Gott gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid. Epheser 1,18

Eine der schwierigsten Fragen im neuen Testament ist für mich ohne Zweifel die Frage Jesu an den blinden Bartimäus: „Was willst du, dass ich für dich tun soll?“
Was willst du, dass ich für dich tun soll! Was würde ich antworten, wenn Jesus jetzt vor mir stünde und mir diese Frage stellte. Was willst du, dass ich für dich tun soll?
Ich habe mich vor einiger Zeit dieser Frage gestellt und herausgefunden, dass ich keine befriedigende Antwort finde. Es ist ja nicht so, dass Jesus eine Wunschliste anfordert. Was willst du ist die Frage nach einem Wunsch. Ein Herzenswunsch könnte damit gemeint sein. Doch weiß ich überhaupt, was mein Herz wünscht? Bin ich imstande diesen Wunsch zu formulieren? Bartimäus hatte es da leichter, dachte ich beim ersten Nachdenken. Es war schließlich offensichtlich, was er sich wünschen sollte. Ich meine, er war blind. Er konnte nur hören, riechen, tasten. Da muss man sich doch das Sehen dazu wünschen… oder?
Doch ich merkte schnell, dass das nicht stimmt. Sehen zu können hat viele Vorteile, keine Frage. Und wer jetzt, zu Beginn des Frühjahrs, bewusst durch die Natur geht, erkennt, was für ein Geschenk es ist, sehen zu können. Doch sehen zu können hat auch Schattenseiten. Sehen erfordert nämlich immer eine Reaktion. Sehen erfordert, tätig zu werden. Ich kann nicht guten Gewissens weiter gehen, wenn ich jemandem in Not begegne. Ich kann nicht meine Augen verschließen vor Ungerechtigkeit und Unbarmherzigkeit. Ich muss reagieren, Verantwortung übernehmen.
Und die Blindheit hatte Bartimäus eigentlich ein erträgliches Einkommen verschafft. Das könnte zynisch klingen, entsprach aber der Realität. Er wurde wegen seiner Behinderung von der Gesellschaft versorgt. Die Leute sorgten für ihn, indem sie ihm Almosen zukommen ließen. Sehen zu können hieße, darauf zu verzichten und fortan selbst verantwortlich für den Lebenserhalt zu sein. Eine schwierige Entscheidung. Es ist nicht überliefert, wie lange Bartimäus schon blind war und ob er jemals die überbordende Schönheit der Erde sehen konnte. Gehen wir davon aus, dass er es nicht konnte. Vielleicht haben ihm Sehende erzählt, was es alles zu sehen gibt, wie schön und bunt die Welt ist und welcher Geruch zu welcher Form gehört. Vielleicht haben sie die Sehnsucht nach dem Sehen in ihm geweckt. „Was willst du, dass ich dir tun soll?“ fragt Jesus den blinden Mann. „Dass ich sehend werde“ lautet dessen Antwort.
Was für eine Bitte! Dass ich sehend werde.

Im Brief an die Gemeinde in Ephesus bekennt der Schreiber, dass er für die Gemeinde vor Gott im Gebet eintritt. Gleich am Anfang des Briefes schreibt er: „Ich denke in meinen Gebeten an euch und bete darum, dass der Gott unseres Herrn und Messias Jesus, der Vater, dem alle Ehre gehört, euch den Geist der Weisheit gibt, den Geist der Offenbarung, der dazu führt, dass ihr ihn erkennen könnt. Ich bete, dass die Augen eures Herzens erleuchtet werden, sodass ihr wissen könnt, worin die Hoffnung besteht, die in Gottes Ruf enthalten ist, und was der Reichtum seines wunderbaren Lichtglanzes beinhaltet, seines Erbes, das er denen schenkt, die zu ihm, dem heiligen Gott gehören.“
Entscheidend ist für mich die Bitte um erleuchtete Augen des Herzens. Erleuchtete Augen sind Augen, die sehen können. Die Epheser und auch wir sollen mit dem Herzen sehen. Damals galt das Herz als der Sitz des Verstandes. Mit dem Herzen entschied man, mit dem Herzen freute man sich und man litt auch mit dem Herzen. Dort liefen alle Reaktionen und Entscheidungen zusammen.
Erleuchtete Augen, ein Herz das sehen kann. Und was soll es sehen? Die Hoffnung zu der wir berufen sind. Die Hoffnung für unsere Welt, die Hoffnung für unsere Gemeinde, die Hoffnung für unsere Familien und nicht zuletzt auch die Hoffnung für uns selbst. Wir sind dazu berufen zu hoffen, die Hoffnung nicht aufzugeben. Auch wenn alles dagegen spricht, auch wenn die äußeren Umstände die Hoffnung zunichte zu machen drohen. Wir sollen, wir können hoffen, denn dazu sind wir berufen. Das ist keine Frage des Wollens, es IST so.
Bartimäus hatte eigentlich keinen Grund zu hoffen, dass sich seine Situation einmal ändern würde. Und ich bin mir sicher, dass er darüber auch nie nachdachte. Es war, wie es war. Der Status quo ist auch nicht das Schlechteste, schließlich ist er das, was Bartimäus immer schon kannte, in dem er sicher war. Als Jesus in sein Leben trat, muss sich etwas Grundlegendes verändert haben. Etwas, das ihn lehrte, zu hoffen, dass die Dinge sich ändern würden.

Wenn Jesus in das Leben von Menschen tritt verändert sich immer etwas. Und sei es der Wunsch aus dem Status quo auszubrechen, nicht mehr Andere für das eigene Leben verantwortlich zu machen. „Sei du selbst die Veränderung die du dir wünschst für diese Welt“ sagte einst Mahatma Gandhi. Übernimm Verantwortung, wage zu hoffen, sieh mit dem Herzen, denn das Herz lässt sich nicht vom Äußeren beeinflussen ist die Botschaft die dahinter steht. Das galt schon für die Gläubigen in Ephesus und es gilt auch uns.

Ich bete, dass Gott die Augen unserer Herzen erleuchtet, damit wir erkennen, zu welcher Hoffnung wir berufen sind und sehen lernen wie Bartimäus.

Anja Bär

Stille vor dir, mein Vater

Das neue Jahr hat uns fest im Griff – so ist mein Eindruck. Termine über Termine häufen sich. Hier eine Sitzung, dort eine Planungsgruppe, überall ist Bewegung. Und das im Jahr der Stille.
Ist das in Ordnung, können wir so etwas zulassen, übernehmen wir uns nicht? Wollten wir nicht eigentlich weniger Aktionismus, weniger Stress?
Im Ideenheft zum Jahr der Stille habe ich folgende Zeilen gefunden:

Stille ist etwas Gutes.
Aber wir kommen nur so selten dazu.
Arbeit und Stille gehören zusammen.
Aber oft regiert nur Stress und Hektik.

Das Jahr der Stille soll ein Jahr der Begegnung mit Gott werden, weniger Aktionismus, weniger Stress. Das heißt nicht, dass wir alles, was wir bisher taten, lassen. Es heißt auch nicht, dass das Alles keinen Wert hatte oder hat. Es heißt, dass wir uns genau überlegen wollen, ob die Dinge, die wir tun, der Begegnung mit Gott dienen.
Es gibt Arbeiten, die sind nicht ohne weiteres zu beenden. Es gibt Angelegenheiten, die kann man nur unter Schmerzen aufgeben. Und es gibt Aufgaben, die wir unbedingt weiterführen müssen, weil sie uns helfen, die Balance zwischen Arbeit und Stille zu finden und zu behalten.
Gottes Lebensrhythmus ist ein ganz anderer als der unsere. Das war nicht so gedacht, hat sich aber im Laufe der Zeit so entwickelt. Als Gott die Erde schuf, machte er eins nach dem anderen, nie den zweiten Schritt vor dem ersten, „und es ward Tag und Nacht, der nächste Tag“ ehe er weiter machte. Und schließlich ruhte er.
Gott, der Allmächtige betrachtete sein Werk und befand es für sehr gut. Und er ruhte.
Diesen Rhythmus hat Gott auch in uns angelegt, als er uns als Gegenüber schuf, als sein Ebenbild.
Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass uns dies abhanden gekommen ist. Wann finden wir die Muße auszuruhen? „Gut Ding will Weile haben“, so ein altes Sprichwort. Wann haben wir den Mut, die Dinge nacheinander anzupacken? Und wann sehen wir das Offensichtliche, das getan werden muss und tun es dann auch?
Wir wollen es im Jahr der Stille neu lernen, wollen diesen Lebensrhythmus Gottes wiederentdecken. Aktion und Stille im Wechsel, das ist der Rhythmus Gottes. Wie können wir Stille in unseren Alltag, der von Beruf, Schule, Familie und Gemeinde geprägt ist, integrieren? Wie kann eine ganze Gemeinde still sein (ohne dabei einzuschlafen)?
Genau das zu lernen, soll uns im „Jahr der Stille“ gelingen. Ja, es gibt immer noch (zu) viel zu tun. Wir haben immer noch eine Menge Aufgaben, so dass es auf den ersten Blick erscheint, als wäre Stille undenkbar. Doch es kommt darauf an, die Balance von Stille und Aktion zu erlernen.
Es ist meine große Hoffnung, dass sich Leben verändert, wenn wir uns auf diese Herausforderung einlassen – dass wir dadurch hören, welchen Auftrag Gott für unser Leben hat. Ich bete und hoffe, dass wir als Gemeinde neue Impulse und Stärkung für die Menschen um uns herum bekommen. So viele Menschen kennen Gott, kennen Jesus nicht. Sie wissen nichts von der unglaublichen Liebe Gottes zu ihnen. Sie haben keine Ahnung, dass Jesus sie aus allen Zwängen erlöst hat. Wir müssen es ihnen sagen, und zwar so, dass sie es verstehen, ja wirklich begreifen können.
Wie das gehen soll? Fragen wir Gott und hören darauf, was er uns zu sagen hat.

„Stille vor dir, mein Vater. Neue Stille vor dir suche ich, Herr.
Stille vor dir ist Gnade. Aus der Stille vor dir schöpfe ich Kraft.
Stille vor dir will schweigen, und ich öffne mein Herz nun für dein Wort.
Stille vor dir ist Frieden. Und ich staune, o Herr, reden wirst du.
Stille vor dir, ich höre. Rühre mich an durch dein Wort.“

Am Ende dieses Jahres wollen wir uns über unsere Erfahrungen mit der Stille und dem Gebet austauschen und sehen, welchen Auftrag Gott uns persönlich und für unsere Arbeit hier in Bremen-Lesum gegeben hat. Ich bin gespannt und freue mich darauf.

Anja Bär

Sei stille dem Herrn

„Sei stille dem Herrn und warte auf ihn“ Ps 37,7

Zeiten der Stille und Zurückgezogenheit, ja Wüstenzeiten, sind Zeiten der Veränderung, Zeiten der Vorbereitung für neue Wege.

Ich studierte einst Betriebswirtschaftslehre auf Lehramt – es scheint eine Ewigkeit her zu sein. Und ich beendete das Studium vorzeitig – auch das ist lange her. Doch ich erinnere mich noch genau, wie schwer es mir fiel, diese Entscheidung zu treffen. Ich wollte mir diese Niederlage nicht eingestehen. Zwar wusste ich längst, dass ich am falschen Platz war, dich wo der richtige war, davon hatte ich keine Ahnung. Es war eine Zeit der inneren und äußeren Unruhe und ich suchte und lenkte mich ab und suchte wieder und lenkte mich wieder ab. Und dann wurde mir klar, dass es nur einen Weg aus dieser Misere geben könne. Ich musste Gott suchen, musste mir Zeit nehmen, um auf IHN zu hören und eine Antwort auf meine Ratlosigkeit zu finden. Also nahm ich mir – nach Absprache mit meiner Familie – eine Auszeit aus meinem Alltag, von meiner Familie, meinen Freunden und dem Studium sowieso.

Ich wurde still, fastete, las in der Bibel und befragte Gott. Es dauerte lange, bis ich zur Ruhe kam. Es dauerte lange, bis ich wirklich still wurde. Ein bisschen kam ich mir vor wie Elia, der weder im Orkan, noch im Erdbeben uns auch nicht im Feuersturm Gott fand. Erst als es still wurde, als ein sanftes Säuseln kam begegnete Elia Gott. Erst als es äußerlich und innerlich ganz still wurde, konnte ich Gott begegnen und ihn hören. Mir wurde deutlich, dass ich dieses Studium abbrechen kann, darf und muss, weil ich eine andere Aufgabe habe. Zu diesem Zeitpunkt war ich 29 Jahre alt, hatte bereits zwei Kinder und das Gefühl, verantwortungslos zu handeln, wenn ich nun nochmal was anderes mache, statt endlich finanziell zum Haushalt beizutragen. Aber es war eindeutig. Gott hatte mir gesagt: Hör auf mit den Dingen, zu denen du nicht berufen bist! Also hörte ich auf. Ein gutes Jahr später begann ich Theologie zu studieren, mit Gottes Segen und der Gewissheit, dass dies meine Berufung ist.

Wir suchen nach der Berufung unserer Gemeinde hier in Bremen-Lesum. Wir wissen, dass Gott uns einen Auftrag gegeben hat, dass wir als seine Gemeinde für die Menschen hier relevant sein sollen. Es gibt eine Menge Idee, viel Kreativität und ich habe nicht vor, diese zu bremsen oder zu unterbinden. Im Gegenteil, ich wünsche mir sehr, dass wir sie in die richtigen Bahnen lenken, dorthin, wo Gott uns haben will. Und dass wir dann mit allem uns zu Verfügung stehenden Ideenreichtum am Reich Gottes bauen.

Bevor wir loslegen können, müssen wir jedoch einen Weg finden. Wir haben festgestellt, dass das Gebet eine ausgesprochen wichtige Grundlage ist, um unseren Auftrag zu erkennen. Gebet, das nach unserer Berufung, unserer Aufgabe fragt, das die Menschen in Bremen, denen Gott begegnen will, einschließt; Gebet, dass die Beziehung zu Gott, zu Jesus, unserem Herrn, vertieft; Gebet als Teil von Stille nach hebräischer Denkart: Ein Lebensstil, in dem der Einzelne eine innere ganzheitliche Entfaltung erfährt: gegenüber Gott, sich selbst und auch dem Nächsten. In der Stille wächst die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, Hilfe anzunehmen und auf die eigenen Möglichkeiten und Grenzen zu achten, um den Aufgaben und Herausforderungen im Alltag entsprechen zu können.

Das Jahr 2010 soll ein Jahr der Stille werden, ein Jahr, in dem wir uns von Gott neu inspirieren lassen, seinen Weg für uns suchen und auch finden wollen.

Es kann sein, dass wir eine Weile warten müssen, bis wir eine Antwort bekommen. Doch Gott wird antworten, er wird uns unseren Auftrag verdeutlichen. In Psam 37,7, betet der Psalmist: Sei stille dem Herrn und warte auf ihn.

Ich wünsche mir für das Jahr 2010, dass wir uns darauf einlassen, Gott in der Stille zu suchen, auf ihn zu warten und ihm zu begegnen. Ich wünsche mit und bete darum, dass wir uns in der Ruhe von ihm aufrichten lassen und im Gebet seinen Auftrag für uns hören.

In diesem Sinne wünsche ich allen eine gesegnete, besinnliche Adventszeit und einen ebensolchen Start ins neue Jahr.

Anja Bär

Blick zurück mit Danken

Christen sollen nach vorn orientiert sein und nicht zurückschauen und trotzdem – danken lohnt sich immer. Zuallererst danken wir unserem Gott, der uns durch die predigerlose Zeit begleitet hat, der uns Mut machte und uns mit Seinem Geist geleitet hat.
Zu danken haben wir auch allen, die sich eingesetzt haben, so dass die Gemeindearbeit munter weitergeführt werden konnte.
Es war, als ob ein Ruck durch die Gemeinde ging, der unsere Kräfte gebündelt und uns mobilisiert hat. An 7 Punkten will ich aufzeigen, was wir in den 20 Monaten erlebt haben.

1. Tun, was notwendig ist – F. v Assisi sagt: Beginne mit dem, was notwendig ist, dann tue dein Möglichstes und plötzlich wirst du das Unmögliche vollbringen. Wir haben viele Talente entdeckt bei uns selbst und auch bei anderen. Wer sich einsetzen ließ, konnte sich voll entfalten. Und Gott schenkte das Gelingen.

2. Erfüllung finden – Was inspiriert uns und gibt unserem Leben einen Sinn? Ich glaube, dass uns die Wurzeln im Glauben gehalten haben. Wir finden Erfüllung, wenn wir uns an Jesus Christus orientieren und aus der tiefen Verwurzelung im Glauben unsere Kräfte schöpfen.

3. Veränderungen erträumen – Um Großes zustande zu bringen, müssen wir nicht nur arbeiten sondern auch träumen; nicht nur handeln, sondern auch glauben. Wir haben in unseren Gebeten vor Gott unsere Wünsche und Träume zur Sprache gebracht und haben bei IHM Verständnis gefunden.
Danke für die Pastorenfamilie Bär.

4. Sensibilität für andere – Diese Tugend ist gewachsen in den vergangenen Monaten. Wir merkten: Jetzt sind wir gefragt.
Wenn wir uns nicht kümmern, verkümmern wir. Helft und ermutigt euch gegenseitig und zieht alle an einem Strang – so drückt Paulus es im Epheserbrief 2 aus.

5. Den Sinn erkennen – Beim Bau eines Domes wurden drei Steinmetze nach ihrer Arbeit gefragt. Der erste antwortete:
„Ich behaue Steine.“ Der zweite sagte: „Ich verdiene meinen Lebensunterhalt.“ Der dritte sprach: „Ich baue am Dom.“ Es kommt darauf an, den Blick für das Ganze zu weiten. Wenn wir nur auf das schauen, was wir tun oder was andere tun, sind wir arm dran. Wir sind Teil des Ganzen. Wir können nicht alles machen. Aber wir können auf das schauen, was Gott tut, dann kommen wir zu einer vertrauensvollen Gelassenheit.

6. Einschätzen ohne sich zu überschätzen – Als Jesus seine Jünger paarweise ausgesandt hatte (s. Markus 6) erwartete er sie zu einer Abschlussbesprechung. Jeder konnte berichten, was ihm wichtig war und was nicht gelungen war. Wir können auch nicht behaupten, dass uns alles gelungen wäre. Und dass uns nichts gefehlt hätte. Jeder hat, so gut er konnte, angepackt.
Das hatten die Jünger auch. Aber das Reden darüber half ihnen, es zu verarbeiten. Das haben wir am Sonntag im Gottesdienst auch getan und es hat uns gut getan.

7. Kunst des Ausruhens – Im Anschluss an die Dienstbesprechung verordnet Jesus seinen Jüngern eine Ruhepause. Jesus wusste: Oasenzeiten sind nötig für die Gesundheit und das Arbeitsklima. Der Plan war gut, aber leider nicht durch zu führen, denn es standen 5000 Menschen am geplanten Ruheort
und wollten das Evangelium hören. Jesus und die Jünger sehen sich vor neue Aufgaben gestellt und packen sie an samt Versorgung von allen mit Brot und Fisch.
So kann es uns auch gehen.

Christa Hoefs

Atempause

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele.
Psalm 23,1-3

„Der Herr gibt mir für meine Arbeit das Tempo an.
Ich brauche nicht zu hetzen.
Er gibt mir immer wieder einen Augenblick der Stille,
eine Atempause, in der ich zu mir komme.
Er stellt mir Bilder vor die Seele,
die mich sammeln und mir Gelassenheit geben.
Oft lässt er mir mühelos irgendetwas gelingen und es
überrascht mich selbst, wie zuversichtlich ich sein kann.
Ich merke: Wenn man sich diesem Herrn anvertraut,
bleibt das Herz ruhig.
Obwohl ich viel zu viel Arbeit habe,
brauche ich doch den Frieden nicht zu verlieren.
Er ist in jeder Stunde da und in allen Dingen.
Und so verliert alles andere sein bedrohliches Gesicht.
Oft – mitten im Gedränge – gibt er mir ein Erlebnis,
das mir Mut macht.
Das ist, als ob mir einer eine Erfrischung reichte,
und dann ist der Friede da und eine tiefe Geborgenheit.
Ich spüre wie meine Kraft dabei wächst,
wie ich ausgeglichen werde und mir mein Tagwerk gelingt.
Darüber hinaus ist es einfach schön zu wissen,
dass ich meinem Herrn auf der Spur bin, und dass ich,
jetzt und immer, bei ihm zu Hause bin.“ (Toki Miyaschina)

Nach der predigerlosen Zeit wünschen wir uns als Gemeinde eine Atempause. Das ist selbstverständlich. Wir haben getan, was notwendig war und haben es gern getan. Wir haben uns von ganzem Herzen einen neuen Seelsorger gewünscht und fühlen uns jetzt reich beschenkt.

Darum wünsche ich uns allen Atempausen, wo sie notwendig sind. Ich wünsche sie aber auch und vor allen Dingen für unsere Pastorin Anja Bär. Gönnt ihr eine Zeit des Einlebens, damit sie in Ruhe ihren Weg finden kann. Ihr und uns allen gilt:
Nimm dir Zeit zum Arbeiten, es ist das Geheimnis deines Erfolges.
Nimm dir Zeit zum Erholen, es ist die Quelle deiner Kraft. Nimm dir Zeit, herauszufinden, wann das eine oder das andere dran ist.

Christa Hoefs

Geistliches Wort

„Geh aus mein Herz und suche Freud“
schrieb Paul Gerhardt nach verheerender Kriegszeit und persönlichen Schicksalsschlagen, nach dem Verlust eines Kindes.
Bei der Betrachtung der erwachenden Natur fand er Freude und Trost, auch zu Lobpreis und Anbetung wie in Vers 6:

Ich selber kann und mag nicht ruhn,
des großen Gottes großes Tun
erweckt mir alle Sinnen;
Ich singe mit, wenn alles singt
und lasse, was dem Höchsten klingt
aus meinem Herzen rinnen.

Viele Menschen richteten in schwerer Bedrängnis ihren Blick auf Gott und sangen Ihm zu Ehren, wobei sie Trost, Hilfe und Geborgenheit in Gott erfuhren. So König David, wenn er zur Harfe griff und in Psalmen ausdrückte, was ihn bewegte, und am Ende zu Lobgesang fand. Auch Paulus und Silas vertrauten im Gefäng­nis auf Gott, sangen Ihm zu Ehren und erhielten Hilfe. Franz von Assisi schrieb seinen Sonnengesang im Klostergarten von San Damiano, nachdem schwere Krankheit ihn niedergeworfen hatte. Die schwarzen Sklaven Amerikas sangen sich in ihren Gospels Kummer und Leid von der Seele, richteten sich auf an den Verheißungen der Bibel auf das ewige Leben und stimmten Lobgesänge an.

Mögen auch wir in schwierigen Lebenslagen die göttliche Heilkraft in Musik und Natur erleben und mit Paul Gerhardt singen, Vers 10:
Mach in mir deinem Geiste Raum,
dass ich dir werd ein guter Baum,
und lass mich Wurzel treiben.
Verleihe, dass zu deinem Ruhm
ich deines Gartens schöne Blum
und Pflanze möge bleiben.

Lisel Onken

Wer nun mich bekennt…

vor den Menschen, den will auch ich bekennen vor meinem
himmlischen Vater
(Mt. 10,32)

Meine Cousine Wally wurde 74 Jahre alt. Mitte August haben
wir sie in Lüneburg zu Grabe getragen. Viele Menschen aus
der Baptistengemeinde nahmen Abschied von ihr, auch ich.
Nicht ganz vier Jahre habe ich für eine Übergangszeit bei ihr
und ihrer Familie gewohnt; ihr habe ich es zu verdanken,
dass sie mich dem Wort Gottes wieder näher brachte und dass
ich in der Gemeinde eine neue, geistliche Heimat fand.

Eines hat mich immer stark beeindruckt: Das Bekenntnis
ihres Glaubens. Sie kannte sich in der Bibel sehr gut aus.
Und selbst, als sie mit ihren Tumoren im Krankenhaus lag,
hat sie ihren Bettnachbarinnen von ihrem Vertrauen zu Jesus
erzählt. Ob dadurch die anderen kranken Frauen zum Glauben
fanden? Ich weiß es nicht, und es ist auch unwichtig, denn
Gott führt keine Strichlisten in dieser Hinsicht! Dieser
„rote Bekenntnisfaden“ hat sich durch Wallys Leben gezogen.
Damit steht sie für mich bei all ihrer menschlichen
Unvollkommenheit in der „Wolke von Zeugen“ (Hebr. 12,1) wie
der Bruder, von dem mir die Stationsschwester sagte: „Das
Zimmer ist leicht zu finden. Er singt wieder christliche
Lieder.“ In der Tat, der weit über Achtzigjährige erfreute
(oder auch nicht) seine Umgebung mit Liedern aus dem
„Evangeliumssänger“, und zwar auswendig. Dass er seiner
Glaubensgewissheit für alle hörbar Ausdruck gab, das habe
ich bis zum heutigen Tage nicht vergessen.

Sollen wir das auch so tun? Müssen wir das? Nein, Gott hat
jeden individuell geschaffen, jedem verschiedene Gaben gege-
ben. Und darum wird der eine durch sein stilles Tun ebenso
Zeugnis sein wie der, der fundiert und redegewandt in
Glaubensdiskussionen Gottes Mann oder Frau steht.

Allen glaubenden Menschen gemeinsam ist das Bekenntnis,
dass ihr Leben unverrückbar in Gottes Hand steht, so wie es
diese Verse sagen:

1) Mein Leben ist ein Wind,
bewegt von Deiner Hand
weht durch die Zeit und auf Dein Wort
hin in die Ewigkeit.
Schenke meinem Willen
einen Ort im Stillen,
breite Deine Arme aus
und halte mich.

2) Mein Leben ist ein Feld,
bestellt durch Deine Hand,
hast ausgesät Dein gutes Wort,
dass es in mir gedeiht.
Schick‘ in schweren Tagen
Engel, die mich tragen,
breite Deine Flügel aus
und schütze mich.

3) Mein Leben ist ein Baum,
gepflanzt durch Deine Hand,
die Wurzel ist Dein heilges Wort,
hält fest auf Deinem Land.
Herr, ich will Dich loben,
wenn auch Stürme toben,
strecke Deine Hände aus
und segne mich.

E. C.

Was bedeutet mir Aschermittwoch

Nein, für mich als Norddeutsche gibt es keine Karnevalstradition, und das bunte Treiben im Fernsehen ist keine Verlockung! Ich kenne einen ganz lieben Freund, der wenigstens am Rosenmontag in Köln sein muss, um mit Freunden und Familie die Tradition zu genießen – ich gönne es ihm von Herzen.
Für mich ist Aschermittwoch der Tag, an dem ich abends an einem Bußgottesdienst in St. Birgitta teilnehme – ein Gottesdienst des Nachdenkens über eigene Schuld und Gottes Vergebung. Mit dem Aschenkreuz auf die Stirn gezeichnet (ein Erkennungszeichen der frühen Christen) trifft sich danach eine Gruppe Interessierter, um gemeinsam die „Exerzitien“ zu beginnen. Das ist eine 4-wöchige Zeitspanne, in der wir uns vornehmen, jeden Morgen 30 Minuten und abends 15 Minuten in die Stille zu gehen. Hilfreiche Rituale dabei sind, dass wir immer den gleichen Platz aufsuchen und die Exerzitien mit dem Anzünden einer Kerze beginnen (für die Gegenwart Jesu). Wir bekommen eine wunderschöne Exerzitien-Mappe mit vielen Gebeten, Bildern und Texten, die uns helfen, uns auf die Botschaft Jesu einzulassen, Texte und Bilder auf uns wirken zu lassen, die eigenen Gedanken wahrzunehmen und vor Gott da zu sein und mit ihm ins Gespräch zu kommen. Als Kleingruppen treffen wir uns dann einmal wöchentlich, um zu berichten, wie es uns damit geht. Am Ende der 4 Wochen treffen wir uns alle noch einmal zu einem Agape Mahl. Es ist eine wundervolle Vorbereitung auf Ostern – wir gehen alle beschenkt daraus hervor.
Mit dem Aschermittwoch beginnt gleichzeitig die Zeit des Fastens bis Ostern. Mein Entschluss ist, bis Ostern keine Schokolade und keine Süßigkeiten zu essen. Zum Glück gibt es da die Tradition „Sonntags kein Fasten“ (der Grund ist, dass es von Aschermittwoch bis Ostersonntag 46 Tage sind, die Fastenzeit aber 40 Tage dauert) – doch das kann jeder selbst entscheiden.

Annegret Meyer

Jahresrückblick

Gott spricht: Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr es denn nicht?
Einiges haben wir ganz klar gesehen, wir hatten im vergangenen Jahr mit Alphakursen begonnen, haben nun bereits den zweiten hinter uns. Wir hatten einen Taufgottesdienst und die Gründung eines Alphahauskreises, der von Gemeindeinteressierten und Gemeindefremden gern besucht wird. Wir hoffen durch den nächsten Alphakurs auf die Gründung weiterer Hauskreise, um die Verbundenheit untereinander und den Austausch über Gottes Wort im eigenen Leben mehr zu fördern.
Im Oktober hatten wir das 40. Frauenfrühstück in unseren Gemeinderäumen, mit über 100, meist gemeindefremden, Frauen – immer noch kein Auslaufmodell. Die Männergruppe machte einen mehrtägigen Ausflug nach Berlin und übte so Gemeinschaft untereinander – und so gab es viele Ereignisse, wo wir Gottes Umgang mit uns sahen.
An anderen Stellen sehen wir es noch nicht klar, wir sind seit dem 1.12.07 pastorenlos und hoffen, dass wir bald sehen, was jetzt schon aufwächst. Denn: Gott lässt es wachsen.

Jahreslosung 2008:

Christus spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben.

VATER UNSER

UNSER VATER – Gott lässt mit sich reden

Herr, lehre uns beten!
Mit dieser Bitte kommen die Jünger zu Jesus. Es geht ihnen nicht nur um die Frage, wie sie ihr Gebet formulieren sollen, sondern – viel tiefer – darum, wie Menschen überhaupt mit Gott in Verbindung treten können.
Die Antwort Jesu ist das „Vaterunser“, das zum Gebet seiner Jünger und zum Gebet der Christen bis zum heutigen Tag geworden ist. Es ist im Neuen Testament in zwei Fassungen überliefert – einer ausführlicheren, die im Zentrum der Bergpredigt steht (Matthäus 6,9-13) und einer kürzeren, die sich im Lukasevangelium findet (Lukas 11,2-4). Schon früh haben die Christen dieses Gebet um einen abschließenden Lobpreis erweitert. Er findet sich bereits in einer Gemeindeordnung vom Anfang des 2. Jahrhunderts („Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.“)

Acht Predigten in den Monaten April bis August gehen meditativ dem Vaterunser entlang und bieten Hilfe für die eigene Praxis des Gebets.

Der Künstler Andreas Felger hat das Vaterunser in 14 abstrakten Bildern umgesetzt. Seine Aquarelle illustrieren die Predigtreihe. – Das Buch mit den Bildern ist über den Büchertisch zu beziehen: Andreas Felger, Joachim Wanke: Gottesnähe – Vater Unser. Aquarelle von Andreas Felger und Betrachtungen von Bischof Joachim Wanke zum Vaterunser.