafür. 

Hier, in unserer Geschichte vom Ostermorgen, versperrt ein Stein den Weg zum Geliebten, zu dem, dem die letzte Ehre erwiesen werden soll. Die beiden Marias und Salome wissen, diese Aufgabe könnte schwer werden. Schwerer, als alles, was sie bislang tun mussten. Aber sie gehen weiter. Sie lassen sich nicht abhalten. Auch ihre Sorgen um das, was sie erwartet, bremsen sie nicht. 

Was tun, wenn der Weg versperrt ist?

Wie gut, wenn solch eine Frage nicht allein geklärt werden muss. Wenn Gesprächspartner da sind, mit denen ich mich austauschen kann. 

Die Corona-Krise ist auch so eine Wegsperre. Noch dürfen wir in Bremen ohne besondere Gründe aus dem Haus. Aber das Kontaktverbot bringt uns alle in ausgesprochen herausfordernde Situationen. Die einen loben die Zeit, die ihnen nun miteinander geschenkt ist. Denn auch wenn viele arbeiten gehen dürfen, alle anderen Termine und Verabredungen sind nach wie vor ausgesetzt. Familien spielen wieder mehr miteinander, gestalten das, was sie an Zeit miteinander haben, ganz bewusst. Großeltern bekommen häufiger Anrufe und sogar handgeschriebene Post von ihren Enkeln. Das Bewusstsein füreinander ist mancherorts gestärkt. 

Andere leiden unter dem „aufeinander geworfen sein“. Aus einem sehr lebendigen und farbenfrohen Leben, das sich viel „außerhäusig“ abspielte, ist nun ein „24/7-  Aufeinanderhocken“ geworden. Wie erträgt man einander, ohne sich gegenseitig zu zerfleischen? Häusliche Gewalt nimmt zu, Kinder, Frauen Männer – alle können betroffen sein. 

Wie bekommen wir den Stein weg? Was können wir tun?

Maria aus Magdala, Maria, die Mutter von Jakobus und Salome sind zu dritt unterwegs. Zu dritt suchen sie eine Lösung. Zu dritt stärken sie sich. 

Ostern in Zeiten von Corona bietet ebenso wenig einfache Antworten, wie Ostern vor gut zweitausend Jahren. Die Fragen, wie der Stein wegzubewegen ist, sind geblieben. Die Steine sehen heute anders aus. Aber sie stehen mitunter immer noch im Weg. 

Damals erlebten die Frauen das Wunder der Auferstehung. Sie erlebten, dass Gott selbst den Stein beiseite geschafft hatte. Sie erlebten, dass der Weg frei ist. 

Und sie erlebten, dass ihr Vorhaben unnütz war. Sie waren vorbereitet und mussten ihre Sachen in der Tasche lassen. Sie hatten viel investiert. Umsonst. 

Manchmal investieren wir und stellen dann fest: Umsonst. Wie gut, wenn wir dann erkennen, dass es etwas viel besseres gibt. Dass das Leben den Tod besiegt hat. Dass am Ende der Nacht neue Hoffnung, neues Leben steht. 

Unsere Steine sind real. Unsere Wegsperren machen das Leben manchmal zu Qual. Und nicht wenige Menschen deuten die Begrenzung der Bewegungsfreiheit als reine Schikane. Auch ich freue mich nicht darüber. Aber ich weiß, dass meine Freiheit nicht in der äußeren Freiheit beruht. Auch äußere Freiheit bedeutet nicht zwingend echte Freiheit. Dass der Stein weggerollt ist, dass Jesus lebt, dass dem Tod die Macht genommen ist, das ist echte Freiheit. Und das ist meine Hoffnung. 

Amen

Lied: „Der Herr ist auferstanden“ 

(T+M: Arne Kopfermann, 2013)                                                                                   

Stille

In der Stille sammeln wir unsere Gedanken und Gefühle, unser Hoffen und Sehnen

Lied: „Der König lebt“ 

(F&L 265; T (nach 2Tim1,10/Phil 2,10-11) und M: Billy Funk, 1988; Deutsch: Albert Frey 1992)      

Gebet                                                                                                                                               

Vater, Retter, Freund, wir jubeln, denn du lebst. Du hast das Grab überwunden und in all unserer inneren und äußeren Bedrängnis durch die Umstände, in denen wir gerade leben, in all den Ängsten, die uns bedrohen, erkennen wir: Du lebst, du bist da! Wir loben und preisen dich. 

Zugleich sehen wir viel Dunkelheit weltweit und nah bei uns. Und wir beten: 

Gott[1]

für alle, die schreien wie Jesus, für alle Verlassenen bitten wir;

für Menschen, die gequält oder gefoltert werden, für solche, die misshandelt oder geschlagen werden,

für jene, die missbraucht oder geschunden werden. Hilflos halten wir sie dir hin, all diese Menschen, für die wir nichts anderes tun können, als zu beten.

Wir klammern uns an die Hoffnung, dass du ihre Schreie aufnimmst und ihre Tränen sammelst, dass du keinen von ihnen verloren gibst und selbst durch den Abgrund für sie ein Leben findest.

[1] Gebet von Tina Willms, Theologin und Schriftstellerin, entnommen dem Fastenkalender der EKD, Karfreitag 2020

Und alle Gedanken und Gefühle, alle Ängste und alle Schuld, alles bringen wir in dem Gebet vor Jesus, das er selbst seine Jünger gelehrt hat: 

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, 

wie im Himmel, so auf Erden. 

Unser tägliches Brot gib uns heute 

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit. In Ewigkeit.
Amen. 

Lied: „Gottes guter Segen“ 

(F&L 123; T: Rolf Krenzer, 1992; M: Siegfried Fietz 1992)

Segen

Gott segne und behüte dich, Er lasse sein Angesicht über dir leuchten und gebe dir seinen Frieden, der so viel mehr ist, als wir mit unseren Wissen und Verstand ergreifen und beschreiben können. Er spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben. Amen. 


                 

Karfreitag

Wir zünden einen Kerze an

und halten kurz inne

Eingang

Johannes 3,16: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eigenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ 

Gebet

Jesus, wir sind hier und schauen auf dich. Unsere Welt hat sich komplett verändert. Nichts ist mehr, wie es war. Doch du bleibst Derselbe, gestern, heute und in Ewigkeit. Du bist unsere Burg, unser Fels. Auf dich bauen wir, dir vertrauen wir. Gerade heute, an diesem Karfreitag, an dem die Welt stillzustehen scheint. 

Du hast gesagt, dass du mit uns bist, bis die Welt zu Ende geht, du hast versprochen, unter uns zu sein, wenn wir uns in deinem Namen versammeln. Das ist unsere Hoffnung, darauf vertrauen wir. Bitte begegne uns, bitte segne uns. Amen.

Lied: „Herr Jesus, Grundstein der Gemeinde“ (F&L 126; T: Karl Eisele, 1939; M: Langenöls 1742/bei J.S. Bach 1769)

In den vergangenen Jahren war die Ruhe dieses stillen Tages immer weiter zurückgegangen. Mich machte das unruhig. Und ich konnte und wollte mich mancher Debatte über den Sinn oder Unsinn des Ruhegebotes nicht entziehen. Gerade im letzten Jahr merkte ich, wie bedeutsam diese Ruhe ist. 

In diesem Jahr sind wir gezwungen, alles ruhig anzugehen. Wir dürfen uns nicht treffen, um Party zu machen. Weder am Karfreitag noch an anderen Tagen. Tanzveranstaltungen, Kinobesuche, Theater und Konzerte – nichts geht mehr. Und wie lange, das ist noch ungewiss. Lassen wir uns diese Zwangsruhe nicht schwer werden, sondern die Chance darin ergreifen, wieder zu entdecken, was wirklich wichtig ist. 

Lasst uns unseren Blick auf Jesus richten. Er ist auch der Grund, diesen Gottesdienst zu feiern. Wir feiern ihn zusammen – an den unterschiedlichen Orten unseres Lebens – im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. 

Amen.

Lesung: Markus 15,22-32

Lied: „O Haupt voll Blut und Wunden“ (EG 85; T: Paul Gehrhard, 1656; M: Hans Leo Haßler, 1601), Strophen 1 + 2

Lesung: Markus 15,33

Kerze löschen!

2 min Stille

Lesung: Markus 15,34-37

Lied: „O Haupt voll Blut und Wunden“ (EG 85; T: Paul Gehrhard, 1656; M: Hans Leo Haßler, 1601), Strophen 4 + 6

Lesung: Markus 15,38.39

Lied: „O Haupt voll Blut und Wunden“ (EG 85; T: Paul Gehrhard, 1656; M: Hans Leo Haßler, 1601) Str. 8 – 10

Angedacht

Karfreitag – Tag der Ohnmacht, Tag der zerstörten Hoffnungen und Träume. Karfreitag. 

Der Tag, an dem durchkreuzt wird, was die Zukunft vor Augen malte. 

Für jeden Menschen hat Jesus eine andere Bedeutung. Das war vor gut zweitausend Jahren nicht anders als heute. Die einen nennen ihn Lehrer, andere Meister, Rabbuni, das heißt mein Meister, mein Lehrer. Eine sehr persönliche Beschreibung also. Dann gibt es die, die von Jesus geheilt wurden. Und die, denen er die Würde wiedergegeben hat. Und es gibt so viel mehr Geschichten und Erlebnisse mit Jesus. 

Die meisten Menschen würden wohl sagen: Die Begegnung mit Jesus hat mein Leben hell gemacht. Er hat alles verändert. Was eben noch hoffnungslos oder grau aussah, ist im nächsten Moment voll Leben und farbenfroh. Kein Wunder, dass alle Hoffnung auf ihm lag. Alle Hoffnung, das momentan erfahrene Leuchten würde sich durchziehen. 

Denn er war ja noch mehr als ein toller Redner, Lehrer, Arzt und Wegbegleiter. Er hat sich dem status quo, dem, was gesetzt und verankert war, entgegengestellt. Es zumindest hinterfragt. Und dabei sprach er so klug und verständlich, dass „niemand es mehr wagte, ihn zu fragen“ (Mt 22). Zu anderen Zeiten sprach er in Rätseln und selbst die Jünger konnten nicht verstehen, was er meinte. 

Aber was auch immer er tat, worüber auch immer er redete und wem er begegnete, es ging eine besondere Kraft von ihm aus, unbeschreiblich. Nur erfahr-, nicht aber erklärbar. 

Auch ich habe diese Kraft in meinem Leben erfahren. Ich habe erlebt, wie er mich angesprochen hat. Ich habe erlebt, wie er mich gerufen hat. Gerufen in die Nachfolge und dann in den Dienst. Die Rufe waren laut und vernehmlich. Denn Jesus findet immer Wege, Menschen zu erreichen. Manchmal dauert es einfach länger, bis wir auf Empfang sind. Die Gründe für die Empfangsverzögerung sind so individuell, wie wir es sind. 

Auch ich habe Jesus als Arzt erlebt. Er hat meine Seele befriedet, meine familiären Beziehungen geheilt, mir mein Gehör wiedergegeben. Das mit dem Gehör kam übrigens erst, als ich längst aufgehört hatte darum zu bitten. 

Jesus hat mir immer wieder den Kurs korrigiert. Und wie oft lud ich massive Schuld auf mich. Und er? Kehrte ich zurück zu ihm, vergab er mir, machte mein Leben neu. Und lud mich ein, in seiner Nähe zu bleiben, ihn anzuschauen, von ihm zu lernen, mein Leben auszurichten. 

Und er tut es noch. Ich erlebe Jesus als Retter, Freund, Helfer, Arzt, Ratgeber, Ruheort, Friedefürst.

Ich rede bewusst über Jesus auf diese Weise, weil ich ein Bild malen will, wie die Menschen damals ihn möglicherweise erlebt hatten. Vielleicht verstehen wir die Hoffnung auf grundlegende Veränderung des irdischen Lebens und der politischen Verhältnisse, wenn wir verstehen, welche Kraft und Anziehung von Jesus ausging.

Wann immer Jesus in eine neue Gegend kam, liefen die Menschen zusammen. Die Rede vom heilenden Wundertäter griff weit um sich. Er hat den Lazarus aus dem Tod auferweckt, ebenso die Tochter des Jairus. Oder der Junge, der von einem bösen Geist so gequält wurde, dass er mehrmals auf der Schwelle zum Tod stand. Und dann erst die vielen tausend Menschen, die er satt machte – mit Worten aber auch wirklich. Mit Brot und Fisch. Der versteht uns, der verändert die Wirklichkeit. 

Und er setzt sich mit den oberen Zehntausend auseinander. Er hält ihnen einen Spiegel vor. Damit sie ihre unsägliches Gehabe erkennen. Das unbequeme Reden von Scheinheiligkeit und Ungerechtigkeit mit religiösem Mantel betrifft ja ohnehin immer nur die anderen. Oder?

Eigentlich nicht. Denn Jesus kam auf diese Welt, um uns alle mit unserer Schuld zu konfrontieren. Vielleicht zuckst du zusammen, wenn ich Schuld sage. Und vielleicht denkst du auch, dass dein Leben frei von Schuld ist. Aber das wäre ein Selbstbetrug. Du kannst dir noch so viel Mühe geben, noch so sehr versuchen, dich redlich zu verhalten: Am Ende des Tages liegt ein großer Haufen Schuld da und wohin damit? 

Ich gebe gern zu: Es ist schwer, der Versuchung zu widerstehen, einzelne Taten, Gedanken oder Verweigerungen aufzuzählen. Aber ich bezähme mich, denn ich bin sicher, jeder und jede von uns weiß, was im eigenen Leben alles nicht im Sinne des Schöpfers läuft. 

In all dem, was die Menschen von Jesus hörten, wie sie ihn erlebten, was er alles tat, war die Frage, wer er ist, immer nicht zu ende beantwortet. Wer ist dieser? Was sagen die Leute, wer ich sei – fragt Jesus seine Jünger. Die Antworten reichen von Elia bis zum Messias, zum Sohn Gottes. Und Petrus, der stürmisch-emotionale erkennt: Du bist der Sohn Gottes.

Wer ist Jesus für dich? Diese Frage beantwortet sich nicht über den Verstand und die Logik, sondern ausschließlich über die Begegnung mit Jesus selbst. 

Der Hauptmann unter dem Kreuz stellt am Ende fest: 

Dieser ist wirklich Gottes Sohn gewesen. 

Amen

Stille

In der Stille sammeln wir unsere Gedanken und Gefühle, unser Hoffen und Sehnen

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, 

wie im Himmel, so auf Erden. 

Unser tägliches Brot gib uns heute 

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,


sondern erlöse uns von dem Bösen.


Denn dein ist das Reich und die Kraft


und die Herrlichkeit. In Ewigkeit.


Amen.