Das Jahr ist vorbei, ein neues beginnt

Das Jahr ist vorbei, ein neues beginnt – diese Worte sind der Anfang des Liedes „Das neue Jahr“ der Gruppe Sharona.

Das Lied lädt zu einer Rückbesinnung ein. Was war gut und was ist vielleicht nicht so gelungen im zurückliegenden Jahr? Welche Fragen haben eine Antwort gefunden und was musste offen bleiben? Nehme ich Lasten mit ins neue Jahr, die ich vielleicht auch zurücklassen könnte?

Eigentlich ist der Jahreswechsel ein ganz normaler Tag, ein Tag wie jeder andere. Und doch feiern wir heute, dass etwas zu Ende geht und etwas Neues beginnt.

Es ist gut so, denn wir Menschen brauchen immer wieder (Zeit)Punkte um innezuhalten, nachzudenken, Rückschau zu halten, zu reflektieren und Schlussfolgerungen zu ziehen. Dieses Zurückblicken dient nicht dazu, im Vergangenen zu verharren und hinter uns Liegendes festzuhalten. Im Gegenteil, wer auf sinnvolle Weise zurückblickt, versetzt sich in die Lage, die Gegenwart zu verstehen, zu akzeptieren und zu gestalten und damit Einfluss auf die Zukunft zu nehmen.

Sicher könnte man sagen: Die Zukunft kommt ohnehin, auch ohne mein Zutun. Denn in dem Moment, in dem ich diese Sätze geschrieben habe, sind sie schon Vergangenheit, ist die Gegenwart schon vorbei und die Zukunft zur Gegenwart geworden.

Doch was ich meine ist der größere Zusammenhang. Im Bewusstsein der Gegenwart die Vergangenheit zu beleuchten um für die Zukunft Entscheidungen zu treffen ist ausgesprochen sinnvoll. Dabei geht es nicht um größtmögliche Absicherung, um Netz und doppelten Boden. Es geht um Achtsamkeit, um bewusstes Wahrnehmen dessen, was ist und war. Vielleicht gelingt es mir dann in der Zukunft besser oder eben achtsamer Gegenwart zu gestalten.

Zurückzublicken bedeutet auch, Gottes Spuren in meinem Leben wahrzunehmen. Es gibt Zeiten, in denen das Wirken Gottes zu fehlen scheint, in denen der glaubende Mensch fragt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Psalm 22) Dann ist es vielleicht hilfreich, einmal in die Vergangenheit zu schauen und festzustellen, dass Gott mich nicht nur nicht verlassen hat, sondern die ganze Zeit trug. Rückschau kann also helfen, das Geschehene neu einzuordnen, zu klären.

Wir werden zum Jahreswechsel aber nicht nur ermutigt nach hinten zu sehen, sondern auch nach vorn, wohl wissend, dass alles nur Mutmaßungen und Ahnungen sind. Dennoch: Es ist eine Art des achtsamen Umgangs mit mir und meiner Umwelt, sich bewusst zu machen, dass die Zeit weiter läuft. Es kommen andere Zeiten, andere Begegnungen, andere Fragen, andere Antworten. Und doch bleibt es unser Leben, das wir gestalten dürfen und sollen: achtsam, bewusst.

In all dem Fragen, Erwarten, Hoffen, Befürchten – in all dem was unser Leben ausmacht, lässt sich Gott finden. Er will auch gefunden werden.

  • Gott sehnt sich danach, unsere Vergangenheit anvertraut zu bekommen, so, dass wir sie nicht mehr festhalten und in ihr versinken müssen.
  • Gott sehnt sich danach, gestaltender Teil unserer Gegenwart zu sein; nicht so, dass wir die Hände in den Schoß legen und der Dinge harren die da kommen, sondern aktiv, im Bewusstsein, dass ER mitgeht.
  • Gott sehnt sich danach, dass wir ihn als die Zukunft unseres Seins erkennen. Es geht um alles, es geht um unser Leben, um das ewige Leben, wenn es um Gott geht.

Die Zeit vergeht, sie läuft und läuft. Das ist unabänderlich und zugleich unendlich tröstlich – vor allem wenn ich weiß, dass in diesem Fluss der Zeit Gott die Konstante ist, dem mein Leben unendlich wichtig und wertvoll ist.

Wenn wir zurückblicken, dann wollen wir das versöhnlich tun, gnädig und liebevoll mit uns selbst und den Menschen um uns herum. Wenn wir nach vorn blicken, dann in dem Bewusstsein, dass Gott alle Tage unseres Lebens und darüber hinaus mit uns geht – unabhängig von den äußeren Umständen.

Zeit vergeht so schnell und kommt nie mehr zurück.
Doch Jesus du mein Herr gehst mit mir Stück für Stück.
Du hältst mein Leben fest.
Du hilfst mir dich ganz neu zu sehn.
Du gibst dem Jahr den Sinn.
Mit dir nach vorne gehn,
ich weiß du zeigst mir neues Land,
du schenkst mir wahres Glück. (Sharona, Das neue Jahr)

Gott nahe zu sein ist mein Glück – das war die Jahreslosung 2014, dem Psalm 73 entnommen. Gott nahe zu sein, meine Wege mit ihm zu gehen, in seinem Verständnis mein Leben zu gestalten, die glücklichen und die notvollen Momente im Leben mit ihm zu teilen, die eigene Unzulänglichkeit zu erkennen und darüber nicht zu verzweifeln, sondern ja zu sagen und mich verändern zu lassen – Schritt für Schritt in der Nähe Gottes. Ja, das IST Glück.

In diesem Sinne blicke ich gern zurück und freue mich auf das vor mir Liegende.

Anja Bär