Wer nun mich bekennt…

vor den Menschen, den will auch ich bekennen vor meinem
himmlischen Vater
(Mt. 10,32)

Meine Cousine Wally wurde 74 Jahre alt. Mitte August haben
wir sie in Lüneburg zu Grabe getragen. Viele Menschen aus
der Baptistengemeinde nahmen Abschied von ihr, auch ich.
Nicht ganz vier Jahre habe ich für eine Übergangszeit bei ihr
und ihrer Familie gewohnt; ihr habe ich es zu verdanken,
dass sie mich dem Wort Gottes wieder näher brachte und dass
ich in der Gemeinde eine neue, geistliche Heimat fand.

Eines hat mich immer stark beeindruckt: Das Bekenntnis
ihres Glaubens. Sie kannte sich in der Bibel sehr gut aus.
Und selbst, als sie mit ihren Tumoren im Krankenhaus lag,
hat sie ihren Bettnachbarinnen von ihrem Vertrauen zu Jesus
erzählt. Ob dadurch die anderen kranken Frauen zum Glauben
fanden? Ich weiß es nicht, und es ist auch unwichtig, denn
Gott führt keine Strichlisten in dieser Hinsicht! Dieser
„rote Bekenntnisfaden“ hat sich durch Wallys Leben gezogen.
Damit steht sie für mich bei all ihrer menschlichen
Unvollkommenheit in der „Wolke von Zeugen“ (Hebr. 12,1) wie
der Bruder, von dem mir die Stationsschwester sagte: „Das
Zimmer ist leicht zu finden. Er singt wieder christliche
Lieder.“ In der Tat, der weit über Achtzigjährige erfreute
(oder auch nicht) seine Umgebung mit Liedern aus dem
„Evangeliumssänger“, und zwar auswendig. Dass er seiner
Glaubensgewissheit für alle hörbar Ausdruck gab, das habe
ich bis zum heutigen Tage nicht vergessen.

Sollen wir das auch so tun? Müssen wir das? Nein, Gott hat
jeden individuell geschaffen, jedem verschiedene Gaben gege-
ben. Und darum wird der eine durch sein stilles Tun ebenso
Zeugnis sein wie der, der fundiert und redegewandt in
Glaubensdiskussionen Gottes Mann oder Frau steht.

Allen glaubenden Menschen gemeinsam ist das Bekenntnis,
dass ihr Leben unverrückbar in Gottes Hand steht, so wie es
diese Verse sagen:

1) Mein Leben ist ein Wind,
bewegt von Deiner Hand
weht durch die Zeit und auf Dein Wort
hin in die Ewigkeit.
Schenke meinem Willen
einen Ort im Stillen,
breite Deine Arme aus
und halte mich.

2) Mein Leben ist ein Feld,
bestellt durch Deine Hand,
hast ausgesät Dein gutes Wort,
dass es in mir gedeiht.
Schick‘ in schweren Tagen
Engel, die mich tragen,
breite Deine Flügel aus
und schütze mich.

3) Mein Leben ist ein Baum,
gepflanzt durch Deine Hand,
die Wurzel ist Dein heilges Wort,
hält fest auf Deinem Land.
Herr, ich will Dich loben,
wenn auch Stürme toben,
strecke Deine Hände aus
und segne mich.

E. C.