Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen! (Mk 16,15)

Mission, Evangelisation, Bierkisten, Marktplätze, Fremdschämen, nicht schon wieder die…
Gehen Dir solche und ähnliche Wörter und Reaktionen durch den Kopf, wenn Du diesen Vers liest? Denkst Du sofort an missionarische Aktionen um der Aktion und der Bekehrung vieler willen? Fragst Du Dich, was Jesus wohl meinte mit dieser Aussage und wie dieses „Hinausgehen in die ganze Welt“ aussehen soll? Und soll das Evangelium wirklich allen Geschöpfen gelten und gesagt werden? Und was ist das Evangelium überhaupt?
Ob Du es glaubst oder nicht, das Evangelium ist die Botschaft von der unbedingten Liebe Gottes. Gott liebt ohne Bedingungen, das ist damit gemeint. Du musst nichts leisten, Dir die Liebe nicht verdienen (abgesehen davon, dass echte Liebe niemals zu verdienen ist), Gott liebt Dich. Das ist der erste Teil der Botschaft.
Gott liebt aber nicht nur Dich, er liebt auch Deinen Chef, Deine Nachbarin, die Frau an der Kasse, deren Augen schon lange nicht mehr lächeln, den Krankenpfleger, der vor lauter Erschöpfung nicht mehr klar denken kann, den Politiker, dem sein Karrierestreben wichtiger als Moral und Anstand waren oder sind, den Menschen, der andere schädigt, ihnen schadet, der Undenkbares tut. Gott liebt den Menschen, den zutiefst imperfekten Menschen. Gott liebt den Sünder, ER liebt Dich und mich ohne Bedingungen. Das ist das Evangelium.
Nicht das wir uns falsch verstehen, Sünde kann Gott nicht ab. Sünde widerstrebt ihm, ja, die Bibel spricht sogar von Gottes Hass in Bezug auf die Sünde. Doch nicht in Bezug auf den Sünder, auf den Menschen, der täglich schuldig wird an allem möglichen und unmöglichen. Das ist das Evangelium: Gott liebt Dich! Und Gott liebt diese Welt und alles was auf und in ihr lebt.
Diese Liebe hat Konsequenzen, denn wir sollen sie in die Welt tragen. Wir sollen allen davon erzählen und diese Liebe leben. Wenn es Deiner Art entspricht, das Evangelium, die Liebe Gottes, mit Worten in die Welt zu tragen, nur zu.
Doch nachhaltiger und glaubwürdiger sind Taten. Immer schon haben die Menschen auf das Tun Gottes reagiert. Sehen wir uns den Erfolg an, den Jesus hatte, dann stoßen wir immer wieder auf sein Tun, auf das, was die Menschen dazu brachte, ihm zuzuhören. Ein Wunderheiler ist unterwegs, einer, der von einer besseren Welt redet, der von Gott redet, als würde er ihn wirklich kennen. Einer, der nicht nur redet, sondern auch tut.
Denken wir an die Speisung der Fünftausend. Ja, ein riesiges Wunder war das, keine Frage. Doch war es nicht zuerst Ausdruck größtmöglicher Zuwendung? Die Menschen hatten Hunger. Sie waren Jesus gefolgt, hatten ihm zugehört und nun waren sie erschöpft und hungrig. Jesus nimmt das wahr und sorgt für leibliche Speise. Es reicht nicht, den Menschen geistliche Nahrung zu geben. Ja, der Mensch lebt nicht vom Brot allein, das hat Jesus auch gesagt. Aber ohne Brot stirbt der Mensch.
Täglich sterben unvorstellbar viele Menschen weltweit an Hunger und den Folgen von Hunger. Ihnen das Evangelium nur zu sagen und nicht zu leben, wäre zynisch und mit Sicherheit nicht im Sinne Jesu. Doch wir brauchen gar nicht so weit zu schauen. Denn Hunger gibt es auch bei uns, in unserem reichen Land. Vielleicht geht es dabei weniger um den Hunger nach Brot, nach Grundnahrungsmitteln. Dennoch sind viele Menschen unterernährt an Zuwendung und Annahme beispielsweise. Und kämen wir miteinander ins Gespräch, würden uns noch viel mehr Unterernährungssymptome auffallen.
„Ich kann doch nicht die ganze Welt retten!“ denkst Du? Stimmt, musst Du auch nicht. Doch wenn wir losgeschickt werden, aller Welt das Evangelium zu verkünden und zwar in Wort UND Tat, dann ist zuerst meine kleine Welt um mich herum gemeint. Fang bei Dir an, in Deiner Welt, verkündige das Evangelium, indem Du anders reagierst, indem Du einen Moment innehältst, indem Du Initiativen unterstützt, die den Menschen dienen, indem Du wahrnimmst, was um Dich herum passiert. Gehe einen Moment vor die Haustür, atme durch, sieh Dich um, öffne Deine Ohren und Dein Herz und verkünde durch Dein Tun oder manchmal auch Lassen das Evangelium von der unbedingten Liebe Gottes.
Du musst und kannst die Welt nicht retten, aber Du kannst damit anfangen, sie zu verändern.
Anja Bär