Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. (2Kor 12,9)

Ich bin immer wieder überrascht, wie sehr mich Bibelworte an- und in meine Gegenwart hineinsprechen. Oft habe ich den Eindruck, dass sie extra für mich gesagt oder geschrieben sind, dass ich daraus etwas lernen kann, etwas das mein Leben verändert.
Wer mich kennt, der weiß, dass ich mich nicht gern schwach gebe. Lieber Stärke und Durchhaltevermögen zeigen als den Anschein von Schwäche zu erwecken, nach dem Motto: „Wer schwach ist, was kann der schon schaffen?“. Es ist vertrackt: Einerseits finde ich solch eine Haltung schlimm, andererseits lebe ich oft genug selbst nach diesem Motto.
Die Jahreslosung kommt mir da gerade recht: Jesus Christus spricht: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“. Im Laufe der Jahre habe ich zwar gelernt, dass ich nicht alles kann und auch nicht alles können muss. Und dass das gar nicht weh tut. Dass es nicht schlimm ist, nicht alles zu können, kein Zeichen von Minderwert, nicht für alle und alles Kraft zu haben, im Gegenteil. Schwäche zuzulassen, Begrenzungen anzuerkennen und dabei nicht alles in Frage zu stellen ist absolut in Ordnung. Das alles habe ich vor allem in meinem Kopf gelernt. Doch nun bin ich herausgefordert, es auch wirklich zu lernen, zu begreifen, dass diese Erkenntnisse keine hohlen Phrasen sind.
„Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“. Jesus sagt diese Worte dem Apostel Paulus, dem großen Missionar und Gemeindelehrer, dessen Briefe bis heute für Gemeindeleben und Gemeindebau so immens wichtig sind und der bekennt, dass ein Stachel in seinem Fleisch steckt, den er Gott bittet zu entfernen. Paulus ist nach eigenem Bekennen kein kraftvoller Mann voller Power und Energie. Alle Kraft und Energie zieht er aus seiner Beziehung zu Gott, der ihm sagt: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“.
Sich seiner Schwachheit bewusst zu sein, seine Kraft von dem zu holen, der sie uns zusagt, zeugt von wahrer Größe. Gott selbst ist es, der uns seine Kraft gibt. Gott, dessen Geliebte wir sind. Geliebte auch und gerade angesichts von Unvollkommenheit und Schwäche.
Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig, sagt Jesus. Was ist das für eine Kraft? Und was muss ich dafür tun, diese Kraft zu erhalten? Macht diese Kraft mich nicht möglicherweise zu einer Marionette, die nicht weiß, was sie will? Gottes Kraft ist eine Liebesgabe, sie ist Ermutigung und Trost, manchmal übermenschliches Vermögen und manchmal Durchhalten in schweren Tagen. Das bedeutet, meinen Stolz abzulegen und mir von Gott helfen, seine Kraft in mir wirken zu lassen. Und dennoch selbst zu denken und zu handeln nur eben immer mit dem Blick auf Gott, dessen Kraft mir Stärke gibt.
Das Bild mit den Früchte tragenden Ameisen gefällt mir sehr. Klar wissen wir, dass Ameisen das etwa Hundertfache ihres eigenen Körpergewichtes tragen können. Und das ist schon erstaunlich genug. Doch auf dem Bild werden Lasten gezeigt, die auch die stärksten Ameisen nicht transportieren könnten. Es ist dabei unerheblich, ob Ameisen es überhaupt versuchen würden, solche Lasten zu tragen. Vielmehr will das Bild uns deutlich machen: Wo meine Kraft an ihre Grenzen stößt, ist Gottes Kraft da, die für mich die Last trägt.
Immer wieder kommen wir in die Situation, in der Lasten zu schwer und Ereignisse zu drückend sind. Dann ist da Gott, der zu uns spricht und sagt: Meine Kraft ist in Deiner Schwachheit mächtig. Überlasse Dich mir, ich will und werde Dir helfen.
Ich wünsche allen eine gesegnete und kraftvolle Passionszeit, die uns wieder einmal deutlich macht, dass die Liebe Gottes keine Grenzen kennt.
Anja Bär