Erfahrungen in Äthiopien

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Liebe Gemeinde,

viele von Euch wissen, dass ich im Rahmen meines Studiums einige Monate in Äthiopien auf einem landwirtschaftlichen Missionsprojekt mitgearbeitet habe. Nun bin ich seit März wieder zurück in Deutschland und möchte Euch an meinen Erlebnissen dieses Praktikums teilhaben lassen.

Das Nonno-Projekt der Mission am Nil, einem schweizerischen Missionswerk, gibt es seit drei Jahren. Es umfasst ein Areal von 500 ha Land und hat zum Ziel, die Ernährung der dortigen Bevölkerung zu sichern, ihre Gesundheit zu verbessern und ihr Einkommen zu steigern. Dies alles in dem Wissen, dass Gott diese Menschen liebt und nur Er etwas verändern kann.

Das Nonno-Gebiet in Äthiopien liegt 250 km südwestlich der Hauptstadt Addis Abeba, doch um dorthin zu kommen braucht es eine Tagesreise. Schon die Fahrt in dieses sehr abgelegene und vernachlässigte Gebiet ist ein Abenteuer für sich. Viel gab es entlang der „Straße“ zu sehen; es ging über Stock und Stein, durch Gräben und Viehherden, das war spannender als Fernsehen! Je näher wir dem Projektgelände kamen, desto tiefer fühlte ich mich in Afrika. Endlich angekommen war ich begeistert von der wunderschönen Landschaft und ihrer Einsamkeit, aber auch von der Freundlichkeit der Menschen, die trotz ihrer großen Armut und der Beschwerlichkeit ihres Lebens viel Lebensfreude ausstrahlen. Umgeben von Bergen liegt der Compound auf 1800 m Höhe, ringsherum befinden sich Wald und Felder. Durch die Regenzeit, die einen Monat vorher geendet hatte, führten die Flüsse noch Wasser und die Blumen blühten. Dies sollte sich im Laufe der Zeit jedoch noch ändern…

Nun war ich also da, zusammen mit Angela, einer Deutschen die das Projekt leitet und einem einheimischen Mitarbeiter. In den nächsten Wochen hatten wir erst mal alle Hände voll zu tun, das Gelände bewohnbar zu machen, außerdem verbrachten wir einen Großteil des Tages damit, Dinge zu tun um überhaupt leben zu können. Das wichtigste davon war das Wasser holen. Seit zwei Jahren gibt es in dem Gebiet von der Mission installierte Pumpen, vorher musste die Bevölkerung das benötigte Wasser aus den dreckigen Flüssen holen, mit nicht zu verachtenden gesundheitlichen Folgen. Auch für uns hieß es dann jeden zweiten Tag Wasser pumpen, das wir in Fässer gefüllt mit Fahrzeugen transportieren konnten, anders als die einheimischen Frauen, die ihre Kanister auf dem Rücken tragen müssen. So können sie es sich auch nicht leisten, Gärten anzulegen und Pflanzen zu bewässern.

In den ersten Wochen meiner Zeit im Nonno war dort gerade Ernte: Teff, eine Hirseart die nur in Äthiopien wächst, Sorghum, Mais und nicht zu vergessen Berbere, eine Peperoni-Art, mit der fast alle Gerichte gewürzt werden. Dies geschah alles in mühsamer Handarbeit mit der Sichel, der Transport mit Eseln und das Dreschen mit Ochsen. Da haben die Bauern alle Hände voll zu tun!

Meine Aufgabe war es, den von den Bauern abzugebenden Anteil mit dem Traktor zu holen, später wurde alles gewogen, sortiert und verkauft. Zu meinen anderen Aufgaben und Afrika-Erfahrungen möchte ich später noch berichten. Zusammenfassend kann ich aber sagen, dass diese nicht nur für mich sehr speziell und neu waren, sondern auch für die Einheimischen, besonders die Kinder, für die es ein seltener Anblick ist, dass Weiße arbeiten und dann auch noch Frauen die mit dem Traktor durch die Gegend fahren oder mit Hunden an der Leine spazieren gehen!

Dorothee Schw.

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