Was bedeutet mir Aschermittwoch

Nein, für mich als Norddeutsche gibt es keine Karnevalstradition, und das bunte Treiben im Fernsehen ist keine Verlockung! Ich kenne einen ganz lieben Freund, der wenigstens am Rosenmontag in Köln sein muss, um mit Freunden und Familie die Tradition zu genießen – ich gönne es ihm von Herzen.
Für mich ist Aschermittwoch der Tag, an dem ich abends an einem Bußgottesdienst in St. Birgitta teilnehme – ein Gottesdienst des Nachdenkens über eigene Schuld und Gottes Vergebung. Mit dem Aschenkreuz auf die Stirn gezeichnet (ein Erkennungszeichen der frühen Christen) trifft sich danach eine Gruppe Interessierter, um gemeinsam die „Exerzitien“ zu beginnen. Das ist eine 4-wöchige Zeitspanne, in der wir uns vornehmen, jeden Morgen 30 Minuten und abends 15 Minuten in die Stille zu gehen. Hilfreiche Rituale dabei sind, dass wir immer den gleichen Platz aufsuchen und die Exerzitien mit dem Anzünden einer Kerze beginnen (für die Gegenwart Jesu). Wir bekommen eine wunderschöne Exerzitien-Mappe mit vielen Gebeten, Bildern und Texten, die uns helfen, uns auf die Botschaft Jesu einzulassen, Texte und Bilder auf uns wirken zu lassen, die eigenen Gedanken wahrzunehmen und vor Gott da zu sein und mit ihm ins Gespräch zu kommen. Als Kleingruppen treffen wir uns dann einmal wöchentlich, um zu berichten, wie es uns damit geht. Am Ende der 4 Wochen treffen wir uns alle noch einmal zu einem Agape Mahl. Es ist eine wundervolle Vorbereitung auf Ostern – wir gehen alle beschenkt daraus hervor.
Mit dem Aschermittwoch beginnt gleichzeitig die Zeit des Fastens bis Ostern. Mein Entschluss ist, bis Ostern keine Schokolade und keine Süßigkeiten zu essen. Zum Glück gibt es da die Tradition „Sonntags kein Fasten“ (der Grund ist, dass es von Aschermittwoch bis Ostersonntag 46 Tage sind, die Fastenzeit aber 40 Tage dauert) – doch das kann jeder selbst entscheiden.

Annegret Meyer